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Wette auf den deutschen Verbraucher

31. Januar 2007

Trotz der Erhöhung der Mehrwertsteuer dürften die deutschen Konsumenten in diesem Jahr zur Wachstumsstütze werden.

„Aus einem traurigen Arsch fährt selten ein fröhlicher Furz“ formulierte Martin Luther einst gewohnt derb und drastisch. Es ist aber ein gutes Bild für die starke Abhängigkeit des Privaten Verbrauchs in Deutschland von den Zukunftserwartungen der Arbeitnehmer. Den tiefen Pessimismus über die Aussichten am Arbeitsmarkt in den Jahren 2001 bis 2005 ebenso wie für die deutlich optimistischere Sichtweise seit Ende des letzten Jahres.

Im vergangenen Jahr lag die Sparquote der privaten Haushalte bei 10,5 % des verfügbaren Einkommens. Und sie hat sich seit 2000 auch deutlich um über einen Prozentpunkt erhöht – trotz schwacher Einkommensentwicklung. Ein wesentlicher Grund hierfür war in beständig zunehmenden Arbeitsplatzsorgen der Deutschen zu verorten.

Die Europäische Kommission veröffentlicht eine monatliche Befragung der Haushalte, bei der auch abgefragt wird, ob eine steigende oder eine sinkende Arbeitslosigkeit erwartet wird. Aus dem Saldo der Antworten zwischen zu- oder abnehmender Arbeitslosigkeit kann man dann die Sorgen der Verbraucher ablesen. 2003 und 2005 wurden hier jeweils Spitzenwerte von 45 % gemessen, die einen Anstieg der Arbeitslosigkeit für wahrscheinlicher hielten als einen Rückgang. Inzwischen (Stand Dezember 2006) rechnet eine leichte Mehrheit mit einem Rückgang der Unterbeschäftigung. Würden frühere Korrelationen weiterhin gelten, spräche dies für einen Rückgang der Sparquote auf unter 9 % in der näheren Zukunft. Umgerechnet in Euro wäre das ein Konsumimpuls von rund 20 Milliarden.

Der Wermutstropfen liegt nun freilich darin, dass der Bundesfinanzminister im laufenden Jahr knapp denselben Betrag über die Mehrwertsteuer den Verbrauchern wieder aus der Tasche ziehen wird. Herr Steinbrück übernimmt folglich das „Entsparen“ für die deutschen Haushalte und der schöne Konsumimpuls wird so wohl nicht stattfinden.

Der Private Verbrauch wird sich stattdessen wieder aus dem Gesamtzuwachs von Löhnen und Beschäftigung speisen müssen. In früheren Jahren wäre dies das Ende einer optimistischen Prognose für den Privaten Verbrauch in Deutschland gewesen. Für 2007 jedoch aus zwei Gründen nicht: Zum einen sollten die Lohnsteigerungen erstmals seit Jahren wieder mindestens auf der gleichen Höhe wie die Preissteigerung liegen. Nämlich bei rund 2 %.

Zum anderen sollten wir aber auch nicht die Arbeitsmarktdynamik unterschätzen. Die Inlandsorders für Kapitalgüter sind einer der besten Vorlaufindikatoren für die Beschäftigung in Deutschland. Schon das aktuelle Niveau dieser Größe deutet auf einen Anstieg etwas jenseits der 1 % Marke für die Beschäftigung in 2007 hin. Und das Auslaufen besonderes günstiger Investitionsbedingungen durch die Abschaffung der degressiven AfA ab dem kommenden Jahr dürfte die Investitionstätigkeit bis Jahresende noch einmal kräftig steigen lassen.

Sprichwörtlich ist es ein Fehler, gegen den amerikanischen Konsumenten zu wetten. In diesem Jahr kann man das aus unserer Sicht getrost auch auf den deutschen anwenden: Die günstige Einschätzung der Arbeitsmarktlage kompensiert die Mehrwertsteuererhöhung, der Lohnanstieg die Inflation und der Zuwachs an Jobs sorgt für eine Steigerung der Konsumausgaben um 0,6 x %.

David Milleker ist Chefvolkswirt von Union Investment

Von David Milleker

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