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David Milleker – Berechtigte und unberechtigte Kritik an der ökonomischen Modellbildung

6. November 2012

Am 1. Oktober 2012 veröffentlichte Andrew G. Haldane, Exekutivdirektor der Bank of England für Finanzstabilität, eine Fundamentalkritik an der ökonomischen Modellbildung speziell mit Blick auf stochastische allgemeine Gleichgewichtsmodelle (What have the economists ever done for us?). Er ging darin sogar so weit, dieser spezifischen Form der makroökonomischen Modellierung eine konkrete Mitschuld an der Entstehung der Finanzkrise zu geben.

Nach einer kurzen Erklärung, was sich eigentlich hinter stochastischen allgemeinen Gleichgewichtsmodellen (dynamic stochastic general equilibrium, kurz: DSGE) verbirgt, wollen wir den Beitrag von Haldane unter verschiedenen Aspekten kritisch würdigen.

DSGE-Modelle sind in den vergangenen Jahren immer mehr zum Standard in der makroökonomischen Forschung geworden, vor allem im akademischen Bereich. Sie zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass sie eine sogenannte Mikrofundierung aufweisen. Eine Reihe von „repräsentativen Agenten“ wie zum Beispiel ein typischer Haushalt, ein typisches Unternehmen und der Staat interagieren miteinander. Aufgrund ihrer Präferenzen und Kostenstrukturen entsteht eine weitgehend stabile Gleichgewichtslösung. Um dieses Gleichgewicht herum finden gelegentliche Zufallsschwankungen (das stochastische Element) statt, die mit der Konjunktur gleichgesetzt werden. Das Gleichgewicht selbst verschiebt sich freilich nur dann, wenn sich im Rahmen der Mikrofundierung etwas ändert.

Ohne Frage ist dies natürlich eine reichlich idealisierte Vorstellung. Aber das gilt bekanntlich für jedes Modell. Wie Milton Friedman einmal formulierte, ist der entscheidende Prüfstein für ein ökonomisches Modell nicht, ob es auf möglichst realistischen Annahmen basiert, sondern ob es in der Lage ist, mit Blick auf seinen Untersuchungsgegenstand eine vernünftige Prognose zu liefern.

DSGE-Modelle haben den Vorzug, dass sich mit ihnen ein direkter Bezug zwischen dem Verhalten von einzelnen Akteuren in einer Wirtschaft und gesamtwirtschaftlichen Größen herstellen lässt. Das ist unverzichtbar, wenn es beispielsweise um die Abschätzung spezifischer Änderungen im Steuersystem geht.

Ähnlich wie ein Handwerker am besten nicht nur einen Hammer im Werkzeugkasten haben sollte, taugt die Modellklasse freilich auch nicht für alle Aufgaben. So resultieren die interessantesten gesamtwirtschaftlichen Phänomene häufig gerade aus der Heterogenität der ökonomischen Akteure und den sich daraus ergebenden Konflikten. Das Abstellen auf „repräsentative Agenten“ ist beispielsweise schon deswegen problematisch, weil es unterstellt, dass sich eine Vielzahl individueller Präferenzordnungen zu einer universellen gesellschaftlichen Wohlfahrtsfunktion aggregieren lässt. Bereits das Allgemeine Unmöglichkeitstheorem nach Arrow von 1951 zeigt, dass dies theoretisch unmöglich ist.

Einem Konjunkturprognostiker fällt es schon aus professionellen Gründen schwer, die Reduktion von zyklischen Schwankungen auf reine Zufallsmuster um einen Gleichgewichtszustand zu akzeptieren, auch wenn das Anerkennen von stochastischen Verteilungen sicher dabei hilft, den „statistischen Schmutz“ von der zyklischen Dynamik zu trennen.

Mir persönlich geht die konkrete Kritik von Haldane am DSGE-Ansatz zu weit. Die Modellklasse als solche liefert in bestimmten Bereichen ausgesprochen wertvolle Erkenntnisse. Problematisch ist freilich, wenn eine bestimmte Modellklasse zu einem Alleskönner stilisiert wird. In einer empirischen Sozialwissenschaft ist man naturgemäß mit sich ständig im Wandel befindlichen Zusammenhängen konfrontiert. Die Reichhaltigkeit der volkswirtschaftlichen Ideengeschichte legt davon ja auch ein beredtes Zeugnis ab.

Die logische Konsequenz der berechtigten Kritik von Haldane, dass DSGE-Ansätze als weithin etabliertes makroökonomische Standardmodell in der Finanzkrise versagt haben, darf nicht die Forderung nach einem anderen/besseren Standardmodell sein. Sie muss vielmehr darin bestehen, sich von vornherein auf einen größeren Modellpluralismus einzulassen.

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  1. David F. Milleker
    16. November 2012 um 11:28 | #1

    John Doe :Sehr geehrter Herr Millecker,
    “Wie Milton Friedman einmal formulierte, ist der entscheidende Prüfstein für ein ökonomisches Modell nicht, ob es auf möglichst realistischen Annahmen basiert, sondern ob es in der Lage ist, mit Blick auf seinen Untersuchungsgegenstand eine vernünftige Prognose zu liefern.”
    Was genau hat Milton mit seinem Satz gemeint? Ist seine Forderung nicht schon der Beleg für schlechte Ökonomie?
    Woran scheitert folgende Annahme und wie passt Milton zu diesem Szenario: Wenn der Staat spart (i. S. Nachfrageausfall produzert), Löhne und Gehälter flächendeckend bei ihm und in der privaten Wirtschaft abgesenkt werden, um wettbewerbsfähig zu werden, dadurch einen höheren Gewinn erzielt wird, dann wird der Unternehmer massiv investieren, um noch mehr Gewinn zu erzielen und es werden als Folge Arbeitsplätze entstehen, die Arbeitslosigkeit wird abgebaut, der Staat nimmt mehr Steuern ein, er und die Privaten müssen keine Kredite mehr bei den Banken aufnehmen, kann den Haushalt sanieren, und das Land verbessert seinen Platz im Ranking.

    Das Zitat von Friedman ist doch sehr eindeutig: Sie haben eine beobachtbare Variable – sagen wir die Wirtschaftsleistung oder die Verbraucherpreisinflation. Wenn das Modell in der Lage ist, die Entwicklung dieser Größen in der/den Folgeperioden besser vorherzusagen als ein Alternativmodell hat es den “Friedman”-Test bestanden. Was daran “schlechte” Ökonomie sein soll, ist mir unverständlich.

    Ein berechtiger Einwand – auf den ich mit meinem Beitrag auch hinauswill – ist, dass kein Modell in der Lage sein wird, den Friedman-Test zeitlos zu bestehen. Aus dem einfachen Grund, weil in der Wirklichkeit Verhaltensmuster nicht zeitstabil sind oder bestimmte vereinfachende Annahmen zu bestimmten Zeitpunkten irrelevant sind und zu anderen Zeitpunkten das durch Weglassen eines bestimmten Zusammenhangs eben Fehlprognosen geliefert werden.

    Was Ihr konkretes Beispiel angeht, so verwenden Sie einen keynsianischen Standardansatz, der ebenso wie alle anderen ökonomischen Modelle vereinfachende Annahmen setzt. Fakt ist, dass diese Ansätze in bestimmten Perioden funktionieren (1960er Jahre, 2010er) und in anderen (1970er, 1990er) versagen. In den 1990ern deshalb, weil es einen breiten Kreditzugang gibt, in den 1970er Jahren, weil die Erwartungskomponente in der Inflationsentwicklung unterbetont wird und die Rückkopplung von Inflation in die Realwirtschaft über reduzierte Planungssicherheit.

    In aller Deutlichkeit wird die Ökonomie den Wunsch nach zeitstabilen und banal einfachen Erklärungsmustern wie steigende Geldmenge führt zu Verbraucherpreisanstieg oder steigende Löhne führen zu mehr realem Wachstum nicht befriedigen können.

    Ein Zeichen für schlechte Ökonomie wäre gerade, dass man nach dem Prinzip der “kaputten Uhr” vorgeht, die ja bekanntlich auch zweimal am Tag die richtige Zeit ausweist, und an ideologischen “Glaubenssätzen” festhält statt ständig zu überprüfen, ob das praktizierte Modell funktioniert.

    Wenn man sich mal breiter mit Friedman beschäftigt, dann fällt natürlich schon auf, dass der politische Ökonom Friedman sich genau daran nicht gehalten hat. Der akademische Ökonom Friedman hat sehr viele interessante Aspekte in die Debatte eingebracht, etwa auch die Blaupause für das heute praktizierte Quantitative Easing der Zentralbanken.

    • John Doe
      17. November 2012 um 08:09 | #2

      SgH. Milleker,

      was sagt eigentlich der homo oec. und sein kongenialer Gefährte Milton zum Thema Exekution “sparen” in Südeuropa, richtig oder falsch?

      Was würde er tun, wenn ihm die folgenden Zahlen bekannt wären:

      realwirtschaftliche Leistung: $ 70 Trillion
      Volumen des lizenzierten Finanzbereichs: $ 60 Trillion
      Volumen des unlizenzierten Finanzbereichs: $ 702 Trillion

      Würde er die Frage als berechtigt ansehen, was die Realwirtschaft eigentlich mit soviel “Geld” soll? Wenn unnötig, wer, wenn nicht die Realwirtschaft, hat einen Nutzen daraus? Die logisch folgende Frage ist dann, wie bekommen wir dieses viele “Geld” wieder aus der Welt?

      Die VWL eine Sozialwissenschaft? Wie sieht es denn mit der Verifizierbarkeit und besonders mit Falsifikation der Modelle aus? Wie oft können die Annahmen und ihre Ergebnisse in Form von Versuchen wiederholt und bestätigt werden, wie es z. B. in der Physik üblich ist? Milton sagt aber, die Realität habe außen vor zu bleiben, das Modell habe nur im Rahmen seiner Annahmen, oder meinte er den zu Grunde liegenden Partikularinteressen, zu funktionieren.

      Die VWL würde am lebenden Subjekt arbeiten müssen, oder >>reine Gedankenexperimente<< bleiben. Sie tut es am lebendendem Subjekt, dazumal in Chile, Argentien die Chikago-Boys; Laffer/Reagan in den USA, wobei vor kurzem die GOP im Rahmen des Wahlkampfes die Veröffentlichung der Langezeitbetrachtung der "trickle-down-oec.", Übersetzung: Sickerwasserökonomie, unterbunden hat ( zu finden noch bei der NYT). Clinton musste rund $ 2 Trillion an Zinsen an die share-holder für die Schulden seiner Vorgänger zahlen. Sie tut es heute in Südeuropa und bald auch im Norden Europas. Die Niederlande sind kurz vor dem Zusammenbruch, obwohl sie schon viel weiter als D mit ihren "Strukturreformen" sind.

      Ein Dogma ist der herrschenden Lehre schon abhanden gekommen, der homo oec.. Dieser eigensinnige, dieser stets rationale und mit stabilen Präferenzen ausgestattete Mensch, der zu jeder Zeit über Jedes und Alles Bescheid weiß. Wenn dem so wäre, er hätte ganz sicher die Finger von dem Derivate-Nirwana, die nicht bilanziert werden mussten, versehen mit einem Hebel von 1:13 in den USA, 1:26 in Europa, gelassen. Er würde auch die Finger von der Bilanzierung nach IRS lassen. Danach hat die CoBa $ 1 Billion Gewinn gemacht, nach dem HGB bilanziert, aber $ 1 Mrd. Verlust gemacht. Was macht IRS so attraktiv, besonders für Banken?

      Wie weit sind die weiteren Elementarsätze der Neoklassik vom angeblich natürlichen und an sich »rationalen« nutzenmaximierenden Verhalten, von der »natürlichen« Tendenz der Märkte, alles ins Gleichgewicht und damit ins Lot zu bringen, von den immerfort und überall und vor allem für jedermann gleichermaßen segensreichen und vorteilhaften Wirkungen der unbegrenzten Konkurrenz schon erodiert?

      Wie steht es um die Nutzentheorie des Wertes, wie um die Grenzproduktivitätstheorie der Verteilung und die Quantitätstheorie des Geldes, sie stammen beide aus dem siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert und sollten doch mit Ricardo und Smith aufräumen. Beide werden, wenn es gerade rein passt, aber heute noch zitiert. Wie geht es eigentlich der Arbeitswerttheorie?

      Wieso wollen die Reichen immer noch reicher werden, z. B. die Forderung Romney´s, die Einkommenssteuer für Finanzeinkommen von 15 % auf Null zu reduzieren, wenn doch die Nutzentheorie etwas ganz anderes aussagt? Der gleiche Einkommensbetrag ist subjektiv, nutzentheoretisch für den Armen doch mehr Wert als für den Reichen. Was vermeidet Pareto und was hat das Abhandenkommen des Dogmas vom homo oec. damit zu tun? Warum spukt der Begriff des Nutzens, wie der des Grenznutzens, ja sogar der des »Werts« bis heute herum, wenn doch Pareto ihn eliminiert hat? Systematisch macht das doch überhaupt keinen Sinn!

      Wie groß ist eigentlich die Beliebigkeit der main stream VWL, Beispiel die Mutation des homo oec. zum homo humanus durch winzige Änderungen der Annahmen, wenn sie mal nicht weiter weiß, aber die Lehrmeinung nicht aufgeben will?
      to be continued

  2. Claudia
    9. November 2012 um 14:14 | #3

    John Doe :
    “Wie Milton Friedman einmal formulierte, ist der entscheidende Prüfstein für ein ökonomisches Modell nicht, ob es auf möglichst realistischen Annahmen basiert, sondern ob es in der Lage ist, mit Blick auf seinen Untersuchungsgegenstand eine vernünftige Prognose zu liefern.”
    Im Jahre 2002 erschien im Journal of Political Economy ein Artikel mit dem vielversprechenden Titel “A Theory of Prostitution”. Zwei Ökonominnen, Lena Edlund und Evelyn Korn beschäftigen sich darin mit einem “hochinteressanten” Phänomen: Prostitution ist eine Tätigkeit, die keine Ausbildung braucht, arbeitsintensiv ist und hauptsächlich von Frauen durchgeführt wird. Und trotzdem, und jetzt kommt das Rätsel, sind Prostituierte im Durchschnitt gut bezahlt. Wie kann das sein? Als Laie würde ich naiv vermuten, dass attraktive und gleichzeitig sexbereite junge Frauen relativ knapp sind, und sich deshalb ein relativ hoher Preis bildet. Für das Rätsel, warum verheiratete Männer zu Prostituierten gehen, obwohl sie Sex doch billig zu Hause haben könnten, haben sie aber eine brilliante Idee zur Lösung:
    Das Rätsel der relativ hohen Löhne von Prostituierten ist gelöst. Frauen können nicht gleichzeitig Ehefrau und Prostituierte sein. Wenn also eine Frau als Prostituierte arbeitet, dann vermindert sie damit ihre Chancen auf dem Heiratsmarkt und muss entsprechend mit einem hohen Lohn für diese entgangenen Möglichkeiten kompensiert werden.
    Was würde Milton zu diesem Fazit sagen, egal ob ich unsinnige Annahmen treffe, Hauptsache ist, dass trotz dieser unsinnigen Annahmen eine vernünftige Prognose innerhalb des Rahmens unsinniger Annahmen geliefert wird. Hauptsache die hypothetischen Gleichgewichtsmodellwelten kreisen um was auch immer, bloss nicht um die reale Welt!

    Ist doch echt schräg, dass seit fast einem Jahr immer wieder das Papier von zwei ÖkonomINNEN als Beleg für schlechte Ökonomie herhalten muss. Die Erklärung über Opportunitätskosten sollte in der Mikro ist doch echt nicht so neu.

    Die Kritik ist dabei echt nie fundiert. Sondern immer so: Volkswirtin schreibt über Nutten, benutzt dabei Mathe, echt blöd so was.

    Woran liegt das? Hat da vielleicht jemand die Hoffnung, es handelt sich um lauter Belles de Jour? Oder darf kein Markt sein, wo er nicht sein soll?

    • John Doe
      14. November 2012 um 11:29 | #4

      @Claudia,

      es war keineswegs meine Absicht …INNEN oder Frauen zu beleidigen. Mir ist kein männliches Thema untergekommen. Vielleicht hätte ich ja die Betrachtung auf die Männer umschreiben können, Warum bezahlen die Dussel so viel Geld, wenn Sie zu Hause Sex “umsonst” haben können.

      Legen Sie doch bitte mal das Postulat Milton Friedmans an das Thema Prostitution und Preis oder, bezogen auf Männer, umgekehrt.

      “Wie Milton Friedman einmal formulierte, ist der entscheidende Prüfstein für ein ökonomisches Modell nicht, ob es auf möglichst realistischen Annahmen basiert, sondern ob es in der Lage ist, mit Blick auf seinen Untersuchungsgegenstand eine vernünftige Prognose zu liefern.”

  3. David F. Milleker
    8. November 2012 um 15:27 | #5

    http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2012/01/wie-die-uni-oekonomen-versagen–die-theorie-der-prostitution-als-mahnmal/

    Die von dort M. Binswanger konkret geäußerte Kritik an dem Artikel lautet im Original: “Die beiden Autorinnen blasen ihre banale Erkenntnis nun zu einem hochformalen Modell mit 14 mathematischen Gleichungen auf, dessen Darstellung 19 Seiten in Anspruch nimmt, und wo unter vollkommen realitätsfremden Annahmen ein Sexmarkt-Gleichgewicht hergeleitet wird.”

    Ob man nun Prosititution als sinnvollen Untersuchungsgegenstand ansieht, dürfte im Auge des Betrachters liegen. Dass es sich um ein in der realen Welt existentes Phänomen handelt, ist ziemlich unbestritten. Einen Untersuchungsgegenstand allein wegen seiner “Banalität” abzulehnen, würde ich per se nicht akzeptieren wollen.

    Was Straubhaar angeht, so kann man selbstverständlich noch einen akademischen Blumentopf gewinnen. Die von John Doe zitierte Aussage, ließe sich zudem vermutlich sogar im Rahmen eines DSGE-Modells herleiten, so es entsprechend aufgebaut ist.

    • John Doe
      14. November 2012 um 11:22 | #6

      Sehr geehrter Herr Millecker,

      “Wie Milton Friedman einmal formulierte, ist der entscheidende Prüfstein für ein ökonomisches Modell nicht, ob es auf möglichst realistischen Annahmen basiert, sondern ob es in der Lage ist, mit Blick auf seinen Untersuchungsgegenstand eine vernünftige Prognose zu liefern.”

      Was genau hat Milton mit seinem Satz gemeint? Ist seine Forderung nicht schon der Beleg für schlechte Ökonomie?

      Woran scheitert folgende Annahme und wie passt Milton zu diesem Szenario: Wenn der Staat spart (i. S. Nachfrageausfall produzert), Löhne und Gehälter flächendeckend bei ihm und in der privaten Wirtschaft abgesenkt werden, um wettbewerbsfähig zu werden, dadurch einen höheren Gewinn erzielt wird, dann wird der Unternehmer massiv investieren, um noch mehr Gewinn zu erzielen und es werden als Folge Arbeitsplätze entstehen, die Arbeitslosigkeit wird abgebaut, der Staat nimmt mehr Steuern ein, er und die Privaten müssen keine Kredite mehr bei den Banken aufnehmen, kann den Haushalt sanieren, und das Land verbessert seinen Platz im Ranking.

  4. John Doe
    7. November 2012 um 23:49 | #7

    Nachklapp:

    Guten Abend Herr Millecker,

    Haben Sie auch ein Modell parat, welches uns, ganz im Sinne von Milton, die nächste Blase und deren Implusion mit allen Folgen prognostiziert?

  5. John Doe
    7. November 2012 um 11:32 | #8

    “Wie Milton Friedman einmal formulierte, ist der entscheidende Prüfstein für ein ökonomisches Modell nicht, ob es auf möglichst realistischen Annahmen basiert, sondern ob es in der Lage ist, mit Blick auf seinen Untersuchungsgegenstand eine vernünftige Prognose zu liefern.”

    Im Jahre 2002 erschien im Journal of Political Economy ein Artikel mit dem vielversprechenden Titel “A Theory of Prostitution”. Zwei Ökonominnen, Lena Edlund und Evelyn Korn beschäftigen sich darin mit einem “hochinteressanten” Phänomen: Prostitution ist eine Tätigkeit, die keine Ausbildung braucht, arbeitsintensiv ist und hauptsächlich von Frauen durchgeführt wird. Und trotzdem, und jetzt kommt das Rätsel, sind Prostituierte im Durchschnitt gut bezahlt. Wie kann das sein? Als Laie würde ich naiv vermuten, dass attraktive und gleichzeitig sexbereite junge Frauen relativ knapp sind, und sich deshalb ein relativ hoher Preis bildet. Für das Rätsel, warum verheiratete Männer zu Prostituierten gehen, obwohl sie Sex doch billig zu Hause haben könnten, haben sie aber eine brilliante Idee zur Lösung:

    Das Rätsel der relativ hohen Löhne von Prostituierten ist gelöst. Frauen können nicht gleichzeitig Ehefrau und Prostituierte sein. Wenn also eine Frau als Prostituierte arbeitet, dann vermindert sie damit ihre Chancen auf dem Heiratsmarkt und muss entsprechend mit einem hohen Lohn für diese entgangenen Möglichkeiten kompensiert werden.

    Was würde Milton zu diesem Fazit sagen, egal ob ich unsinnige Annahmen treffe, Hauptsache ist, dass trotz dieser unsinnigen Annahmen eine vernünftige Prognose innerhalb des Rahmens unsinniger Annahmen geliefert wird. Hauptsache die hypothetischen Gleichgewichtsmodellwelten kreisen um was auch immer, bloss nicht um die reale Welt!

    P.S. Kann Ihr Kollege Thomas Straubhaar noch irgendeinen akademischen Blumentopf gewinnen, da dieser sich doch darüber verwundert hat, dass “mikroökonomisches Gewinnstreben zum makroökonomischen Untergang führen könne”?

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