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Wirtschaftsdienst exklusiv – Drachme statt Euro: Ausweg oder Sackgasse?

11. Juni 2012

Bei der Aufgabe die eigene Wirtschaft wettbewerbsfähig zu gestalten hat Griechenland die Wahl zwischen zwei Übeln: Euro-Austritt oder rigide Austeritätsmaßnahmen. In einem Beitrag für den Wirtschaftsdienst vertritt Diplom-Ökonom Stergios Xouridas dazu eine klare Meinung.

Dass der von der Troika aufgezwungene Sparkurs kein probates Mittel ist, um das griechische Leistungsbilanzdefizit zu bereinigen, ist in der Vergangenheit  mehr als deutlich geworden. Ein wirtschaftlicher Sanierungsplan ist erst dann nachhaltig, so Xouridas, wenn er die Stärkung des griechischen Exportsektors vorsieht. Ob ein Austritt Griechenlands mit anschließender Abwertung der Drachme dies leisten kann, bezweifelt er. Der eigentliche Grund für das Siechtum der griechischen Exportwirtschaft liege nämlich in den sinkenden Bruttoinvestitionen.

Zudem erschweren Rechtsunsicherheiten eine geregelte und vollständige Drachme-Denominierung. Beim Austritt der Griechen aus der Währungsunion kommen zwei konkurrierende leges monetae (Währungsstatuten) zum Tragen. Nicht alle strittigen Vertragsrechtsfragen können mit dem Prinzip der territorialen Assoziation zu Griechenland vollständig geklärt werden. Angesichts der Tatsache, dass ein Großteil der griechischen Schuldtitel nach der Klassifizierungsmethodik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) internationalen Charakter besitzen, droht ein überproportionaler Anstieg der Schuldenlast, der in der Zahlungsunfähigkeit Griechenlands kulminieren kann.

Um das Finanz- und Bankensystems während der Währungsreform zu stabilisieren und die erwartbare Kapitalflucht ins Ausland zu verhindern, sind nicht nur Banknotenstempelungen vonnöten sondern auch Kapitalausfuhrkontrollen. Diese sind wiederum unvereinbar mit dem in der Europäischen Union herrschenden Grundsatz der Kapitalverkehrsfreiheit. Die Umsetzung des Euro-Austritts läuft, so Xouridas, notwendig auf den Austritt Griechenlands aus der EU und auf das Ende seiner Mitgliedschaft in der Eurozone hinaus.

Darüber hinaus ist Xouridas der Meinung, dass sich die prekäre Liquiditätslage des griechischen Bankensektors mit dem Austritt aus der EU bei gleichzeitigem Zahlungsausfall der griechischen Staatsanleihen zu einer faktischen Insolvenz des griechischen Bankensystems ausweiten kann. Die Konsequenz wäre eine Verstaatlichung aller bedeutsamen griechischen Kreditinstitute.

Folgt man dem Autor des Beitrags sind die rechtlichen und ökonomischen Schwierigkeiten so groß, dass von einem Griechen-Austritt abzuraten ist. Die Erholung von der Schuldenkrise kann demnach besser durch weitere Austeritätsmaßnahmen herbeigeführt werden, die gekoppelt sind an Strukturreformen und Investitionen in die Industrie.

Der ganze Text als PDF.

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  1. R.B.
    13. Juni 2012 um 19:35

    Die Alternative zu Ihrer Alternative ist, dass es gar keine Alternative gibt und auch nicht ernsthaft von den politischen Akteuren in Erwägung gezogen wird.

    Deshalb behaupte ich ganz frech:
    Es ist völlig egal wer wie die Wahlen in Griechenland gewinnt.
    Griechenland wird nicht aus dem Euro austreten und wird auch nicht dazu genötigt.

    Aber es gibt natürlich einen Fall A und einen Fall B.
    Sollte der Fall B eintreten, nämlich dass Alexis Tsipras die Wahlen gewinnt, dann muss man jetzt schon an Formulierungen arbeiten, um sich ohne Gesichts- und Glaubwürdigkeitsverlust dem gemeinen Wahlvolk zu erklären, sprich nicht als Volltrottel dazustehen.

    Der Unterschied zwischen Fall A und B wird daher nicht qualitativ sondern eher graduell sein.

    p.s. gibt’s eigentlich eine Meinung zum sog. Geuro?

  2. Dr.Klenk
    13. Juni 2012 um 07:27

    Die Frage ist nicht WIE Griechenland aus der Falle kommt, sondern WOMIT?
    Textilien? Schiffe????? Olivenöl?????????Akropolis-Souvenirs??????????????????
    Marshall-Plan, Wirtschaftswachstum mit europäischen Löhnen in einem Pleiteland, das schon kulturell bedingt gar nicht anders kann…..und als ob es derzeit etwas gäbe, was die Schwellenländer nicht bessér, schneller und billiger machen.

    • Marco Schwier
      13. Juni 2012 um 19:56

      Mit Reedereien, Agrarprodukten und Tourismus lässt sich durchaus Geld verdienen. Es mangelt in Griechenland ja auch nicht unbedingt an Möglichkeiten, das Problem ist dass der Staat nicht funktioniert, und das es keinen bislang gestört hat.
      Das Staaten “kulturell” bedingt nicht zum erfolgreichen Wirtschaften in der Lage sein sollen ist eine Lachnummer aus der Kolonialzeit!

  3. Ulrich Fielitz
    13. Juni 2012 um 07:22

    „Euro-Austritt oder rigide Austeritätsmaßnahmen“

    Stellt sich die Frage überhaupt?
    Die Griechen haben doch bisher die Sparmaßnahmen nur rudimentär umgesetzt, siehe http://www.ftd.de/politik/europa/:schuldenkrise-eu-will-griechenlands-fesseln-lockern/70049686.html. Und Teile der Bevölkerung haben aufgrund der bisherigen Maßnahmen schon erheblich und gewalttätig demonstriert. Was soll denn auf der Straße passieren, wenn echte Austeritätsmaßnahmen durchgezogen würden. Diese betreffen weitestgehend die „normalen“ Bürger. Warum werden nicht auch die Geldbeutel der Shareholder und der wirtschaftlichen Elite in Griechenland mal an den Kosten bzw. Verlusten beteiligt.

  4. Armin Weiske
    12. Juni 2012 um 18:16

    in dem Kommentar von Peter Noack ist ausführlich gut die Ursache beschrieben, aber einen schmerzfreien Ausweg kann auch er nicht aufzeigen… keiner kennt ihn. Ich glaube auch unsere Kanzlerin nicht, sie können immer erst entscheiden wenn es die Situation erfordert… das macht sie sehr gut… nur wo führt uns das hin… die Opposition ist fein raus und bekommt durch dummes Gerede noch Beifall vom “Volk” . Vielleicht hat er recht mit seiner “Mayavorhersage”… hoffen wir es nicht. Dass die 14 Millionen Griechen (DDR damals 17Mill.) nun über 4oo Milliarden Euro irgendwie verprasst haben ist schon eine Unverschämtheit und dann sagen die noch “ihr tut unsere Ehre beleidigen” Wo war die Ehre denn die ganzen vergangenen Jahre der Lüge und Täuschung… Ihr könnt kein Mitleid von uns erwarten…

  5. Peter Noack
    12. Juni 2012 um 08:55

    Der Austritt Griechenlands aus der Eurozone scheint, die Quadratur des Kreises zu sein. Was soll das aber heißen, das Quadrat als Kreis. Nichts leichter als das! Das Quadrat wid um sein Zentrum gedreht. Über die Ecken wird ein Kreis gezeichnet, weil der Kreis auch nur ein n – Eck ist. Was heißt das für Griechenland? Der Beitrag von Xouridas zeigt das deutlich. Die Wiedereinführung der Drachme hilft niemanden, den Griechen nicht, der Eurozone nicht und der Weltwirtschaft auch nicht. Warum soll das dann umgesetzt werden? Insbesondere deutsche Wirtschaftsexperten bleiben diese Antwort schuldig, obwohl manche Topökonomen darin die Lösung vieler Probleme sehen. Das heißt allerdings, dass diese Topökonomen die tatsächlichen Zusammenhänge nicht erfassen können. Das liegt jedoch an ihrem Ökonomieparadigma.
    Warum kommt Griechenland mit den einfachsten Reformen nicht voran? Bisher gibt es keine weitere Antwort als das so ist. Die Steuerverwaltung schafft es nicht, die Steuern einzuziehen. Bis wann soll das gelingen? Wird die Wahl Fortschritte bringen? Das ist nicht sicher! Wann will der Staat Wirtschaftsunternehmen und Beteiligungen privatisieren? Aus Griechenland sind große Vermögen geflüchtet. Die Flucht der Kleinanleger soll nun kontrolliert werden. Was erwartet man sich davon?
    Unter den gegebenen Umständen kann niemand, kein Grieche und auch kein Ausländer, in Griechenland investieren. Die Wettbewerbsfähigkeit steigt nicht. Ausbleibende Investitionen senken die Konkurrenzfähigkeit noch. Wird es in Griechenland bald eine Regierung geben, die Investitionen erlaubt oder gar fördert? Wer rechnet damit?
    Griechenland steuert auf die Staats- und Wirtschaftpleite zu. Das politische Kalkül dahinter ist ein weitere Schuldenschnitt. Na und? Ist nur ein einziges Problem gelöst, wenn Griechenland keine Schulden mehr bedienen müsste? Das passiert doch jetzt schon. Zins und Tilgungen auf Griechenlandanleihen zahlen IWF und EZB sowie die Euroländer. Es scheint so als wollten europäische Politiker ihren Völkern demonstrieren, welche Konsequenzen ein Euroaustritt nach sich zieht und ob die Völker das dann wollen. Das Schicksal Griechenlands soll alle anderen abschrecken. Dann hätten die Finanzmärkte freie Hand und könnten von den Politikern alles verlangen und auch erhalten. Kein Problem löst sich dadurch. USA GB;
    Wer glaubt noch, dass die 0,3 Prozent Anteil an der Weltwirtschaft von GR tatsächlich die Weltfinanzmärkte in Turbulenzen bringen könnten. Allein die Wertverluste an den Weltbörsen, die Preisabschläge bei den Rohstoffen usw. machen ein Vielfaches der griechischen Wirtschaft aus. Das gilt dann auch für Spanien. In dem Bestreben der Finanzmärkte, die Politiker an die Kandarre zu nehmen, droht erneut eine Kreditklemme, die die nach der Lehmannpleite in den Schatten stellen könnte. Wird nach der dann folgenden Weltwirtschaftskrise die Politik die Finanzmärkte zerschlagen? Falls es dann noch etwas zu zerschlagen gibt.
    Ein letztes Wort an die Besitzer von Kapitalvermögen! Die Renditeerwartungen vernebeln den Blick dafür, dass diese Kapitalvermögen in der nächsten Krise verloren gehen, weil die Staaten, Steuerzahler, nicht mehr helfen können. Begreifen das die Vermögenden? Das ist völlig ungewiss! Sollte die nächst Krise, ohne zwischenzeitlichen Aufschwung, kurz bevor stehen, dann dürfte auch die bekannte Ausprägung der Marktwirtschaft vor dem Aus stehen. Danach kommt Chaos. Sollten das die MAYA mit dem Weltuntergang gemeint haben?

    • Marco Schwier
      12. Juni 2012 um 19:21

      Einen Weltuntergang wird es sicher nicht geben. Es wäre vermutlich das Beste Griechenland zwei Jahre von der Welt abzukoppeln und neu zu organisieren. Nur ist diese Lösung noch viel weniger organisierbarer als die anderen.

  1. 13. Juni 2012 um 12:59
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