Archiv

Archive for the ‘Lehrmeister’ Category

Ortwin Renn: Das Risikoparadox – Warum wir uns vor dem Falschen fürchten

21. November 2014 Kommentare aus

Ortwin Renn - Das Risikoparadox Risikoforscher Ortwin Renn hält den Deutschen den Spiegel vor. Er erhebt den Anspruch, sie zu risikomündigen Menschen zu erziehen, die nicht länger die Augen vor den wahren Gefahren verschließen. Er entlarvt missinterpretierte Statistiken, sensationslüsterne Medien und psychologische Mechanismen, die unsere Risikowahrnehmung verzerren. All das macht er mit hohem wissenschaftlichem Anspruch, realitätsnah und nachvollziehbar. Schade, dass er manche weitverbreiteten Ängste (etwa die vor dem Jobverlust) mit keinem Wort erwähnt. Erst auf den letzten 100 von 600 Seiten skizziert er seine Lösungsvorschläge. Dabei gleitet er leider etwas ins Idealistische, Abstrakte und Realitätsferne ab. Der informierte Leser kennt zu viele Beispiele von gescheiterten Wirtschaftsgipfeln und Klimakonferenzen, als dass er die breite Kluft zwischen akademischer Theorie und gelebter Politik nicht sehen würde. Positiv stechen Renns Anregungen an den Einzelnen heraus, sein Leben resilienter, sozial gerechter und qualitativ hochwertiger zu machen. Doch selbst die hat man anderswo schon aufrüttelnder und leichter umsetzbar gelesen. getAbstract empfiehlt das Augen öffnende Buch trotzdem allen, die sich medialer Panikmache und Stammtischargumenten entziehen wollen. go to abstract

Über den Autor
Ortwin Renn ist Professor für Technik und Umweltsoziologie an der Universität Stuttgart und Präsident der Internationalen Gesellschaft für Risikoanalyse (SRA). Seit 2013 gehört er dem Science and Technology Advisory Council von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso an.

Thomas Piketty: Das Kapital im 21. Jahrhundert

21. Oktober 2014 Kommentare aus

DasKapital „Eine Milliarde hier, eine Milliarde da – und bald läppert sich das zu richtigem Geld zusammen.“ In den 1960er-Jahren hatte US-Senator Everett Dirksen mit diesem Spruch noch die Lacher auf seiner Seite. Amerikanische Vorstandschefs verdienten da im Schnitt 20-mal mehr als ihre Mitarbeiter. Heute streichen sie 277-mal so viel ein. Und das oberste reichste Prozent der Menschheit besitzt heute die Hälfte aller Vermögen. Für Thomas Piketty hört der Spaß hier auf. Beim Studium von Datensätzen aus zwei Jahrhunderten ist er auf ein ökonomisches Gesetz gestoßen: Immer wenn Kapital mehr einbringt als Arbeit, wachsen die Vermögen in den Himmel. Sein Vorschlag einer globalen progressiven Kapitalsteuer wird zwar von vielen als utopisch belächelt. Doch es fragt sich: Wie lange noch? getAbstract legt dieses verständlich geschriebene Monumentalwerk allen ans Herz, die wissen möchten, wo sich die Milliarden im 21. Jahrhundert zusammenläppern. go to abstract

Über den Autor
Thomas Piketty ist Professor an der Paris School of Economics. Er forscht zu den Themen Einkommensverteilung, Vermögensverteilung und soziale Ungleichheit.

G. Soros & G. P. Schmitz: Wetten auf Europa – Warum Deutschland den Euro retten muss, um sich selbst zu retten

22. September 2014 Kommentare aus

WettenMan muss George Soros, den steinreichen Spekulanten und Profiteur des bestehenden Wirtschaftssystems, nicht mögen. Aber seine Äußerungen zur Eurokrise sollte man allein deshalb nicht einfach beiseiteschieben, weil er offen anspricht, was in der hiesigen Politik und Presse sonst nur wenig diskutiert wird: den bedeutenden Beitrag Deutschlands zur Nichtlösung der Krise. Soros wird interviewt von Spiegel-Redakteur Gregor Peter Schmitz, dessen Einleitungen zu den vier Gesprächsteilen aber nur schwer eine eigene, nachvollziehbare Argumentationslinie erkennen lassen; sie sind zum großen Teil eine Collage aus Presseartikeln und Äußerungen von Politikern. getAbstract empfiehlt das Buch allen Europa-Interessierten, die mit einem proeuropäisch orientierten Soros über den Tellerrand der deutschen Mainstream-Meinung hinausschauen möchten und ihre Hoffnung auf eine EU jenseits von Austeritätspolitik und nationalem Denken noch nicht aufgegeben haben. go to abstract

Über die Autoren
George Soros ist Finanzinvestor, Vorsitzender des Quantum Funds, Autor und Gründer der Open Society Foundation. Gregor Peter Schmitz ist EU-Korrespondent des Spiegels in Brüssel und ehemaliger Leiter des Brüsseler Büros der Bertelsmann Stiftung.

Al Gore: Die Zukunft – Sechs Kräfte, die unsere Welt verändern

1. September 2014 2 Kommentare

AlgoreEine Mammutaufgabe, der sich Al Gore da verschrieben hat. Schon viele Autoren sind am Vorhaben, einen Blick in die Zukunft der Menschheit zu werfen, gescheitert. Doch der ehemalige amerikanische Vizepräsident meistert diese Herausforderung hervorragend. Nüchtern und klar präsentiert Gore unzählige Fakten über die Strömungen, in denen  sich die Menschheit zurzeit bewegt. Wirklich interessant werden die Ausführungen durch Gores Fähigkeit, Verbindungen zu ziehen und Zusammenhänge aufzuzeigen. Der Kämpfer gegen den Klimawandel versteht es, das große Ganze zu sehen und es auch noch spannend darzustellen. Allerdings können die auf nahezu 500 Seiten zusammengetragenen Fakten (und der 120-seitige Anhang) auf den Leser auch erschlagend wirken und ihm das Gefühl geben, auf sich allein gestellt zu sein. Denn konkrete Antworten dazu, wie das von Gore geforderte Umdenken vollzogen werden kann, legt auch er nicht vor. getAbstract empfiehlt dieses Buch allen, die sich als Teil des Ökosystems Erde verstehen und Verantwortung für eine nachhaltige Zukunft übernehmen wollen, besonders allen Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik. go to Abstract

Über den Autor
Al Gore ist ehemaliger Vizepräsident der USA und seit seiner Niederlage in den Präsidentschaftswahlen 2000 ein engagierter Kämpfer gegen den Klimawandel und für den Schutz der Umwelt. Im Jahr 2007 erhielt er für sein umweltpolitisches Engagement den Friedensnobelpreis. Zudem wurde ihm für seinen Film über die Gefahren des Klimawandels, Eine unbequeme Wahrheit, ein Oscar verliehen.

David Pilling: Japan – eine Wirtschaftsmacht erfindet sich neu

30. Juli 2014 Kommentare aus

Pilling_Japan_U1.inddNach seiner Niederlage im Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Japan in atemberaubendem Tempo zu einer der stärksten Wirtschaftsmächte. Doch seit Mitte der 1990er-Jahre scheint dieser Schwung gebremst, von „verlorenen Jahrzehnten“ ist die Rede. Erstaunlicherweise könnte sich aber gerade die Dreifachkatastrophe vom März 2011 – Erdbeben, Tsunami und Nukleardesaster in Fukushima – als Wendepunkt herausstellen und Japan wieder nach vorne bringen, so Journalist und Japankenner David Pilling. Denn schon öfter in seiner Geschichte hat Japan sich in schwierigen Situationen neu erfunden, um anschließend stärker als zuvor dazustehen. Diese These ist für die Vergangenheit  plausibel – aber auch für die Zukunft? Pilling bleibt eindeutige Aussagen oft schuldig, er bemüht sich um Ausgewogenheit und präsentiert zu fast jeder Meinung auch die gegenteilige Ansicht. Außerdem zeigt sich, dass Japan angesichts der großen Herausforderungen – steigende Staatsverschuldung, Überalterung, überlastete Rentensysteme – auch nur die gängigen Mainstream-Reformrezepte wie weniger Staat und mehr privates Engagement anwendet, ohne dass der Autor dies kritisch hinterfragt. Dennoch empfiehlt getAbstract das Buch wegen seiner atmosphärischen Beschreibung eines bekannten und doch so fremden Landes. go to Abstract

Über den Autor
David Pilling ist Journalist und Asienredakteur der Financial Times in Hongkong. Von 2001 bis 2008 berichtete er als Auslandskorrespondent der Zeitung in Tokio über Japan.

 

Hans-Werner Sinn: Gefangen im Euro

21. Juni 2014 Kommentare aus

Gefangen im EurogetAbstract: Der deutsche Starökonom Hans-Werner Sinn zeigt sich konsterniert: „Absurd“ findet er die Zeitungsmeldungen, die die vermeintliche Rettung des Eurosystems bejubeln, wo dieses doch an allen Ecken und Enden kranke, der deutsche Steuerzahler für den Schaden aufkommen müsse und der Sparer enteignet werde. Um die Zusammenhänge zu erklären, hat der Publizist Jens Schadendorf die Gespräche mit Sinn aufgezeichnet, woraus dieses – leider etwas unstrukturierte – Manifest entstanden ist. Sinn appelliert darin vor allem an die Politik, die bisher wenig Neigung zu den seiner Meinung nach notwendigen schmerzhaften Einschnitten zur dauerhaften Sanierung des Eurosystems gezeigt hat. Neue Ideen finden sich in dem Büchlein daher kaum. Kritikwürdig ist auch, dass Sinn die Bewältigung der Krise auf die für die Geberländer bequemsten Lösungen aufbaut. Die Analyse der Gründe der Krise und der Vorbedingungen für die „Vereinigten Staaten von Europa“ meistert er jedoch, wie gewohnt, exzellent. getAbstract empfiehlt dieses Buch allen, die sich für die Zukunft der Währungsunion interessieren. go to Abstract

 

Über den Autor
Hans-Werner Sinn ist Präsident des Ifo Instituts in München und Professor an der volkswirtschaftlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München. Von ihm stammen unter anderem die Titel Die Target-Falle, Kasino-Kapitalismus und Das Grüne Paradoxon.

Frank Riedel: Die Schuld der Ökonomen. Was Ökonomie und Mathematik zur Krise beitrugen

29. Mai 2014 Kommentare aus

Die Schuld der OekonomenMathematik war vielleicht nicht gerade das Lieblingsfach von Menschen, die sich für wirtschaftspolitische Fragen interessieren, und die meisten wirtschaftsmathematischen Bücher sind auch nicht dazu angetan, dass sich das ändert. Dass die Finanzmathematiker der Banken aber irgendwie mitschuldig am Ausbruch der Finanzkrise waren, wurde und wird immer wieder thematisiert. Das Verdienst von Frank Riedel ist es, die Schnittstellen zwischen Mathematik, Wirtschaft und Politik so zu erläutern, dass man die Zusammenhänge auch ohne mathematische Ausbildung versteht. Wenn die wirtschaftswissenschaftliche Politikberatung sich davon verabschiedet, Prognosen abzugeben, und sich stattdessen auf die Lösung konkreter Einzelprobleme fokussiert, können Wirtschaftswissenschaften und Finanzmathematik einen zentralen Beitrag dazu leisten, solche Krisen in Zukunft zu vermeiden, so die Hoffnung des Autors. getAbstract empfiehlt das Buch darum allen, die jenseits einfacher Parolen kompetent mitdiskutieren wollen. go to Abstract

Über den Autor

Frank Riedel studierte Mathematik und Philosophie in Freiburg und promovierte in Wirtschaftstheorie in Berlin. Er ist Professor an der Universität Bielefeld und leitet seit 2009 das Institut für mathematische Wirtschaftsforschung..

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 120 Followern an