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Europäische Wirtschaftsexperten legen Krisenplan vor

25. Juli 2012

Gleich 17 renommierte europäische  Wirtschaftswissenschaftler haben der Politik in einem gemeinsamen Arbeitspapier einen möglichen Weg aus der Euro-Krise aufgezeigt. Dabei kommt dem Vorschlag des deutschen Sachverständigenrats für einen temporären Schuldentilgungsfonds eine gewichtige Rolle zu. „Es braucht von deutscher Seite größere Anstrengungen, um die hohen Refinanzierungskosten für Länder wie Spanien und Italien zu senken“, sagte Lars Feld, Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung und Mitautor des Berichts, der FTD.

Um den drohenden Euro-Kollaps doch noch abzuwenden, hat die US-Denkfabrik Institute for New Economic Thinking (Inet) einen Rat aus insgesamt 17 renommierten europäischen Volkswirten ins Leben gerufen. Dem Gremium gehören sechs in Deutschland sehr prominente Vertreter der Zunft an. Neben Feld sind der Sachverständige Peter Bofinger und Dennis Snower, Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, vertreten. Ebenfalls mitgewirkt haben an dem Gutachten Daniel Gros, Direktor der Brüsseler Denkfabrik Ceps, und die ehemalige Sachverständige Beatrice Weder di Mauro.

Hier gibt es den vollständigen Bericht:  “Breaking the Deadlock: A Path Out of the Crisis”

Nach Ansicht der 17 Experten sind die Verwerfungen im Währungsraum zwar bereits sehr weit fortgeschritten. „Europa steht an der Schwelle zu einer Katastrophe“, heißt es in dem Gutachten. Als letzter Dominostein sei Spanien nur wenige Tage von einer Liquiditätskrise entfernt. Noch sei es jedoch möglich, die schlimmsten Schäden abzuwenden.

Dabei unterscheiden die Fachleute zwischen kurzfristigen Maßnahmen zur Lösung der akuten Probleme auf der einen Seite und der Errichtung neuer Institutionen in Europa für die langfristige Stabilität auf der anderen Seite. Für die kommenden Wochen sei es wichtig, den reformierenden Randländern im Währungsraum die Refinanzierung an den Finanzmärkten zu erleichtern. Denn klar scheint: Strukturreformen allein reichen nicht aus, damit die Zinsen in der Euro-Peripherie wieder sinken. „Italien und Spanien etwa unternehmen umfangreiche Reformen, und trotzdem sinken die Risikoaufschläge nicht auf langfristig tragfähige Niveaus“, so Feld. „Entscheidend ist, dass mehr getan wird, um die Probleme kurzfristig zu lösen“, sagte Bofinger der FTD.

Das Problem: Der Rettungsschirm ESM ist zu klein, um den größeren Euro-Ländern zu helfen. Daher einigten sich die Wirtschaftswissenschaftler als akute Krisenmaßnahme auf den vom deutschen Sachverständigenrat vorgeschlagenen Schuldentilgungsfonds. In diesem Topf sollen Altschulden von Krisenstaaten gebündelt werden. Um die Refinanzierung zu erleichtern, soll es vorübergehend gemeinschaftliche Anleihen mehrerer Euro-Staaten geben. Im Gegenzug würden sich die Krisenstaaten verpflichten, ihre Schulden regelmäßig zu tilgen.So könnten die Verbindlichkeiten langfristig wieder auf ein tragfähiges Niveau fallen, sagte Feld. „Damit wäre auch ein Licht am Ende des Tunnels erkennbar.“

Langfristig sei es möglich, den Währungsraum so auszugestalten, dass europäische Schulden nicht vergemeinschaftet würden, glauben die 17 Ökonomen. Die Euro-Krise habe mehrere Konstruktionsfehler des Währungsraums offenbart. „Werden die nicht behoben, verschwinden auch die Probleme der Euro-Zone nicht“, sagte Feld. Daher plädieren diese Experten dafür, eine gemeinsame Bankenunion mit einer zentralisierten Aufsicht zu installieren. Denn die Volkswirtschaften und Finanzsysteme des Währungsraums sind bereits zu sehr verflochten: „Die Verwerfungen am spanischen Bankensektor bedrohen auch die wirtschaftliche Stabilität in Deutschland“, sagte Feld.

Ziel des Schattenrats sei nicht nur gewesen, Experten aus verschiedenen Denkrichtungen gemeinsam einen Vorschlag zur Krisenlösung ausarbeiten zu lassen, sagte Inet-Chef Rob Johnson der FTD. So wurde etwa Lars Feld im Januar 2011 vom damaligen Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) als Kandidat für den Sachverständigenrat vorgeschlagen. Bofinger gilt hingegen als gewerkschaftsnah. „Noch wichtiger ist es, Lösungen zu haben, die nicht nur ökonomisch sinnvoll, sondern auch politisch umsetzbar sind“, so Johnson.

Ihr erstes zweitägiges Treffen hielt die Gruppe Ende Juni in Brüssel ab, kurz vor dem letzten Gipfel der europäischen Regierungschefs. In den kommenden Monaten sind weitere Zusammenkünfte geplant, auf denen unter anderem auch die möglichen Konsequenzen eines Euro-Austritts Deutschlands und die Einführung eines Nord-Euro diskutiert werden sollen, sagte Inet-Chef Johnson.

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  1. Harald Münzhardt
    29. Juli 2012 um 13:04

    @ Manfred Konradt 29. Juli 2012 um 11:15 | #15 @Harald Münzhardt

    1) „Was meinen Expertenstatus betrifft: Ich kenne meine Grenzen…überzeugt das eine europäische Währung sinnvoll, hilfreich und ALTERNATIVLOS ist“

    Damit bekunden Sie Ihre Meinung! OK. Aber können Sie Ihre Meinung auch mit ZAHLEN und RECHNUNGEN unterlegen?

    Versuchen Sie es! Vermutlich kommen Sie zu einer überraschenden Erkenntnis?

    Setzen Sie sich zu Beitrag Harald Münzhardt 25. Juli 2012 um 15:13 @ manulan2 25. Juli 2012 um 14:03 mit den ZAHLEN in Form von BERECHNUNGEN auseinander

    a) Sie können das, dann beginnen wir eine interessante Diskussion

    b) Sie können das nicht, dann bleibt es bei Ihrer Meinungsäußerung. Und Sie beweisen, dass Ihr Expertenstatus da endet, wo man vernünftiger Weise mit Zahlen und Berechnungen beginnt! Angesichts der andauernden Krise erweist sich Ihre Meinung aber zunehmend als falsch.

    2) „Die 17 „Aufrechten“ setzen sich konstuktiv mit der Rettung des EURO auseinander und versuchen wenigstens einen Weg zu weisen. Das vermisse ich bei ihren Kritikern“

    a) Konstruktive Auseinandersetzung bedeutet,
    sich mit Zahlen auseinander zu setzen, Berechnungen vorzulegen.
    Alles andere ist weder aufrecht noch konstruktiv, sondern schädlich!
    Nennen Sie mir die Ergebnisse der 17!

    b) Der Weg wurde mehrfach genannt, zurück zu nationalen Währungen! Und genau das wird eintreten. Rückkehr zu den nationalen Währungen!

    http://www.unzensuriert.at/content/009213-Hankel-Euro-Crash-k-nnte-Befreiungsschlag-sein

    “„Würde die Euro-Welt zusammenbrechen, wenn man den ESM und den Fiskalpakt nicht sofort beschließen würde?“

    Hankel: Sie würde zusammenbrechen, aber vielleicht würde das ein Befreiungsschlag sein. Ich habe den Abgeordneten hier das Beispiel Island verdeutlicht.
    Alle Probleme, die auf Europa zukommen, alles was in Europa passieren kann und wird, ist bereits nach 2008 in Island passiert. Diese kleine Volkswirtschaft am Rande Europas hat einen Totalzusammenbruch aller Banken erlebt und in Folge dessen auch kurzfristig eine massive Zunahme der Arbeitslosigkeit.
    Dieses Land, weil es nicht im Euro ist und keine EU-Empfehlungen umsetzt, hat sich selbst saniert.
    Island steht heute mit 2,5 Prozent Wirtschaftswachstum eigentlich besser da als jedes EU-Land.”

    Harald Münzhardt

  2. Harald Münzhardt
    27. Juli 2012 um 12:12

    @ Peter Noack 27. Juli 2012 um 11:29 |

    „Wie kommen nun die Gläubiger zu ihrem Recht?
    Durch Krieg!
    Das war immer so“

    Danke Herr Noack für Ihre Darstellung.

    A) „Das war immer so“ heißt nicht, dass es heute auch noch so ist oder gar sein müßte, oder?

    B) Oder heißt erst recht: Das darf auf keinen Fall geschehen!

    Ich mache Ihnen folgenden Vorschlag.

    Lassen Sie uns anhand Ihrer Darstellungen einen Krieg als möglichen realen Hintergrund diskutieren.

    1. Wären heute noch Kriege in Anbetracht der bekannten Ursachen der Systemkrisen völkerrechtlich begründbar?
    (Abgesehen davon, dass Kriege nie wirklich zu rechtfertigen sind)

    2. Inwieweit würden eigene Währungen einen Krieg fördern, könnte der sterbende Euro Kriege verhindern?

    3. Wer schuldete wem was, als der erste und der zweite Weltkrieg ausbrachen?
    Und wie kam dadurch wer zu seinem Recht?

    Harald Münzhardt

  3. Demz
    26. Juli 2012 um 14:49

    Also die Lohnstückkostenentwicklung in Frankreich trifft die Zielinflation der EZB ziemlich genau. Deutschland weicht nach unten stärker ab, als Südeuropa nach oben.
    vgl. http://3.bp.blogspot.com/_tk4IaJRyiSY/TVFvGOBVf5I/AAAAAAAADU8/5zNGgyZzcoI/s1600/Deutschland%252C+Lohnst%25C3%25BCckkosten%252C+Graph+Prof.+Heiner+Flassbeck%252C+Jan+2011.jpg

  4. ausundvorbei
    25. Juli 2012 um 14:19

    Wer es noch nicht verstanden hat: Europa hat fertig! Ganz einfach! Es ist aus! Ende! Die Zukunft in den nächsten Monaten?
    Wer die Entwicklung auf der Welt verfolgt wird erkennen das es keine Rettung mehr für Europa gibt. Wer soll denn die ganzen Altlasten der einzelnen Staaten stemmen? Deutschland geht es nur “gut” durch den noch vorhandenen relativ starken Mittelstand. Das ist aber auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Auf Reformen im Ausland warten? Da könnten die Damen und Herren der Regierungen auch gleich versuchen Kühen das Fliegen beizubringen. Die Wahrscheinlichkeit zum Erfolg wäre hier weitaus größer.
    Es wird zu einem Krieg in Europa kommen, mindestens zu einem großen Bürgerkrieg. Die Staaten werden die Renten nicht mehr finanzieren können. Das öffentliche Netz wird zusammenbrechen. Keine Sozialleistungen mehr, keine Krankenversorgung, Müllabfuhr ect.. Die “Reichen” und die Politiker werden sich vorher in andere Länder absetzen und das ganze nur noch in den Medien verfolgen wie Europa sich zerfleischt. Die Städte werden brennen und Eltern werden um ihre toten Kinder trauern.
    DAS ist die Zukunft die uns die EU eingebrockt hat.

    • Harald Münzhardt
      26. Juli 2012 um 11:12

      @ausundvorbei 25. Juli 2012 um 14:19 |

      1) “Wer die Entwicklung auf der Welt verfolgt wird erkennen das es keine Rettung mehr für Europa gibt”

      Sie haben insofern Recht, dass uns z.B. China demonstriert, dass selbst enormes Wirtschafts-Wachstum offensichtlich nicht die Lösung für eine stabile Währung ist.
      Das bestätigt auch, was wir ja auch so schon wissen, dass die Lösung des Euro-Problem offensichtlich auch keine Frage des Wirtschafts-Wachstums ist.

      Und wir erleben außerdem, dass die sogen. globale Wirtschaft globale Risiken mit sich bringt!
      Währungskrisen sind zyklische Systemkrisen!

      2) „Wer es noch nicht verstanden hat: Europa hat fertig!“

      Europa hat vor dem Euro bestanden und wird es auch danach.
      Aber eins steht fest – Je eher der Euro-Wahn beendet wird, desto weniger Verluste in allen beteiligten EU-Ländern.

      3) „Es wird zu einem Krieg in Europa kommen, mindestens zu einem großen Bürgerkrieg…Keine Sozialleistungen mehr, keine Krankenversorgung, Müllabfuhr…
      Die Städte werden brennen“

      Da kann ich nur antworten: „Stell dir vor, es wäre Krieg, und keiner geht hin“!

      Betrachten wir Deutschland:
      Das schlimmste, nämlich der sinnlose Ausverkauf wurde zunächst durch die Klagen zum ESM gestoppt.
      Das Verfassungsgericht wird auf Grund der Feststellung, dass Europa „überraschend“ auch ohne den Ausverkauf Deutschlands weiter existiert, in der Lage sein, auch gegen alles Unken, gegen den Ausverkauf zu entscheiden.

      Und wir leben nicht mehr 1933,
      wo man per Göbbels-Schnauze auf Krieg dressiert wurde.

      Wir können aus der Erfahrung der Geschichte lernen.
      Deutschland ist leistungsfähig genug, jeden von uns mit Wohnung, Wasser und Essen zu versorgen.
      Und jeder sollte sich jetzt Gedanken machen, zusammen ein lebenswertes Deutschland aufzubauen, ohne ein friedliches Zusammenleben in Europa aus den Augen zu verlieren.

      Wenn ich mein Auto nicht mehr halten kann, ist das für mich kein Grund, in den Krieg zu ziehen!
      Und ich behaupte, jeder von uns kann mit ALGII für ein paar Jahre auskommen, um eine Krise zu überbrücken.
      Diese Erfahrung werden einigen Herrschaften, die bisher politische Ämter einnehmen, sehr gut tun.

      4) „DAS ist die Zukunft die uns die EU eingebrockt hat“

      Lasst uns gemeinsam auf einen Volksentscheid hin arbeiten, um die Herrschaften in Brüssel abzuwählen. Solch einen Selbstbedinungsladen, wo Sekretärinnen mit 8000 EUR nach Hause gehen, brauchen wir nicht!
      Und wir brauchen und wollen auch kein Eurasien!
      Solch ein Eurasien gehört in den Mülleimer der Geschichte!

      5) Betrachten wir alle die Situation als Chance. Sie hat uns gezeigt, wie Politiker auch in Deutschland entarten können.

      Ein sinnvoller Weg aus dem Grundübel der globalen Wirtschaft:
      Jörg Gastmann „Geldlawine“

      Harald Münzhardt

      • Peter Noack
        27. Juli 2012 um 11:29

        Sehr geehrter Herr Münzhardt!
        Sie haben fast in allem recht. Denken Sie ihre Überlegungen bitte bis zum bitteren Ende. Nicht nur Europa hat fertig. Das gilt auch für die USA, für GB, für Japan und einige andere Staaten.
        Es ist so gekommen, weil die Finanzmärkte die Realwirtschaft und die Politik beherrschen. Was heißt das im Umkehrschluss? Staaten mit ihren Staatdsbürgern haben keinen Einfluss mehr auch die zerstörerischen Aktivitäten der Finanzmärkte und deren realwirtschaftliche Folgen. Bürgerkriege sind dabei lediglich Kollateralschäden, die einkalkuliert sind.
        Was würde denn schon passieren, wenn Amerika als stärkste Wirtschaftsmacht und einzig verbliebene Weltmacht zu Fall kommt? Was wäre denn dabei, wenn das gleiche auch der stärksten Wirtschaftsregion der Erde, der EU, ebenso ginge? Alle spekulativen Gelder wären augenblicklich wertlos und unwiederbringlich verloren. Diesen Ausgang dürfen Politiker nicht wollen. deshalb erleben wir Bürger das andauernde rumgeeiere. Da den Schulden centgenau Vermögen gegenüber stehen, stellt sich die Frage, was die Geldkapitalbesitzer aus Asien und den Ölscheichtümern nach der Pleite der OECD-Staaten machen würden? Würden diese die Schulden übernehmen? Wohl kaum! Also übernehmen diese die Vermögen die ja zweifelsohne übrig sind. Was passiert, wenn die Pleitestaaten die staatlichen und privaten Vermögenswerte nicht herausgeben wollen? Ein Weltinsolvenzgericht gibt es nicht. Die Herausgabe der Vermögenswerte kann also nicht durch einen Rechtsakt erstritten werden. Wie kommen nun die Gläubiger zu ihrem Recht? Durch Krieg! Das war immer so. Wird Politik die Finanzmärkte soweit zähmen können, dass dieser Ausweg versperrt bleibt? Die Debatten zu den Schuldenthemen lassen nichts gutes erwarten. Auch am Krieg werden einige hervorragend verdienen. Spekulanten können dann vielfältig auf den Ausgang wetten. Aber bei diesen Wetten verlieren einige das , was andere gewinnen wollen. Für die ist der Krieg nur das Medium, das Mittel für die Wette. Alles andere ist dann ohne jede Bedeutung.

  5. 25. Juli 2012 um 13:18

    Wenn der Artikel dann noch erwähnt hätte, dass der INET-Thinktank von George Soros finanziert wird (was man im Handelsblatt nachlesen kann: http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/nachrichten/europaeische-oekonomen-europa-steuert-schlafwandelnd-auf-katastrophe-zu/6917036.html), dann wüssten alle Leser, mit wem sich der gewerkschaftsnahe Ökonom Peter Bofinger hier verbandelt hat!

    Aber ich verstehe natürlich, dass Sie diesen Sachverhalt nicht hinausposaunen möchten!

    • Mathias Ohanian
      25. Juli 2012 um 14:31

      Sehr geehrter Herr Brinkmann,
      nicht nur der “gewerkschaftsnahe Ökonom Peter Bofinger” hat sich mit Soros verbandelt, wie Sie es ausdrücken. Auch Snower und Feld, Weder di Mauro und Voth. Das sind doch allesamt renommierte Ökonomen, die wirtschaftspolitisch eher unverdächtig sind, oder nicht?
      Mit besten Grüßen
      Mathias Ohanian

    • Huthmann
      27. Juli 2012 um 11:17

      In Ihrem Schaubild erkennt man gut, wie sich Lohnstückkosten auseinander entwickelt haben. Das ist bekannt und stellt den Südländern wie auch den Nordländern kein gutes Zeugnis, aus auch was die Kommunikation und Koordination untereinander vor der Finanzkrise angeht.

      Meine Frage nun: ist es ausreichend, wenn die Lohnstückkosten genauso schnell wachsen wie das Inflationsziel. Demgemäß würden doch Ziel-Preiserhöhungen ausschließlich in Lohnerhöhungen fließen?

  6. Huthmann
    25. Juli 2012 um 12:58

    Die Vorkommentatoren haben im wesentlichen die wichtigsten Argumente bereits gegeben. Wenn die sich ernsthaft bemühenden Südländer nachweisen würden, daß sie über Jahre hinweg nachhaltig Primärüberschüsse erzielen würden, dann wäre der Kapitalmarkt sicher bereit an eine ernsthafte Sanierungschance zu glauben und dann würden die Renditen der Staatsanleihen auch mit geringeren Risikoquoten bepreist werden. Aber wer glaubt denn daran, daß überhaupt irgendwann einmal Primärüberschüsse erzielt werden? Ernsthaft niemand.

    Solch einfache Überlegungen sind diesen Wissenschaftlern fremd. Warum? Weil Sie vom realen Leben kaum Ahnung haben. Sie bekommen jeden Monat ihr Professorengehalt, sind unkündbar und haben weder Verantwortung noch haften Sie für etwas.

    Ein Rätsel ist mir, daß Sie Herr Fricke das noch nicht kapiert haben. Nach meiner Promotion am Fraunhofer sagte mir einmal mein Professor: jetzt wären wir in der Lage eine Pommes Frittes Bude zu betreiben. Wenn man das eigenverantwortlich gemacht habe, dann habe man sich in der Marktwirtschaft bewährt. Von diesen Fachmännern und -frauen kann man das weiß Gott nicht sagen.

    • Demz
      25. Juli 2012 um 15:43

      Solange Deutschland auf seinen Exportüberschuss in die Eurozone besteht, wachsen auch die Verbindlichkeiten der Peripherie weiter. Langfristig wäre eine koordinierte Lohnpolitik ausgerichtet an Zielinflation und individueller Produktivität ein Schlüssel. Insofern ist man mit den “Reformen” in Deutschland über das Ziel hinausgeschossen, zu Lasten der eigenen Arbeitnehmer und zu Lasten der Handelspartner. Ob man sich allerdings überhaupt noch über langfristige Horizonte unterhalten muss ist fraglich, da dem Süden mit dem jetzigen Maßnahmenportfolio die baldige Zahlungsunfähigkeit droht.

      • Huthmann
        26. Juli 2012 um 12:05

        Sie haben Recht damit, daß Deutschland mit den Schröderschen Reformen ggf. über das Ziel hinausgeschossen ist. Sie haben auch Recht damit, daß die eigenen Arbeitnehmer gelitten haben. Lohnsteigerungen in Deutschland sind sicher angemessen. Aber schauen Sie sich doch bitte an, in welchem Ausmaße die Südländer in den vergangenen Dekaden regelmäßig gegenüber der DM abgewertet haben. Diese enorme Produktivitätslücke macht z.B. schon im Vergleich Deutschland zu Frankreich ca. 2,5 % pro Jahr aus; d.h. nach 10 Jahren sind das 1,025 exp 10 = 1,28 d.h. 28 %. Für Spanien z.B. ist der Unterschied noch viel größer, gar nicht zu reden von Griechland und Portugal. Hierauf müssen diese Länder bei einheitlicher Währung eine Lösung finden und das bedarf einem kompletten Umbau von Gesellschaft und Kultur dort. Ist das realistisch? Ich denke nein.

  7. Harald Münzhardt
    25. Juli 2012 um 11:59

    Was soll das Geschwafel der 17 Ökonomen von “Die Euro-Krise habe mehrere
    Konstruktionsfehler” und “„Die Verwerfungen am spanischen Bankensektor bedrohen auch die wirtschaftliche Stabilität in Deutschland“.

    1) Klar, Deutschland ist ein “starkes” Land, mit vor allem STARKEN 2000 Mrd Euro SCHULDEN.
    Zum Vergleich die Dimension: 12 Bio Schulden allein der Südstaaten (3/4 davon Bankschulden!).
    Gesamtschulden 2011 2 000 Milliarden Euro, Quote 82 % steuerzahler.de/wcsite.php/_c-43/_lkm-24/i.html

    2) Bankenunion
    Seit wann löst der Zusammenschluss von relativ gesunden Banken mit
    hochverschuldeten Banken Probleme?

    Es handelt sich nicht um eine Bankenkrise, sondern um eine Systemkrise, und das Allerletzte, was gegen Symptome hilft, sind Symptombeschwörungen.

    Meine Aufforderungen an die 17 Ökonomen
    Hören Sie auf zu schwafeln!
    RECHNEN Sie Ihre Maßnahmen und Ihr Bankenmodell in ZAHLEN vor.

    Ich mache eine ganz einfache Rechnung mit den offiziellen Schulden auf:
    2 Bio Schulden BRD + 12 Bio Schulden allein Südländer = 12 Bio Schulden der Südländer ansteigend

    3) Der Fall Deutschland – mehr als 2 Bio Schulden und gefährliche Kreditblasen

    a) In den 2 Bio Schulden sind die Bailouts/Haftungen für den Rest Europas noch gar nicht enthalten

    b) Die PRIVATE VERSCHULDUNG
    – allein der Immobilienmarkt mit 95% Verschuldung
    – Kredite für Urlaub, Technik, Wohnungseinrichtung…

    4) Gehen wir der Sache auf den Grund:

    a) Wieso eigentlich diese Experten von einer US-Denkfabrik!

    b) Und warum immer wieder eine Bankenunion!

    Dazu:

    “Banker erklären USA und Europa für erobert” Artikel von: we are change Deutschland • 23.07.12 yoice.net/blog/2012/07/23/banker-erklaren-usa-und-europa-fur-erorbert/

    „Im Video fragt der Moderator die Gäste: “Arbeiten wir alle für Zentralbanker – ist das letztendlich eine Weltregierung – ist das eine Welt – die Zentralbanker in Kontrolle… leben und sterben wir nicht alle für das, was die Zentralbanken tun?”

    “Um Ihre Frage zu beantworten, wir sind absolute Sklaven der Zentralbanken”, antwortet ein Gast.
    “Wir sind dem verpflichtet, was Zentralbanker und politische Entscheidungsträger tun und nicht den Fundamenten der Wirtschaft”, fügt ein anderer hinzu. Dies ist nur eines aus einer Flut von Beispielen, die deutlich zeigen, dass die Bankerelite eine Weltregierung auf Kosten der amerikanischen Bürger errichtet. „

    Wollen wir das in Deutschland? NEIN!

    Wollen wir das in Europa? NEIN!

    5) Was wollen wir mit den sogen. „Experten“ von einer US-Denkfabrik!

    Die schaffen doch nicht mal in ihrem eigenen Land Ordnung!

    „USA: Die Pleite als letzte Hoffnung
    In den USA schlittern immer mehr Städte an den Rand der Insolvenz… Als bisher größte Stadt schlitterte vor zwei Wochen Stockton in die Insolvenz.
    Selbst Sparmaßnahmen haben nicht gefruchtet. diepresse.com/home/wirtschaft/international/1269674/USA_Die-Pleite-als-letzte-Hoffnung?_vl_backlink=/home/wirtschaft/international/index.do

    Und solche US-Experten wollen uns klarmachen, in Europa dürfte es keine Pleiten geben?

    Deutschland steht doch selbst davor, oder?

    Lächerlichen 17 Wirtschafts”Experten” stehen aktuell 269 (!) deutschsprachige Wirtschaftsprofessoren mit Ihrem vernichtenden Urteil zu ein Bankenunion gegenüber. statistik.tu-dortmund.de/kraemer.html

    Harald Münzhardt

    • 25. Juli 2012 um 14:03

      @Harald Münzhardt

      macht es Sinn 17 gegen 269 Experten aufzurechnen?

      Wir leben in einer globalisierten Welt, sind ein rohstoffarmes Land und fertigen aus importierten Rohstoffen Produkte die wir exportieren. Das ist unser “Kerngeschäft”.
      Es ist in unserem Interesse unseren “Kunden” wieder auf die Beine zu helfen und sicher
      wird es – wie in der “Realswirtschaft ” auch – zu Vergleichen kommen.

      Wenn Schuldenabbau die Dominante sein soll was die aufgeführten Zahlen nahelegen
      hieße das auch mindestens ein halbes Jahrtausend Leben in Armut und Sparsamkeit.
      Soll das sein? Kann das sein?

      • Harald Münzhardt
        25. Juli 2012 um 15:13

        @ manulan2 25. Juli 2012 um 14:03

        1) „macht es Sinn 17 gegen 269 Experten aufzurechnen?“

        a) Wenn sich aktuell 269 Professoren auf hieb- und stichfeste Daten von u.a. Prof. Sinn stützen

        Prof. Dr. H. W. Sinn zur Situation in der EU youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=tvcN1gkaEew#at=20

        b) aber diese Professoren im eigenen Land und als Teil Europas auch von Europa vorsätzlich ignoriert werden

        c) sogen. „Experten“ aus den USA, die am zusammenbrechen sind, ihre Macht aber nicht aufgeben wollen, 17 sogen. „Experten“ herbeizaubern

        d) diese 17 sogen. „Experten“ bisher lediglich mit Symptombeschwörungen aufwarten, und kein Rechenmodell aufweisen können

        dann unterstreicht das Verhältnis von 17 Alibi“Experten“ gegenüber aktuell 269 Professoren mit fundierten Rechnungen nur den Sachverhalt!

        2) „Es ist in unserem Interesse unseren “Kunden” wieder auf die Beine zu helfen“

        So so, Sie sind also auch einer jener Experten, die folgendes Modell vertreten

        a) Wenn ich Ware exportieren will, dann muss ich meinen Kunden das Geld vorher überweisen, damit sie die Ware auch bezahlen können, oder?

        b) Wenn das mit dem Überweisen aber nicht direkt geht, dann machen wir eine so schön klingende Bankenunion.

        Auf Deutsch: Das Geld der Bankkunden, das in den deutschen Banken deponiert wird, wird über die sogenannte Bankenunion an die ausländischen Banken transferiert, damit diese die Exporte finanzieren, solange, bis die deutschen Banken pleite sind, oder?

        c) Sollten Sie beweisen können, dass Sie nicht zu den Alibi“Experten“ gehören, dann rechnen Sie Ihr Beispiel der Exportsicherung vor!

        Kleine Gedankenstütze
        Beitrag Harald Münzhardt 25. Juli 2012 um 11:59, Zahlen Pkt 2)

        3) „Wenn Schuldenabbau die Dominante sein soll was die aufgeführten Zahlen nahe legen“

        Nein, das legen die Zahlen überhaupt nicht nahe.
        Das ist allein Ihrem falschen Denkansatz geschuldet!

        Das zinseszinsbasierte System basiert auf Schulden!
        Daher ist Schuldenabbau eine Illusion.

        Es sind aktuell die Folgen der zyklischen Systemkrisen.
        Der Euro hat die Systemkrise lediglich beschleunigt!

        4) „hieße das auch mindestens ein halbes Jahrtausend Leben in Armut und Sparsamkeit“

        a) Das ist ihre Interpretation.

        Da die Schulden nicht aus tatsächlicher Schuld entstanden sind, sondern allein systembedingt aus dem Zinseszins überproportional gegenüber der Wirtschaft wachsen müssen, ist eine Entschuldung sogar zwingend logisch!

        b) Der einzige Ausweg sind nationale Währungen und der Abschied vom Zinseszins!
        Nur über nationale Währungen bleiben die Banken beherrschbar.

        c) Wer hier noch den Euro für einen Rest von Europa verteidigen will, möchte sich erinnern, wie er entstand.

        Es war die Bedingung, die Frankreich aus Bedenken vor einem starken Deutschland gestellt hatte.
        Mit welchem Recht?
        Frankreich ist mit 65 Mio Einwohnern doch auch ein starkes Land, oder?

        Aber der Euro ist nun nicht nur der Spaltpilz Europas geworden, sondern er bedroht inzwischen die Existenz aller Länder Europas!

        d) Bitte sehr, rechnen Sie vor, wie Sie durch ein „halbes Jahrtausend Leben in Armut und Sparsamkeit“ die Schulden mit oder ohne Bankenunion abbauen wollen. Dann nehme ich auch die Bezeichnung Alibi“Experte“ zurück und nenne Sie einen wirklichen Experten.

        d) Wie ein funktionierendes Wirtschaftssystem nicht nur in Deutschland fantastisch und zum Wohle aller funktioniert
        Jörg Gastmann „Geldlawine“
        Unbedingt lesen!!!!!

        Harald Münzhardt

      • 29. Juli 2012 um 11:15

        @Harald Münzhardt

        Es ist wohl gar nicht einfach den Professor Sinn zu ignorieren. Der sucht und findet schon sein Publikum.

        Man mag im Zinssystem ein Grundübel sehen. Der selige Herr Gesell hat ähnlich argumentiert und in letzter Zeit wird das (teilweise historische) System des Islam als Vorbild ausgerufen. In der jetzigen Lage hilft das nicht. Ich bin nach wie vor davon überzeugt das eine europäische Währung sinnvoll, hilfreich und ALTERNATIVLOS ist. Mögen Dobrinder und in der Wirtschaftspolitik dilettierende Ärzte auch anderer Meinung sein.

        Was meinen Expertenstatus betrifft: Ich kenne meine Grenzen. Das „Wunder“ fasziniert mich aber dennoch und ein wenig wundere ich mich darüber das dieses weblog zu einem nicht geringen Teil eine Spielwiese apokalyptischer Reiter ist. Die 17 „Aufrechten“ setzen sich konstuktiv mit der Rettung des EURO auseinander und versuchen wenigstens einen Weg zu weisen. Das vermisse ich bei ihren Kritikern.

  8. Manfred Konradt
    25. Juli 2012 um 11:30

    @otto15
    Ein auf Dauer angelegter Rettungsfond ist eine Chance die genutzt werden sollte.
    Ein langsamer, stetiger Schuldenabbau macht Sinn. Wird er durchgehalten kehrt
    auch das Vertrauen zurück

    Ich halte es für Möglich das gerade der enorme Druck auf die Südländer verhindert
    das die Reformen greifen können.

    • John Doe
      25. Juli 2012 um 18:11

      Sehr geehrter Herr Konrad,

      ” … auch das Vertrauen zurück.”

      Vertrauen in was und wen?

      • 29. Juli 2012 um 11:19

        @John Doe

        Vertrauen in ein komplexes System dessen Strapazierfähigkeit wie wir spätestens seit 2008 wissen Grenzen hat.

  9. otto15
    25. Juli 2012 um 10:33

    Allen Lösungen haftet die Schwäche an, dass sie nicht funktionieren, wenn die Schuldendynamik nicht gestoppt wird. Daran glauben die Problemländer wohl auch nicht und sehen daher diesen Fonds nicht als Lösung, sondern Eurobonds. Auch die auf Dauer angelegten Rettungsfonds sind och wohl eine Mogelpackung, da Rettung immer nur etwas kurzfristiges sein kann, damit der Gerettete wieder auf eigenen Beinen steht.- Der Schuldentilgungsfonds entlastet die Schuldenländer zunächst tatsächlich und die Geburtshelfer werden jubilieren. Aber wenn die Defititen icht abgebaut werden, steigt die nationale Verschuldung wieder an auf 80% oder wer weiß? Dan kommt der pol. Druck, den kritischen Anstieg wieder in den ‘Tilgungsfonds’ zu transferieren und der Tilgungsfonds wird zum Schuldenexplosionsfonds. Es wird wieder nur Zeit gekauft. Zugegeben, ich habe null Vertauen in die Südländer, was ihre Refonmfähigkeit angeht.

    • Lars
      25. Juli 2012 um 15:46

      Spanien hat mit schludriger Haushaltsführung seinen Schuldenstand zwischen 2000 und 2007 von 60 auf 35 % des BIP runtergewirtschaftet. Und Deutschland hat vorbildlich seinen Schuldenstand von 60 uaf 65 % des BIP erhöht.

      Da hätte ich kein Vertrauen darin, dass die Spanier mit vernünftigen Zinsen ihr Defizit in den Griff bekommen.

      • regnar
        28. Juli 2012 um 14:25

        “Spanien hat mit schludriger Haushaltsführung seinen Schuldenstand zwischen 2000 und 2007 von 60 auf 35 % des BIP runtergewirtschaftet”

        dank Baublase, 100% Auslandsverschuldung und trotz miserabler Produktivität

        da kann man kein vetrauen haben

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