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Posts Tagged ‘Klassiker der Ökonomie’

Adam Smith – Der Wohlstand der Nationen

28. November 2007 Kommentare aus

Adam SmithNiemand, der sich ernsthaft mit Wirtschaft beschäftigt, kommt um dieses opulente Werk herum: Auf über 800 Seiten präsentiert sich Der Wohlstand der Nationen dem Leser als klassischer, pragmatischer und leicht lesbarer Meilenstein der Wirtschaftsgeschichte. Das Werk und sein Autor Adam Smith geistern durch jedes Lehrbuch für Volkswirtschaft.

Doch erst im Zusammenhang entfalten die heutzutage oft fragmentarisch oder sogar falsch wiedergegebenen Thesen ihre ganze soziale und wirtschaftliche Innovationskraft.

In einer Zeit, in der absolutistische Nationalstaaten die Edelmetallvorräte der Welt an sich rissen und mit einer dirigistischen Exportpolitik den eigenen Reichtum zu mehren versuchten, entwickelte Smith eine völlig neue Idee über den Reichtum eines Landes: Nicht das Gold, sondern die vom Volk geleistete Arbeit sind die Quelle des Wohlstands.

Angeregt durch den Eigennutz des Einzelnen kann sich das Wirtschaftsgeschehen am Markt wie durch eine "unsichtbare Hand" geführt ins Gleichgewicht bringen. Der Staat hat lediglich für bestimmte öffentliche Güter und einen Ordnungsrahmen zu sorgen. Auch wenn Smiths Idealbild von wirtschaftlicher und sozialer Harmonie im Lauf der Zeit einige Risse bekommen hat: In den vergangenen 250 Jahren inspirierten seine Ideen bekannte Ökonomen wie David Ricardo, Vilfredo Pareto, Friedrich August von Hayek und Milton Friedman.

Über den Autor

Adam Smith wird am 5. Juni 1723 in der Ortschaft Kirkcaldy in Schottland als Sohn eines Juristen getauft, das Geburtsdatum ist nicht bekannt. Am College von Glasgow belegt er u. a. das Fach Moralphilosophie, in dem er von Francis Hutcheson unterrichtet wird. Hutchesons Lehren verbinden die Ideen der Philosophen John Locke und David Hume und haben großen Einfluss auf Smiths eigene Philosophie.

Nach dem Studium in Oxford und Glasgow und einer Zeit der Lehrtätigkeit wird Smith 1751 zum Professor für Logik und ein Jahr später zum Professor für Moralphilosophie ernannt. Während dieser Zeit hat er engen Kontakt zu David Hume (ebenfalls ein Schotte), dessen ethische und wirtschaftliche Ideen ihn nachhaltig beeinflussen. Smiths erste große Veröffentlichung ist The Theory of Moral Sentiments (Theorie der ethischen Gefühle, 1759), in der er seine ethischen Lehren aus der Universität schriftlich niederlegt.

1763 verlässt Smith Glasgow, um als Privatlehrer eines jungen Herzogs auf eine dreijährige Bildungsreise durch Frankreich und die Schweiz zu gehen. Aus seinen Begegnungen mit den französischen Physiokraten Turgot und Quesnay schöpft Smith die Idee zu seinem ökonomischen Hauptwerk An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations (Der Wohlstand der Nationen), das er aber erst 1776 fertigstellt und veröffentlicht. 1778 wird Smith zum Zollkontrolleur in Edinburgh ernannt, wo er am 17. Juli 1790 stirbt. Kurz vor seinem Tod lässt er durch Freunde alle seine unfertigen Schriften vernichten.

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Friedrich A. v. Hayek – Die Verfassung der Freiheit

28. Oktober 2007 Kommentare aus

Friedrich August von HayekWie können Gesellschaft und Wirtschaft zum größtmöglichen Wohl aller organisiert werden? Das war die Frage, die Hayek 1960 mit seiner Verfassung der Freiheit zu klären suchte.

Das abschreckende Beispiel des Sowjetkommunismus ließ die westlichen Intellektuellen zwar weitgehend vom Marxismus abrücken. Stattdessen schrieben sie sich aber jetzt das Erreichen "sozialer Gerechtigkeit" durch eine staatlich gelenkte Umverteilung der Einkommen auf ihre Fahnen. Der Wohlfahrtsstaat wurde in vielen Ländern ausgeweitet.

Diesem Trend trat Hayek entschieden entgegen: Nur unter den Rahmenbedingungen einer freien Gesellschaft entstünden permanenter Fortschritt und eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Zivilisation zum Wohle aller. Hayeks Thesen stießen auch im marktwirtschaftlich orientierten Westen zuerst auf wenig Gegenliebe. So wurde selbst von Liberalen argumentiert, dass die Theorie der Freiheit letztlich nur in einer Welt gelte, in der die Ausgangsbedingungen für alle Menschen gleich seien.

In der Realität aber gebe es historisch gewachsene Ungleichheiten und ökonomische Machtverhältnisse, die durch eine aktive ausgleichende Politik überwunden werden müssten. Indem Hayek vorgefundene Regeln als sinnvolles Ergebnis einer natürlichen Evolution denke, übersehe er, dass auch diese ein Resultat sozialen Handelns und damit von Machtprozessen seien.

Ironischerweise musste sich Hayek den Nobelpreis für Wirtschaft mit dem Schweden Gunnar Myrdal teilen, einem überzeugten Keynesianer. Die von Hayek aufgeworfene Frage, wie viel Freiheit zum Wohle aller angebracht ist, ist bis heute ein Streitpunkt in den Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften.

Über den Autor

Friedrich August von Hayek wird am 8. Mai 1899 in Wien geboren. Sein Vater ist Arzt und Professor für Botanik an der Universität Wien. Hayek wächst in einem intellektuell stimulierenden Umfeld auf. Nach einem Kriegseinsatz als Artillerieoffizier beginnt er 1918 ein Studium der Rechtswissenschaft, das er 1921 mit der Promotion beendet.

1923 erlangt er zusätzlich in Staatswissenschaften den Doktortitel. Durch seine Arbeit im Österreichischen Abrechnungsamt lernt er seinen späteren Mentor und Freund Ludwig von Mises kennen. Dieser vermittelt ihm ein Stipendium für einen Studienaufenthalt in den USA. Nach seiner Rückkehr gründet Hayek mit Mises 1927 das Österreichische Konjunkturforschungsinstitut.

Er wird der Direktor des Instituts und erhält 1929 die Habilitation der Universität Wien. Trotz bescheidener Forschungsmittel findet Hayek mit der Arbeit des Instituts bald internationale Beachtung. 1931 wird er der erste ausländische Ökonomieprofessor an der London School of Economics. Seine Arbeiten bringen ihn bald in Opposition zu den Lehren von John Maynard Keynes, der umfassende Interventionen des Staates in die Wirtschaft befürwortet.

1947 gründet Hayek zusammen mit 35 anderen liberalen Denkern, darunter Milton Friedman, Ludwig von Mises und Karl Popper, die einflussreiche Mont Pelerin Society. Ab 1950 ist er für zwölf Jahre Professor an der University of Chicago, wo er u. a. mit Milton Friedman zusammenarbeitet. 1962 übernimmt er bis zu seiner Emeritierung die Nachfolge des Lehrstuhls von Walter Eucken an der Universität Freiburg.

 Ab 1968 ist Hayek Gastprofessor an der Universität Salzburg. 1974 erhält er den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. 1977 kehrt er, in Deutschland hoch geschätzt, wieder nach Freiburg zurück. Von dort aus ist er auch politisch beratend tätig. 1985 erhält er die seltene britische Auszeichnung "Companion of Honour" und 1991 die höchste US-amerikanische zivile Auszeichnung, die "Presidential Medal of Freedom". Hayek stirbt am 23. März 1992 in Freiburg und ist in Wien begraben.

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Karl Marx und Friedrich Engels – Das kommunistische Manifest

26. Oktober 2007 Kommentare aus

Karl Marx und Friedrich Engels 1848 wurde es von Marx und Engels in die Welt gesetzt: das Manifest der Kommunistischen Partei. Es war die Zeit der Restauration: Die alten Mächte Europas versuchten sich neu zu festigen, während sie überall durch bürgerlich-demokratische Revolutionsbestrebungen gefährdet waren – und durch einige noch radikalere Ideen.

Zugleich vollzog sich bereits eine andere Revolution: nämlich die industrielle, die den frühen Kapitalisten großen Reichtum verschaffte, während sie für viele Menschen ein elendes Dasein in den modernen Großstädten und Fabriken bedeutete. Die Empörung über diese Massenverelendung ist eines der wichtigsten Motive für die Autoren des Manifests.

Dessen Einfluss machte sich erst 70 Jahre später deutlich bemerkbar, in der Russischen Oktoberrevolution von 1917. Das ursprüngliche Ziel der Kommunisten: eine durch und durch menschliche Gesellschaft ohne Unfreiheit und Unterdrückung. Auch im Zeitalter des globalisierten Kapitalismus ist Das kommunistische Manifest keineswegs hoffnungslos veraltet – zumal im Text selbst schon angedeutet wird, dass der bürgerliche Kapitalismus letztlich auf den Weltmarkt ausgerichtet ist.

Und die geradezu biblische Sprachgewalt vieler Passagen vermag immer noch Leser in ihren Bann zu ziehen. Der Kommunismus der Realität – der ein groteskes Zerrbild des von Marx und Engels beschriebenen Ideals war – ist gescheitert. Die Epoche des Kapitalismus dagegen dauert noch an. Eine ihrer scharfsinnigsten Analysen war und bleibt Das kommunistische Manifest.

Über die Autoren

 Karl Marx wird am 5. Mai 1818 in Trier geboren. Seine Familie ist jüdisch, konvertiert jedoch zum evangelischen Glauben, damit der Vater seinen Juristenberuf weiter ausüben kann. Marx studiert Philosophie in Berlin und wird anschließend Redakteur bei der Rheinischen Zeitung, wo er Probleme mit der Zensur bekommt – 1843 wird die Zeitung verboten. Im gleichen Jahr heiratet Marx seine Jugendfreundin Jenny von Westphalen.

Bis 1845 weilt er im liberalen Frankreich, lernt Heinrich Heine kennen und ist Mitherausgeber der Deutsch-Französischen Jahrbücher. Auf Druck der preußischen Regierung wird er aus Frankreich ausgewiesen und geht nach Brüssel. 1844 lernt er Friedrich Engels kennen. 1849 siedelt er nach London über, nachdem er erneut aus Preußen und aus Paris ausgewiesen worden ist.

 Finanziell unterstützt durch Engels, beginnt er ein intensives Studium, dessen Frucht sein Hauptwerk ist: Das Kapital, eine Kritik der politischen Ökonomie, zugleich seine Begründung des historischen Materialismus. 1881 stirbt seine Frau, 1883 seine Tochter, wenig später er selbst: am 14. März 1883. Friedrich Engels wird am 28. September 1820 in Barmen, heute ein Stadtteil von Wuppertal, geboren, als Sohn eines Textilfabrikanten. Er hat Kontakte zur literarischen Bewegung "Junges Deutschland" und zu den Junghegelianern.

1862 geht er als Kaufmann nach Manchester in England, arbeitet dort im väterlichen Unternehmen und studiert zugleich die soziale Lage des Proletariats unter den Bedingungen des Kapitalismus und der Industrialisierung. In seinem Buch Die Lage der arbeitenden Klasse in England beschreibt er seine Erfahrungen, die ihn von der Hegel'schen Philosophie abbringen und zum radikalen Sozialrevolutionär bekehren. Die Bekanntschaft mit Marx entwickelt sich zu einer lebenslangen Freundschaft und Zusammenarbeit; gemeinsam verfassen sie u. a. Die deutsche Ideologie. Engels stirbt am 5. August 1895 in London.

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Milton Friedman – Kapitalismus und Freiheit

24. Oktober 2007 Kommentare aus

Milton FriedmanDer Nobelpreisträger Milton Friedman gilt als einer der einflussreichsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts. Die Ideen des unerschütterlichen Monetaristen und Keynes-Kritikers gehörten zum kleinen Wirtschafts-Abc von Politikern wie Ronald Reagan und Margaret Thatcher.

Dennoch sind sie alles andere als diskreditiert, und so verdankt sich die Neuauflage von Kapitalismus und Freiheit 40 Jahre nach der Erstveröffentlichung in den USA wohl schlicht dem neoliberalen Zeitgeist.

Denn Friedmans Buch ist die Bibel der liberalen Ökonomie: Es geht ihm um die Frage, welchen Stellenwert die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft einnimmt.

Dabei steht für ihn, der ausdrücklich einen "Liberalismus des 19. Jahrhunderts" vertritt, stets die wirtschaftliche Freiheit im Mittelpunkt, da sie die unabdingbare Voraussetzung für politische Freiheit sei. Die Kehrseite dieses Wirtschaftsliberalismus: gesellschaftspolitisch streng konservative (manche sagen auch: reaktionäre) Ansichten. Die Lektüre von Friedmans Buch ist zwar kein Spaziergang, doch gehört dieses "Kapitalistische Manifest" zur Pflichtlektüre für jeden, der sich über die Theorie von Markt und Wettbewerb informieren will.

Über den Autor

 Milton Friedman gehört zu den bekanntesten Wirtschaftswissenschaftlern. Der bissige Professor wendet sich seit seinem Frühwerk gegen den Keynesianismus, dessen Begründer John Maynard Keynes sich mit ihm um den Spitzenplatz des einflussreichsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts streitet.

Friedman wird am 31. Juli 1912 in New York geboren. Seine Eltern stammen aus der heutigen Ukraine und kamen als jüdische Einwanderer nach Amerika. Wegen des frühen Todes seines Vaters ist Friedman gezwungen, seinen Unterhalt durch eigene Arbeit zu verdienen. Sein Mathematikstudium an der Rutgers-Universität in New Jersey finanziert er mit einem Stipendium. Nach dem Bachelor-Abschluss wechselt er mit 20 Jahren an die Universität von Chicago und erwirbt dort ein Jahr später den Master-Titel.

1935 zieht er nach Washington, wo er Berufserfahrung als Volkswirt im Dienst verschiedener Bundesbehörden sammelt. 1946 folgt die Promotion an der Universität von Chicago und später die Professur, die er bis zu seiner Emeritierung 1976 bekleidet. Für seinen Beitrag zur Geldtheorie erhält Friedman im gleichen Jahr den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Danach ist er als Berater in der Wirtschaft und Politik tätig, u. a. für die amerikanischen Präsidenten Richard Nixon und Ronald Reagan. Am 16. November 2006 stirbt Friedman in San Francisco an Herzversagen.

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Ludwig Erhard und Wolfram Langer – Wohlstand für Alle

22. Oktober 2007 Kommentare aus

Ludwig Erhard und Wolfram LangerBei einer der zahlreichen Demonstrationen des "heißen Hartz-IV-Sommers" 2004 hielt ein Arbeiter ein Schild hoch: "Armut für alle" stand darauf. Das zeigt, wie tief der auf dem Streikplakat verballhornte Satz "Wohlstand für alle" in den Köpfen der Deutschen sitzt. Das Buch zum Slogan stammt von Ludwig Erhard, der selbst zur Ikone des deutschen Wirtschaftswunders wurde.

Als personifizierter Aufschwung, Archetyp des Wohlstandes verfasste "der Dicke mit der Zigarre" seine "Memoiren" der wirtschaftspolitischen Entwicklung Deutschlands mitten im Wahljahr 1957.

Entsprechend unkritisch geht er mit der eigenen Leistung um. Das Buch diente auch als Mittel im Wahlkampf, genau wie der Schlachtruf, der den Titel ziert.

 Die Geschichte hat jedoch gezeigt, dass Erhard alles andere als falsch gelegen hat mit seinen Ideen vom vorgegebenen Ordnungsrahmen, einem freien Wettbewerb und einer wirkungsvollen Sozialpolitik: Das Erfolgsmodell "soziale Marktwirtschaft" war geboren. Auch heute noch ist die Lektüre erhellend (unter dem viel sagenden Titel "Prosperity Through Competition", also "Wohlstand durch Wettbewerb" auch international ein Bestseller), vielleicht weniger aus aktueller, dafür aber umso mehr aus wirtschaftshistorischer Sicht.

Über den Autor

Ludwig Erhard wird am 4. Februar 1897 im bayrischen Fürth geboren. Sein Vater besitzt einen Textilwarenladen. Nach dem Ersten Weltkrieg studiert er an der Handelshochschule Nürnberg und nach dem Diplom 1923 an der Universität Frankfurt, wo er auch promoviert. Erhards Curriculum besteht aus den Fächern Betriebswirtschaft, Nationalökonomie und Soziologie. Anschließend ist er lange wissenschaftlich tätig, u. a. an einem Institut für Konsumforschung.

Mit den Nazis will er sich nicht arrangieren, deswegen bleibt sein beruflicher Werdegang bis 1945 beschränkt. Erhard befasst sich noch während des Krieges mit der Wirtschaftsordnung des Landes, wie sie nach Kriegsende und nach der Entfernung der Nationalsozialisten aus allen Ämtern aussehen könnte.

Seine Untersuchungen fallen 1945 auf fruchtbaren Boden bei den Besatzungsmächten. Im Auftrag der Amerikaner leitet er den Wiederaufbau in Franken ein. 1947 wird Erhard mit der Vorbereitung der Währungsreform betraut. Am 2. März 1948 wird er zum neuen Direktor der Verwaltung für Wirtschaft gewählt. Von 1949-1963 bekleidet er, übrigens als Parteiloser, das Amt des Bundeswirtschaftsministers. Gegen massiven Widerstand Erhards, der das Umlageverfahren für nicht tragfähig hält, setzt Bundeskanzler Adenauer 1957 eine Rentenreform durch. Erst 1963 tritt Erhard der CDU bei.

Sein Einfluss auf die Währungs- und Wirtschaftspolitik der jungen Bundesrepublik kann kaum ermessen werden. Beliebt in der Öffentlichkeit, wird er nach der Wahl 1957 zum Vizekanzler gemacht. Adenauer ist aber nicht davon überzeugt, dass ihm Erhard in sein Amt werde folgen können. Erhard denkt darüber anders und wird 1963 Bundeskanzler – wohl einer glückloseren in der Geschichte der Bundesrepublik. Schon drei Jahre später, am 1. Dezember 1966, tritt er wegen eines Streits um Haushaltsentscheidungen mit dem Koalitionspartner FDP, mit Walter Scheel an der Spitze, zurück. Erhard stirbt am 5. Mai 1977 im Alter von 80 Jahren in Bonn.

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Paul A. Samuelson – Volkswirtschaftslehre

20. Oktober 2007 Kommentare aus

Paul A. SamuelsonPaul A. Samuelsons Economics (auf Deutsch: Volkswirtschaftslehre) ist ein Best- und Longseller. Vor über 50 Jahren, im Jahr 1948 veröffentlicht, ist es die Bibel der Volkswirtschaftslehre, das Handbuch der Wirtschaftsstudenten in fast aller Welt.

Auch wenn es in den vergangenen Jahren Konkurrenz durch erfolgreiche Lehrbücher jüngerer Autoren erhalten hat, erscheint das Werk des Nobelpreisträgers in regelmäßigen Abständen in neuen, überarbeiteten Auflagen und wächst so mit der wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Entwicklung mit. Bisher hat es das Buch auf 18 Neuauflagen gebracht.

Der in der Erstausgabe mehr als 600 Seiten starke Wälzer hat ein ganz einfaches Konzept: Er will einen umfassenden Überblick über alle wichtigen Theorien und Ideen der Ökonomie geben. Natürlich kann dieses Unterfangen nur gelingen, indem an der einen oder anderen Stelle eine gewisse Oberflächlichkeit in Kauf genommen wird.

Das Buch hat dafür aber einen entscheidenden Vorteil: Es ist gut lesbar, didaktisch ausgezeichnet aufgebaut und selbst für absolute "VWL-Dummies" leicht zu verstehen. Samuelson war auch der Erste, der es wagte, die keynesianische Theorie in sein Lehrbuch einzubauen und sich nicht nur auf die ökonomischen Klassiker zu berufen. Seine Kritiker nahmen ihm das übel, seine Studenten dankten es ihm: Der Erfolg des Werkes spricht für sich.

Über den Autor

Paul A. Samuelson wird am 15. Mai 1915 in Gary (Indiana) in den USA geboren. Sein Studium absolviert er in Chicago, wo er 1935 seinen Bachelor und ein Jahr später den Masterabschluss erwirbt. 1941 hält er die Promotionsurkunde der renommierten Harvard University in den Händen.

Samuelson ist Mitbegründer und Lehrer am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, wo er ab 1944 als Associate Professor wirkt. Als er 1947 sein Werk Foundations of Economic Analysis veröffentlicht, erregt er Aufsehen, weil seine in die Sprache der Mathematik übersetzte Beweisführung für große Erklärungskraft sorgt. Samuelson wirft den die mathematische Darstellungsweise ablehnenden Ökonomiekollegen vor, sie hätten sich "lediglich mit einer seltsamen Form mentaler Turnübungen" beschäftigt und fristeten ein Leben wie "gut trainierte Athleten, die jedoch kein einziges Rennen laufen".

1948 erscheint die erste Auflage von Samuelsons richtungweisendem VWL-Lehrbuch Economics, das seither in regelmäßigen Abständen aktualisiert und ergänzt wird. Nicht nur in Forschung und Lehre, sondern auch als Politik- und Wirtschaftsberater macht sich Samuelson einen Namen: Er ist u. a. Wirtschaftsberater der US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower und John F. Kennedy und steht bis heute dem US-Finanzministerium und der amerikanischen Zentralbank als Berater zur Seite. 1970 erhält er für die Weiterentwicklung der statischen und der dynamischen Wirtschaftstheorie den Nobelpreis.

Samuelson hat sechs Kinder und ist ein begeisterter Tennisspieler. Er lebt mit seiner Familie in Belmont (Massachusetts). Auch heute noch horcht die internationale Ökonomieszene auf, wenn der Professor zur Feder greift und die weltwirtschaftliche Entwicklung kommentiert.

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Joseph A. Schumpeter – Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie

18. Oktober 2007 Kommentare aus

Joseph A. SchumpeterJoseph Alois Schumpeter überraschte die Leser in seinem Spätwerk mit einer gewagten These. Der Ökonom, der in seinen früheren Arbeiten den Unternehmer und den Kapitalismus über alles gelobt hatte, kam plötzlich zu einem völlig entgegengesetzten Schluss: 80 Jahre nach Karl Marx stimmte er mit diesem darin überein, dass der Kapitalismus absterben und der Sozialismus aus ihm hervorgehen werde.

Grund dafür sei aber keine sozialistische Revolution. In Schumpeters Theorie soll der Sozialismus sein Erstarken sozusagen einem "schlappen Kapitalismus" verdanken, der an seinen eigenen Leistungen zugrunde gehen werde.

Innovationen, die Wachstumsimpulse der Wirtschaft, würden im Kapitalismus immer weiter von der unternehmerischen Initiative weg verlagert. Der Kapitalismus würde zusehends in bürokratische Strukturen gedrängt, was schließlich seinen Untergang bedeute.

Schumpeter diskreditiert auch die Demokratie als Veranstaltung des Wählerstimmenfangs zum Zweck des Machterhalts der Berufspolitiker. Obwohl das Buch aus heutiger Sicht streckenweise veraltet erscheint, gehört es zu den bekanntesten Werken der Ökonomie, nicht zuletzt wegen der berühmten Formulierung der "schöpferischen Zerstörung".

Über den Autor

Das Wall Street Journal bezeichnete Joseph Alois Schumpeter anlässlich seines 100. Geburtstags als "größten Ökonom des 20. Jahrhunderts". In jedem Fall war er ein höchst origineller Denker, der sich nicht einseitig interpretieren lässt, denn seine Arbeit ist sehr vielschichtig und überdies hat er mehrmals die ideologische Ausrichtung gewechselt.

Schumpeter wird am 8. Februar 1883 im mährischen Triesch geboren. Da sein Vater früh stirbt, wächst er in Graz und später in Wien im Haushalt seines Stiefvaters auf. Nach dem Abitur studiert er an der Universität Wien Rechts- und Staatswissenschaften. Nach Promotion und Habilitation wird er Privatdozent für politische Ökonomie in Wien.

1911 veröffentlicht Schumpeter seine Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung. Ein Jahr später wird er nach Graz berufen. Nach dem Ersten Weltkrieg ist er Finanzminister in der von Staatskanzler Karl Renner gebildeten österreichischen Koalitionsregierung. Diese Tätigkeit bleibt jedoch ein kurzes Intermezzo: Wegen verschiedener Differenzen scheidet er schon nach sieben Monaten wieder aus dem Kabinett aus.

Sein Weg in die Privatwirtschaft führt ihn zum Präsidium der Wiener Biedermann-Bank. Im Zuge der großen Inflation gerät das Geldinstitut aber in arge Bedrängnis und muss Konkurs anmelden. Leider hat Schumpeter den ihm zur Verfügung gestellten Kreditrahmen für Spekulationen genutzt. Er braucht über zehn Jahre, um die Schulden restlos abzubezahlen. Glücklicherweise bekommt seine akademische Karriere neuen Auftrieb: Von 1925 bis 1932 lehrt er in Bonn, 1932 erhält er ein Angebot der renommierten Harvard University.

Angesichts der sich abzeichnenden NS-Herrschaft bricht Schumpeter alle Brücken zu seinem Heimatland ab. In den USA entstehen seine drei großen Werke Business Cycles (1939), Capitalism, Socialism and Democracy (1942) und History of Economic Analysis; Letzteres erscheint erst postum 1954. Schumpeter stirbt am 8. Januar 1950 an einem Gehirnschlag.

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