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… eine Konjunkturindikatorenvorschau

19. Januar 2007

Sie kennen das: bei fast allen Konjunkturindikatoren, die so veröffentlicht werden, heißt es im Nachhinein, dass der jetzt aber (wahlweise) besser oder schlechter ausgefallen sei als erwartet. Wer erwartet da eigentlich was? Einführung in die Welt der Konjunkturvorschautabellen.

Bereits lange im Voraus legen statistische Ämter und andere Institutionen den Kalender fest, nach dem sie neue Erhebungen zur volkswirtschaftlichen Entwicklung veröffentlichen: Industrieproduktion, Inflation, Arbeitslosenzahlen und  Geschäftsklima beispielsweise monatlich, das Bruttoinlandsprodukt meist vierteljährlich.

An den Finanzmärkten werden diese Indikatoren oft mit Spannung erwartet, da sie im Zweifel darüber entscheiden, ob die Währung des Landes fundamental attraktiver wird oder die Zinsen steigen oder fallen. Für die Märkte ist dann allerdings vor allem wichtig, ob das Ergebnis unerwartet ausgefallen ist – sonst ist es im Finanzjargon ja schon vorweggenommen und müsste damit "eingepreist" sein.

Hier beginnen die Konjunkturtabellen wichtig zu werden. Die Volkswirte der wichtigen Banken und Investmenthäuser werden wöchentlich befragt, wie sie glauben, dass die anstehenden Indikatoren ausfallen. Der Durchschnitt der Antworten ergibt dann die oft zitierte „Markterwartung“. In den Wochenvorschauen stehen neben den anstehenden Terminen daher stets auch die erwarteten Ergebnisse.

Für die Märkte ist das ein schönes Instrument, vielleicht auch Spielzeug. Das Ding ist nur, dass das Ergebnis auffällig selten die Erwartungen erfüllt, was eher darauf hindeutet, dass einzelne monatliche Werte zur Industrieproduktion oder zum Geschäftsklima eigentlich gar nicht ernsthaft zu prognostizieren sind – anders als der konjunkturelle Trend in seiner Summe. Die Indikatoren reißen oft mal wegen Sonderfaktoren aus oder sind per se nicht so angelegt, dass sie sich Monat für Monat stetig in eine Richtung bewegen. Das macht es am Ende ziemlich absurd, immer wieder eine Nachricht daraus zu machen, dass die Indikatoren schon wieder „überraschend gut" oder "überraschend schlecht“ ausgefallen ist. Das tun sie eigentlich immer.

Sagen Sie beim nächsten Empfang im Beisein von Volkswirten einfach, dass Sie das gar nicht überrascht, dass der Ifo-Index diesmal gefallen (oder gestiegen) ist; dies sei laut gängigen Konjunkturvorschautabellen erwartet und längst eingepreist gewesen. Die werden staunen.

Die jeweils aktuelle Konjunkturvorschau finden Sie auf WirtschaftsWunder  immer auf der Hauptseite links in der Rubrik "Was wichtig wird".

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