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Die Kolumne – Entsendet Merkel nach Athen

22. Juni 2012

Die Kanzlerin pocht auf einen harten Sparkurs in den Ländern, in denen sie nicht gewählt werden muss. Es wäre für alle besser, wir würden sie gleich zum Regieren rüberschicken.

Das Image sitzt: Unsere Kanzlerin ist die eiserne Lady, eine unbeugsame Kanzlerin des harten Sparens, der schmerzhaften Vorgaben und Reformen. Und das Tolle ist, dass sie wohl die Erste ist, die trotzdem beim Volk beliebt ist. Zumindest beim eigenen.

Denn der harte Kurs, den Angela Merkel empfiehlt, wird ja nicht hier und von ihr, sondern anderswo und von anderen umgesetzt. Und die müssen sich dafür bei den eigenen und nicht bei Merkels Wählern verantworten. Hier könnte im Kern sogar das Drama dieser Tage liegen. Immerhin gibt es ja Erfahrungswerte, die vermuten lassen, dass unsere Kanzlerin selbst eine andere Politik machen würde – wenn es im eigenen Land nach zwei Jahren Krisenpolitik doppelt so viele Arbeitslose gäbe.

Dann wäre es, um die Euro-Krisen-Spirale endlich zu stoppen, vielleicht das Beste, wir würden mal einen Ämtertausch machen und Merkel für ein Jahr nach Griechenland schicken. Versprochen, liebe Griechen, ihr dürft sie auch zurückgeben. Wahrscheinlich würde es euch danach aber besser gehen. Und uns auch.

Pragmatisch im eigenen Land

Die deutsche Bundeskanzlerin sorgt seit zwei Jahren dafür, dass es für Andere keine Hilfe ohne drastische Konsolidierungsprogramme gibt. Sie legt Vetos ein, wenn irgendwer nach Lockerung fragt. Und sie gibt sich empört, wenn in Brüssel gebettelt wird, die Defizitziele strecken zu dürfen. Regel ist Regel. Wo kämen wir hin?

Vielleicht dahin, wo die Deutschen nach Jahren der Merkel-Praxis im eigenen Land stehen. Als die CDU-Frau 2005 in den Wahlkampf zog, tönte sie auf Leipziger Parteitagen noch über Radikalreformen. Als sie damit beim Volk abblitzte, hieß es im Koalitionsvertrag plötzlich, man müsse einen Reformstopp machen – um die Leute nicht zu überfordern, Um den Patienten erst aufzupäppeln (O-Ton Merkel).

Da schickte die neue Kanzlerin plötzlich Boten nach Brüssel, um genehmigen zu lassen, dass Deutschland seine Konsolidierung streckt, um nicht das eigene Defizit schon 2006 unter drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts prügeln zu müssen und die Konjunktur erst mal via Investitionsanreiz anzuschieben. Mit Erfolg.

Als Deutschland 2009 auf eine schlimme Rezession zuschlitterte, war Frau Merkel plötzlich für Konjunkturpakete, gab Geld für Kurzarbeiter, Abwrackprämien und Investitionen in Schulen wie Fußballstadien. Danach sorgte die gute Konjunktur fast automatisch für schwindende Defizite – von wegen Sparkanzlerin.

Unter Merkel gab es für die Deutschen kein einziges rabiates Kürzungspaket; die Strukturdefizite wurden sachte gesenkt. Schon frech, sich da als eisern vermarkten zu lassen.

Das Politphänomen ist historisch nicht neu. Die Amerikaner haben einst den Washington Consensus erfunden, in Lateinamerika, Russland und Asien drakonische Politik gepredigt – um zu Hause auf Orthodoxie zu pfeifen und im Ernstfall die Konjunktur immer schnell zu stützen.

Jetzt könnten Anhänger der Orthodoxie sagen, dass es doch prima ist, wenn Politiker mal ohne Wählerdruck durchregieren können. So wie Frau Merkel im Rest Europas. Es könnte allerdings auch gute Gründe haben, warum sie, die Amis und andere das zu Hause dann doch nicht gemacht haben: weil die Erfolgschancen in Wirklichkeit begrenzt sind und Austerität nur in Ausnahmen funktioniert; und weil es auf Dauer politisch untragbar ist, eine Arbeitslosigkeit von mehr als 20 Prozent zu haben wie Griechen und Spanier. Nur mal zum Vergleich: Bei so einer Quote wären bei uns gut zehn Millionen Menschen arbeitslos. Es ist absurd anzunehmen, dass Merkel dann rabiate Austeritätspolitik durchzöge.

Wie schnell der Tonfall wechselt, wenn man so etwas vor eigenen Wählern verantworten muss, lässt sich an Italiens Premier Mario Monti studieren. Er zog als toller Technokrat, früherer Wettbewerbskommissar und Freund deutscher Stabilitätskultur los – und ist nun mit einer Rezession konfrontiert. Jetzt hört man auch ihn öfter sagen, wie nötig Wachstum ist. Und Eurobonds. Ordnungspolitik im Realitätscheck.

Wenn Austerität fast immer zu Rezessionen führt und alles nur schlimmer macht, gibt es keinen Grund, die Weisheit nur für Deutschland gelten zu lassen. Dann gilt das auch bei Griechen, Spaniern und Italienern.

Was Merkelopoulos tun würde

Wahrscheinlich dürfte Kanzlerin Merkelopoulos nach einem Ämtertausch in atemberaubendem Tempo alles daran setzen, das griechische Austeritätspaket aufzuschnüren, in Brüssel eine Streckung der Abbaupläne zu erwirken, die Rettungsschirme aufzustocken und vielleicht sogar eine Abwrackprämie für alte hellenische Hotels einzuführen. Was sie nach aller Erfahrung sogar durchbekäme, wenn man zum Maßstab nimmt, wie viele Typen sie bei uns schon, sagen wir, überzeugt hat. Die Frau ist darin ziemlich gut.

Vielleicht wäre Frau Merkelopoulos nach ein paar Monaten in Athen auch ziemlich genervt von den Deutschen, die ständig jammern, wie viel sie als deutsche Steuerzahler an die Griechen zahlen. Zumindest, wenn sie beim griechischen Finanzminister mal nachfragt und dann feststellen muss, dass der deutsche Kollege bislang ja nur Kredite vergeben (und nichts verschenkt) hat, die er sich auch noch ordentlich verzinsen lässt. Weshalb der griechische Steuerzahler dreistellige Millionenbeträge nach Deutschland geschickt hat, nicht umgekehrt. Da würden Sie Frau Merkelopoulos aber mal kennenlernen.

Vielleicht würde die Griechenkanzlerin dann auch Krisengewinnler Wolfgang Schäuble anraunzen, der 2012 allein deshalb schätzungsweise 15 Mrd. Euro weniger Schulden machen muss, weil wir Deutsche von der Panik bei den anderen profitieren, alle Anleger zu uns flüchten – und er als Finanzminister daher mittlerweile keine Zinsen mehr aufs Schuldenmachen zahlen muss. Was absurd ist.

Umso perfider wirkt, wenn die reale Angela Merkel sich mit starken Sparsprüchen beim eigenen Wahlvolk beliebt macht und die Verantwortung für die Folgen den Kollegen vor Ort überlässt; und das Desaster wohlfeil damit erklärt, dass der Grieche halt irgendwelche Reformen nicht richtig gemacht hat.

Klar, irgendetwas findet man immer. Das lenkt vom eigenen Krisenmanagement ab.

Das Tolle ist, dass unsere bisherige Kanzlerin das Ganze Freitag schon mal testen kann, wenn wir (also die) gegen die (also uns) Fußball spielen. Da kann sie auf der Tribüne mit ihrem Kollegen den Platz tauschen – und mal im heillosen Abwehrkampf mitfiebern. Ein erfrischender Gedanke.

E-Mail: fricke.thomas@guj.de

Die nächste Kolumne erscheint am 13. Juli.

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  1. CIVIS
    25. Juni 2012 um 15:02

    Ja, Henne oder Ei oder hilft die Evolutionslehre? “DIE bösen BANKEN”. Wer sind “DIE”? Bitte einmal nachdenken! “DIE bösen BANKEN” bieten mindestens den Politikern die Möglichkeit von den eigenen Fehlern abzulenken. Das gelingt gut wie man sieht.

    Dort wo es um den Schaden durch Spekulation und Profit geht, ja, da sind einige Banken schuldig. Die Spekulation und den grenzenlosen Profit ohne jede Beziehung zur Realwirtschaft hat ja die Politik zugelassen. Man kann das nachlesen,wenn man möchte. Wer glaubt das Problem sei mit einer neuen Steuer gelöst, der täuscht sich. Es gehört zum Ablenkungsmanöver. Die zusätzliche Zeche zahlt letztendlich wieder der Bürger.

    Als Grundübel bleibt die unverantwortliche Überschuldung durch Schuldner, die aufgenommene Kredite dann nicht zurückzahlen können und nichts dafür tun das zu können. Dazu kommen kriminelle Schuldner, die von vornherein wissen, dass sie die Schulden nicht bedienen können und nie die Absicht haben, das je vollständig zu tun.

    Kredite gibt es in einem rechtsstaatlichen System nur an kreditwürdige und kreditfähige Schuldner. Die Bonität bestimmt den Zins. Staaten machen da keine Ausnahme. Griechenland hat sich unter Mithilfe der Eurostaaten mit dem EURO Zugang zu billigem Geld verschafft und sich weit mehr verschuldet als das mit der Drachme möglich gewesen wäre. Man hat die Gläubiger betrogen. Kreditbetrug ist in einem Rechtsstaat ein strafrechtliches Vergehen: http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__265b.html
    Warum sollte das nicht für Politiker und Staaten gelten?! Da besteht eine Lücke im rechtsstaatlichen System!

    Von Kreditinstituten oder auch privaten Gläubigern wird Griechenland in absehbarer Zeit kein Geld mehr bekommen. Solche Staatsanleihen sind passé. Andere Staaten könnten folgen. Wer gibt dann das Geld, wenn überhaupt, der deutsche Steuerzahler über die bekannten indirekten Wege.

    Für Deutschland und den EURO wäre es besser Griechenland wäre nicht bei der EURO ausgeschieden sondern beim EURO. Am Besten hätten die Griechen beim EURO nie mitgespielt.

    Dieser Paragraph sollte sinngemäß auch für Politker gelten: http://dejure.org/gesetze/StGB/283.html

  2. Peter Noack
    24. Juni 2012 um 14:36

    Die Finanzmärkte fordern von der Politik die Generalamnestie für alle Verfehlungen, die zur Finanzmarktkrise geführt haben. Kann jemand darstellen, wieviel Schrott in den Bilanzen der Banken enthalten ist? Glaubt man W. Sinn in der Wiwo vom Sonnabend, dann haben nur die Banken von Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien über 9.200 Mrd. Euro Schulden. Die Staatsschulden umfassen aber nur 3.300 Mrd. Euro. Wenig mehr als ein Drittel. (vgl.Wiwo/26 S. 37) Schon die Staatsschulden können nicht ohne negative Ratings vergemeinschaftet werden. Wie sollen dann die Bankschulden vom Steuerzahler garantiert werden? Die gesamte Rettungspolitik in der Eurozone hat bisher die Banken stabilisiert. Den Finanzmärkten ist es bisher gelungen, “…die Abschreibungsverluste auf toxische Immobilien- und Staatskredite der Südländer auf andere abzuwälzen, haben die Krisenbanken und ihre internationalen Gläubiger, nicht zuletzt amerikanische Pensionsfonds und französische Banken, somit einen weiteren Sieg errungen.” Wie viel Garantien kann Deutschland von den 12,5 Billionen Euro übernehmen? Kann wenigstens der Anteil an Einlagensicherung von 3.600 Mrd. Euro überrnommen werden? Das würde Bedeuten, dass nicht nur 100.000 Euro, sondern auch die Millionen und Milliarden der Anleger garantiert wären. Was würde Merkel wohl in Griechenland tun?
    Ein Vorschlag zur Sanierung von GR: Das Land bekommt unabhängig von den Finanzhilfen noch 30 Mrd. Euro Aufbauhilfe. Diese Aufbauhilfe erhällt jeder Abgeordnete im Athener Parlament für seinen Wahlkreis. Jeder Abgeordnete darf dann seinen Wahlkreis mit 100 Mio. beglücken. Wo stünde GR in 18 Monaten? Man muss nicht Dreimal raten, Einmal reicht. Raten sie mal!
    Alle Eurostaaten haben 8.000 Mrd. Staatsschulden. Das gefährdete Anlagekapital ist Dreimal
    so hoch, 24.000 Mrd. Euro. Das alles soll dem Steuerzahler aufgebürdet werden. Wann werden die Eigentümer der Banken und die Anleger in die Risikopapiere an den Folgen der Risiken beteiligt? Wenn dann noch jemand glaubt die 130 Mrd. Euro Hollandewachstum sind mehr als der Tropfen auf den heißen Stein, dann hat dieser nichts von Wirtschaft verstanden. Die französischen Unternehmen, auch die Staatsunternehmen, können ihr Glück kaum fassen.

    • John Doe
      25. Juni 2012 um 13:30

      Dazu passt die heutige Meldung in der ftd:

      “Die Indische Rupie ist seit Monaten auf Talfahrt. Die Notenbank in Mumbai will deshalb mehr ausländisches Kapital ins Land locken: Investitionen in indische Staatsanleihen werden erleichtert – den Märkten reicht das aber nicht.
      Indien erleichtert zur Stärkung der Rupie den Zustrom ausländischen Kapitals. Institutionelle Investoren aus anderen Ländern dürften künftig indische Staatsanleihen im Wert von bis zu 20 Mrd. Dollar kaufen, teilte die Zentralbank in Mumbai am Montag mit. Bislang lag die Obergrenze bei 15 Mrd. Dollar. Die Rupie, die am Morgen um mehr als ein Prozent zugelegt hatte, gab nach der Ankündigung einen Teil ihrer Gewinne wieder ab. “Das wird die Rupie nachhaltig kaum unterstützen”, sagte der Analyst M. Natarajan von der kanadischen Bank of Nova Scotia der Nachrichtenagentur Reuters.

      DIE MÄRKTE HATTEN MEHR ERWARTET.

  3. Traumschau
    24. Juni 2012 um 09:20

    Ich sage und schreibe das schon seit vier Jahren: man kann es drehen und wenden wie man will, es ist keine Staatsschuldenkrise sondern immer noch eine BANKENSCHULDENKRISE, die auf die Staaten bzw. die europäischen Steuerzahler abgewälzt wird. EU-Binnenkommissar Barnier hat gesagt (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/marode-finanzinstitute-menetekel-bankenunion-11796018.html), die Bankenrettungen hätten die europäischen Staaten seit 2008 unvorstellbare 4,6 BILLIONEN Euro gekostet. Und da wundert man sich immer noch, dass überall die Staatsschulden explodieren. Und absurderweise soll dieses Geld durch Sparorgien “erwirtschaftet” werden. Das ist so dermaßen dämlich, dass sich einem die Fußnägel aufrollen. Dass das nicht funktionieren kann, war jedem halbwegs gebildetet Makro-Ökonomen bekannt. Die Folgen sehen wir jetzt.
    Aber Hauptsache, die Banken werden gerettet. Es wird immer noch keine strikte Regulierung der zerstörerischen Finanzindustrie durchgesetzt. Die Wetten gehen weiter wie bisher, bezahlen müssen das letztlich die Steuerzahler. Diese Zockerei runiniert nicht nur die Staatsfinanzen sondern treibt auch die Völker in die Armut, weil die Auswirkungen dieser Zockerei verheerend auf die Realwirtschaft durchschlagen.
    Wie das funktioniert, sehen sie hier:

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=13639

    Alle Maßnahmen sind zum Scheitern verurteilt, wenn das Problem nicht endlich gelöst wird. Da ich aber da keinen wirklichen politischen Willen sehe, wird dies schwerwiegende Unterlassung (neben den wirtschaftlichen Ungleichgewichten) zum Bruch des Eurosystems führen. Die Frage ist nicht ob, sondern wann!

    • Georg Hasta
      25. Juni 2012 um 12:59

      Es ist auch nicht nur eine Bankenschuldenkrise, sondern eine Verschuldungskrise der gesamten Gesellschaft.
      Beispielsweise:
      Gesamtverschuldung USA zum BIP ca. 350%
      Gesamtverschuldung BRD zum BIP ca. 330% (8,7 Billionen)
      Gesamtverschuldung = Schulden private Haushalte, Unternehmen, Banken und Staat.

      Wie sehr Sie recht haben, dass es sich nicht wirklich um eine Staatsschuldenkrise handelt, zeigt der Umstand, dass der Anteil der BRD Staatsschulden an der volkswirtschaftlichen Gesamtverschuldung seit über 40 Jahren ziemlich genau um den Wert 21,5% schwankt. In der Öffentlichkeit wird aber der Eindruck erweckt, als wäre es nur der “böse” Staat, der die Schulden exorbitant in die Höhe treibt. Natürlich steigt die Staatsverschuldung, aber eben nur im Takt mit der Verschuldung der übrigen Wirtschaftsteilnehmer.

  4. Georg Hasta
    23. Juni 2012 um 21:30

    Schulden, deren Zinsen nicht bedient werden können, werden nie zurückbezahlt. Das ist simple Arithmetik. Normalerweise (z.B. in der Betriebswirtschaft) setzt man sich mit einem in Verzug geratenen Schuldner (z.B. ein Unternehmen) zusammen und verhandelt die Kredite neu (Prolongierung, niedrigere Zinsen etc.). Mit Griechenland machte man das Gegenteil, das Rating sank, die Zinsen stiegen. Höhere Zinsen bedeuten bei einem Schuldner letztendlich immer Zahlungsausfall – sobald die Zinsen weit genug gestiegen sind (auch Deutschland wäre mit aktuellen Griechischen Zinssätzen – zehnjährige Staatsanleihen über 30% – in Kürze nicht mehr zahlungsfähig). Auch das einfache Arithmetik. Um so absurder das Treiben, das rechnerisch wissentlich nicht funktionieren kann.

    Modifizierte Kreditbedingungen werden natürlich nur dann verabredet, wenn man sich dabei finanziell mehr verspricht, als würde man das Unternehmen in die Pleite schicken. Eine Nation kann man aber nicht wirklich Pleite gehen lassen, dass hiesse nämlich im übertragenen Sinn, alle Griechen wandern aus und die Insolvenzmasse Griechenlands wird an die Gläubiger verteilt.

    Ausserdem ist es im Wirtschaftsleben normalerweise klar, dass Gläubiger und Schuldner eine wechselseitige Beziehung eingehen. Beide haben Verantwortung. Der Gläubiger muss grundsätzlich von seiner Seite her sicherstellen, dass er nur so viel verleiht, wie die Bonität des Schuldners zulässt. Verrechnet sich der Gläubiger hierbei, was im übrigen zentraler Bestandteil der Fähigkeiten eines Gläubigers (man denke an Banken) sein sollte, wird er Verluste hinnehmen müssen. Wenn’s ganz dumm läuft, geht auch der Gläubiger pleite. Und das mit Recht, wer kann sich schon dumme Gläubiger leisten, die ihr Geschäft nicht beherrschen. Das kann eine ganze Volkswirtschaft zugrunderichten.
    Damit stösst man zu des Pudels Kern vor und das sind schwerwiegende Webfehler im Eurosystem. Griechenland ist wie es ist.
    Dazu übrigens ein erhellender Artikel von Krugmann in der New York Times:

    http://www.nytimes.com/2012/06/18/opinion/krugman-greece-as-victim.html?_r=1&ref=paulkrugman

    Wenn einzelne Personen hier in Kommentaren darauf hinweisen, dass Griechenland betrogen hätte, ist das aus deren Sicht verständlich, für die “Profis” aus Staatsministerien, Wirtschaftsberatungen und Banken kann diese Ausrede jedoch nicht gelten. Man kennt den Griechischen Staat seit Jahrzehnten und man wusste genau, woran man war. Trotzdem hat man Griechenland (und andere Länder ebenso) in ein System aufgenommen, das die Gläubiger (Banken) Risiken zu Preisen eingehen liess, die wiederum dazu führten, dass sich die Schuldner billig und damit munter verschulden konnten. Hierfür nun Griechenland verantwortlich zu machen, ist interessengeleitet verständlich, geht aber an der Wirklichkeit vorbei. Und was macht man dann mit Italien, Spanien, Portugal? Die werden auch noch kommen. Auch alles Betrüger? Und gegen die genannten ist Griechenland ein Winzling. Auch die Banken kann man wahrscheinlich nicht verantwortlich machen, sie taten letztlich nichts anderes, als es Wirtschaftsunternehmen normalerweise immer tun: entsprechend der geltenden Regeln so viel Profit wie möglich. Wenn die Politik alle Sicherheiten durch Aufweichung, Aufhebung und die Unterlassung der Einführung neuer Regularien, um auf veränderte Zeitumstände zu reagieren, über Bord wirft, ist die Gesellschaft am Ende der gelackmeierte.

    Und wer sind die zentralen Schaltstellen dieses falsch gewebten Eurosystems? Krugman sagt hierzu sehr bezeichnend: “…die Ursprünge dieses Desasters liegen weiter im Norden, in Brüssel, Frankfurt und Berlin, wo Bürokraten ein zutiefst – vielleicht verhängnisvoll – fehlerhaftes Währungssystem ins Leben gerufen haben und schliesslich die Probleme verschlimmerten, indem sie Analysen durch Moralpredigten ersetzten.”

    Dafür ist dann am Ende nirgendwo, weder in Griechenland noch in Deutschland der einzelne Grieche oder Deutsche verantwortlich zu machen. Aber die Entscheidungs-Eliten machen den Bürgern verständlicherweise gerne glauben, dass es die Bürger der anderen Nation sind, an die sie sich wenden müssten. Das sind Schutzbehauptungen hinter denen sich diese Eliten verbarrikadieren – wer zieht sich schon gerne das Büssergewand an, wenn man sich drumrum reden kann, was die Eliten, die ausserdem über weitgehende Meinungsführerschaft verfügen, besonders gut “vermögen”. Als Vermögens-Eliten können sie dann auch noch gleich veranlassen, dass man die Banken und nicht eigentlich Griechenland rettet, denn dort befinden sich grosse Teile des Vermögens dieser Eliten. Wobei noch klarzustellen ist, dass auch diese erwähnten Eliten nicht die verantwortlichen sind, auf die man alle Schuld abwälzen kann, die tun nämlich kraft ihres Standes auch nur das ihnen Mögliche. Und wenn das Vermögen nur mal gross genug ist, dann ist auch die Macht gross und wer die Macht hat, kann die Puppen tanzen lassen, wie er will und damit auch jede noch so blöde Idee breitenwirksam durchsetzen, im Glauben so das eigene Vermögen retten zu können.

    Und wie sieht für den Bürger realwirtschaftlich die Misere eigentlich aus? Hierzu eine arithmetisch einfache Veranschaulichung: bei einem angenommenen (die wirkliche Zahl kenne ich nicht) Aussenhandelsdefizit Griechenlands gegenüber Deutschland von 1 Mrd. Euro pro Jahr ergäbe das pro Deutschen Erwerbstätigen weniger als eine Minute pro Tag zu leistender Mehrarbeit gegenüber dessen Griechischen Kollegen.
    Hat das den Erwerbstätigen schon mal einer gesagt? Sie könnten sich ab jetzt weigern, diese eine Minute weiterhin mehr zu arbeiten. Dann müssten die Griechen die Arbeit ab jetzt selbst übernehmen. Das würde bei der geringeren Produktivität der griechischen Wirtschaft dort rund 500 Arbeitsplätze bringen (in Deutschland nur gut 300). Wenn sie sich dann noch entschliessen, die eine Minute, die die Deutschen in letzter Zeit mehr arbeiteten, wieder zurückzugeben, dann wären dass noch einmal 500 Arbeitsplätze. Allerdings gingen dann in Deutschland rund 600 Arbeitsplätze verloren.
    (Die Zahlen sind sehr grob gerechnet, aber exakt genug, um die Grössenordnungen, um die es realwirtschaftlich geht, deutlich zu machen. Mit DE 40 Mil. Erwerbstätige und rund 1980 Stunden Jahresarbeitszeit pro Erwerbstätigen)

    • CIVIS
      24. Juni 2012 um 12:20

      @Georg Hasta, kein einziger privater Kleinanleger war an irgendwelchen Verhandlungen beteiligt. Den Betrugsvorwurf will ich gerne noch ausführlicher begründen:

      Die Kanzlerin, der Finanzminister und andere “EURO-Retter” haben immer die Freiwilligkeit bei diesem “Schuldenschnitt” behauptet. Sie hätten dafür sorgen müssen, dass die CAC-Klausel, die erst kurz vor dem sogenannten Schuldenschnitt nachträglich eingeführt wurde, nicht angewendet wird und dass Zinsen und Tilgung voll und fristgemäß fliessen. Alles andere hat nichts mit Rechtsstaatlichkeit zu tun. Alleine der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, hat das wohl im Gespür, als er sich deutlich aber erfolglos gegen einen Zwang aussprach. Die Griechen haben auch nur das vollzogen was die Euro-Politiker von ihnen velangt haben, damit weiter die Milliarden Richtung Griechenland fliessen. Da ist viel Heuchelei im bösen politischen Spiel.

      Gerade wer 2009 oder davor zu 100 und mehr gekauft hat ist doppelt betroffen. Die Käufer waren keine Zocker.Die gutgläubigen Anleger werden in aller Regel ihre Verluste bei den tollen deutschen Steuerregelungen nicht einmal steuerlich geltend machen können. Das ist ein geradezu absurdes Ergebnis, denn nur wer nach 2009 gekauft hat gehört zu den Spekulanten, die bis zuletzt ihren Raibach gemacht haben. Dass dies zugelassen wurde ist ein Skandal für sich. Die gutgläubingen Anleger sind Betrugsopfer dieser rechtswidrigen europäischen Politik. So wird weder Griechenland noch der EURO gerettet.

      Wer hätte denn Drachmen-Anleihen gekauft?! Die Aufnahme in den Euro war ein Bonitätsbeweis. Die Anleihen waren mündelsicher und mit A bewertet. Banken mussten keinen Cent Kapital hinterlegen. Es gab normale Zinsen. Die Spekulation hat man ab 2010 zugelassen, indem man sich der Verantwortung entzog. Die Bundesrepublik hat den Schaden mit verursacht, sie haftet dafür.

      Davon unabhängig darf auch die Rechtmässigkeit der Steuerregeln bezweifelt werden. Der deutsche Fiskus kassierte Steuern aus den Zinsen dieser griechischen Staatsanleihen. Gewerbliche Gläubiger dürfen ihre Verluste steuerwirksam abschreiben. Von den Verlusten der Kleinanlager will der Fiskus aber nichts wissen. Es stellt sich längst und insgesamt die Frage der Verfassungsmässigkeit, nicht nur dieser Besteuerung sonder insgesamt der gesamten EURO-Verflechtung. Die Versagung der Verlustanrechnung verstößt gegen den im Grundgesetz verankerten Gleichheitssatz und dem Prinzip der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Nur was unter dem Strich bleibt kann so der Steuer unterworfen werden. Hier werden bei den heutigen Zinsen unter Berücksichtigung der Inflation ohnehin längst Scheinerträge besteuert. Bei dieser EURO-Politik findet längst eine schleichende grundrechtswidrige Enteignung der sparsamen Bürger statt. Die verantwortungslosen Schulden- und Geschäftemacher sind an der Krise schuld und nicht die Gläubiger!

      Zitat(Georg Hasta):
      “Wenn einzelne Personen hier in Kommentaren darauf hinweisen, dass Griechenland betrogen hätte, ist das aus deren Sicht verständlich, für die “Profis” aus Staatsministerien, Wirtschaftsberatungen und Banken kann diese Ausrede jedoch nicht gelten.”

      Nein, man muß das deutlich Betrug nennen, das erwarte ich auf von den Profis in den Staatsministerien und insbesondere von den Politikern. Dazu erwarte ich eine Korrektur bzw. Entschädigung der betrogenen privaten Gläubiger und eine Zäsur dieser Euroschuldenpolitik. Alles andere wäre eine Abkehr von der Rechtsstaatlichkeit und der Anfang vom Ende Europas.
      Quellen zur Info:

      http://www.wiwo.de/economy-business-und-finance-banken-koennen-verluste-aus-griechenland-schuldenschnitt-absetzen/6347340.html

      http://www.finanzjournalisten.blogspot.de/2012/03/klagen-gegen-die-griechen.html#more

      • Georg Hasta
        25. Juni 2012 um 12:46

        Sie haben völlig Recht, dass insgesamt gesehen überall Betrug und Vorteilsnahme im Spiel ist. Die Lückenhaftigkeit von Systemen und eben auch dem Finanzsystem (oder des politischen Systems) wird genutzt, um sich unberechtigt Vorteile zu verschaffen (wenn ich das mal so pauschal sagen darf).
        Meine Aussage bezog sich wirklich ganz speziell auf den Vorwurf, den man Griechenland und dann eigentlich noch unfairer dem einzelnen Griechen macht. Ich greife das auf, weil dieses Schüren von Ressentiments (z.B. nationalistischer, rassistischer etc. Art) seitens der eigentlichen Schuldigen (Banken, Politiker, Grossinvestoren) benutzt wird, um von ihrem Versagen – das Sie ja ausführlich beschreiben und nicht umhin kommen, es Betrug zu nennen – abzulenken. Die Crux mit den “Profis” ist ja, dass sie selbst Betrüger sind, indem sie sich bewusst betrügen lassen (z.B. wachsweiche A-Ratings), weil sie wissen, dass die Rechnung am Schluss andere zahlen müssen, ihnen selbst aber der Gewinn bleibt.
        Meine Einlassungen bezogen sich übrigens nicht auf Ihren Eintrag sondern einige, die dem Ihren vorausgingen. Es tut mir leid, wenn das falsch rüberkam.

  5. CIVIS
    23. Juni 2012 um 19:27

    Wer denkt hier eigentlich noch an die Betrogenen!?
    Täterschutz ohne Opferschutz?

    Betrug von A bis O seit dem Euro-Beitritt.

    Zwangsenteignung von privaten Kleinsparern trotz beteuerter Freiwilligkeit auch durch deutsche Politiker, begonnen bei der Bundeskanzlerin. Spekulation und Betrug wurde bis zuletzt zugelassen! Das Vertrauen der Anleger wurde missbraucht. Sie haben nach dem Euro-Beitritt mündelsichere mit A bewertete Euro-Staatsanleihen gekauft. Die Aufnahme in den EURO war ein Bonitätsbeweis. Geprüft wurde dabei offensichtlich nichts! Man hat den Betrug noch befördert. Kein Cent mussten Kreditinstitute, die ja auch kräftig gekauft haben, für griechische EURO-Anleihen hinterlegen.

    Das Geld für die Altersvorsorge oder die Ausbildung der Kinder ist im griechischen schwarzen Loch verschwunden. Die EU verkommt zur Schurkenunion, werden solche Praktiken und solche Mitglieder geduldet, wie sich Griechenland hier zeigt. Es ist höchste Zeit für eine Korrektur und Zäsur.

    Bei der historischen Bedeutung Griechenlands für Europa ist das für jeden anständigen Griechen eine Schande. Die EU und die Griechen sollten diesen Spuk beenden. Deutschland haftet mit für den Schaden der angerichtet wurde. Wenn nicht, gibt es zwei Möglichkeiten, Griechenland oder Deutschland raus aus dem EURO, denn Europa sollte zuerst auch eine Wertegemeinschaft sein!

    Ein Europa für die Menschen war versprochen. Es zeigt sich ein Europa für gierige Spekulanten, Geschäftemacher, Betrüger, eigennützige Profiteure ohne Rechtsstaatlichkeit!

  6. Take-it-away-Jay-Emm-Kay
    23. Juni 2012 um 08:51

    Aber hier ist doch auch das große Problem:

    Ihre Prämisse, das Merkel als Regierungsoberhaupt in GR die Eurokrise um 180° anders sehen würde, ist natürlich 100% korrekt, und empirisch belegbar (haben Sie ja gemacht).

    Das Problem aber isst, dass Merkels (und parallel dazu das dt. Volk) barbarischer Egoismus die Südländer schon so tief in die Krise gestürzt hat, das es jetzt äußerst schwer wird, Europa noch zu retten. Und Merkel scheint auch nicht ernsthaft daran interessiert zu sein, dies zu tun, sonst hätten wir schon längst Eurobonds und eine ECHTE Bankenunion.

    Ich würde auch die These aufstellen, dass Merkel keinerlei VWL Verständniss hat, und im Endeffekt zu 100% von ihren Beratern abhängig ist. Und ist es zu weit ausgeholt, wenn Ich behaupte, dass diese Berater nicht wirklich so großes Interesse an einem vereinten Europa haben (außer eben es ist ein vereintes Europa auf radikal-rechter Basis, siehe Fiskalpakt in seiner derzeitigen Form). So würde sich der neoliberale Kreis dann ja am Ende doch schließen.

    Wir können nur hoffen, dass Hollande das aufhalten kann…

  7. Werner
    22. Juni 2012 um 19:29

    Die (Fußball-)verdummung der Deutschen macht alles zunichte. Verlogenheit (Merkel) kommt da gut durch.

  8. M_t
    22. Juni 2012 um 17:12

    Erstens scheint mir, dass Merkel keine Ahnung von Wirtschafts- und Finanzzusammenhängen hat. Wenn sie sich mal mit der Großen Depression, oder mit der IMF-Restrukturierungsmaßnahmen in der Asien-Krise beschäftigt hätte (die letztendlich aufgrund der eingetretenen Rezessionen zu einem signifikativen Sichtwechsel des IMF geführt haben), würde sie wohl anders handeln. Aber UNwissenheit schützt (zum Glück) vor Strafe nicht. Irgendwann wird man sie und ihre europäischen Zeder-Kollegen dafür (in der akademischen und öffentlichen Nachschau) rethorisch und intellektuell für ihre Fehler zur Verantwortung ziehen.

    Es widert einen jedoch schon an, mit welchem Populismus die europäischen Staatslenker, allen voran Merkel, an der Krise herumoperieren. Man schämt sich für das Bild Europas in der Welt. Ein Kontinent, der sich seit dem 16. Jahrhundert missionarisch dazu verpflichtet fühlt, allen Völkern des Erdballs zu erklären, wie das menschliche Zusammenleben, Wirtschaften und politische Handeln funktionieren soll (inklusive der tiefsten Abgründe der Menschheitsgeschichte, die diese Mission mit sich brachte: Nationalsozialismus, Marxismus, Kommunismus, britischen und deutschen KZs, unzähligen innereuropäischen Kriegen), keilen sich in ihrer eigenen Währungsunion und geben wieder einmal, wie die vergangenen Jahrhunderte hindurch, ein wirklich schlechtes internationales Bild ab, den IMF um Geld anbettelnd (das ist das Rührigste von allem).

    Aber wen überrascht das wirklich? Im Gegenteil geht die Int. Polit. Ökonomie davon aus, dass just die ständige Wettbewerbs- und Kriegssituation im kleinteiligen Europa des 15./ 16. Jahrhunderts die Entwicklungen in der Schifffahrt, der Militärtechnik, der Expanisionwege und letztendlich ab dem 18. Jh. der Industrialisierung angeschoben haben.

    Wahrscheinlich schaffen es diese europäischen Kleinstaaten, selbst wenn sie sich mit wasserdichten Verträgen aneinanderketten, es auch heute einfach nicht, länger als 70 Jahre still zu halten. Irgendetwas muss immer passieren, man muss doch dem Nachbarn noch einmal eins Auswischen dürfen! Man ist ja so wichtig in diesem Konkurrenzgerangele. Der Populismus kann hier immer gut funktionieren, weil die europäischen Völker dieses Lied so gerne durch ihre politische Klasse anstimmen lassen.
    Der Corpsgeist, den alle in der EU teilen, besteht darin, dass sich jede Nationalität stets zu jedwedem Zeitpunkt gegenüber allen anderen benachteiligt fühlt und dann den Konkurrenten gegenüber die Vergleichskeulen zum Ersten und Zweiten Weltkrieg herausholt.

    Das ist nur noch peinlich….

    Aber obacht, in Indien reitet man nicht mehr auf Elefanten durchs Land, und das von den Chinesen einmal geklaute Schießpulver löst auch im Amazonasbecken kein raunendes Staunen mehr aus, was den Europäern früher alles half, die inneren Zwistigkeiten zu überdecken.

    Zurecht haben die industrialisierten Länder den Entwicklungsländern dabei geholfen, auf die Beine zu kommen. Aber so stehen diese nun eben auch im internationalen Wettbewerb mit uns, und zwar ganz unabhängig von internen sozialen und politischen Problemen. So befindet sich China nun bei der Genforschung auf Platz 5 der attraktivsten und dynamischsten Standorte, und stellt den größten Absatzmarkt für viele Produkte wie Apple usw. dar.

    Also, wenn wir uns diesmal sowohl seitens der Politiker und der öffentlichen Meinung in dumme Radikalismen und Populismen stürzen, so wie wir das ein Europa alle vergangenen Jahrhunderte hindurch stets reflexhaft gemacht haben, wird es diesmal nicht so glimfplich ausgehen. Dann werden wir wohl erst einmal wirtschaftlich und kulturell abgehängt.

  9. venkat
    22. Juni 2012 um 16:51

    Angela Merkel ist die Deutsche Bundeskanzlerin und es ist völlig korrekt dass sie sich im interesse des eigenen Landes einsetzt.

    Im übrigen ist Griechenland nicht durch hartes Sparen in die jetzige Lage geraten, sondern wegen ein übereilter Euro-Eintritt durch gefälschte Zahlen und anschliessendes übermäßiges Verschulden zum günstigen Einheitszins. Der Herr Chefökonom müsste es eigentlich wissen, oder?

    • 22. Juni 2012 um 23:31

      Sind Sie sicher, dass Frau Merkel in unserem Interesse handelt, wenn sie den Europäern um uns herum eine falsche Politik verschreibt. Ich wäre mir nicht so sicher. Es ist nicht alles automatisch gut für uns, was schlecht für die Griechen ist.
      Zu den Ursachen: ja, die Griechen haben Fehler gemacht. Das ist aber kein Grund, beim Krisenmanagement noch größere Fehler zu machen und die Lage damit unnötig eskalieren zu lassen, wie es die Bundeskanzlerin tut.

  10. 22. Juni 2012 um 16:28

    Die deutsche Wirtschaft forciert den Export und generiert Leistungsbilanzdefizite bei den Abnehmern: Für fiktive, weil auf lange Sicht nicht eintreibbare Überschüsse. Deutsche Banken unterstützen ihr Treiben mit Krediten, die sie gerne, einmal faul geworden, dem Staat überlassen. Darauf erbost sich der deutsche Bürger über faule Südländer. Er hat aber selber den Exportwahnsinn durch Lohnverzicht und Sozialkürzungen erst ermöglicht.

  11. Nemo
    22. Juni 2012 um 15:39

    Wo steckt nur der Haken bei diesem Vergleich? Sehr einfach: Ob Deutschland die DDR (bzw. ihre Hinterlassenschaften) auslöst, die EU finanziert oder die Dritte Welt alimentiert, seine Konjunktur befeuert, Kreditinstitute mit Unsummen über Wasser hält oder flächendeckend Kitas einrichtet (und Mütter dafür bezahlt, sie nicht zu nutzen) – jeglicher Sinn oder Unsinn ist selbst finanziert. Das Dumme an Rezepten für Griechenland ist, dass man in europäischer Gastfreundschaft zum Essen eingeladen wird, aber nicht nur die Zutaten dafür kaufen, alles kochen und hinterher die Küche putzen darf, sondern gleich die ganze Taverne sanieren muss.
    Wenn die griechische Regierung eine “Streckung” des Reformprogramms um weitere zwei Jahre fordert, dann sind dies 58 Mrd. Euro, die wieder einmal mehr von anderen aufzubringen sind. Im Politsprech gilt das Vorhaben als Änderung auf der “Zeitschiene”, nicht aber in der “Substanz”. Schon klar. Bei den Summen, die im Raum stehen, fallen 16 Mrd. zusätzlich für den Bund nicht mehr ins Gewicht. Dennoch ändert sich zumindest buchhalterisch etwas, nennen wir es auf der “Geldschiene”. Dass das neue Kabinett in Athen, bestehend aus erfolgreichen Atbankrotteuren, nicht als erstes die Umsetzung des Reformprogramms beginnt, sondern prioritär die nächste Rabattrunde in Brüssel angeht, verheisst immerhin bekanntes. Samaras Vorgänger und einstige Zimmergenosse Papandreou erlärte das einmal so: Auf dem Papier sagen wir der EU alles zu, der Rest ergibt sich.

  12. riri rap
    22. Juni 2012 um 15:23

    1. Kosten:

    3,5 Mio Arbeitende – 1 Mio Staatsbedienstete in Griechenland

    Auf Deutschland übertragen wären dies 8 Mio Staatsbedienstete

    Die müssen alle mit STEUERN bezahlt werden.

    2. Steuerhinterziehung:
    Nach in den Zeitungen zu lesenden Schätzungen beträgt die STEUERHINTERZIEHUNG in Griechenland 10% vom BIP.

    3. Korruption & Vetternwirtschaft:
    4. ca. 120 “geschützte” Berufe
    5. Betrügerischer Beitritt in den Euro (Fälschung und Manipulation von Kennzahlen)
    6. Verschleierung der Neuverschuldung 2000-2008

    Es fallen einem bei kurzem Blick einige Punkte ein und auf, die substanziell mit der griechischen Krise zusammenhängen und es ergeben sich Fragen daraus, die zu großen Teilen in der aktuellen Diskussion ausgespart werden.

    Zusammengefasst: Wer relativ frühzeitig Gegensteuer (z.B. Demographischer Faktor in der Rente) hat mehr Spielraum und kann mit weniger radikalen Lenkbewegungen agieren. Wer aber den Kurs wie in beton gegossen beibehält erleidet eine Bruchlandung. Wenn Griechenland sich selber helfen kann – kann, darf und soll es auch frei bestimmen wie es sich hilft. Wenn aber Griechenland fremdes Geld nimmt von dem alle Wissen, dass es dieses nur dann wird (teilweise) zurückzahlen können wenn es seine Staatsdiener um min. 25%-50% reduziert und die Steuern auch eintreibt dann sind diese Refomen/Sparmassnahmen notwendig um das Geld zu bekommen.

    Die Kunst der Griechen bisher besteht darinnen, wenig bis nichts zu refomieren und dabei laut zu reklamieren es wäre anders. 1 MRD € Zuschuss pro Woche sind schnellst möglich abzustellen.

    Wachstum, Perspektive, Arbeit sind wichtig, sind die Basis für private Lebensentwürfe und Hoffnung der Jugend. Dazu braucht man private Investoren und Gläubiger. Diese brauchen gute Rahmenbedingungen und müssen Vertrauen können. Weder Wachstum noch Arbeit noch Perspektive kann der Staat direkt selber schaffen.

    Die schlichte Wahrheit lautet – als Deutschland vor 10 Jahren die Einschnitte mit den Reformen einführte – Arbeit, Rente, viele Steuern – hat Griechenland fleissig auf Pump Wahlgeschenke verteilt. Dieses Strohfeuer, diese Importblase ist nun geplatzt …

    Griechenland hat es verdient, dass man ihm nicht vertraut. Jede Reform muß kontrolliert werden und für jeden Euro muß man eine Reform einfordern. Dies schulden wir den Bürgerinnen und Bürgern in Griechenland, damit diese und deren Kinder eine Perspektive haben werden und wir schulden es den Steuerzahlern. Es ist unrecht Geld dem Bürger abzupressen und dann in das “schwarze Loch” Griechenland, Korruption, Nummernkonten verpuffen zu lassen.

    • John Doe
      23. Juni 2012 um 09:32

      Da ist er wieder, der Vergleich mit dem Sündenbock, hier der gottesfürchtige, autoritätsgläubige deutsche Steuerzahler und dort der Faule. Weil er faul ist, deshalb muss er bestraft werden!

      Ihr Argument mit den Beamten. Vorab eine grundsätzliche Frage: Was ist der Unterschied zwischen Beamter und Staatsbediensteter? In D haben wir knapp 1,75 Mio. Beamte, aber 4,6 Mio. Staatsbedienstete (Stand 2007). Ihr Sündenbock für die Malaise in GR seien die Beamten. Die hätten sich das GANZE Geld unter den Nagel gerissen, so der pauschale Vorwurf. Rechnen wir mal: Laut EU hat GR während der letzten 30 Jahre rund 380 Mrd. € Hilfsgelder erhalten.Wenn der Ansatz stimmt, dass die griechischen Staatsbediensteten GÄNZLICH aus den Hilfsgeldern bezahlt wurden, dann hat jeder Staatsbedienstete 1056 € mtl. an Einkommen. Sie gehen sogar noch einen Schritt weiter und behaupten, dass die zusätzlichen Kredite privater Art ebenfalls den dortigen Staatsbediensteten in VOLLER Höhe zu Gute kamen. Sind Sie sich ganz sicher, dass Ihr Ansatz stimmt, die Staatsbediensteten hätten in VOLLER Höhe Kredite und Hilfsgelder ab gezockt, damit den Staat in die VOLLE Schuldenhöhe gestürzt und wie wollen Sie die Behauptung verifizieren? In GR wurden in diesem Zeitraum Waffen gekauft, die Olympiade finanziert, Infrastrukturmaßnahmen durchgeführt, die Immobilienblase finanziert, die Korruption wurde bezahlt uvam.. Von welchem Geld sind diese Maßnahmen bezahlt worden, wenn doch das ganze Geld vollständig den schmarotzenden Staatsbediensteten in den nimmersatten Rachen geworfen wurde, so der Tenor des Beitrages. Anders kann ich es mir nicht erklären, dürfte mehr als eine dürftige Beweisführung sein!

      Wettbewerbsfähigkeit und “strukturelle” Reformen, die in D nur positive Wirkung entfaltet hätten. Der Vorteil wird so formuliert: … danach KÖNNTEN Preisreduzierungen durch geführt werden … Wenn nicht, dann ist doch die Maßnahme für das Ziel doch völlig untauglich. Eine innerbetriebliche Verbesserung der Kosten-Gewinnsituation schlägt nur dann sich in sinkenden Verkaufspreisen nieder, wenn diese Differenz auch weiter gegeben wird. Lässt sich dieser innerbetriebliche Vorteil flächendeckend in voller Höhe in den Verkaufspreisen im Binnenland und im Export wieder finden? Wenn ja, wie? Die bloße Beahuptung reicht wohl nicht aus! Die verwendete Sprache entlarvt den Vorteil als recht dünnes Brett, es wird die Möglichkeitsform verwendet. Über den Weg der Inszenierung wird daraus aber dann eineTatsache. Kurzer Hinweis noch: In der Cambridge-Cambridge-Kontroverse ging es genau um diese Frage. Samuelson, der Verfechter der neoliberalen Produktionstheorie, musste zu gestehen, dass seine Lehre so große Lücken auf wies, als dass sie für die Realität nicht brauchbar ist! Für was ist diese rechtfertigende Lehre dann aber tauglich?

      Welche Paretoeffizienz reklamieren Sie eigentlich für sich und welche gestehen Sie anderen zu? Übersetzt: Wollen Sie das gefüllte Schweinderl haben oder sind Sie mit dem leeren Sparschwein zu frieden?

    • wetec
      23. Juni 2012 um 20:28

      Tooor für Europa!!!
      Thomas Fricke erkämpft sich den Ball in der eigenen Hälfte, und setzt zu einem unwiederstehlichen Solo an, dem weder die eigenen Mitspieler,- noch die merkelschen
      Neoliberalen folgen können. Auf sich allein gestellt findet Fricke die Lücke und zündet aus halbrechter Position eine Rakete, die millimetergenau im linken,- oberen Eck des Merkelkastens einschlägt.
      Was für ein schulmässiger Konter!! Der wäre als kostenlose “Bild-Beilage” für 41 Millionen deutsche Haushalte eine nachhaltige Anschauung.

      Das Planspiel dieses Artikels ist leicht verständlich beschieben, und auch ohne ökonomische Vorkenntnisse nachvollziehbar, die Sie aber offensichtlich haben. Um so verwunderlicher ist es, dass Sie die logischen Fakten gänzlich ignorieren, und die gesamte Springerpalette runter beten, ohne auch nur einen Blick vor die eigene “Haustür” zu werfen.
      Das einzige Klientel, das von der Merkelregierung nicht bedient wird, ist das gemeine Volk.
      Hoteliers, Energieriesen, Grossunternehmen, Versicherungen, Banken, etc. werden zu Lasten der Allgemeinheit begünstigt. Ist Ihnen das bei ihren Recherchen entgangen, dass Sie mit dem Finger so vehement auf andere zeigen??

      Die gleichen Akteure, die damals mit windigen Bankertricks Griechenland zum Beitritt in die Währungsunion verholfen hatten und dafür 200 Millionen Dollar kassierten, sitzen heute im Kanzleramt mit am runden Tisch und “beraten” die Kanzlerin, wie sie die Krise zu handhaben hat. Und man kann ja nur dämlich sein, zu glauben, dass hier nicht die Interessen von Goldman Sachs und der Finanzidustrie durchgedrückt werden.
      Wenn Sie also Griechenland nicht vertrauen, wie kommen Sie denn auf den Trichter, Merkel vertauen zu können?
      Kriegen Sie die Einschläge denn nicht mit? Werkschliessung in Bochum aufgrund Absatzeinbuch des Opel Astra in Südeuropa. Kurzarbeit für 4000 Kölner Fordmitarbeiter, weil die Griechen keinen Ford Fiesta mehr kaufen können. Lt. SPON 17% Auftragseinbruch des Maschinenbaus im Euroraum.
      Halbwissen wird die Dinge nicht ändern, und wird auch niemandem nützen. Es sei denn, man ist Banker oder einer von der Politik beauftragter PR- Mitarbeiter.

      • 23. Juni 2012 um 23:34

        Seien Sie mir nicht böse, aber ich glaube, Sie haben den Artikel gar nicht verstanden.

  13. Peter Noack
    22. Juni 2012 um 12:36

    Wieviel Geld könnte Griechenland retten, ohne das Reformen umgesetzt werden müssten? Würden 500 Mrd. Euro reichen? Woher weiß der Chefredakteur, dass auch nur ein Euro einen anderen Weg nehmen würde als die letzten 500 Mrd. Euro, die Griechenland seit seinem Eurobeitritt an Zuweisungen und Krediten aingesetzt hat?
    Mit oder ohne sparen, Reformen tun not. Wann werden diese umgesetzt? Mit der neuen Regierung wird Griechenland noch Jahre neue Schulden nachen. Wird es überhaupt zu einer Konsolidierung kommen?
    Schreiben Sie doch einmal wie Griechenland wettbewerbsfähiger wird, dazu Wirtschaftswachstum ankurbelt und die Haushalte konsolidiert. Wie wird wohl die griechische Gesellschaft aussehen, wenn das in den nächsten 20 Jahren abgearbeitet ist. Griechenland braucht einen Aufbau Ost! Wer wird den finanzieren? Schreiben Sie uns Ihre Vorstellungen nach dem 13. Juli.

  14. 22. Juni 2012 um 12:24

    Herzerfrischend gut. Analogien und “Geschichten erzählen” sind eigentlich ein probates Mittel, um etwas zu verkaufen. Und Sie wollen ja Ihre Ansichten “verkaufen”. Also alles sehr gut gemacht. Wir haben einzig zwei Probleme: 1. Wir können den Finanzmarkt nicht mehr richtig erklären ( siehe Straubhaar-Debatte). Konnten wir das eigentlich jemals, oder haben wir das nur geglaubt? Aber das ist eine andere Frage. 2.Sowenig, wie in der Ökonomie heute alte Erklärungsansätze mit Sicherheit helfen, so wenig scheinen heute “klassische Techniken” zum Vermitteln von Inhalten zu helfen. Schön wäre es, wenn ich mit dem letzten Halbsatz nicht recht hätte.

  1. 22. Juni 2012 um 16:42
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