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Wirtschaftsdienst exklusiv – Finanzmarkt: Regulierung auf dem richtigen Weg?

15. Juli 2012

Auch fünf Jahre nach dem Ausbruch der Finanzmarktkrise und einer Reihe von Reformen scheint das globale Finanzsystem nicht nachhaltig stabilisiert. Im aktuellen Zeitgespräch beschäftigen sich die Autoren mit der Frage, warum die Maßnahmen zur Regulierung des Finanzsektors nicht den gewünschten Erfolg zeigen.

Sebastian Dullien, Professor für Volkswirtschaftslehre an der HTW Berlin, skizziert in seinem Beitrag die vielfältigen Reformen zur Finanzmarktregulierung in den USA und der Europäischen Union. Dass weder der US-amerikanische Dodd Frank Act noch europäische Reformen à la ESFS die Probleme des Finanzmarktes lösen konnten, sei schlicht auf unzureichende Problemanalysen zurückzuführen. Die Annahme, die Finanzkrise sei durch falsch gesetzte Anreize und mangelnde Transparenz über die Risikoverteilung im Finanzsystem hervorgerufen worden, hält Dullien für verkürzt. Vielmehr müssen drei bisher unbeachtete zentrale Aspekte berücksichtigt werden: globale Ungleichgewichte, die unproduktive Rolle des Finanzsektors in modernen Volkswirtschaften und die Tendenz der Blasenbildung an den Finanzmärkten. Die Finanzmarktregulierung, wie sie bisher in die Wege geleitet wurde, müsse also grundlegend verändert werden.

Während Dullien die bisherigen Reformen zumindest teilweise als ersten Schritt in die richtige Richtung wertet, ist Max Otte, Professor für Unternehmensanalyse an der Karl-Franzens-Universität Graz, ganz anderer Meinung.  Sein Beitrag entbehrt nicht einer gewissen Polemik, wenn er politische Forderungen der G-20 nach einer stabilen, der Realwirtschaft dienenden Finanzwirtschaft als Makulatur bezeichnet. Die Situation am Finanzmarkt sei seit Ausbruch der Krise unverändert.

Ursache hierfür sei die Macht der Finanzmarktoligarchie, eines Machtgeflechts mit Investmentbanken im Zentrum, die durch die Reformen zur Finanzmarktregulierung unangetastet bleibe. Die Herrschaft der Wenigen innerhalb des Finanzsektors habe nur ein Ziel die Unterwerfung der Realwirtschaft unter die Dominanz der Spekulationswirtschaft. Und die Verfolgung eben dieses Zieles hat Methode – vom brachialem Lobbyismus bis hin zur subtilen Sprachverwirrung.

Dabei ist eine stabile Finanzmarktordnung kein Hexenwerk, folgt man, wie Otte, Sony Kapoors Modell zur Gestaltung eines Bankensystems. Die Prinzipien auf denen ein solches basieren sollte, können nicht klarer formuliert sein: Fairness, Stabilität und Nachhaltigkeit, Haftung, Transparenz, Wettbewerb, Diversität und Einfachheit. Auf der Folie des Kapoor’schen Schemas bewertet Otte die bisherigen Reformen zur Finanzmarktregulierung. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Die Maßnahmen zur Dezentralisierung und zur Regulierung der Akteure und Produkte sind nicht nur unzureichend, sondern teilweise auch kontraproduktiv. Strenge Haftungs- und Compliance-Regeln sowie verschärfter Verbraucherschutz sind nur ein Ausweis dafür, dass der Zustand von Stabilität und Wettbewerb als Ergebnis und Mittel effektiver Krisenprävention in weiter Ferne liegt. Aber er ist nicht unerreichbar, wie Otte betont. Der Vierer-Gipfel für die Transaktionssteuer lässt hoffen.

Der ganze Text als PDF.

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