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Banken schieben Milliarden zur EZB zurück

14. Januar 2013

Am 30. Januar können die Banken erstmals einen Teil der 489 Mrd. Euro zurückzahlen, die sie sich im Dezember 2011 für max. drei Jahre geliehen haben. Doch bereits jetzt horten die Institute deutlich weniger Überschussreserven bei der EZB als noch im Sommer 2012.

(Crossposting aus dem WeitwinkelSubjektiv) oder hier

Nun soll hier nicht nur der Eindruck vermittelt werden, als ob die EZB überhaupt nichts zur Beruhigung im Euroland beigetragen hat. Während die Unternehmen in den Krisenländern von der Ankündigung unbegrenzter Anleihekäufe bisher nur wenig profitiert haben dürften, sieht es bei den Banken ganz anders aus. Sie horten bereits deutlich weniger Geldreserven bei der Notenbank als noch in den Sommermonaten.

Wie bereits erwähnt, sind die Renditeaufschläge der Staatsanleihen aus Spanien oder Italien bereits deutlich gesunken. Dabei lohnt auch ein Blick auf die sogenannte Überschussliquidität der Banken. Das sind all die Gelder, die das gesamte Bankensystem eigentlich gar nicht wirklich bräuchte, um seinen Geschäften nachzugehen – sie landen am Ende immer auf den Konten der Banken bei der EZB. Lagen die Überschussreserven von März bis August 2012 im Schnitt bei 770 Mrd. Euro, sind es aktuell nur noch rund 630 Mrd. Euro. Den ersten Drei-Jahrestender (dreijährige EZB-Darlehen an die Banken) vom Dezember 2011 hätten die Institute damit praktisch fast schon wieder zurück gegeben:

EZB-Überschussliquidität

Eigentlich brauchen die Institute frische Mittel von der Notenbank nur für die Versorgung der Menschen mit Bargeld und für eine gewisse Reservehaltung bei der EZB. Die Banknoten werden von der Zentralbank ausgegeben und die Kreditinstitute müssen sich diese Mittel von der Zentralbank gegen Sicherheiten leihen. Daneben müssen die Banken Reserven bei der EZB hinterlegen (Mindestreserve), was sich danach richtet, wie hoch Ihre kurzfristigen Schulden sind, wozu vor allem die Kundeneinlagen zählen. Für die Reservehaltung brauchen die Kreditinstitute ebenfalls Mittel von der EZB. Entsprechend lässt sich ermitteln wie hoch die Überschussreserven der Banken beim Eurosystem der Zentralbanken sind.

Dazu nimmt man die Summe, die die Institute sich bei der EZB an Liquidität geliehen haben (Darlehen mit Laufzeiten von einer Woche bis zu aktuell noch zwei Jahren). Davon zieht man die Mindestreserven der Banken ab sowie die sogenannten autonomen Faktoren, also vor allem den Bargeldumlauf (zu diesen autonomen Faktoren gehören auch die Konten der öffentlichen Haushalte bei der Zentralbank sowie die Fremdwährungsposition der Euro-Notenbanken und andere Dinge).

Während in der ersten Phase der Finanzkrise die Banken vor allem aus Vorsicht Reserven horteten, weil sie nicht wussten wie sich die Finanzlage bei den Konkurrenzinstituten darstellt, kam im Laufe der Euro-Schuldenkrise noch hinzu, dass Banken vor allem aus Deutschland immer weniger bereit waren, ihre überschüssige Liquidität aus dem Tagesgeschäft einfach weiter zu verleihen etwa an Institute in den südlichen Euro-Staaten – wie sie es vor der Krise noch sehr gerne getan hatten.

So kam und kommt es dazu, dass die Banken in den Krisenländern sich immer mehr Mittel von der EZB leihen mussten, die schlussendlich aber bei den Instituten in Deutschland landeten. Dies liegt wiederum daran, dass nach Deutschland als größtes Ausfuhrland im Euroland unterm Strich die meisten Exportrechnungen überwiesen werden. Hinzu kam noch die Kapitalflucht aus dem Süden und Westen Eurolands nach Deutschland, weil die Haushalte und Unternehmen in den Krisenländern ihrem eigenen Finanzsystem nicht mehr trauten.

Wenn jetzt die Überschussliquidität oder die Überschussreserven abschmelzen, signalisiert dies vor allem, dass zuvor „geflohene“ Gelder wieder zurück nach Spanien, Portugal, Irland oder Italien fließen. Und, dass dort die Banken deshalb weniger Darlehen von der EZB brauchen. Spannend wird es am 30. Januar, wenn die Banken erstmals einen Teil der 489 Mrd. Euro zurückzahlen können, die sie sich im Dezember 2011 für max. drei Jahre geliehen haben. Dann könnte der nächste signifikante Rückgang der Überschussreserven kommen.

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  1. John Doe
    24. Januar 2013 um 10:37

    Hi Herr Kühnlenz,

    welches Geld schieben die Banken (syn. für Finanzmarkt gebraucht) an die EZB zurück, fremdes oder eigenes Geld, zahlen sie damit die Rettungsgelder zurück, wenn ja, mit welchem Geld diesmal? Ist es Geld aus Gewinn und auf welchem Geschäftsmodell basiert worauf basiert der Gewinn?

    Zeigt dieses Verhalten, dass jetzt die Verschuldung der Banken ein für alle Mal beendet ist? Wie haben die Banken das bloß hingekriegt? Wird damit die hohe Verschuldung von Privatsektor, Banken und Staaten (Privatsektor u. Banken decken 2/3-tel der Gesamtsumme ab!) durch noch mehr Verschuldung zu lösen versucht zu haben, für beendet erklärt? Wenn ja, wo sind bloß die vielen Schulden hin verschwunden?

    Woher hat eigentlich der Interbankenmarkt das viele Geld her um die doch bisher kolportierte fehlende Liquidität zu ersetzen? Sie vergeben einfach wieder und schon wieder Kredite! Einfach unglaublich!

    • André Kühnlenz
      24. Januar 2013 um 16:36

      Es geht um die Milliarden, die die Banken sich von der EZB gegen Hinterlegung von Sicherheiten (also Forderungen an andere Wirtschaftsakteure, zum Großteil Anleihen) geliehen haben. Diese Summe ist im Vergleich zum vergangenen Sommer bereits um rum rund 100 Mrd. Euro gesunken. Morgen werden wir erfahren, wieviel die Banken aus dem ersten Drei-Jahres-Darlehen (Drei-Jahres-Tender) von vor einem Jahr nächste Woche frühzeitig zurückzahlen werden.

      Die EZB hatte vor rund einem Jahr zwei dieser Drei-Jahres-Tender aufgelegt (netto nahmen die Banken rund 500 Mrd. Euro auf), weil sie befürchtet hatte, dass die Banken sich nicht mehr am Markt refinanzieren könnten (auslaufende eigene Anleihen gegen neue zu tauschen). Alarmierend war damals, dass die breite Geldmenge gesunken war. Die Gefahr bestand aus Sicht der EZB, dass es zu einer Kreditklemme in der Realwirtschaft hätten kommen können.

  2. Herzog Waydelich
    15. Januar 2013 um 13:35

    “Wenn jetzt die Überschussliquidität oder die Überschussreserven abschmelzen, signalisiert dies vor allem, dass zuvor „geflohene“ Gelder wieder zurück nach Spanien, Portugal, Irland oder Italien fließen. Und, dass dort die Banken deshalb weniger Darlehen von der EZB brauchen.”

    Diese Logik erschließt sich mir nicht. Wenn Reserven abschmilzen heißt das m.m.N nicht, das es einem besser geht sondern das Gegenteil. Nur wenn die 3-Jahrestender vorzeitig zurückgezahlt werden würde wäre das ein Indiz dafür, das eine einzelne Bank/Bankengruppe sich wieder anderweitig Liquidität beschaffen kann. Dies werden wir allerdings am 30.Januar nicht sehen. Denn die Zinssätze im Interbankenmarkt sind für die relevanten Institute höher als der Refinanzierungszins der EZB.

    Ein abschmilzen der Reserven kann demnach nur bedeuten, das
    a) die Anlage in Staatspapieren (insbesondere in die EZB-garantierten Südanleihen) viel lukrativer ist als bei der EZB direkt
    oder b) weitere Banken aktuell Probleme bekommen und daher ihr bisheriges Polster aufbrauchen müssen.

    • André Kühnlenz
      15. Januar 2013 um 16:06

      Man sieht den Rückgang der Nachfrage nach EZB-Refinanzierung bereits in den kürzerlaufenden Geschäften. Zugleich ist seit vergangenem Sommer die Summe gesunken, die die Banken auf ihren Konten bei den Zentralbanken des Euro-Systems deponiert haben: um 100 Mrd. bis 150 Mrd. Euro.

      Wenn die Nachfrage nach Zentralbankreserven sinkt, kann das einerseits damit zu tun haben, dass die Kapitalflucht sich umkehrt – dafür spricht auch der Rückgang der Target-Salden sowie die sinkenden Zinsaufschläge bei den Staatsanleihen. Anderseits könnte es auch sein, dass die Banken wieder besser an Liquidität am Interbankenmarkt kommen – auch das wäre aber eine Umkehr der krisenhaften Kapitalbewegungen: Denn dabei verleihen ja die Banken aus den Kernländern ihre überschüssigen Mittel wieder stärker an Banken in den Peripherieländern.

      Die Anlage der Reserven in Staatspapiere ändert zudem nichts an der Gesamtsumme der Überschussliquidität. Denn bei einen Anleihekauf werden die Reserven nur von einer Bank zur anderen verschoben – nämlich vereinfacht gesprochen auf das Zentralbankkonto des Instituts, das die Anleihen verkauft hat bzw. der Bank, wo ein verkaufender Investor sein Geschäftskonto unterhält.

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