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Die US-Notenbank steckt im Dilemma

11. Januar 2007

In der US-Notenbank Fed wächst die Besorgnis darüber, dass sich die gegenwärtige Wachstumsverlangsamung als tiefer und länger anhaltend erweisen könnte als zunächst angenommen. Das Problem ist, dass das nicht unbedingt für rasche Zinssenkungen spricht.

Während die Fed-Sorge im letzten Sitzungskommuniqué durch den Verweis auf eine „erhebliche Abkühlung am Immobilienmarkt“ und „durchwachsene Konjunkturindikatoren“ angedeutet wurde, kam Anfang Januar mit dem detaillierteren Protokoll der Dezembersitzung ein noch viel deutlicherer Beleg: Zumindest eines der Mitglieder im Offenmarktausschuss plädierte dafür, den Verweis auf möglicherweise nötige weitere Leitzinserhöhungen vollkommen zu streichen.

Allerdings stellt das Sitzungsprotokoll auch klar heraus, dass sich die US-Notenbank auch in hohem Maße unsicher darüber ist, ob das derzeitige (und als eindeutig zu hoch empfundene) Niveau der Kerninflationsrate in den nächsten Monaten hinreichend rückläufig sein wird. Hierin dürfte in der Tat die große Crux für eine an den Finanzmärkten immer noch mehrheitlich erwartete Zinssenkung in den USA im weiteren Jahresverlauf liegen.

Im November vergangenen Jahres lag die Kerninflationsrate bei 2,6 % und damit geringfügig über dem gemeinhin als obere Toleranzgrenze angesehenen Niveau von 2,5 %. Die Hoffnung der Fed richtet sich nun darauf, dass der in der zweiten Jahreshälfte 2006 erfolgte Ölpreisrückgang und die damit verbundene Kostenentlastung der Unternehmen an die Verbraucher weitergegeben wird. Denn nur dann würde sich die Fed nicht mit der für Zentralbanken ausgesprochen unangenehmen Situation einer deutlichen Wachstumsabschwächung bei anhaltend hoher Inflation konfrontiert sehen.

In der Tat sind die erhofften Effekte der Ölpreisabschwächung auf die Kerninflation bereits zu beobachten. Allerdings reichen sie nach unseren Berechnungen wohl nicht aus, um die Kerninflationsrate dauerhaft und signifikant unter die Obergrenze des Toleranzbandes zu drücken. Arbeitslosenquote und Kapaziätsauslastungsgrad sprechen für einen fundamentalen Preisauftrieb in der Größenordnung von 2,6 % für das Gesamtjahr 2007. Die dämpfenden Effekte des Ölpreisrückgangs können derzeit auf 0,2 Prozentpunkte im Vorjahresabstand taxiert werden. Allerdings werden sie im Verlauf des Jahres 2007 immer stärker dadurch kompensiert, dass der Rückgang des Außenwerts des US-Dollars aus den letzten Monaten zu höheren Importpreisen führt. Aus diesem Grund kommt unsere Analyse zu dem Schluss, dass lediglich von Januar bis März 2007 eine Kerninflationsrate von (leicht) unter 2,5 % realisiert werden dürfte. In den Folgemonaten dürften die Raten wieder oberhalb der Toleranzgrenze liegen.

Sofern die Konjunktursorgen der Fed nicht schnell überhand nehmen, dürfte ein solches Szenario wohl kaum für schnelle oder ausgeprägte Zinssenkungen in den USA reichen.

Von David Milleker

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