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… die Geldmenge

7. Februar 2007

Für die Europäische Zentralbank ist die Geldmenge ganz wichtig. Andere kümmern sich weniger drum. Was steckt hinter der Menge Geld?

Dabei könnten sich grundsätzlich einmal alle darin einig sein, dass jeder gerne etwas davon hätte: Die Geldmenge ist zunächst der Bestand an Geld in einer Volkswirtschaft. Eine Menge Geld ist eigentlich eine schöne Sache. Doch Geld, dem keine Waren gegenüber stehen, ist wertlos. Darum, so eine alte Idee, ist Geld gut und wichtig für die Volkswirtschaft, aber es gibt auch ein Zuviel des Guten. So wichtig es ist, wenn die Geldmenge wächst, so problematisch ist es, wenn sie es zu schnell tut.

Leider ist es nun aber gar nicht so einfach, zu definieren, was Geld ist. Darum gibt es auch nicht die eine Definition von Geldmenge. Es gibt statt dessen eine ganze Reihe von Geldmengen-Aggregaten mit unterschiedlich hoher Liquidität. Die wichtigsten drei:

  • Eng definiert ist M1. Hier sind Bargeld und die Sichteinlagen, also Girokonten dabei: Geld, über das so gut wie sofort verfügt werden kann.
  • Bei M2 kommen zu M1 noch Termineinlagen mit bis zu 4 Jahren Laufzeit hinzu.
  • M3, das hierzulande wichtigste Aggregat, besteht aus M2 und Spareinlagen. Vor allem diese Größe spielt für die Strategie der EZB eine wichtige Rolle, wie sie es auch bei der Deutschen Bundesbank einst getan hat. Ganz anderer Meinung ist die US-Notenbank, die seit März 2006 ganz aufgehört hat, die Daten von M3 für die USA zu veröffentlichen. In der Euro-Zone liefen gemessen an M3 im November 2006  rund 7,6 Bio. Euro um. Das waren 9,3 Prozent mehr als im Jahr zu vor – das höchste Zuwachs seit der Geburt des Euro. Nur ein kleiner Teil davon, nämlich 575 Mrd. Euro waren Bargeld.

Warum die Geldmenge für viele Ökonomen so wichtig ist, liegt letzten Endes an einer berühmten Formel, die der US-Ökonom Irving Fisher einmal aufgeschrieben hat: der so genannten Quantitätsgleichung. Demnach ist die Geldmenge, multipliziert mit der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, gleich der zum aktuellen Preisniveau bewerteten Summe der verkauften Güter.

Diese Gleichung stimmt definitionsgemäß immer. Es gibt also einen klaren Zusammenhang von Geldmenge und Preisen bzw. Geldmengenwachstum und Inflation. Das ist der Hintergrund für die heißen Debatten. Allerdings ist über die Kausalität damit noch nichts gesagt und zudem ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes nicht konstant und kaum zu messen – also wie oft ein 50-Euro-Schein im Laufe etwa eines Jahres den Besitzer wechselt.

Beeindrucken Sie beim nächsten Empfang im Beisein von Volkswirten einfach mal mit der Frage, ob in der Euro-Zone das jährlich erwirtschaftete Bruttoinlandsprodukt größer oder kleiner als die Geldmenge ist. Die Antwort: Die Geldmenge M3 ist mit 7,6 Bio. Euro etwas kleiner als das Bruttoinlandsprodukt mit knapp acht Bio. Euro. Die werden staunen!

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