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Ein Blick auf Deutschlands schwere Investitionsrezession

12. Dezember 2012

In den meisten realen Makrodaten hat sich der konjunkturelle Abschwung in Deutschland bislang ja nur unscharf gespiegelt. Das BIP legte selbst im Herbst leicht zu, gleiches gilt für Konsum und Exporte. Erst fürs Jahresende befürchten die meisten Auguren ein gesamtwirtschaftliches Minus. Dabei überdeckt die nackte BIP-Zahl den teils rasanten Absturz, der vor allem die deutschen Unternehmen in arge Nöte bringt: Seit Herbst vergangenen Jahres sind die Investitionen in neue Anlagen und Maschinen bis heute um satte 12 Prozent gesunken.

Das geht aus Details der gestern vorgestellten Konjunkturprognose das Essener Forschungsinstituts RWI hervor. Ein solches Minus gab es bei den gerne mal schwankenden, weil konjunktursensiblen Ausrüstungsinvestitionen sonst nur in schweren Rezessionen. So etwa 2002/03, als der Rückgang ähnlich hoch ausfiel. Heftiger bergab ging es in den vergangenen 20 Jahren in Deutschland allerdings nur 2008/09: Die Investitionen in Ausrüstungen brachen doppelt so stark ein. Grafisch sieht das so aus (habe den letzten Wert, 4. Quartal 2012, auf Basis von RWI- und Bundesbank-Daten selbst kalkuliert, keine Gewähr für etwaige Unschärfefehler):

Deutsche Ausrüstungsinvestitionen

Zwar drehen einige konjunkturelle Frühindikatoren inzwischen wieder etwas nach oben – die Ifo-Geschäftserwartungen sind zuletzt ja zweimal in Folge gestiegen. Auch die vom ZEW befragten Finanzanalysten sind per Saldo wieder eher optimistisch. Doch bei den Ausrüstungsinvestitionen dürfte es vorerst weiter bergab gehen, glaubt RWI-Konjunkturchef Roland Döhrn.

Zumindest noch bis Mitte 2013. Fürs Gesamtjahr rechnet man in Essen mit einem satten Minus bei den Ausrüstungsinvestitionen von 6,0 Prozent, nach 6,2 Prozent 2012. Dieser massive Jahresrückgang liegt vor allem an einem statistischen Effekt. Stichwort: statistischer Unterhang. Soll heißen: Weil die Investitionen Ende 2012 besonders kräftig schrumpfen, startet die Wirtschaft 2013 extrem schwach. Diesen Rucksack schleppt sie dann bis zum Jahresende mit sich rum. Alles in allem lässt das noch so manche Konsolidierungsmeldung aus der deutschen Industrie befürchten.

Die Hauptprobleme liegen auf der Hand: Weil deutsche Unternehmen kaum Absatzchancen – vor allem in Europa nicht – sehen, halten sie sich mit größeren Anschaffungen noch immer zurück. Da hilft es nur wenig, dass EU-Währungskommissar Olli Rehn kürzlich Zeichen der Entspannung in Sachen Euro-Krise ausgemacht hat. Denn dass die Zinsen für Italiens Staatspapiere nicht doch bald wieder deutlich über die aktuellen knapp fünf Prozent schießen, kann niemand seriös vorhersagen. Die Aussicht auf Berlusconi könnte die Märkte durchaus wieder zu Bunga-Bunga verleiten.

Erst ab der zweiten Jahreshälfte rechnet Döhrn mit einer leichten Entspannung und höheren Unternehmensausgaben. Tatsächlich dürften die Ausrüstungsinvestitionen in Deutschland seiner Kalkulation nach Ende 2013 aber noch immer etwa 10 Prozent unter dem Höchstwert von Herbst 2011 liegen. Auch hier gilt am Ende natürlich: Je gewisser die Aussichten auf Stabilisierung, desto geringer das Investitionsminus. Gut möglich, dass ab Mitte 2012 sogar ein positiver Jojo-Effekt einsetzt, sollte die Krise an den Anleihemärkten nicht mehr ausbrechen.

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  1. Hans Arpke
    17. Dezember 2012 um 08:16

    Wenn wir exakte Zahlen mit Strukturen bekommen, könnten wir vielleicht einmal erkennen, wie weit die Veränderungen im Zusammenhang mit der Produktion von Kraftfahrzeugen im Zusammenhang stehen. Wenn wir uns dann noch die Verbrauchsentwicklung der letzten 12 Jahre ansehen kämen wir vielleicht zu einer Erkenntnis, dass der Verkauf von Spritschluckern in Länder ein Problem darstellt. Die haben von den Motoren bei Opel und VW-Konzern nie etwas erfahren, die in der Praxis zwischen 2,5 und 3 L /100 KM verbrauchen.

  1. 17. Dezember 2012 um 10:06
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