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Die Kolumne – Falsches Vorbild Deutschland

27. April 2012

Zur Präsidentschaftswahl werden die globalen Abgesänge auf Frankreichs Wirtschaft lauter – und die Empfehlungen, den Nachbarn im Osten zu kopieren. Was für ein Blödsinn.

Der Befund scheint klar. In Frankreich herrschen Müßiggang, Staatsglauben, Sozialansprüche, Verkrustungen und überhaupt. Natürlich: Wirtschaft kaputt. So tönen seit Wochen Wahlbeobachter, kommentieren wie gewohnt deutsche wie anglo-amerikanische Lehrmeister. Und der Rat ist klar: Der nächste Präsident müsste endlich mal machen, was, na ja, die Deutschen gemacht haben.

Klingt prima. Passt vor allem allerdings in plumpe Klischees. Und zur neuen deutschen Überheblichkeit. Dabei trifft bei näherer Betrachtung weder der Befund von der mentalitätsbedingten französischen Dauerschwäche zu. Noch zieht die wirre Empfehlung, jetzt mal schnell zu kopieren, was für die extrem exportabhängige und eigenwillig aufgestellte deutsche Wirtschaft seit relativ kurzer Zeit zu funktionieren scheint.

Reformen, ja – nur, welche?

Richtig ist, dass Frankreichs Export seit Jahren langsamer wächst als der deutsche – und dabei eine Menge Marktanteile verlor. Richtig ist auch, dass die Arbeitslosenquote in Frankreich höher ist als in Deutschland – und nur die deutsche seit der Rezession 2009 kräftig wieder gefallen ist.

Da liegt der Ruf nach Reformen nahe. Nur, welche? Anders als in Deutschland gibt es in Frankreich keine Tarifkartelle, hat es seit mehr als 20 Jahren auch keine Lohnexzesse gemessen am Produktivitätstrend gegeben – die Lohnstückkosten stiegen langsamer als die Inflation. Anders als bei uns gibt es in Frankreich umgekehrt auch seit den 90er-Jahren schon subventionierte Minijobs und Leiharbeitsverträge. Das kann man optimieren, viel mehr aber nicht.

Nach Rechnung der OECD werden in Frankreich weniger Steuern auf Unternehmensgewinne und Einkommen erhoben als in Deutschland. Im Schnitt wird pro Jahr mehr gearbeitet. Die Ausgaben für aktive Arbeitsmarktpolitik sind nicht höher als bei uns. Und die Quote der Langzeitarbeitslosen ist immer noch niedriger. Frankreichs Nettoschulden im Ausland liegen bei nur neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts, wie Unicredit-Chefökonom Erik Nielsen schreibt.

Wenn Frankreichs Unternehmen Marktanteile verloren haben, scheint das zu einem guten Stück daran zu liegen, dass sie weniger spezialisiert, qualitativ schwächer und damit anfälliger gegenüber Billiganbietern oder Währungshöhenflügen sind als die eingeübte deutsche Konkurrenz, die pünktlich zum Investitionsboom der Schwellenländer Investitionsgüter anzubieten hatte. Weshalb es Franzosen wie Italiener auch härter traf, als der Euro zwischen 2000 und 2008 um handelsgewichtet 40 Prozent aufwertete und europäische Produkte weltweit entsprechend teurer wurden. Kein Zufall: Der Absturz französischer Marktanteile folgte fast zeitgleich dem Euro-Höhenflug.

Jetzt wäre es natürlich toll, wenn Frankreich auch in x Industriebranchen hochspezialisierte, mittelständische Weltmarktführer hätte, die ihr Zeug für jeden Preis loswerden. Nur könnten wir dann erstens nicht auch überall Führer sein, was ja auch doof wäre. Zweitens lassen sich – zu unserer Beruhigung – solche Strukturen nicht einfach mal beschließen oder durch eine Agenda herbeizaubern; in Deutschland ging es ja eher darum, ohnehin schon klasse Exportstrukturen via ein bisschen mehr Flexibilität und Kostensenkung zu noch mehr Geld zu machen. Drittens ist fraglich, ob es Frankreich nicht sogar mehr kosten als nutzen würde, das deutsche Modell anzustreben.

Ein Teil des derzeitigen deutschen Erfolgs scheint auch eine Art Nachholen etlicher verlorener Wachstumsjahre. Was zählt, ist die Langzeitbilanz. Und die fällt erstaunlich aus. In Frankreichs Wirtschaft wird heute jährlich elf Prozent mehr investiert als im Aufschwung 2000 – in Deutschland sind es gerade mal 3,3 Prozent. Sprich: Bei uns haben die jüngsten Anstiege gerade gereicht, den Einsturz bis 2005 wettzumachen. Umgekehrt sind trotz aktueller Flaute in Frankreich heute 3,8 Millionen mehr Menschen beschäftigt als 1993 – ähnlich viele wie nach mehreren Boomjahren im viel größeren Deutschland. Zur Erinnerung: Zwischen 1997 und 2008 lag die Arbeitslosenquote in Frankreich niedriger als bei uns.

Alles in allem liegt Frankreichs Bruttoinlandsprodukt heute 38 Prozent höher als 1990 – das deutsche weniger als 30 Prozent. Da müssen die Deutschen noch ein paar Jahre weiterboomen, um den Rückstand endlich aufgeholt zu haben.

Das macht noch ein Stück zweifelhafter, ob es so erstrebenswert ist, uns zu kopieren. „Beide Länder funktionieren wirtschaftlich nach zwei völlig unterschiedlichen Mustern“, sagt die Pariser Ökonomin Véronique Riches-Flores. Während in Deutschland mittlerweile rund 50 Prozent der Wirtschaftsleistung in den Export gehen, sind es in Frankreich gerade 27 Prozent. Da braucht es schon rein arithmetisch weit mehr Exportdynamik, um damit die gesamte Wirtschaft zu tragen. Im Grunde sei Frankreichs Wirtschaft viel diversifizierter aufgestellt – nicht nur von Export und Industrie, sondern auch von Dienstleistern, Konsumenten, der Tourismus- oder der Immobilienbranche getragen, so Riches-Flores. Kein Wunder bei einer Bevölkerungszahl, die wächst. Und ein potenzieller Vorteil für die kommenden Jahre.

Franzosen im Konsumstreik

Wie schnell die hohe Exportabhängigkeit zur Tücke werden kann, haben in Deutschland die Abschwünge 2009 und 2011 gezeigt. Wenn die Nachfrage international kippt, rauscht selbst die vermeintlich so starke deutsche Wirtschaft atemberaubend Richtung Stagnation. Vergangenes Jahr ging es binnen Monaten von Rekordwachstum zur Schrumpfung. Frankreichs Wirtschaft wuchs dagegen im Winter.

All das heißt nicht, dass es nicht dringend wäre, Frankreichs Wirtschaft anzuschieben. Das tiefere Exportproblem scheint nur so schnell gar nicht lösbar. Und es ist bei einem verbleibenden Anteil der Industrie an der Wirtschaftsleistung von gut zehn Prozent auch nur bedingt nützlich. Das akute Dilemma liegt dagegen eher in den Nachwirkungen einer verteuerten Währung – und darin, dass die Franzosen vor lauter Krisenpanik in den Konsumstreik treten.

So etwas behebt man nicht, indem man jetzt Verzicht predigt und Rumtata-Reformen nach vermeintlichem deutschem Vorbild fordert, die Frankreich teils längst gemacht hat – und die die Krise nicht wirklich beheben.

Email: fricke.thomas@guj.de

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  1. knarfE
    3. Mai 2012 um 01:16 | #1

    Ne, ne, ne Herr Fricke

    jetzt drehen Sie sich schon wieder die Sachen so zurecht, wie es Ihnen in den Kram paßt, und hetzen
    wie üblich besinnungslos gegen dieses ominöse “Deutsche Wirtschaftsmodell”.
    Und dabei widerprechen sich auch noch in einer Tour. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll:

    Alors ….

    “Tarifkartelle” ist ja eigentlich die beste Beschreibung für den frz. Arbeitsmarkt

    ” die Lohnstückkosten stiegen langsamer als die Inflation”

    … Ach, und?

    “Anders als bei uns gibt es in Frankreich umgekehrt auch seit den 90er-Jahren schon subventionierte Minijobs und Leiharbeitsverträge”

    … Na schau an, nur scheint sich das hüben wie drüben völlig unterschiedlich auszuwirken …

    “Nach Rechnung der OECD werden in Frankreich weniger Steuern auf Unternehmensgewinne und Einkommen erhoben als in Deutschland”

    .. wers glaubt ….

    “Im Schnitt wird pro Jahr mehr gearbeitet”

    .. da sollten Sie bei den besagten OECD-Statistiken aber mal einen etwas genaueren Blick wagen,
    vorallem mit Bezug auf den Grad der Unterbeschäftigung, den Beschäftigungsstand, Anteil der Erwerbsbevölkerung etc.pp.
    … da offenbart sich ein Bild des Grauens

    ” Die Ausgaben für aktive Arbeitsmarktpolitik sind nicht höher als bei uns”

    … ja komisch ne, und was nutzt es …

    … außerdem glauben Sie wohl selbst nicht dass 28% Staatsbeschäftigte keine aktive Arbeitsmarktpolitik darstellen,
    was auch noch das BIP künstlich aufbläht und praktisch nix zur Produktivität beiträgt (aber dazu später mehr)
    … das kann man zwar ne Zeit lang machen und im Prinzip ging das ja bisher gut, nur spätestens Montag nächster Woche ist halt Sense…
    Hr. Fricke, jetzt sind Reformen angesagt! Also halt das Nötigste zuerst: Preisniveau um 20% runter, Löhne senken, Staatsquote halbieren

    “Und die Quote der Langzeitarbeitslosen ist immer noch niedriger”

    … wahrscheinlich eher nicht, aber da kann man ja beliebig dran rumtricksen (siehe oben: “Ausgaben für Arbeitsmarktpolitik”)

    “Frankreichs Nettoschulden im Ausland liegen bei nur neun Prozent”

    … das ist recht fraglich die NIIP Zahlen die ich kenne sprechen eher von knapp 25% mit klarer Tendentz nach oben
    (und die bilateralen Schulden zB gegenüber Dtl belaufen sich mitlerweile auf wieviel Mrd? (ca 450 priv.+inst.) …

    … außerdem : glauben Sie ernsthaft Aussagen der hochverschuldeten und tief mit dem noch höher verschuldten
    französischen Bankenektor verbändelten Unicredit

    “Wenn Frankreichs Unternehmen Marktanteile verloren haben, scheint das zu einem guten Stück daran zu liegen, dass sie weniger spezialisiert, qualitativ schwächer und damit anfälliger gegenüber Billiganbietern oder Währungshöhenflügen sind als die eingeübte deutsche Konkurrenz”

    … Hr Fricke, vorallem liegt das daran, dass sich unsere frz Freunde seit Jahren tapfer Höchstlöhne erstreiken
    (mittlerweile mit einem Lohnkostenniveau wie die Schweiz oder Norwegen obwohl das Land viel ärmer ist und glauben Sie es oder nicht kein Ölemirat ist) in kompletter Verkennung ihrer eigenen Wettbewerbssituation und der Tatsache dass seit fast 40 Jahren Massenarbeitslosigkeit und chronische Unterbeschäftigung herrscht …
    … hinzu kommt dass der Unternehmenssektor brutal überschuldet ist, stetig an internationaler Wettbewerbsfähigkeit einbüßt
    und in einem intransparenten Geflecht aus staatlichen Institutionen eingebettet ist

    … was übrigens auch auf die völlig geschönten Schuldenquoten durchschlagen wird, die da ständig nach Brüssel gemeldet werden.

    “weshalb es Franzosen wie Italiener auch härter traf, als der Euro zwischen 2000 und 2008 um handelsgewichtet 40 Prozent aufwertete”

    … Ach und in Deutschland nicht oder was? Hr. Fricke das sind doch billige Nebelkerzen die Sie hier zünden …

    ” in Deutschland ging es ja eher darum, ohnehin schon klasse Exportstrukturen via ein bisschen mehr Flexibilität und Kostensenkung zu noch mehr Geld zu machen”

    …das ist natürlich Quatsch, da die deutschen Wettbewerer bei Einführung des Euros massiv an Marktanteilen verloren haben…

    “Ein Teil des derzeitigen deutschen Erfolgs scheint auch eine Art Nachholen etlicher verlorener Wachstumsjahre”

    … da haben Sie tatsächlich irgendwo recht, aber woran liegts?
    (Hr Fricke hier einfach mal stringent weiterdenken, kleiner Hinweis meinerseits -> Euro nix gut für Deutschland!!!! Und mitlerweile auch nix gut für Frankreich Italien etc !!)

    “Was zählt, ist die Langzeitbilanz”

    … Hr Fricke, die Langzeitbilanz spricht gerade NICHT für Frankreich, da:
    Ihre gerne bemühten Zahlen durch ein deutliches Bevölkerungswachstum überlagert sind,
    Die BRD die Wiedervereinigung zu verkraften hatte und das Schurkenstück Euro deutlich stärkere Schleifspuren bei der
    deutschen Wirtschaftsentwicklung hinterlassen hat als in Frankreich …

    “In Frankreichs Wirtschaft wird heute jährlich elf Prozent mehr investiert”

    … man darf ja heute in der VGR alles mögliche unter Investitionen abbuchen,
    aber was immer da investiert wurde, es scheint nicht zur Steigerung der Wettbewerbsposition beigetragen zu haben …

    … zudem gibts hier die Gegenseite: und das ist wie oben geschildert ein brutal überschuldeter Unternehmenssektor/Staatssektor …

    ” Umgekehrt sind trotz aktueller Flaute in Frankreich heute 3,8 Millionen mehr Menschen beschäftigt als 1993 ”

    .. was bei dem Bevölkerungsanstieg von knapp 8 Mio deutlich zu wenig ist und außerdem deutlich geschönt wird durch einen
    grotesk aufgeblasenen Staatssektor …

    “ähnlich viele wie nach mehreren Boomjahren im viel größeren Deutschland”

    … äh ne, eben nicht, siehe oben …

    ” Zur Erinnerung: Zwischen 1997 und 2008 lag die Arbeitslosenquote in Frankreich niedriger als bei uns”

    …die offiziell von INSEE gemeldete Arbeitslosigkeit (ILO) war etwa genauso hoch, nur trauen würde ich diesen Zahlen eher nicht

    … in griechenland und Portugal war sie sogar viel niedriger…

    … ändert aber nichts am katastrophalen Zustand des Arbeitsmarktes (schauen Sie sich doch mal an wieviele junge Franzosen jedes Jahr auswandern)

    “Alles in allem liegt Frankreichs Bruttoinlandsprodukt heute 38 Prozent höher als 1990 – das deutsche weniger als 30 Prozent”

    … again, Sie unterschlagen an dieser Stelle mal wieder die bekannten Fakten
    (siehe oben: reunification, population growth and plundering of ze stupid germans by ze deppeneuro)
    … und die Tatsache, dass das Preisgefüge total verzerrt ist (schauen sie sich doch mal den Kaufkraftindex an da kann einem schlecht werden)
    was die Leistungsfähigkeit der frz Wirtschaft deutlich überschätzt
    (das geben sie ja indirekt auch zu mit ihrem Hinweis auf die preisliche Wettbewerbsfähigkeit)..

    … ansonsten kommt halt Ihr übliches Exportgebashe, was ich hier ausdrücklich mißbilligt wissen möchte …

    Die Wünsche des Herren Hollande sind natürlich unfinanzierbar und sozialistische Hirngespinste.
    Glücklicherweise haben wir ja noch die allwissenden Märkte ;-)
    Die werden spätestens nächste Woche die Zins-Peitsche zücken, und den Lying Dutchman auf Muttikurs bringen.

    • John Doe
      6. Mai 2012 um 17:57 | #2

      @knarfE
      Welche Absichten des Marktes bringen Sie dazu, sich vor Begeisterung auf die Schenkel zu klatschen? Es kann nur sein, dass Ihre Begeisterung deshalb überschwappt, weil hier der Markt offen zu gibt, dass er nicht damit einverstanden ist, dass ihm jemand sagt, dass er gefälligst seinen Anteil an der von ihm verursachten Malaise zu leisten hat.

      Welchen Markt meinen Sie eigentlich? Den Markt, der seine Zeit mit realen Dingen, wie Steinen, Dreck, Zement, Vieh, Brötchen und Brot und Weizenanbau verbringt. Der Markt, der Dinge gebaut, die Landschaft verändert und das Leben von Menschen verbessert hat, für Kleidung, Strom, Gas, Wasser sorgt. Wohl kaum!

      In Ihrem Kontext ist zu erkennen, dass Sie einen Markt meinen, an dem nichts real ist. Sie können nur die verfälschte Welt der Volkswirte, Kommentatoren, Spekulanten, Angeber, Gauner und Betrüger, Narren und Schelmen, die Wall Street und seine Opfer meinen.

      Ein Markt, der Hypotheken zu 125 % des aktuellen Hauswertes begeben hat. Unterste Grenze der Bonität wurde beim 6-fachen des Jahreseinkommen in Addition zu gelassen. Diese Hypotheken zu Derivaten als risikosichere Absicherung, ja, von was eigentlich, mit Autokrediten, Studentenkrediten, Konsumentenkrediten, Firmenkrediten vermanscht und mit einem Hebel bis zum 50-fachen mit sich selber in den Eigenhandel gebracht haben.

      Da sitzen doch die Insider, die die Krise verursacht haben, ihren eignen Nutzen daraus zogen, heute wieder bei Obama in der Regierung und bei der FED und erdreisten sich zu behaupten, nur sie seien in der Lage, die von ihnen verursachte Finanzkrise zu beherrschen und zu einem guten Ende für sich zu bringen, in dem sie die reale Welt mal so für Nichts dir Nichts ab strafen. Der US Staatshaushalt wurde von der Treasury (Paulson, Geithner, Summers ua., alle G&S Alumni) mal so um $7.2 Trillion in zusätzlich die Miesen gepustet. Die FED hat $7 Trillion locker gemacht um das ganz große Chaos für die Finanzwelt und ihren Gläubigern zu verhindern. Es mussten alleine in den USA rund $14.2 Trillion diesen vorher, oder doch nicht vorhandenen Trillion, hinterher geworfen werden, Summe $28.2 Trillion. Es geht letztlich um ein Monster in der Größenordnung von $702 Trillion im unlizensierten Schattenbankenbereich, im lizensierten Finanzbereich um $60 Trillion. Dem ggü. steht die reale Welt mit mickrigen $60 Trillion an geschaffenen Werten.

      Sie meinen doch nicht etwa den “allwissenden Markt” der 9 Finanzinstitute in den USA, die rund 54 % der dortigen assets kontrollieren. Angeführt wird die Riege von G&S, die ihre Kunden als “Muppets” an sehen. Sie meinen doch nicht die 147 global agierenden Unternehmen, davon 60 Finanzinstitute, die untereinander über Beteiligungen vernetzt sind. Der Markt besteht also aus nur 156 Personen. Nur diese können als natürliche Personen einen Willen bilden. Der Markt bildet keinen eigenen Willen, genau so wenig wie der Staat. Diese 256 Menschen mit ihren Interessen sagen, wo es lang geht!

      Das Ausmaß dieser Abzocke, diese Dreistigkeit und Raffinesse, sind atemberaubend. Es sind die, die das US-Finanzsystem managen und angeblich zu den Besten gehören, was die Welt so zu bieten hat.

      Sie äußeren Bewunderung für die Schwindler. Sie feiern die FED, das Finanzministerium und ihre Komplizen der Wall Street mit Schenkelklatschen. Diejenigen, die eine ganze Nation und den Rest der Welt beschwindelt haben. Sie sind begeistert von der Dreistigkeit sich jetzt ihre miesen und schief gegangenen Geschäfte von der realen Welt ersetzen zu lassen, in dem Lohne gekürzt werden, Renten, wie in Irland schon geschehen, zur Deckung von deren Verluste her an gezogen werden, Steuern für die “Reichen” gesenkt werden sollen.

      Wenn Sie jemand aus der realen Welt sind, dann haben die Goldmänner Recht, wenn Sie sie als “Muppet” ab qualifizieren.

    • John Doe
      7. Mai 2012 um 07:50 | #3

      Nachklapp @knarfE

      Sie meinen doch nicht etwa das FED? Nein, denn Sie gehen sicher davon aus, dass es sich hier um eine staatliche Einrichtung handelt. Weit gefehlt!

      Das FED wurde 1913 von Privatbanken gegründet. Die heute domminierenden 9 Finanzinstitutionen, die rund 54 % der amerikanischen Assets halten, sind Mitglied des FED. Bis heute ist das FED ein privat american business!

      Wie funktioniert das FED Kartell. Erst 2-mal haben US-Präsidenten versucht, diesem Kartell zu entkommen. Abe Lincoln waren die Zinssätze dieses privat business zu hoch. Er ließ eigene Dollar drucken. Vor 50 Jahren wollte J.F. Kennedy weg vom FED-Geld zum staatlichen Geld. Ron Paul will seit Jahren das FED abschaffen. In den USA kann nur jemand US-Präsident werden, der der Wall Street wohlgesonnen ist, wie z.B. Barack Obama!

      Wie funktioniert das System? Das FED druckt das Geld und verleiht es dem US-Staat gegen Zinsen. Es gibt den 16. Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung. Er ermöglichte
      dem Kongress, das persönliche Einkommen der US-Bürger zu besteuern. Ein Novum in der
      US-Geschichte. Entscheidend war allerdings, dass die US-Regierung nicht mehr befugt war,
      eigenes Geld zu drucken. Dafür ist bis heute die FED zuständig.

      Im Jahr 1982 lagen die Schulden laut des US-Finanzamtes bei ca. 1,07 Billionen US-Dollar.
      Die angefallenen Zinsen von etwa 115,8 Milliarden US-Dollar gingen an die FED. Im Jahr 1992 verfügte die FED über rund 5 Billionen US-Dollar an Obligationen. Heute sind es schon 15 Billionen US-Dollar. Wieviel an Zinsverpflichtung, @nkraftE, hat Obama dem Steuerzahler auf gebrummt, um die Rettungsgelder des Schatzamtes für den Finanzmarkt in Höhe von ca. $7.2 Trillionen zu erhalten? Mit diesen Rückzahlungen wird doch gewuchert, sie sollen für den Staat doch ein blendendes Geschäft sein. In D wird für den EFSM und den Fiskalpakt mit ähnlichen Worten geworben. Wie hoch sind die Rückzahlungen der Rettungsgelder an den Staat? Mit welchem Geld wurden die Rückzahlungen geleistet?

      Fazit: Wen meinen Sie, wenn Sie vom “glücklicherweise” allwissenden Markt ausgehen?
      Satire hilft schon lange nicht mehr. Der zum Daddel-Spielkönig und DSDS Juror umerzogene Deutsche versteht Satire schon lange nicht mehr.

  2. Dr. Alwin Devantier
    30. April 2012 um 10:02 | #4

    Herr Chefökonom Fricke polarisiert wieder einmal ordentlich. Leider streift er die Ursache der mangelnden französischen Wettbewerbsfähigkeit nur am Rande, aber zumindest benennt er sie. Der ( für Frankreich ) überteuerte Euro! Was muß daraus logisch geschlossen werden???
    Die wäre aber nach offizieller Meinung ” rückwärtsgewandt”.

  3. Alex
    28. April 2012 um 09:34 | #5

    Da muss ich doch mal ein wenig Wasser in Ihren Wein gießen. Es geht hier um grundsätzliche Fragen der Währungsunion. Einige wesentliche Punkte, die für Deutschland entscheidend beim Eintritt in den Euro waren, drohen hier mir nichts, dir nichts aus dem Weg geräumt zu werden. Mit anderen Worten: Es entsteht der Eindruck, dass man uns unter falschen Versprechungen in den Euro gelotst hat.

    Zentral wäre hier die No-Bailout-Klausel. So mögen europäische Volkswirtschaften miteinander verflochten sein, die Staatshaushalte waren es bislang nicht. Damit entfällt aber auch die No-Bailout-Klausel als ein Teil-Schockdämpfer.

    Da ein europäischer Bundesstaat grundsätzlich abzulehnen ist (denn er ist ohne kulturelle/sprachliche Nivellierung dysfunktional), gilt es zu den alten Regeln des Staatenverbundes zurückzukehren, allerdings mit automatischen Sanktionen bis hin zum Ausschluss.

    Wir brauchen in Europa einen Zustand in dem es uns weniger berührt, wenn ein Nachbarland eine korrupte oder unfähige Regierung hat und in dem zunächst einmal jedes europäische Land selbst sehen muss, wie es seine Wirtschaft gestaltet – solange das europäische Projekt insgesamt nicht tangiert wird.

    Und hier haben wir den Anknüpfungspunkt mit Ihrem Artikel: Frankreich soll gar nicht das deutsche Modell übernehmen. Gar kein Land soll das. Jeder soll seine eigene Wirtschaftsstrategie fahren und am Ende sehen wir dann, wer damit wie gut gefahren ist.

    Das nennt man *Wettbewerb*. Und dabei wird es selbstverständlich keinen neo-sozialistischen gleichen Wohlstand für alle geben. Im Wettbewerb mit- und gegeneinander werden immer Gewinner und Verlierer produziert. Und das ist auch gut so.

    Was wir allerdings brauchen sind Regeln, wie die “Verlierer” rechtzeitig wieder an die Spitzengruppe herangeführt werden können, damit das Wettbewerbsspiel wieder von neuem unter ähnlichen Startbedingungen beginnt. (Das impliziert übrigens, dass die “Verliererländer” ggf. bereit sein müssen überlegene Elemente der “Gewinnerländer” zu übernehmen; Länder, die dazu nicht bereit sind, haben im Euro nichts verloren. Einschließlich Deutschland.)

    Alex

  4. 27. April 2012 um 21:33 | #6

    Hervorragend wirtschaftspolitische Analyse. Allerdings fehlt der machtpolitische Aspekt: Deutschland hat Frankreichs Industriepolitik kopiert und versucht seit einiger Zeit erfolgreich, FR Marktanteile in der Luft- und Raumfahrt strittig zu machen. Außerdem hat Berlin von Paris die EU-Führerschaft übernommen und verteidigt sie mit Zähnen und Klauen. Was früher einmal Zusammenarbeit war, ist heute einem gnadenlosen Machtkampf gewichen. http://lostineurope.posterous.com/der-machtkampf

  5. deutscher Michel
    27. April 2012 um 18:22 | #7

    Danke für Ihren Artikel Herr Fricke.
    Die Frage für mich ist, ob es der deutsche Michel je verstehen wird, dass an seinem Wesen
    die Welt nicht genesen wird….

    • WILHER
      7. Mai 2012 um 14:23 | #8

      Am deutschen Wesen mus die Welt nicht genesen. Es ist mir relativ egal, was die anderen machen, Hauptsache ich muss es nicht zahlen.
      Aber es ist nun mal so, wer zahlt, der schafft an.
      Mir ist schon das Zahlen zuviel. Ich empfehle zudem jedem, sich die Statuten des geplanten ESM anzuschauen. Ich möchte wetten, er wird mit 90 % Zustimmung des deutschen Bundestages verabschiedet, aber nur 10 % haben die Statuten wirklich gelesen und die Konsequenzen verstanden.
      Nach dem März des Jahres 1933 (Stichwort Ermächtigungsgesetz) hätte man dem neuen deutschen Parlament diese jetzige Machtfülle niemals wieder geben dürfen.
      Das deutsche Volk hätte in einer freien Volksabstimmung der Abschaffung der DM wohl kaum zugestimmt. Das jetzige Desaster hätten wir so nicht, den ESM gäbe es sicher nicht.
      Dieser Vertrag ist auch ein Ermächtigungsgesetz. Das deutsche Parlament hat aus dem März des ds Jahres 1933 nicht das Geringste gelernt.
      Es gibt mit dem ESM das Königsrecht des Parlamentes aus der Hand, über die Verwendung der deutschen Steuergelder selbst zu entscheiden. Wofür benötigen wir dann eigentlich noch den Bundestag?

  6. Chrisperator
    27. April 2012 um 15:05 | #9

    Widerspruch: Wir Deutschen sind die Krone der Schoepfung. Wir machen ausnahmslos alles richtig, und der einzige Grund, dass auch wir Staatsschulden haben, liegt an den Kosten der Wiedervereinigung. Uns nicht nachzuahmen waere straeflich…
    In Suedeuropa (inkl. Frankreich) hingegegen sind die Menschen bekanntlich faul; sie wissen die Vorzuege harten Arbeitens einfach nicht richtig zu schaetzen und mit dem, von anderen erwirtschafteten, Geld, koennen diese Menschen noxh nicht einmal vernuenftig umgehen.

    Und wenn wir uns nun schon dazu herablassen, mit diesen Nationen eine Waehrung zu teilen, dann ist es ja wohl nicht zu viel verlangt, dass man uns mit Respekt und Ehrfurcht nacheifert, uns das Kommando ueberlaesst und nicht doof rummurrt.
    Anspruch und Wirklichkeint fallen hier leider auseinander; in Frankreich wird ein abweichender Kurs zu erwarten sein, die Besetzung der EZB mit einem Italiener ist bereits ein Faustschlag ins Gesicht eines jeden fleissigen Deutschen und die Forderung nach Eurobonds durch Barroso kommt gar einer Kriegserklaerung gleich.

    Der Stammtisch ist allgegenwaertig. Liesst man so einige hier auf ftd.de hinterlassene Kommentare (bsp. im Beitrag Chefarzt Dr. Draghi), die o.g. Meinung voellig ungeniert verbreiten, laesst sich der Brechreiz nur noch schwer unterdruecken.

  7. menssana
    27. April 2012 um 14:10 | #10

    Exakt!!!
    Bleibt nur noch anzumerken, daß Frankreich auch der mit Abstand größte Abnehmer deutscher Waren ist und Monsieur Hollande die merkelsche Europapolitik einer gehörigen und längst überfälligen Revision unterziehen wird. Austerität ja, aber mit Augenmaß und nicht blindwütig, wie von der badischen Hausfrauenkanzlerin verordnet und vom bisherigen französischen Kollegen leider zu wenig beeinsprucht; der Kollege bekommt allerdings gerade Volkes Rechnung dafür präsentiert. Darin liegt auch die letzte Hoffnung Europas begründet einen ruhigen Ausweg aus dieser Malaise zu finden.
    Denn bitte nicht zu vergessen: Europa hat das schreckliche Anschwellen dieser Krise zum Beinahedesaster auch einer ungebremsten Angela Merkel zu verdanken, die, beginnend vor der letzten NRW-Landtagswahl, europäisches Wohlergehen am politischen Kleingeldaltar geopfert hat; dieses noch verschlimmert hat durch heftiges Insistieren auf eine Privatgläubigerbeteiligung und sich jetzt in ihrem unreflektierten Sparsamkeitswahn anschickt als Erfüllungsgehilfin der völlig entfesselten Ratingagenturen, den ohnedies schon ächzenden europäischen Volkswirtschaften noch die letzte Luft abzupressen.
    Da sei aber französischer Esprit, französisches Savoir Vivre, Monsieur Hollande und die Vernunft der französischen Wähler vor!!!

  8. Akd
    27. April 2012 um 10:30 | #11

    Wir sind wohl eher der Nachbar im Osten…

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