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Wirtschaftsdienst exklusiv – Nationale Geldschöpfung zersetzt den Euroraum

13. August 2012

Europäische Geldpolitik im Krisenmodus. In einem Artikel aus dem aktuellen Wirtschaftsdienst untersuchen Stefan Krooths und Björn van Roye, Mitarbeiter des Prognose-Zentrums am IfW Kiel,  die Zahlungsbilanzfinanzierung durch nationale Notenbanken innerhalb der EWU.

Die Autoren sprechen von einem Missbrauch des Notenbankmonopols. Dies bedeutet, dass Zentralbankgeldschöpfung nicht allein der Bereitstellung eines wertstabilen Zahlungsmittels dient, sondern auch der Finanzierung von güterwirtschaftlichen Transaktionen. Wenn Zentralbankgeld wie im Fall der EWU in den verschiedenen Mitgliedsländern zu unterschiedlichen Konditionen unbegrenzt bereitgestellt wird, entstehen Zahlungsbilanzungleichgewichte, die zum bekannten Phänomen steigender Target2-Salden führen.

In ihrer Analyse skizzieren Kooths und van Roye die Konstellationen, die die fortschreitende Zahlungsbilanzfinanzierung durch das Eurosystem und das Anwachsen der Target2-Positionen begünstigten. Außerdem zeigen sie auf, wie der Verbund aus Banken- und Staatsschuldenkrise diese Regression vorantreibt .

Übermäßige Kreditschöpfung (höhere Liquiditätsbereitstellung als interner Bedarf) in den Defizitländern ist, so die Autoren, maßgeblich verantwortlich für permanente Zahlungsbilanzfinanzierung über das Target2-System. Die Grenzverwischung zwischen Geld- und Kapitalmarkt sei nur eine der vielen Nebenwirkungen einer solchen Geldpolitik. Eine Begrenzung der Target2-Salden sei demnach nur sinnvoll, wenn die Ursachen der Billigung einer solchen Kreditexpansion bereinigt werden. Der Überfluss an Zentralbankgeld verhindere zudem eine marktbasierte Bereinigung von Zahlungsbilanzsalden zwischen den EWU-Mitgliedsländern. Weitere Nachteile seien Kapitalmarktverzerrung und signifikante Verschlechterung der Geldqualität.

Die permissive Geldpolitik des Eurosystems halten Kooths und van Roye für ein gefährliches Mittel, dessen dauerhafter Einsatz die Stabilität der Währungsunion endgültig zerstören kann. Die Autoren diskutieren mehrere alternative Lösungsvorschläge. Sie fordern unter anderem die Rückkehr zu EWU-einheitlichen Refinanzierungsforderungen, wodurch Target2-Salden an ökonomischer Brisanz verlieren würden. Außerdem plädieren sie für eine zentralisierte Währungsordnung, flaniert durch eine Finanzmarktordnung , die die Aufgabe der Finanzmarktstabilisierung übernimmt. Weitere Lösungsansätze und den Text finden Sie, wenn Sie dem unten stehenden Link folgen.

Der ganze Text als PDF.

Hier gehts zur Quelle.

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  1. Peter Noack
    16. August 2012 um 09:16

    Zuerst vielen Dank für den Hinweis auf den Beitrag im Wirtschaftsdienst.
    Es geht also doch, etwas mehr Klarheit in die Krise im Euroraum zu bringen. Allen Interessierten kann der Beitrag wärmstens empfohlen werden.
    Die Verfasser machen deutlich, was der griechische Präsident nächste Woche in Berlin besprechen wird, …”könnten Target2- Schuldner bei einem unkooperativen Verlassendes Währungsraumes einen beträchtlichen Vermögensgewinn erzielen.” (S.523)Deutschland als größter Target2 – Gläubiger könnte einen Totalverlust erleiden. Will dann der Staat die Verluste der Privatanleger auf die Steuerzahler überwälzen, sollten realwirtschaftliche Folgen unausbleiblich sein. Das ist den Euroskeptikern in der Regierung und in Bayern hoffentlich klar. Wenn nicht, sollten das die Medien thematisieren. Das gilt dann auch für die Positionen der Opposition zur Vergemeinschaftung der Staatsschulden in Europa. Die Verfasser haben deutlich hervorgehoben, dass dadurch die Fehlanreize für Investoren an den Finanzmärkten nicht beseitigt werden. (ebenda)
    Ob die dargestellten Zusammenhänge auch den Politikern klar sind und von ihnen geteilt werden, darf bezweifelt werden. Damit wachsen die Gefahren für das Auseinanderbrechen der Eurozone real.

    • Dreiklang
      16. August 2012 um 13:17

      “…Deutschland als größter Target2 – Gläubiger könnte einen Totalverlust erleiden. Will dann der Staat die Verluste der Privatanleger auf die Steuerzahler überwälzen, sollten realwirtschaftliche Folgen unausbleiblich sein. Das ist den Euroskeptikern in der Regierung und in Bayern hoffentlich klar.” Genau deswegen wird es keinen Austritt von Griechenland aus der Eurozone geben, auch keinen Default. GR wird gehalten werden, denn sobald Target II Ausgleiche im Bundeshalt erscheinen, gehen die Lichter aus.

  2. Dreiklang
    15. August 2012 um 23:42

    Das Problem liegt darin, dass die Problemstaaten der EZB bzw. den nationalen Notenbanken kein hochwertiges Kollateral liefern wollen. Ob sie es überhaupt könnten, sei dahingestellt – aber es ist politisch nicht gewollt.
    Der Verweis auf das Gresham’sche Gesetz ist sehr treffend!

  3. 15. August 2012 um 13:27

    Wenn man Meinung und Information auseinanderhalten kann (und das ist ja eine angelsächsische Tradition, der sich die FTD vielleicht mehr als deutsche Blätter verpflichtet fühlt), ist die FTD (bzw. der FTD-Blog) durchaus eine nützliche Lektüre.
    Danke für diesen Hinweis, der nur bestätigt, was “das Volk” schon längst wusste. Und die “Aufklärungsökonomen” um Prof. Sinn und Krämer auch.
    Nur die Beschwichtigungsökonomen wollen den Massen (und den Entscheidern der Politik) das Gehirn vernebel

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