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Archiv für die Kategorie ‘Lehrmeister’

Chrystia Freeland: Die Superreichen. Aufstieg und Herrschaft einer neuen globalen Geldelite

SuperreichenEine kleine Elite mit einem gigantischen Milliardenvermögen bildet eine neue globale Klasse und gestaltet zunehmend die Regeln in Politik und Wirtschaft – natürlich zu ihren eigenen Gunsten. Wie die technologische Revolution zusammen mit der Globalisierung und einer stark unternehmerorientierten Politik dieser Personengruppe zu ihrem zweifelhaften Aufstieg verhalf, während große Teile der Gesellschaft vom wachsenden Wohlstand abgehängt wurden, legt die Wirtschaftsjournalistin Chrystia Freeland außergewöhnlich überzeugend dar. In mehr als zwei Jahrzehnten Recherche hat sie eine immense Fülle von Informationen zusammengetragen, auf deren Basis sie jenseits jeglicher klassenkämpferischen Ambitionen eine harte, faktenbasierte Kritik dieser Entwicklung formuliert. So ist das Buch gleichzeitig Elitenpsychogramm, Wirtschaftsgeschichte und Grundkurs in Ökonomie und Politik. Auch wenn der Ausblick am Ende eher pessimistisch ausfällt: getAbstract empfiehlt das Buch jedem politisch Interessierten, weil es auf angenehm nüchterne und unideologische Weise darlegt, dass Staaten und Gesellschaften langfristig nicht auf Egoismus, Spaltung und rigoroser Interessendurchsetzung einer kleinen, reichen Oberschicht aufbauen können. go to Abstract

Über die Autorin

Chrystia Freeland ist Redakteurin bei Thomson Reuters Digital und ehemalige stellvertretende Herausgeberin der Financial Times. Außerdem schrieb sie für den Economist, die International Herald Tribune und die Washington Post.

Wolfgang Streeck: Gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus

23. März 2014 Kommentare aus

Gekaufte-zeitWie der Untertitel des Buches schon nahelegt, handelt es sich bei Gekaufte Zeit um pure Kapitalismuskritik. Wolfgang Streeck schickt seinen Ausführungen denn auch die Bemerkung vorweg, dass man ohne einige auf Karl Marx zurückgehende Schlüsselbegriffe die aktuellen Entwicklungen gar nicht verstehen könne. Den Großteil des Werks machen Bestandsaufnahme und Analyse aus. Die Finanz- und Staatsschuldenkrise der Jahre um 2010 erscheint als vorerst letzter Akt der neoliberalen Entwicklung, die bereits in den 1970er-Jahren begann. Die Institution EU wird als undemokratische Vollenderin genau dieser Entwicklung entlarvt. Am Ende bietet Streeck zwar auch einen Lösungsvorschlag für die Krise – nämlich den Rückbau der Europäischen Währungsunion –, den er selbst allerdings schon im Vorwort als nicht sehr realistisch einstuft. Lob gebührt Streecks klarer Sprache und seiner einleuchtend aufgebauten Analyse der Ursachen für die gegenwärtige Situation. getAbstract empfiehlt das Buch allen, die sich für eine soziologisch fundierte Darstellung der Krise des Kapitalismus interessieren.
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Über den Autor

Wolfgang Streeck ist Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung und Professor für Soziologie an der Universität Köln. Er ist unter anderem Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Anat Admati und Martin Hellwig: Des Bankers neue Kleider – Was bei Banken wirklich schiefläuft und was sich ändern muss

22. Februar 2014 2 Kommentare

Des Bankers neue Kleider Die Empörung der Autoren über die Zustände in der Finanzwirtschaft gut sechs Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise ist groß: Nie konnten Banken sich billiger verschulden als heute, und schon drehen sie wieder am ganz großen Rad. Nach dem Motto: Bei Schwarz gewinnt die Bank, bei Rot verliert der Steuerzahler. Anat Admati und Martin Hellwig entlarven die Argumente der Banker gegen eine schärfere Regulierung als substanzlos und fordern die Erhöhung des erforderlichen echten Eigenkapitals auf 20 bis 30 Prozent. Bei den Betroffenen dürfte das akute Schnappatmung auslösen – würde es doch das Ende der märchenhaften Geldvermehrung einläuten. Uns allen aber könnte ein Revival der alten, konservativen Kleider der Banker jede Menge böse Überraschungen ersparen. getAbstract legt dieses aufschlussreiche Werk Finanzprofis wie auch Finanzbanausen ans Herz. Prädikat: höchst lesenswert.
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Über die Autoren

Anat Admati ist Professorin für Finanzwirtschaft an der Stanford University und Mitglied des Systemic Resolution Committee der Einlagensicherungsbehörde der USA.
Martin Hellwig ist Direktor am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern. Zudem ist er als Berater des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken in Frankfurt tätig.

Buchvorstellung: Daniel Stelter: Die Billionen-Schuldenbombe – Wie die Krise begann und warum sie noch lange nicht zu Ende ist

20. Dezember 2013 Kommentare aus

die-billionen-schuldenbombe-stelter-de-20091 Die Schulden der Staaten, der privaten Haushalte und der Unternehmen in der westlichen Welt wachsen schneller als die Wirtschaft. Wenn es so weitergeht, droht die Insolvenz. Als mögliche Lösungen skizziert Daniel Stelter unter anderem Inflation und Schuldenschnitt, was besonders den Sparern nicht gefallen wird. Stelter betont, dass jeder Tag zählt: Mit detaillierten Fakten zeigt er, dass es nur schmerzhafter wird, je länger man die unausweichlichen Maßnahmen hinauszögert. Er spannt den Bogen vom Anbeginn des Geldes bis zur aktuellen Eurokrise und lässt dabei kaum einen Blickwinkel aus. Die Komplexität des Themas bringt die eine oder andere Wiederholung mit sich. Hinzu kommt, dass die skizzierten Lösungswege nicht neu sind und für die Politik nur Ausgangspunkte sein können. Es ist aber die vielschichtige Darstellung der Verzahnung von Staat, Notenbanken und dem privaten Sektor, die dieses Buch lesenswert macht. getAbstract empfiehlt es allen Bürgern, Sparern und Volksvertretern.
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Über den Autor

Daniel Stelter ist Managing Director und Mitglied des internationalen Executive Committee der Boston Consulting Group. Für dieses Buch erhielt er Unterstützung von Veit Etzold, Ralf Berger und Dirk Schilder. Für sein Werk Vor der Krise ist nach dem Aufschwung wurden er und sein Koautor mit dem getAbstract International Book Award 2010 ausgezeichnet.

Buchvorstellung: Michael J. Sandel: Was man für Geld nicht kaufen kann – Die moralischen Grenzen des Marktes

20. November 2013 Kommentare aus

Wasmanfuergeldnichtalleskaufenkann „Ich mache ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann.“ Der berühmte, von Marlon Brando in dem Film Der Pate gesprochene Satz bringt auf den Punkt, worum es in Sandels Buch geht: um Geld und Moral. Immer mehr Bereiche des gesellschaftlichen und öffentlichen Lebens werden zu Marktobjekten. Sie werden käuflich. Von der Werbefläche im Fußballstadion bis zur Niere, die nicht mehr gespendet, sondern gekauft wird – alles wird marktkonform gemacht. Aber wo verläuft die Grenze zwischen hinnehmbarer Käuflichkeit und Korruption? Sandel beobachtet, wie Märkte Normen verändern. Dabei redet er nicht wie ein blinder Katheder-philosoph von der Farbe der Ökonomie. Sein Buch zeugt von exzellenter Kenntnis der Marktmechanismen. Der einzige Nachteil für deutschsprachige Leser ist, dass einige Beispiele tief in der angloamerikanischen Lebenskultur verwurzelt sind – sie zünden nur bei jenen Lesern sofort, die sich dort heimisch fühlen. Trotzdem ist das anregende Buch nach Meinung von getAbstract eine lohnenswerte Lektüre für alle, die im Spannungsfeld von Markt, Politik und Gesellschaft durchdachte, sachliche Argumente wertschätzen.
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Über den Autor

Der amerikanische Philosoph Michael J. Sandel studierte und promovierte im englischen Oxford und lehrt seit 1980 politische Philosophie an der Universität Harvard. Er ist ein Vertreter des Kommunitarismus, der die Einbettung des Menschen in die Gemeinschaft und ihre gewachsenen Werte und Traditionen betont. Ein wichtiges Arbeitsfeld Sandels sind bioethische Fragen.

Daron Acemoglu und James A. Robinson: Warum Nationen scheitern. Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut

26. Oktober 2013 Kommentare aus

Warum Nationen scheiternItaliener, Griechen, Spanier, Portugiesen – na ja, durch besonderen Arbeitseifer haben sich die Club-Med-Europäer nie hervorgetan. Und die Afrikaner? Kein Wunder, dass die sich lieber auf die faule Haut legen, bei der Hitze dort … Das sind Stammtischweisheiten, klar. Aber sind sie wirklich so abwegig, wenn man sich anschaut, welche Länder heute in Schuldensümpfen und Bürgerkriegen versinken? Ja, die klischierte Sichtweise ist falsch, das stellen Daron Acemoglu und James A. Robinson gleich zu Anfang klar.

Die beiden Wirtschaftswissenschaftler nehmen ihre Leser mit auf einen faszinierenden Gang durch die Institutionen: Vom Neolithikum bis zur Industriellen Revolution, immer waren die Regeln des politischen und wirtschaftlichen Zusammenlebens für das Aufblühen und Scheitern von Nationen verantwortlich. Eine plausible und interessante Theorie, wobei man kritisch einwenden kann, dass die Autoren sich beinahe ausschließlich darauf fokussieren. Die Überlegung, dass die reichen Nationen ihren Wohlstand auch der historischen und bis heute anhaltenden Ausbeutung der ärmeren Länder verdanken könnten, wird beispielsweise ausgespart. getAbstract legt das ansonsten brillante Buch allen ans Herz, die sich für die spannende Frage interessieren, wie die Ungleichheit auf der Welt überwunden werden kann.

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Über die Autoren

Daron Acemoglu ist Professor für Wirtschaftswissenschaften am Massachusetts Institute for Technology (MIT). James A. Robinson arbeitet als Professor für Politik und Wirtschaft an der Harvard University. Seine Spezialgebiete sind Entwicklungshilfe, Lateinamerika und Afrika.

Buchvorstellung: Mark Schieritz: Die Inflationslüge. Wie uns die Angst ums Geld ruiniert und wer daran verdient

25. September 2013 2 Kommentare

Mark Schieritz picDeutsche Geldscheine über 1 Million Reichsmark hat zwar kaum einer der heute lebenden Deutschen je gesehen. Dennoch scheint die Angst vor Inflation Deutschland immer noch umzutreiben. Gleichzeitig tun sich die meisten mit den Mechanismen von Geldmenge oder Umlaufgeschwindigkeit sehr schwer. Daran haben auch die zahlreichen Debatten über volkswirtschaftliche Prozesse, die im Rahmen der Ursachenforschung der Finanzkrise geführt wurden, kaum etwas geändert. Das Thema ist gerade in Deutschland sehr emotionsgeladen, so Mark Schieritz. Eine nüchterne Auseinandersetzung findet nicht statt. Der Zeit-Korrespondent beleuchtet die Inflationsentwicklung der letzten Jahre und zeigt auf, warum die stark ausgeweitete Geldmenge wider Erwarten doch nicht zum Inflationsgau geführt hat. Außerdem zeigt er, wem etwas daran liegen könnte, dass die Angst vor einer übermäßigen Inflation immer wieder bewusst geschürt wird. Dabei ist er sehr präzise und immer auch für Laien verständlich. getAbstract empfiehlt das Buch allen wirtschaftspolitisch Interessierten, die eine gut nachvollziehbare Analyse zu einem grundsätzlich schwer verständlichen Thema schätzen.

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Über den Autor

Mark Schieritz ist Korrespondent der Zeit und berichtet von Berlin aus über internationale  Finanzen, Banken, Zinsen und Währungen. Zuvor war er bei der Financial Times Deutschland tätig.

Buchvorstellung: Ralf Fücks: Intelligent wachsen. Die grüne Revolution

20. August 2013 Kommentare aus

Ralf-fuecksSteht es immer schlimmer um Umwelt und Klima, wenn die Wirtschaft weiterhin auf Wachstum setzt? Oder besteht die Hoffnung, dass die Menschheit doch einer besseren Zukunft entgegensieht, im Einklang mit Ökonomie und Ökologie und ohne dass Wirtschaftswachstum verteufelt wird? Der deutsche Grünen-Politiker Ralf Fücks optiert für die optimistische Alternative. In seinem faktengesättigten Plädoyer für eine grüne Revolution lässt er kein Thema aus, von den seltenen Erden bis zu Urban Farming. Durch sinnvoll gesetzte Themenschwerpunkte bekommt das Buch eine übersichtliche Struktur. Fücks hält keine grüne Predigt, sondern argumentiert sachlich und verständlich für ein neues qualitatives Wachstum. Damit bietet er den Vertretern einer Zukunftsvision, die auf Verzicht basiert, fundiert die Stirn. getAbstract empfiehlt das Buch einer breiten Leserschaft, nicht nur grünen Engagierten und Sympathisanten, sondern auch allen ökonomisch Interessierten. Denn maßgebliche Teile der Wirtschaft befinden sich schon auf dem Weg, der hier vorgezeichnet wird.

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Über den Autor
Ralf Fücks ist Politiker der Grünen und Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung. Er war in Bremen Bürgermeister, Senator für Umwelt und Stadtentwicklung sowie Bundesvorsitzender der Grünen.

Frank Schirrmacher: Ego. Das Spiel des Lebens

30. Juli 2013 Kommentare aus

EgoMit Ego greift Frank Schirrmacher erneut ein sensibles, ja brisantes gesellschaftspolitisches Thema auf. Die wachsende Abhängigkeit von Computersystemen, die sich aufgrund programmierter Algorithmen längst selber steuern und uns gleichzeitig ungefragt zu transparenten Wesen machen, bewegt die Gemüter und schürt Ängste. Ängste, die nach Schirrmachers Ansicht ernst zu nehmen sind, weil die automatisierte Informationsökonomie in alle Lebensbereiche vordringe. Am Ende werden die Menschen, gemäß der unterstellten Logik des Computers, zu vorhersagbaren Marionetten. Schirrmacher zeigt sich wie gewohnt wortgewaltig und argumentiert mit unzähligen Beispielen aus der Geschichte. Für den Leser ist es nicht immer einfach, seinen Gedankengängen zu folgen. Leider bleibt der Autor am Schluss ziemlich vage, wenn es um die Frage geht, wie dem Angriff der Ego-Ideologie auf unsere Individualität begegnet werden sollte. getAbstract empfiehlt das Buch allen politisch und wirtschaftlich Interessierten.

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Über den Autor

Frank Schirrmacher ist einer der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er ist Autor mehrerer Bücher, die in Deutschland verschiedene gesellschaftspolitische Debatten ausgelöst haben, darunter Payback und Das Methusalem-Komplott.

Buchvorstellung: Thomas Fricke: Wie viel Bank braucht der Mensch?

25. Juni 2013 Kommentare aus

Cover-BuchMan stelle sich vor: Menschen laufen mit Goldsäcken beladen einen Berg hoch. Anfangs sind es noch wenige, dann werden es immer mehr. Sie müssen gar einen deftigen Wegzoll in Kauf nehmen. Aufseher argumentieren: Nur wenn möglichst viele mit ihrem Schatz hin- und herlaufen, lässt sich ein vernünftiger Preis dafür bestimmen. Das Gold scheint sich wie von selbst zu vermehren. Plötzlich jedoch kippt die Stimmung. In heilloser Panik rennen die Menschen den Berg hinab, viele bleiben auf der Strecke. Die Aufseher hingegen sammeln das fallen gelassene Gold auf und warten auf die ersten, die sich wieder den Berg hochwagen. Klingt absurd? Ist es auch. Und doch passiert in der globalisierten Finanzwelt seit 30 Jahren nichts wesentlich anderes, wie Thomas Fricke sehr anschaulich erklärt. Raus aus diesem verrückten Bankensystem, fordert Fricke, nachdem er in seinem Buch eine Kosten-Nutzen-Rechnung der Finanzmarktliberalisierung aufgestellt hat. Sein Appell: Die Banker müssen von ihrem hohen Ross gestoßen werden und zu einer Kleinfinanzwelt zurückkehren. Auch wenn Fricke sein Modell etwas zu euphorisch beschreibt, es bleibt schlüssig. getAbstract legt das Buch allen ans Herz, die sich jenseits von billiger Bankenschelte nach einem neuen Finanzsystem sehnen.

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Über den Autor

Thomas Fricke ist Journalist und wirtschaftspolitischer Kommentator und war bis 2012 Chefökonom der Financial Times Deutschland. Er leitet das Internetportal Wirtschaftswunder.

Robert und Edward Skidelsky: Wie viel ist genug? – Vom Wachstumswahn zu einer Ökonomie des guten Lebens

GenugIst es nicht logisch, dass der Mensch aufhört, nach mehr zu streben, sobald seine Bedürfnisse befriedigt sind, und sich lieber ein schönes Leben macht? So dachte der Ökonom John Maynard Keynes in den 1930er-Jahren, doch diese Theorie hat sich als Irrtum erwiesen: Obwohl die Volkswirtschaften heute reicher sind als je zuvor, arbeiten die Menschen nicht weniger. Das Problem: Die materiellen Begierden sind grenzenlos. Die Autoren dieses Buches, ein Wirtschaftswissenschaftler und ein Philosoph, prangern in durchaus unterhaltsamer Weise den Wachstumswahn an. Doch sie zeigen dem Leser auch einen Hoffnungsschimmer am Horizont, indem sie erklären, wie sich der Mensch aus seiner Unersättlichkeit befreien lässt. Die Skidelskys gehen Fragen des Glücks auf den Grund und zitieren Denker aller Epochen, vom Altertum bis heute. Die Ideen rütteln an einigen ökonomischen Grundfesten. Leider ist das Buch nicht besonders gut strukturiert. Etwas mehr von der Übersichtlichkeit, die in den beiden letzten Kapiteln geboten wird, hätte auch den ersten Kapiteln nicht geschadet. Ansonsten hält getAbstract das Werk für sehr lesenswert und legt es allen ökonomisch und wirtschaftspolitisch Interessierten ans Herz.

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Über die Autoren

Robert Skidelsky ist Wirtschaftswissenschaftler und gilt als Keynes-Spezialist. Er lehrte bis zu seiner Emeritierung an der  Universität Warwick und ist Autor des Keynes-Buches Die Rückkehr des Meisters. Sein Sohn Edward Skidelsky ist Philosoph und hat eine Professur an der Universität Exeter. Er schreibt regelmäßig für New Statesman, The Daily Telegraph und Spectator.

Buchvorstellung: Fred Pearce: Land Grabbing – Der globale Kampf um Grund und Boden (2012)

27. April 2013 Kommentare aus

LandgrabbingStellen Sie sich vor, ein Unternehmer würde an der Haustür klingeln und Ihnen mitteilen, die Regierung habe Ihr Haus und Ihren Garten konfisziert, damit er dort Mais anbauen könne. Außerdem habe man den Stadtwald gesperrt, um ihn in ein Wildreservat für zahlende Gäste zu verwandeln. Unvorstellbar? Für Millionen Menschen weltweit ist dieses Szenario bittere Realität. Fred Pearce ist ein Jahr lang um den Globus gereist und hat die Opfer dieses beispiellosen Landraubs besucht, ebenso wie Spekulanten und Investoren, missionarische Eiferer, idealistische Weltverbesserer und pragmatische Großlandwirte. Der Autor gibt dem Argument, nur die industrielle Landwirtschaft könne die Menschheit vor der drohenden Nahrungsmittelknappheit bewahren, eine faire Chance – und entlarvt es als Feigenblatt für profitgierige Konzerne und korrupte Regierungen. getAbstract legt das Buch allen ans Herz, die sich in Umwelt-, Ernährungs- und Entwicklungsfragen nicht allein auf das freie Spiel der Märkte verlassen möchten.

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Über den Autor

Fred Pearce ist Umweltberater des Magazins New Scientist und schreibt als Wissenschaftsjournalist für renommierte Medien über Umwelt- und Entwicklungsfragen. 2001 wurde er zum britischen Umweltjournalisten des Jahres gewählt, 2011 wurde er für sein Gesamtwerk ausgezeichnet.

Buchvorstellung: Hans-Werner Sinn: Die Target-Falle – Gefahren für unser Geld und unsere Kinder (2012)

15. April 2013 Kommentare aus

Die TargetfalleDie üblichen Refinanzierungskredite sind – von Bundesbank und Politik nahezu unbemerkt – verdrängt worden: durch so genannte Target-Forderungen. Der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn sieht in diesem Phänomen den Hauptgrund der Krise.

Er beschreibt die Target-Kredite als reine Geldschöpfungskredite zu niedrigen Zinsen, die einer Lösung im Weg stehen. Sinn kritisiert die mangelnde demokratische Legitimation des EZB-Rats, auf dessen Initiative die Target-Kredite zurückgehen, und stellt die Funktionsweise des Europäischen Währungssystems infrage. Er bietet eine ausführliche Analyse der Finanzlage, stellt verschiedene Austrittsszenarien vor und zeigt Wege zur Eindämmung der Krise. Ein gut lesbares Buch, das wichtige finanzpolitische Zusammenhänge aufzeigt, erklärt und empirisch belegt – wenngleich nicht verschwiegen werden darf, dass andere Ökonomen Sinn heftig widersprechen und das Target-Problem für ein aufgebauschtes halten. getAbstract empfiehlt das Buch allen, die sich mit der Lage der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion auseinandersetzen wollen.
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Über den Autor

Hans-Werner Sinn ist Präsident des Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung und Ordinarius an der LMU München. Der renommierte Ökonom hat u. a. die Bestseller Das grüne Paradoxon und Ist Deutschland noch zu retten? geschrieben.

Joseph Stiglitz: Der Preis der Ungleichheit – Wie die Spaltung der Gesellschaft unsere Zukunft bedroht (2012)

25. Februar 2013 1 Kommentar

eurovisionenDieses Buch ist für jeden ein Muss. Denn die Probleme der USA sind auch die Probleme der anderen Industrienationen. Wenn man sie nicht versteht und nicht handelt, könnten die Folgen der wachsenden Ungleichheit in den USA alle führenden Volkswirtschaften mit in den Abgrund reißen. Nobelpreisträger Joseph Stiglitz ist seinem Ruf als Ökonom mit sozialem Gewissen wieder einmal gerecht geworden. Sehr detailliert beschreibt er die dramatische Misere der amerikanischen Gesellschaft. Auch seine heftigsten Kritiker werden nicht an der Tatsache vorbeikommen, dass die US-Demokratie in die Hände der Finanzbranche gefallen ist. Stiglitz hält den USA, aber auch uns allen, schonungslos den Spiegel vor. getAbstract empfiehlt dieses Buch allen, die die Entwicklungen in den USA verstehen möchten und die wissen wollen, wie wir einen Ausweg finden können.
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Über den Autor

Joseph Stiglitz lehrt als Professor für Volkswirtschaftslehre an der Columbia University in New York. Der ehemalige Wirtschaftsberater der Clinton-Regierung, Ex-Chefvolkswirt der Weltbank und Nobelpreisträger ist ein weltweit führender Experte zu den Themen Ökonomie, Politik und Gesellschaft. Er ist auch Autor der Bücher Die Schatten der  Globalisierung und Die Chancen der Globalisierung.

Robert J. Shiller: Märkte für Menschen – So schaffen wir ein besseres Finanzsystem

9. Februar 2013 2 Kommentare

Maerkte fuer MenschenRobert J. Shiller schmiert Balsam auf die geschundenen Seelen der Banker und Manager, Finanztechniker und Regulierer: Die Forderung, dass die Verantwortlichen für die Krise ins Gefängnis gehören, ist für ihn eine „fixe Idee“; Praktiken, die das weltweite Finanzwesen an den Rand des Zusammenbruchs brachten, hält er für „grobe Schnitzer“, die sich korrigieren lassen. Gemäß seinem Hohelied des Finanzkapitalismus ist alles gut und wird noch besser werden, sofern wir nicht auf das unaufgeklärte Demonstrantenvolk, sondern auf die Visionäre hören. Shiller argumentiert durchaus auch branchenkritisch und schlägt jede Menge Verbesserungen vor, fordert aber konsequenterweise nicht weniger, sondern mehr komplexe finanzielle Absicherungssysteme gegen Risiken aller Art. Seine Stoßrichtung, dass der Finanzkapitalismus dazu dienen soll, den Wohlstand zu mehren und gerecht zu verteilen, in allen Ehren – aber glaubt jemand ernsthaft daran, dass die Akteure im Finanzwesen aus diesen hehren Gründen ihrer Tätigkeit nachgehen?

getAbstract ist angesichts Shillers Brillanz erstaunt über die Naivität dieser Annahme, empfiehlt das Buch aber trotzdem allen, die wissen wollen, welchen gesellschaftlichen Nutzen Finanzinnovationen und Finanzspekulanten in einer idealen Welt haben könnten. [weiter]

Über den Autor

Robert J. Shiller ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Yale University und Autor zahlreicher Sachbücher, darunter Irrationaler Überschwang und Animal Spirits.

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