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Archiv für die Kategorie ‘Klassiker kompakt’

Adam Smith – Der Wohlstand der Nationen

28. November 2007 Kommentare aus

Adam SmithNiemand, der sich ernsthaft mit Wirtschaft beschäftigt, kommt um dieses opulente Werk herum: Auf über 800 Seiten präsentiert sich Der Wohlstand der Nationen dem Leser als klassischer, pragmatischer und leicht lesbarer Meilenstein der Wirtschaftsgeschichte. Das Werk und sein Autor Adam Smith geistern durch jedes Lehrbuch für Volkswirtschaft.

Doch erst im Zusammenhang entfalten die heutzutage oft fragmentarisch oder sogar falsch wiedergegebenen Thesen ihre ganze soziale und wirtschaftliche Innovationskraft.

In einer Zeit, in der absolutistische Nationalstaaten die Edelmetallvorräte der Welt an sich rissen und mit einer dirigistischen Exportpolitik den eigenen Reichtum zu mehren versuchten, entwickelte Smith eine völlig neue Idee über den Reichtum eines Landes: Nicht das Gold, sondern die vom Volk geleistete Arbeit sind die Quelle des Wohlstands.

Angeregt durch den Eigennutz des Einzelnen kann sich das Wirtschaftsgeschehen am Markt wie durch eine "unsichtbare Hand" geführt ins Gleichgewicht bringen. Der Staat hat lediglich für bestimmte öffentliche Güter und einen Ordnungsrahmen zu sorgen. Auch wenn Smiths Idealbild von wirtschaftlicher und sozialer Harmonie im Lauf der Zeit einige Risse bekommen hat: In den vergangenen 250 Jahren inspirierten seine Ideen bekannte Ökonomen wie David Ricardo, Vilfredo Pareto, Friedrich August von Hayek und Milton Friedman.

Über den Autor

Adam Smith wird am 5. Juni 1723 in der Ortschaft Kirkcaldy in Schottland als Sohn eines Juristen getauft, das Geburtsdatum ist nicht bekannt. Am College von Glasgow belegt er u. a. das Fach Moralphilosophie, in dem er von Francis Hutcheson unterrichtet wird. Hutchesons Lehren verbinden die Ideen der Philosophen John Locke und David Hume und haben großen Einfluss auf Smiths eigene Philosophie.

Nach dem Studium in Oxford und Glasgow und einer Zeit der Lehrtätigkeit wird Smith 1751 zum Professor für Logik und ein Jahr später zum Professor für Moralphilosophie ernannt. Während dieser Zeit hat er engen Kontakt zu David Hume (ebenfalls ein Schotte), dessen ethische und wirtschaftliche Ideen ihn nachhaltig beeinflussen. Smiths erste große Veröffentlichung ist The Theory of Moral Sentiments (Theorie der ethischen Gefühle, 1759), in der er seine ethischen Lehren aus der Universität schriftlich niederlegt.

1763 verlässt Smith Glasgow, um als Privatlehrer eines jungen Herzogs auf eine dreijährige Bildungsreise durch Frankreich und die Schweiz zu gehen. Aus seinen Begegnungen mit den französischen Physiokraten Turgot und Quesnay schöpft Smith die Idee zu seinem ökonomischen Hauptwerk An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations (Der Wohlstand der Nationen), das er aber erst 1776 fertigstellt und veröffentlicht. 1778 wird Smith zum Zollkontrolleur in Edinburgh ernannt, wo er am 17. Juli 1790 stirbt. Kurz vor seinem Tod lässt er durch Freunde alle seine unfertigen Schriften vernichten.

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Friedrich A. v. Hayek – Die Verfassung der Freiheit

28. Oktober 2007 Kommentare aus

Friedrich August von HayekWie können Gesellschaft und Wirtschaft zum größtmöglichen Wohl aller organisiert werden? Das war die Frage, die Hayek 1960 mit seiner Verfassung der Freiheit zu klären suchte.

Das abschreckende Beispiel des Sowjetkommunismus ließ die westlichen Intellektuellen zwar weitgehend vom Marxismus abrücken. Stattdessen schrieben sie sich aber jetzt das Erreichen "sozialer Gerechtigkeit" durch eine staatlich gelenkte Umverteilung der Einkommen auf ihre Fahnen. Der Wohlfahrtsstaat wurde in vielen Ländern ausgeweitet.

Diesem Trend trat Hayek entschieden entgegen: Nur unter den Rahmenbedingungen einer freien Gesellschaft entstünden permanenter Fortschritt und eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Zivilisation zum Wohle aller. Hayeks Thesen stießen auch im marktwirtschaftlich orientierten Westen zuerst auf wenig Gegenliebe. So wurde selbst von Liberalen argumentiert, dass die Theorie der Freiheit letztlich nur in einer Welt gelte, in der die Ausgangsbedingungen für alle Menschen gleich seien.

In der Realität aber gebe es historisch gewachsene Ungleichheiten und ökonomische Machtverhältnisse, die durch eine aktive ausgleichende Politik überwunden werden müssten. Indem Hayek vorgefundene Regeln als sinnvolles Ergebnis einer natürlichen Evolution denke, übersehe er, dass auch diese ein Resultat sozialen Handelns und damit von Machtprozessen seien.

Ironischerweise musste sich Hayek den Nobelpreis für Wirtschaft mit dem Schweden Gunnar Myrdal teilen, einem überzeugten Keynesianer. Die von Hayek aufgeworfene Frage, wie viel Freiheit zum Wohle aller angebracht ist, ist bis heute ein Streitpunkt in den Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften.

Über den Autor

Friedrich August von Hayek wird am 8. Mai 1899 in Wien geboren. Sein Vater ist Arzt und Professor für Botanik an der Universität Wien. Hayek wächst in einem intellektuell stimulierenden Umfeld auf. Nach einem Kriegseinsatz als Artillerieoffizier beginnt er 1918 ein Studium der Rechtswissenschaft, das er 1921 mit der Promotion beendet.

1923 erlangt er zusätzlich in Staatswissenschaften den Doktortitel. Durch seine Arbeit im Österreichischen Abrechnungsamt lernt er seinen späteren Mentor und Freund Ludwig von Mises kennen. Dieser vermittelt ihm ein Stipendium für einen Studienaufenthalt in den USA. Nach seiner Rückkehr gründet Hayek mit Mises 1927 das Österreichische Konjunkturforschungsinstitut.

Er wird der Direktor des Instituts und erhält 1929 die Habilitation der Universität Wien. Trotz bescheidener Forschungsmittel findet Hayek mit der Arbeit des Instituts bald internationale Beachtung. 1931 wird er der erste ausländische Ökonomieprofessor an der London School of Economics. Seine Arbeiten bringen ihn bald in Opposition zu den Lehren von John Maynard Keynes, der umfassende Interventionen des Staates in die Wirtschaft befürwortet.

1947 gründet Hayek zusammen mit 35 anderen liberalen Denkern, darunter Milton Friedman, Ludwig von Mises und Karl Popper, die einflussreiche Mont Pelerin Society. Ab 1950 ist er für zwölf Jahre Professor an der University of Chicago, wo er u. a. mit Milton Friedman zusammenarbeitet. 1962 übernimmt er bis zu seiner Emeritierung die Nachfolge des Lehrstuhls von Walter Eucken an der Universität Freiburg.

 Ab 1968 ist Hayek Gastprofessor an der Universität Salzburg. 1974 erhält er den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. 1977 kehrt er, in Deutschland hoch geschätzt, wieder nach Freiburg zurück. Von dort aus ist er auch politisch beratend tätig. 1985 erhält er die seltene britische Auszeichnung "Companion of Honour" und 1991 die höchste US-amerikanische zivile Auszeichnung, die "Presidential Medal of Freedom". Hayek stirbt am 23. März 1992 in Freiburg und ist in Wien begraben.

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Karl Marx und Friedrich Engels – Das kommunistische Manifest

26. Oktober 2007 Kommentare aus

Karl Marx und Friedrich Engels 1848 wurde es von Marx und Engels in die Welt gesetzt: das Manifest der Kommunistischen Partei. Es war die Zeit der Restauration: Die alten Mächte Europas versuchten sich neu zu festigen, während sie überall durch bürgerlich-demokratische Revolutionsbestrebungen gefährdet waren – und durch einige noch radikalere Ideen.

Zugleich vollzog sich bereits eine andere Revolution: nämlich die industrielle, die den frühen Kapitalisten großen Reichtum verschaffte, während sie für viele Menschen ein elendes Dasein in den modernen Großstädten und Fabriken bedeutete. Die Empörung über diese Massenverelendung ist eines der wichtigsten Motive für die Autoren des Manifests.

Dessen Einfluss machte sich erst 70 Jahre später deutlich bemerkbar, in der Russischen Oktoberrevolution von 1917. Das ursprüngliche Ziel der Kommunisten: eine durch und durch menschliche Gesellschaft ohne Unfreiheit und Unterdrückung. Auch im Zeitalter des globalisierten Kapitalismus ist Das kommunistische Manifest keineswegs hoffnungslos veraltet – zumal im Text selbst schon angedeutet wird, dass der bürgerliche Kapitalismus letztlich auf den Weltmarkt ausgerichtet ist.

Und die geradezu biblische Sprachgewalt vieler Passagen vermag immer noch Leser in ihren Bann zu ziehen. Der Kommunismus der Realität – der ein groteskes Zerrbild des von Marx und Engels beschriebenen Ideals war – ist gescheitert. Die Epoche des Kapitalismus dagegen dauert noch an. Eine ihrer scharfsinnigsten Analysen war und bleibt Das kommunistische Manifest.

Über die Autoren

 Karl Marx wird am 5. Mai 1818 in Trier geboren. Seine Familie ist jüdisch, konvertiert jedoch zum evangelischen Glauben, damit der Vater seinen Juristenberuf weiter ausüben kann. Marx studiert Philosophie in Berlin und wird anschließend Redakteur bei der Rheinischen Zeitung, wo er Probleme mit der Zensur bekommt – 1843 wird die Zeitung verboten. Im gleichen Jahr heiratet Marx seine Jugendfreundin Jenny von Westphalen.

Bis 1845 weilt er im liberalen Frankreich, lernt Heinrich Heine kennen und ist Mitherausgeber der Deutsch-Französischen Jahrbücher. Auf Druck der preußischen Regierung wird er aus Frankreich ausgewiesen und geht nach Brüssel. 1844 lernt er Friedrich Engels kennen. 1849 siedelt er nach London über, nachdem er erneut aus Preußen und aus Paris ausgewiesen worden ist.

 Finanziell unterstützt durch Engels, beginnt er ein intensives Studium, dessen Frucht sein Hauptwerk ist: Das Kapital, eine Kritik der politischen Ökonomie, zugleich seine Begründung des historischen Materialismus. 1881 stirbt seine Frau, 1883 seine Tochter, wenig später er selbst: am 14. März 1883. Friedrich Engels wird am 28. September 1820 in Barmen, heute ein Stadtteil von Wuppertal, geboren, als Sohn eines Textilfabrikanten. Er hat Kontakte zur literarischen Bewegung "Junges Deutschland" und zu den Junghegelianern.

1862 geht er als Kaufmann nach Manchester in England, arbeitet dort im väterlichen Unternehmen und studiert zugleich die soziale Lage des Proletariats unter den Bedingungen des Kapitalismus und der Industrialisierung. In seinem Buch Die Lage der arbeitenden Klasse in England beschreibt er seine Erfahrungen, die ihn von der Hegel'schen Philosophie abbringen und zum radikalen Sozialrevolutionär bekehren. Die Bekanntschaft mit Marx entwickelt sich zu einer lebenslangen Freundschaft und Zusammenarbeit; gemeinsam verfassen sie u. a. Die deutsche Ideologie. Engels stirbt am 5. August 1895 in London.

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Milton Friedman – Kapitalismus und Freiheit

24. Oktober 2007 Kommentare aus

Milton FriedmanDer Nobelpreisträger Milton Friedman gilt als einer der einflussreichsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts. Die Ideen des unerschütterlichen Monetaristen und Keynes-Kritikers gehörten zum kleinen Wirtschafts-Abc von Politikern wie Ronald Reagan und Margaret Thatcher.

Dennoch sind sie alles andere als diskreditiert, und so verdankt sich die Neuauflage von Kapitalismus und Freiheit 40 Jahre nach der Erstveröffentlichung in den USA wohl schlicht dem neoliberalen Zeitgeist.

Denn Friedmans Buch ist die Bibel der liberalen Ökonomie: Es geht ihm um die Frage, welchen Stellenwert die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft einnimmt.

Dabei steht für ihn, der ausdrücklich einen "Liberalismus des 19. Jahrhunderts" vertritt, stets die wirtschaftliche Freiheit im Mittelpunkt, da sie die unabdingbare Voraussetzung für politische Freiheit sei. Die Kehrseite dieses Wirtschaftsliberalismus: gesellschaftspolitisch streng konservative (manche sagen auch: reaktionäre) Ansichten. Die Lektüre von Friedmans Buch ist zwar kein Spaziergang, doch gehört dieses "Kapitalistische Manifest" zur Pflichtlektüre für jeden, der sich über die Theorie von Markt und Wettbewerb informieren will.

Über den Autor

 Milton Friedman gehört zu den bekanntesten Wirtschaftswissenschaftlern. Der bissige Professor wendet sich seit seinem Frühwerk gegen den Keynesianismus, dessen Begründer John Maynard Keynes sich mit ihm um den Spitzenplatz des einflussreichsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts streitet.

Friedman wird am 31. Juli 1912 in New York geboren. Seine Eltern stammen aus der heutigen Ukraine und kamen als jüdische Einwanderer nach Amerika. Wegen des frühen Todes seines Vaters ist Friedman gezwungen, seinen Unterhalt durch eigene Arbeit zu verdienen. Sein Mathematikstudium an der Rutgers-Universität in New Jersey finanziert er mit einem Stipendium. Nach dem Bachelor-Abschluss wechselt er mit 20 Jahren an die Universität von Chicago und erwirbt dort ein Jahr später den Master-Titel.

1935 zieht er nach Washington, wo er Berufserfahrung als Volkswirt im Dienst verschiedener Bundesbehörden sammelt. 1946 folgt die Promotion an der Universität von Chicago und später die Professur, die er bis zu seiner Emeritierung 1976 bekleidet. Für seinen Beitrag zur Geldtheorie erhält Friedman im gleichen Jahr den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Danach ist er als Berater in der Wirtschaft und Politik tätig, u. a. für die amerikanischen Präsidenten Richard Nixon und Ronald Reagan. Am 16. November 2006 stirbt Friedman in San Francisco an Herzversagen.

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Ludwig Erhard und Wolfram Langer – Wohlstand für Alle

22. Oktober 2007 Kommentare aus

Ludwig Erhard und Wolfram LangerBei einer der zahlreichen Demonstrationen des "heißen Hartz-IV-Sommers" 2004 hielt ein Arbeiter ein Schild hoch: "Armut für alle" stand darauf. Das zeigt, wie tief der auf dem Streikplakat verballhornte Satz "Wohlstand für alle" in den Köpfen der Deutschen sitzt. Das Buch zum Slogan stammt von Ludwig Erhard, der selbst zur Ikone des deutschen Wirtschaftswunders wurde.

Als personifizierter Aufschwung, Archetyp des Wohlstandes verfasste "der Dicke mit der Zigarre" seine "Memoiren" der wirtschaftspolitischen Entwicklung Deutschlands mitten im Wahljahr 1957.

Entsprechend unkritisch geht er mit der eigenen Leistung um. Das Buch diente auch als Mittel im Wahlkampf, genau wie der Schlachtruf, der den Titel ziert.

 Die Geschichte hat jedoch gezeigt, dass Erhard alles andere als falsch gelegen hat mit seinen Ideen vom vorgegebenen Ordnungsrahmen, einem freien Wettbewerb und einer wirkungsvollen Sozialpolitik: Das Erfolgsmodell "soziale Marktwirtschaft" war geboren. Auch heute noch ist die Lektüre erhellend (unter dem viel sagenden Titel "Prosperity Through Competition", also "Wohlstand durch Wettbewerb" auch international ein Bestseller), vielleicht weniger aus aktueller, dafür aber umso mehr aus wirtschaftshistorischer Sicht.

Über den Autor

Ludwig Erhard wird am 4. Februar 1897 im bayrischen Fürth geboren. Sein Vater besitzt einen Textilwarenladen. Nach dem Ersten Weltkrieg studiert er an der Handelshochschule Nürnberg und nach dem Diplom 1923 an der Universität Frankfurt, wo er auch promoviert. Erhards Curriculum besteht aus den Fächern Betriebswirtschaft, Nationalökonomie und Soziologie. Anschließend ist er lange wissenschaftlich tätig, u. a. an einem Institut für Konsumforschung.

Mit den Nazis will er sich nicht arrangieren, deswegen bleibt sein beruflicher Werdegang bis 1945 beschränkt. Erhard befasst sich noch während des Krieges mit der Wirtschaftsordnung des Landes, wie sie nach Kriegsende und nach der Entfernung der Nationalsozialisten aus allen Ämtern aussehen könnte.

Seine Untersuchungen fallen 1945 auf fruchtbaren Boden bei den Besatzungsmächten. Im Auftrag der Amerikaner leitet er den Wiederaufbau in Franken ein. 1947 wird Erhard mit der Vorbereitung der Währungsreform betraut. Am 2. März 1948 wird er zum neuen Direktor der Verwaltung für Wirtschaft gewählt. Von 1949-1963 bekleidet er, übrigens als Parteiloser, das Amt des Bundeswirtschaftsministers. Gegen massiven Widerstand Erhards, der das Umlageverfahren für nicht tragfähig hält, setzt Bundeskanzler Adenauer 1957 eine Rentenreform durch. Erst 1963 tritt Erhard der CDU bei.

Sein Einfluss auf die Währungs- und Wirtschaftspolitik der jungen Bundesrepublik kann kaum ermessen werden. Beliebt in der Öffentlichkeit, wird er nach der Wahl 1957 zum Vizekanzler gemacht. Adenauer ist aber nicht davon überzeugt, dass ihm Erhard in sein Amt werde folgen können. Erhard denkt darüber anders und wird 1963 Bundeskanzler – wohl einer glückloseren in der Geschichte der Bundesrepublik. Schon drei Jahre später, am 1. Dezember 1966, tritt er wegen eines Streits um Haushaltsentscheidungen mit dem Koalitionspartner FDP, mit Walter Scheel an der Spitze, zurück. Erhard stirbt am 5. Mai 1977 im Alter von 80 Jahren in Bonn.

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Paul A. Samuelson – Volkswirtschaftslehre

20. Oktober 2007 Kommentare aus

Paul A. SamuelsonPaul A. Samuelsons Economics (auf Deutsch: Volkswirtschaftslehre) ist ein Best- und Longseller. Vor über 50 Jahren, im Jahr 1948 veröffentlicht, ist es die Bibel der Volkswirtschaftslehre, das Handbuch der Wirtschaftsstudenten in fast aller Welt.

Auch wenn es in den vergangenen Jahren Konkurrenz durch erfolgreiche Lehrbücher jüngerer Autoren erhalten hat, erscheint das Werk des Nobelpreisträgers in regelmäßigen Abständen in neuen, überarbeiteten Auflagen und wächst so mit der wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Entwicklung mit. Bisher hat es das Buch auf 18 Neuauflagen gebracht.

Der in der Erstausgabe mehr als 600 Seiten starke Wälzer hat ein ganz einfaches Konzept: Er will einen umfassenden Überblick über alle wichtigen Theorien und Ideen der Ökonomie geben. Natürlich kann dieses Unterfangen nur gelingen, indem an der einen oder anderen Stelle eine gewisse Oberflächlichkeit in Kauf genommen wird.

Das Buch hat dafür aber einen entscheidenden Vorteil: Es ist gut lesbar, didaktisch ausgezeichnet aufgebaut und selbst für absolute "VWL-Dummies" leicht zu verstehen. Samuelson war auch der Erste, der es wagte, die keynesianische Theorie in sein Lehrbuch einzubauen und sich nicht nur auf die ökonomischen Klassiker zu berufen. Seine Kritiker nahmen ihm das übel, seine Studenten dankten es ihm: Der Erfolg des Werkes spricht für sich.

Über den Autor

Paul A. Samuelson wird am 15. Mai 1915 in Gary (Indiana) in den USA geboren. Sein Studium absolviert er in Chicago, wo er 1935 seinen Bachelor und ein Jahr später den Masterabschluss erwirbt. 1941 hält er die Promotionsurkunde der renommierten Harvard University in den Händen.

Samuelson ist Mitbegründer und Lehrer am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, wo er ab 1944 als Associate Professor wirkt. Als er 1947 sein Werk Foundations of Economic Analysis veröffentlicht, erregt er Aufsehen, weil seine in die Sprache der Mathematik übersetzte Beweisführung für große Erklärungskraft sorgt. Samuelson wirft den die mathematische Darstellungsweise ablehnenden Ökonomiekollegen vor, sie hätten sich "lediglich mit einer seltsamen Form mentaler Turnübungen" beschäftigt und fristeten ein Leben wie "gut trainierte Athleten, die jedoch kein einziges Rennen laufen".

1948 erscheint die erste Auflage von Samuelsons richtungweisendem VWL-Lehrbuch Economics, das seither in regelmäßigen Abständen aktualisiert und ergänzt wird. Nicht nur in Forschung und Lehre, sondern auch als Politik- und Wirtschaftsberater macht sich Samuelson einen Namen: Er ist u. a. Wirtschaftsberater der US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower und John F. Kennedy und steht bis heute dem US-Finanzministerium und der amerikanischen Zentralbank als Berater zur Seite. 1970 erhält er für die Weiterentwicklung der statischen und der dynamischen Wirtschaftstheorie den Nobelpreis.

Samuelson hat sechs Kinder und ist ein begeisterter Tennisspieler. Er lebt mit seiner Familie in Belmont (Massachusetts). Auch heute noch horcht die internationale Ökonomieszene auf, wenn der Professor zur Feder greift und die weltwirtschaftliche Entwicklung kommentiert.

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Joseph A. Schumpeter – Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie

18. Oktober 2007 Kommentare aus

Joseph A. SchumpeterJoseph Alois Schumpeter überraschte die Leser in seinem Spätwerk mit einer gewagten These. Der Ökonom, der in seinen früheren Arbeiten den Unternehmer und den Kapitalismus über alles gelobt hatte, kam plötzlich zu einem völlig entgegengesetzten Schluss: 80 Jahre nach Karl Marx stimmte er mit diesem darin überein, dass der Kapitalismus absterben und der Sozialismus aus ihm hervorgehen werde.

Grund dafür sei aber keine sozialistische Revolution. In Schumpeters Theorie soll der Sozialismus sein Erstarken sozusagen einem "schlappen Kapitalismus" verdanken, der an seinen eigenen Leistungen zugrunde gehen werde.

Innovationen, die Wachstumsimpulse der Wirtschaft, würden im Kapitalismus immer weiter von der unternehmerischen Initiative weg verlagert. Der Kapitalismus würde zusehends in bürokratische Strukturen gedrängt, was schließlich seinen Untergang bedeute.

Schumpeter diskreditiert auch die Demokratie als Veranstaltung des Wählerstimmenfangs zum Zweck des Machterhalts der Berufspolitiker. Obwohl das Buch aus heutiger Sicht streckenweise veraltet erscheint, gehört es zu den bekanntesten Werken der Ökonomie, nicht zuletzt wegen der berühmten Formulierung der "schöpferischen Zerstörung".

Über den Autor

Das Wall Street Journal bezeichnete Joseph Alois Schumpeter anlässlich seines 100. Geburtstags als "größten Ökonom des 20. Jahrhunderts". In jedem Fall war er ein höchst origineller Denker, der sich nicht einseitig interpretieren lässt, denn seine Arbeit ist sehr vielschichtig und überdies hat er mehrmals die ideologische Ausrichtung gewechselt.

Schumpeter wird am 8. Februar 1883 im mährischen Triesch geboren. Da sein Vater früh stirbt, wächst er in Graz und später in Wien im Haushalt seines Stiefvaters auf. Nach dem Abitur studiert er an der Universität Wien Rechts- und Staatswissenschaften. Nach Promotion und Habilitation wird er Privatdozent für politische Ökonomie in Wien.

1911 veröffentlicht Schumpeter seine Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung. Ein Jahr später wird er nach Graz berufen. Nach dem Ersten Weltkrieg ist er Finanzminister in der von Staatskanzler Karl Renner gebildeten österreichischen Koalitionsregierung. Diese Tätigkeit bleibt jedoch ein kurzes Intermezzo: Wegen verschiedener Differenzen scheidet er schon nach sieben Monaten wieder aus dem Kabinett aus.

Sein Weg in die Privatwirtschaft führt ihn zum Präsidium der Wiener Biedermann-Bank. Im Zuge der großen Inflation gerät das Geldinstitut aber in arge Bedrängnis und muss Konkurs anmelden. Leider hat Schumpeter den ihm zur Verfügung gestellten Kreditrahmen für Spekulationen genutzt. Er braucht über zehn Jahre, um die Schulden restlos abzubezahlen. Glücklicherweise bekommt seine akademische Karriere neuen Auftrieb: Von 1925 bis 1932 lehrt er in Bonn, 1932 erhält er ein Angebot der renommierten Harvard University.

Angesichts der sich abzeichnenden NS-Herrschaft bricht Schumpeter alle Brücken zu seinem Heimatland ab. In den USA entstehen seine drei großen Werke Business Cycles (1939), Capitalism, Socialism and Democracy (1942) und History of Economic Analysis; Letzteres erscheint erst postum 1954. Schumpeter stirbt am 8. Januar 1950 an einem Gehirnschlag.

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Vilfredo Pareto – Handbuch der politischen Ökonomie

16. Oktober 2007 Kommentare aus

Vilfredo ParetoViele haben seinen Namen schon einmal irgendwo gehört: Das "Pareto-Optimum" und die "Pareto-Verteilung" dürfen schließlich in keinem Grundkurs der Volkswirtschaftslehre fehlen. Doch das umfangreiche Werk des kontrovers diskutierten Ökonomen und Soziologen ist nur wenigen bekannt.

Dabei war Vilfredo Pareto einer der Ersten, die den Versuch unternahmen, wirtschaftswissenschaftliche Theorien in den Kontext der Gesellschaft einzubetten. Im Manuale di Economia Politica steht die Theorie des wirtschaftlichen Gleichgewichts im Mittelpunkt.

Der Autor zeigt sich als begeisterter Anhänger der mathematisch-naturwissenschaftlichen Methode – doch ergänzt er diese um eine gänzlich unwissenschaftliche, beißende Gesellschaftskritik, in der er sämtliche Ideale und Ideologien seiner Epoche in Grund und Boden stampft.

Paretos sozialdarwinistische und antidemokratische Ansichten ließen ihn zu einem gefeierten Theoretiker der Faschisten werden. Dennoch ist die Lektüre aufschlussreich: Das Manuale zeigt unmissverständlich, wie nah geniale wissenschaftliche Theorien und gefährliche praktische Schlussfolgerungen beieinanderliegen können.

Über den Autor

Vilfredo Pareto wird am 15. Juli 1848 in Paris geboren. Sein Vater, der aus einer angesehenen Familie aus Genua stammt, ist als Liberaler und Republikaner ins Exil nach Frankreich geflohen. Seine Mutter ist Französin. 1854 kehrt die Familie aufgrund einer Amnestie nach Italien zurück.

Bereits mit 22 Jahren promoviert der mathematisch begabte Pareto an der Turiner Universität als Ingenieur und arbeitet anschließend rund 20 Jahre lang in diesem Beruf, zunächst bei den Römischen Eisenbahnen und dann als Generaldirektor eines Montanunternehmens. Während dieser Zeit beschäftigt er sich bereits intensiv mit ökonomischen und soziologischen Themen und hält an der Wirtschaftsakademie in Florenz wirtschaftspolitische Vorträge.

Zahlreiche Geschäftsreisen führen ihn durch ganz Europa, wo er viele Eindrücke der verschiedenen Kulturen und Gesellschaftsformen sammelt, die sich später in seinen Werken niederschlagen werden. 1880 und 1882 kandidiert der überzeugte Demokrat und Liberale in zwei toskanischen Wahlkreisen erfolglos für das Parlament. Entmutigt von den festgefahrenen politischen und wirtschaftlichen Strukturen in Italien scheidet Pareto 1890 aus seinem Beruf aus.

Um die Jahrhundertwende, enttäuscht von den politischen Entwicklungen in Italien und Frankreich, wandelt sich der einstige radikale Demokrat zum entschiedenen Gegner der Demokratie. Auf Empfehlung seines Freundes Maffeo Pantaleoni wird der Autodidakt 1893 als Nachfolger von Léon Walras auf den Lehrstuhl für Nationalökonomie an der Universität Lausanne berufen. Bereits mit seinem ersten Werk, dem Cours d'économie politique (1896/97), erreicht er internationale Bekanntheit.

Nach einer stattlichen Erbschaft von seinem Onkel entschließt er sich 1898, die Lehrtätigkeit aufzugeben und sich nur noch der Wissenschaft zu widmen. Er kauft in Céligny (Schweiz) eine Villa. 1902 legt er mit Les systèmes socialistes eine tief greifende Kritik des Sozialismus vor, 1906 erscheint das Manuale di Economia Politica und 1916 sein soziologisches Hauptwerk, das vierbändige Trattato di Sociologia Generale. Kurz vor seinem Tod am 19. August 1923 ernennt Mussolini ihn zum "Senator des Königreichs Italien".

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Alfred Marshall – Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

14. Oktober 2007 Kommentare aus

Alfred Marshall"Egal was du forschst, egal was du erarbeitest – bei Marshall steht es schon drin", lautet die Einschätzung vieler Volkswirtschaftler. Obwohl er relativ wenig publiziert hat, blieb Marshalls Hauptwerk Principles of Economics mehrere Jahrzehnte auf Platz eins der Liste der Ökonomieklassiker.

Ausgehend von dem Wunsch, die dringenden sozioökonomischen Fragen seiner Zeit zu lösen, entwickelte Marshall eine volkswirtschaftliche Theorie (der Begriff "Volkswirtschaftslehre" bzw. "Economics" geht sogar auf ihn zurück), die so umfangreich war, dass er sie selbst nicht abschließen konnte.

Der geplante zweite Band seines Werkes erschien nie. Der erste wurde dafür umso positiver aufgenommen. Marshall systematisierte das Schaffen seiner Vorgänger, mathematisierte das Modell von Angebot und Nachfrage, führte das Konzept der Nachfrageelastizität ein und berücksichtigte die zeitliche Dimension beim Zustandekommen eines Marktgleichgewichts.

Darüber hinaus verhalf er der Betriebswirtschaftslehre zu neuen Erkenntnissen, befasste sich mit der Theorie des Unternehmens und erörterte die Arbeitsbedingungen der Lohnarbeiter. Bis ihn sein Schüler John Maynard Keynes mit seiner "keynesianischen Revolution" ablöste, waren Marshalls Principles das einflussreichste Buch der englischen Volkswirtschaftslehre.

Über den Autor

Alfred Marshall wird am 26. Juli 1842 in Clapham (London) geboren. Sein Vater ist Kassierer bei der Bank von England. Weil ihm eine geistliche Laufbahn für seinen Sohn vorschwebt, paukt er mit ihm Hebräisch, Griechisch und Latein, obwohl sich der kleine Alfred eher für Mathematik interessiert. Sein Onkel finanziert ihm das Studium, und so kann Marshall 1861 an der Universität von Cambridge Philosophie studieren.

 Drei Jahre später schließt er mit einem exzellenten Examen ab und erhält ein Forschungsstipendium, mit dessen Hilfe er seine Studien fortsetzen kann. Marshall interessiert sich zunehmend für die Ökonomie und die sozialen Fragen seiner Zeit. Bei gezielten Exkursionen in die Armenviertel wird er sich über seine "Mission" klar: soziale Missstände abzubauen und die Armut zu bekämpfen.

1868 erhält er eine Berufung auf den Lehrstuhl für Morallehre am St. John's College. Logik, Ethik und politische Ökonomie gehören fortan zu Marshalls Vorlesungsthemen – auch in einem gesonderten Studiengang für Frauen. Eine der ersten Studentinnen, die bei ihm das Examen ablegen, ist Mary Paley. Marshall heiratet sie. Damit verbaut er sich ein weiteres Wirken in Cambridge, denn eine solche Heirat gilt als unschicklich.

Marshall zieht nach Bristol, wo er 1877 eine Professur übernimmt. 1882 entsteht der Rohentwurf der Principles of Economics. An diesem Buch arbeitet er mehrere Jahre, beendet es zu Zeiten seiner zweiten Professur in Cambridge, die er ab 1885 bekleidet. Marshall setzt sich dafür ein, dass seine Disziplin, die Volkswirtschaftslehre (Economics), wie er sie nun nennt, einen eigenen Studiengang erhält. Gegen manchen Widerstand setzt er diese Forderung 1903 durch und begründet die lange Zeit bedeutende Cambridge School of Economics.

1908 erfolgt seine Emeritierung, aber Marshall zieht sich deswegen trotzdem nicht aus der Welt der Wissenschaft zurück. Es erscheinen die Abhandlungen Industry and Trade (1919) und Money, Credit and Commerce (1923). Marshall stirbt am 18. Juli 1924 in Cambridge.

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John M. Keynes – Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes

8. Oktober 2007 Kommentare aus

John M. KeynesWar John Maynard Keynes ein Revoluzzer? Die Antwort muss lauten: politisch nein, in der Wirtschaftstheorie sehr wohl. Sein Anliegen war es, wirtschaftspolitische Instrumente zu entwickeln, mit denen das kapitalistische System stabilisiert und vor selbstzerstörerischen Tendenzen bewahrt werden konnte.

Keynes hat zwar keine Regierungen gestürzt, wohl aber am Thron der nationalökonomischen Klassiker gerüttelt wie kein anderer. Er stellte den Glauben an die "unsichtbare Hand" des Marktes, jene von Adam Smith beschworene Kraft, die Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht bringen sollte, grundlegend infrage.

 Angesichts der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren konnte er kein Gleichgewicht mit Vollbeschäftigung erkennen. Gab es am Ende gar keines?

In seinem Hauptwerk, der Allgemeinen Theorie, führte er dann den entscheidenden Angriff gegen die klassischen Ökonomen: Der Markt versagt, es gibt ein Unterbeschäftigungsgleichgewicht, und nicht die Löhne, sondern die Investitionen, nicht das Angebot, sondern die Nachfrage sind die Bestimmungsfaktoren der Wirtschaft.

Die neukeynesianische Idee der Nachfrageunterstützung durch den Staat unter Inkaufnahme von Verschuldung (eine Idee, der Keynes selbst allerdings widersprach) läutete eine neue Ära der Wirtschaftspolitik ein. Auch wenn sich gegen Keynes' Theorie später die Neoliberalen und Monetaristen erhoben: Seine Bedeutung ist auch heute noch überragend.

Über den Autor

John Maynard Keynes hat als Volkswirtschaftler und Publizist wie kein anderer die Sichtweise der Wirtschaft in der Mitte des 20. Jahrhunderts geprägt: Er war ein brillanter Ökonom, dabei völlig unpolitisch, gleichzeitig aber auch ein Kunstliebhaber, der im elitären Bloomsbury Circle mit Virginia Woolf verkehrte.

Keynes wird am 5. Juni 1883 in Cambridge geboren. Er absolviert seine Ausbildung an der angesehenen Privatschule Eton. In der Universität belegt er Mathematik und Ökonomie. Nach dem Examen im Jahr 1905 unterzieht er sich den Prüfungen für den höheren Staatsdienst und vertieft gleichzeitig seine Ökonomiestudien, u. a. beim wöchentlichen Frühstück mit seinem Lehrer Pigou.

Von 1906 bis 1908 arbeitet er im India Office, der Verwaltung der indischen Kolonie, danach kehrt er nach Cambridge zurück und beginnt seine Zeit als Dozent – "vor einem enormen Publikum" (Keynes) von 15 Studenten. Keynes' Bekanntheit wächst, als er 1911 Herausgeber des einflussreichen Economic Journal wird. Während des Ersten Weltkriegs ist Keynes Berater des Schatzministeriums und entwickelt Pläne für die Finanzierung der britischen Kriegsausgaben.

Nach dem Krieg nimmt er an den Friedensverhandlungen in Versailles teil und veröffentlicht danach die Economic Consequences of the Peace (Krieg und Frieden), das Werk, das ihn urplötzlich berühmt macht. In diesem Traktat verwehrt er sich massiv gegen die irrsinnigen Reparationszahlungen, die Deutschland aufgebürdet werden sollen. Das Ansinnen nennt er "abscheulich und verachtenswert" und prognostiziert den Niedergang Europas mit einem bankrotten Deutschland.

1925 heiratet er die russische Balletttänzerin Lydia Lopokova, obwohl ihm homoerotische Neigungen nachgesagt werden. 1930 erscheint sein Treatise on Money (Vom Gelde), das prompt als sein wichtigstes Werk gefeiert wird. Aber nur so lange, bis das Nachfolgewerk vorliegt: die General Theory of Employment, Interest, and Money (Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes), die Grundlage des späteren Keynesianismus. Nach Tätigkeiten im Schatzministerium und seiner Erhebung in den Adelsstand nimmt Keynes 1944 in Bretton Woods an den Verhandlungen zur Einrichtung eines neuen Weltwährungssystems teil. Am 21. April 1946 stirbt er in Firle (Sussex) an Herzversagen.

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David Ricardo – Über die Grundsätze der Politischen Ökonomie und der Besteuerung

8. Oktober 2007 Kommentare aus

David RicardoAdam Smith sah in seinem Hauptwerk Der Wohlstand der Nationen das wirtschaftliche Wachstumspotenzial als unbegrenzt an. David Ricardo begegnete dieser Haltung skeptisch. Unendliches Wachstum? Nein, Ricardo sah vielmehr das Menetekel des wirtschaftlichen Stillstands an der Wand.

Was er mit seiner Abhandlung Über die Grundsätze der Politischen Ökonomie und der Besteuerung vorlegte, ist ein Handbuch der Allokation, der Verteilung von Gütern. Seine Theorie: Weder Kapitalgeber noch Lohnarbeiter profitieren am meisten vom gesellschaftlichen Wohlstand – stattdessen können sich vor allem die Eigner von Grund und Boden saftige Profite in die Tasche stecken.

Auf den Gebieten der Geldtheorie, Steuerpolitik und Werttheorie brachte Ricardo neue Impulse in die Volkswirtschaftslehre ein. Berühmt geworden ist vor allem seine Theorie der komparativen Kostenvorteile, die er anschaulich an den beiden Tuch- und Weinproduzenten England und Portugal demonstriert – allerdings unter der Prämisse von recht unwahrscheinlichen Rahmenbedingungen.

Ricardos Arbeitswertlehre (der Wert eines Gutes bestimmt sich aus der in ihm eingeschlossenen Arbeit) wurde später von Karl Marx aufgegriffen. Die Wirkung von Ricardos Hauptwerk war durchschlagend: Es gehört zu den "Klassikern der Klassiker" der Nationalökonomie.

Über den Autor

David Ricardo wird am 18. April 1772 als drittes von 17 Kindern seiner strenggläubigen jüdischen Eltern in London geboren. Davids Vater ist ein erfolgreicher Börsenmakler, und sein Sohn wird in seine Fußstapfen treten. Schon ab seinem 14. Lebensjahr arbeitet er im Geschäft des Vaters mit. Dann jedoch kommt es zum Bruch mit der Familie: Der Junge verliebt sich in ein christliches Mädchen.

Da er mit der Heirat das jüdische Gesetz verletzt, wird er im Alter von 21 Jahren aus der Familie ausgestoßen. Durch sein Geschick als Börsenmakler gelingt es ihm, innerhalb kürzester Zeit ein beträchtliches Vermögen anzuhäufen. Doch das Börsenparkett reicht Ricardo auf Dauer nicht aus: Er interessiert sich für Mathematik und die Naturwissenschaften.

Eher zufällig gerät er an die Ökonomie. Während eines Kuraufenthaltes seiner Frau liest Ricardo Adam Smiths The Wealth of Nations (Der Wohlstand der Nationen) und ist Feuer und Flamme für dessen Themen. Als im Jahr 1797 – infolge des Krieges gegen Napoleon – der Goldstandard in England fällt und die Preise ansteigen, wendet sich Ricardo erstmals in einem anonymen Zeitungsartikel an die Öffentlichkeit: Er verurteilt den allzu freien Umgang der Regierung mit der Notenpresse.

Ricardo lernt die wichtigsten Ökonomen seiner Zeit kennen: In James Mill findet er einen väterlichen Freund und in Thomas Robert Malthus einen Menschen, mit dem er sich privat ausgezeichnet versteht, auch wenn sie auf fachlichem Gebiet zumeist gegnerische Positionen vertreten.

Mill wird die treibende Kraft für Ricardos Publikationen: Er motiviert ihn sowohl zum Essay on the Influence of a low Price of Corn on the Profits of Stock (Essay über den Einfluss eines niedrigen Getreidepreises auf den Kapitalprofit, 1815) als auch zu seinem Hauptwerk On the Principles of Political Economy and Taxation (Über die Grundsätze der Politischen Ökonomie und der Besteuerung, 1817).

Den Beschreibungen seiner Zeitgenossen zufolge ist Ricardo ein freundlicher, nie rechthaberischer, überlegter und etwas zurückhaltender Mensch, der während der letzten Jahre seines Lebens als radikaler Reformer im britischen Unterhaus sitzt. Er stirbt am 11. September 1823 in Gatcombe Park.

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Knut Wicksell – Geldzins und Güterpreise

6. Oktober 2007 Kommentare aus

Knut WicksellSpielt Geld eine wesentliche Rolle im Wirtschaftskreislauf? Oder ist es nur ein "Schleier", ein neutrales Tauschmittel, das den Handel nicht wirklich beeinflusst? Das sind Fragen, die die Wissenschaftler des 19. und auch noch des 20. Jahrhunderts beschäftigten.

Für den schwedischen Ökonomen und Freidenker Knut Wicksell war Geld nicht neutral. In seinen Augen spielte es durchaus eine Rolle, und zwar eine gewichtige.

Die Geldmenge, damit war er sich mit den Vertretern der so genannten Quantitätstheorie einig, hat einen großen Einfluss auf das Preisniveau. Will man Inflation oder Deflation in den Griff bekommen, kann dies nur über den Geldmarkt geschehen – aber nicht mit der Notenpresse, sondern über die Höhe des Kreditzinses.

Wicksell rückte das immer wichtiger werdende Bankensystem ins Zentrum seiner Theorie, die heute als "kumulativer Prozess" bekannt ist: Über die Beobachtung der Preise und die Veränderung der Kreditzinsen lässt sich demnach das Preisniveau steuern. Ein Unternehmer wird nur dann eine (kreditfinanzierte) Investition tätigen, wenn er sieht, dass die Kosten für den Kredit unter dem zu erwartenden Gewinn der Investition liegen.

Dadurch wird eine Investitions-, Angebots- und Nachfragekaskade ausgelöst, welche die Preise erhöht. Sind die Preise zu hoch, geht das Ganze auch umgekehrt: indem die Kreditzinsen erhöht werden. Wicksells Buch Geldzins und Güterpreise gilt heute als Grundlagenwerk zur Geldpolitik.

Über den Autor

Johan Gustaf Knut Wicksell wird am 20. Dezember 1851 als jüngstes von fünf Kindern eines Lebensmittelhändlers in Stockholm geboren. Vater und Mutter sterben früh, sodass Knut bei Verwandten aufwächst. 1865-1869 besucht er das Gymnasium und tritt einer Gruppe von Freidenkern bei, die in einem literarischen Zirkel gegen das Establishment andichten, singen und texten.

Nach dem Abitur studiert Wicksell bis 1872 Philosophie, Geschichte, Latein, skandinavische Sprache, Mathematik und Astronomie an der Universität von Uppsala. Während der Studienzeit kapselt sich Wicksell von Freunden ab, aus dem frommen jungen Mann wird ein Atheist. Er wendet sich den Sozialwissenschaften zu und wird Hauslehrer, um seine weiteren Studien finanzieren zu können.

Ein Vortrag über die Trunksucht, der in der Forderung der Geburtenkontrolle gipfelt, um die soziale Verelendung in den Griff zu bekommen, bringt ihm einen öffentlichen Skandal ein. Wicksell begibt sich 1885 auf eine Studienreise nach London, wo er die englischen Klassiker der Ökonomie liest und an politischen Diskussionen teilnimmt. Es folgen weitere Studien- und Vortragsreisen durch Europa.

In Kopenhagen lernt er die norwegische Feministin Anna Bugge kennen, mit der er 1889 zusammenzieht. Gemäß seiner Überzeugung heiratet er sie nicht, sondern schließt mit ihr lediglich einen "Unterhaltsvertrag für die Aufzucht der Kinder" und eine Regelung der Erbverhältnisse. Nachdem seine beiden Kinder Sven und Finn geboren sind, widmet sich Wicksell in den 90er Jahren seiner akademischen Arbeit.

In rascher Folge erscheinen die Schriften Über Wert, Kapital und Rente (1893), Zur Lehre von der Steuerincidenz (1895), Finanztheoretische Untersuchungen (1896) und Geldzins und Güterpreise (1898). Erst mit 50 Jahren, im Jahr 1901, erhält er eine Professur an der Universität von Lund.

Jahre der Lehre und gelegentlichen Publikation, vor allem in Zeitschriften, schließen sich an; in diese Zeit fällt auch der eine oder andere Skandal (u. a. zwei Monate Haft wegen Blasphemie). Nach der Emeritierung im Jahr 1916 kehrt Wicksell nach Stockholm zurück. Hier berät er die Bank von Schweden und tritt Regierungsausschüssen bei. Am 3. Mai 1926 stirbt er an einer Lungenentzündung.

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Amartya Sen – Armut und Hungersnöte

4. Oktober 2007 Kommentare aus

Amartya SenWarum müssen heute noch Menschen verhungern? Die Standardantwort auf diese Frage lautet: Weil es nicht genügend Nahrung gibt. Doch mit dieser Erklärung wollte sich der indische Wirtschaftswissenschaftler Amartya Sen Anfang der 80er Jahre nicht mehr zufrieden geben.

Aus eigener Erfahrung wusste er, dass bei einer Hungersnot nicht alle Menschen gleich stark vom Nahrungsmangel betroffen sind. Als Kind erlebte er die Not der Menschen in Bengalen: Drei Millionen Menschen verhungerten dort in den Jahren 1943/44, aber Sen und seine Klassenkameraden, Angehörige einer privilegierten Schicht, bekamen hiervon so gut wie gar nichts mit. Dieses Kindheitserlebnis bestimmte Sens Arbeit.

In Poverty and Famines sucht er eine plausible Erklärung dafür, warum bestimmte Bevölkerungsgruppen verhungern, während es anderen in der gleichen Region viel weniger schlecht ergeht. Mehr noch: Hungersnöte können sogar ausbrechen, obwohl die Nahrungsmenge und die Bevölkerungszahl im Vergleich zu den Vorjahren gleich geblieben sind.

Sens Erklärung: Nicht nur auf die Nahrungsmenge, sondern auch auf die Zugangsrechte zur Nahrung kommt es an. Macht, Kaufkraft und Zugehörigkeit zu bestimmten Bevölkerungsgruppen spielen also eine Rolle. Für seine Beiträge zur Wohlfahrtsökonomie wurde Sen 1998 mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geehrt.

Über den Autor

Amartya Sen sagt über sein Selbstverständnis als Wirtschaftswissenschaftler: "Wenn die Leute hören, dass ich Ökonom bin, fragen sie mich, wie sie ihr Geld anlegen sollen. Ich sage ihnen dann, dass ich dazu keinen Rat geben kann und dass mich vielmehr die Leute interessieren, die kein Geld haben, um es anzulegen."

Sen wird nach eigener augenzwinkernder Angabe bereits in einen Universitätscampus hineingeboren, und zwar am 3. November 1933 in Santiniketan in Westbengalen. Dort besucht er die Visva-Bharati-Universität des großen indischen Dichters und Gelehrten Rabindranath Tagore. Seine Studien in Mathematik und Wirtschaftswissenschaft setzt er 1951 am Presidency College in Kalkutta fort.

Danach zieht es ihn ins Ausland: 1953 wechselt er ans Trinity College in Cambridge – wo er erst einmal nachsitzen muss: Sein Bachelor-Abschluss aus Kalkutta wird hier nicht anerkannt. Nach einer Professur in Kalkutta, der Promotion in Cambridge 1959 und einer Forschungszeit am Massachusetts Institute of Technology in den USA wird ihm eine Professur an der Universität von Delhi angeboten. Sen nimmt an und bleibt bis 1971.

Seine weitere akademische Karriere führt nach London, Oxford, Harvard und wieder nach Cambridge. Seine Forschungsschwerpunkte: Wohlfahrtsökonomie, Social-Choice-Theorie und Theorien der wirtschaftlichen Entwicklung. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen gehören On Economic Inequality (1973) und Poverty and Famines (1981). 1998 wird ihm der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften verliehen. Das jüngste Werk des mit rund 20 Ehrendoktortiteln dekorierten Wissenschaftlers ist 1999 unter dem Titel Development and Freedom (deutsch: Ökonomie für den Menschen) erschienen.

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John Rawls – Eine Theorie der Gerechtigkeit

4. Oktober 2007 Kommentare aus

John RawlsDer zentrale Gedanke in Rawls' 1971 erschienenem Hauptwerk Eine Theorie der Gerechtigkeit ist das Verständnis von Gerechtigkeit als Fairness. Rawls macht ein Gedankenexperiment: Er schafft eine hypothetische Situation, in der Menschen, die ihre künftige Stellung in der Gesellschaft noch nicht kennen, gemeinsam die Grundsätze für ihr Zusammenleben definieren.

 Dieser "Schleier der Unwissenheit" hat zur Folge, dass Einzelinteressen und Einflussnahmen keine Auswirkungen auf die Entscheidung der Bürger haben. So kann – in der Theorie – garantiert werden, dass sich auch tatsächlich die Interessen durchsetzen, die alle Bürger teilen. Obwohl Rawls lediglich die Bedingungen der Möglichkeit einer gerechten Gesellschaft aufzeigt, wird deutlich, dass er Eine Theorie der Gerechtigkeit auch als Kritik an den Staaten des real existierenden Sozialismus verfasst hat. Diese nahmen ja für sich in Anspruch, den alten Menschheitstraum einer gerechten Gesellschaft tatsächlich realisiert zu haben.

Bei Rawls schreibt aber nicht die Gesellschaft dem Einzelnen vor, wie eine gerechte Ordnung auszusehen habe, sondern die Individuen legen deren Grundsätze aus freien Stücken fest. Rawls' Werk ist der in der neuesten Philosophiegeschichte einzigartige Versuch, individuelle Freiheit und soziale Gerechtigkeit als gleichwertige Stützen der modernen Gesellschaft zu verstehen.

Über den Autor

John Rawls wird am 21. Februar 1921 in Baltimore im amerikanischen Bundesstaat Maryland geboren. Sein Vater ist Rechtsanwalt, die Mutter setzt sich aktiv für die Gleichberechtigung der Frau ein. Rawls schreibt sich 1939 am College in Princeton ein und studiert ab 1946 an der Universität Princeton Philosophie. Sein bedeutendster Lehrer ist der Wittgenstein-Schüler Norman Malcolm.

Das Thema von Rawls' Doktorarbeit, die er 1950 veröffentlicht, ist die moralische Beurteilung menschlicher Charaktereigenschaften. 1952/53 bekommt Rawls ein Forschungsstipendium der Universität Oxford. Dort erhält er die Möglichkeit, John Austin, Isaiah Berlin und Stuart Hampshire kennen zu lernen.

Von besonderer Bedeutung in Oxford ist für Rawls aber die Bekanntschaft mit Herbert Hart. Harts Seminare über Grundfragen der Rechtsphilosophie haben auf Rawls einen großen Einfluss. Nach Professuren an der Cornell University und am MIT in Cambridge, Massachusetts, folgt Rawls 1961 einem Ruf nach Harvard.

1971 publiziert er Eine Theorie der Gerechtigkeit. In Harvard lehrt er anfangs als Philosophieprofessor. Ab 1979 ist er Professor ohne Lehrverpflichtung und folgt dem Ökonomen und Nobelpreisträger Kenneth Arrow als Harvard University Professor nach. An Rawls' zweitem Hauptwerk Politischer Liberalismus (1993) entzündet sich eine lebhafte Diskussion über demokratische Verfassungsstaatlichkeit.

In seinen letzten Jahren erleidet Rawls mehrere Schlaganfälle, die ihn aber nicht an der Arbeit hindern. Im Sinne einer Selbstinterpretation und eines Kommentars zu Eine Theorie der Gerechtigkeit folgt 2001 Gerechtigkeit als Fairness. John Rawls stirbt am 24. November 2002 in Lexington (Massachusetts).

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Ludwig von Mises – Die Gemeinwirtschaft

2. Oktober 2007 Kommentare aus

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts stehen sich zwei Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen mit gezückten Waffen gegenüber: der Kapitalismus und der Sozialismus. Der Ökonom Ludwig von Mises prüft in seinem Buch Die Gemeinwirtschaft aus dem Jahr 1922 – wenige Jahre nach der russischen Oktoberrevolution – den Sozialismus auf Herz und Nieren und kommt zu dem eindeutigen Ergebnis, dass dieser keine ernsthafte Alternative zum Kapitalismus darstellen könne.

Ineffizienz und Mangel seien die Folgen der sozialistischen Wirtschaftsordnung. Dafür macht Mises vor allem einen Umstand verantwortlich: Weil der Sozialismus über keinen Markt verfügt, können sich auch keine Tauschverhältnisse und Preise etablieren. Da Preise jedoch Knappheitsindikatoren sind, führt eine Wirtschaftsplanung ohne Preisinformationen in die Sackgasse der Misswirtschaft.

Eine Wirtschaftsrechnung, so Mises' Kernargument, ist im Sozialismus schlicht nicht möglich. Die Gemeinwirtschaft ist ein flammendes Plädoyer für den kapitalistischen Liberalismus und ein früher Abgesang auf den Sozialismus – zu einer Zeit, als noch viele Menschen große Hoffnungen in dieses System setzten.

Über den Autor

Ludwig von Mises wird am 29. September 1881 in Lemberg in Österreich-Ungarn (heute Ukraine) geboren. Von 1892 bis 1900 besucht er das akademische Gymnasium in Wien. Danach studiert er Rechtswissenschaft am Institut für Staatswissenschaft der Universität Wien.

Nach der Promotion im Jahr 1906 hört Mises Vorlesungen der berühmtesten Vertreter der so genannten Österreichischen Schule: Eugen von Böhm-Bawerk und Carl Menger. Parallel dazu beginnt er seine eigene Tätigkeit als Dozent und Referent an der Wiener Handelsakademie für Mädchen und der Wiener Handelskammer.

1912 veröffentlicht Mises seine Habilitationsschrift Theorie des Geldes und der Umlaufmittel. In dieser Schrift setzt er sich für die weltweite Aufrechterhaltung des Goldstandards ein. Da aber während und nach dem Weltkrieg die meisten Regierungen Europas vom Goldstandard abweichen, erscheinen seine Forderungen als unpopulär.

Mises erhofft sich die Berufung zum ordentlichen Professor an seiner Alma Mater. Doch diese Hoffnung zerplatzt wie eine Seifenblase: Seine geradezu euphorische Vorliebe für den Liberalismus und seine jüdische Abstammung verstellen ihm diesen Weg. Mises richtet ein privates Seminar an der Wiener Handelskammer ein, in dem er ab 1913 und nach dem Ersten Weltkrieg wieder als Privatdozent Vorträge hält.

Binnen kurzer Zeit wird das Privatseminar zum Treff vieler berühmter Ökonomen. Zu seinen bekanntesten Zuhörern zählen der spätere Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek und der Spieltheoretiker Oskar Morgenstern. 1922 verfasst Mises mit Die Gemeinwirtschaft seine Abrechnung mit dem Sozialismus. 1927 gründet er das Österreichische Institut für Konjunkturforschung und engagiert Hayek als ersten Direktor.

Auf der Flucht vor den Nazis zieht es Mises nach Genf, wo er eine Professur am Institut Universitaire de Hautes Etudes Internationales erhält. 1938 heiratet er und emmigriert zwei Jahre später in die USA. Dort erhält er eine Stelle als Gastprofessor an der Graduate School of Business der New York University. 1962 wird er mit dem österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet. Ludwig von Mises stirbt am 10. Oktober 1973 in seiner Wahlheimat New York.

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