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… die Arbeitsproduktivität

14. Februar 2007

Die Arbeitsproduktivität wird schon einmal gerne als heiliger Gral des wirtschaftlichen Wohlstands bezeichnet. Bei Tarifverhandlungen wird sie als Richtgröße für angepeilte Lohnsteigerungen verwendet. Doch was verbirgt sich hinter der Zahl genau?

Allgemein gesprochen ist die Produktivität ein Maß für die Leistungsfähigkeit – also das Verhältnis des Produktionsergebnisses zu den eingesetzten Faktoren. In Deutschland gibt es zwei gängige Wege, die Arbeitsproduktivität zu berechnen: Bei der so genannten Pro-Kopf-Produktivität wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf die Zahl der Erwerbstätigen umgerechnet – sprich: Welchen Beitrag leistet ein Arbeitnehmer im Durchschnitt für das erwirtschaftete Ergebnis? Die zweite und geläufigere Variante ist die Stundenproduktivität – also das BIP im Verhältnis zu den eingesetzten Arbeitsstunden. Diese wird öfter verwendet, da mit ihr beispielsweise auch Änderungen der Arbeitszeit erfasst werden können.
 
Zahlen zur deutschen Arbeitsproduktivität stellen beispielsweise das Statistische Bundesamt und die Bundesbank in ihrem monatlichen statistischen Beiheft zur Verfügung. Einmal jährlich veröffentlicht außerdem das private Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board zusammen mit dem Groningen Growth and Development Centre einen internationalen Vergleich. Auf der Seite der Holländer stehen umfangreiche Datenbanken frei zur Verfügung.


Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Arbeitsproduktivität zu steigern. So können beispielsweise leistungsfähigere Maschinen das Ergebnis verbessern. Außerdem kann eine bessere Bildung der Arbeitnehmer – Ökonomen reden häufig von einem gesteigerten Humankapital – ihre Effizienz erhöhen. Rechnerisch lässt sich die Produktivität allerdings auch dadurch heraufsetzen, indem die am wenigsten Produktiven entlassen werden. In diesem Zusammenhang kann man dann auch von Entlassungsproduktivität sprechen.
 
Bei den Verhandlungen über die Tariflöhne fordern die Arbeitnehmervertreter häufig Zuwächse in Höhe des Produktivitätsfortschrittes plus Inflationsrate. In Wirtschaften ohne Vollbeschäftigung dürfen die Reallöhne nach Ansicht vieler Ökonomen allerdings nur geringer als die Arbeitsproduktivität steigen. Ansonsten würde kein Anreiz für die Unternehmer bestehen, neue Arbeitnehmer einzustellen. Die Beschäftigung bliebe in diesem Fall ungefähr konstant. Steigen die Löhne dagegen geringer als die Arbeitsproduktivität, verbessern die gesenkten Lohnstückkosten die Ertragslage der Firmen. Diese können dann mehr investieren und damit weitere Arbeitnehmer einstellen. Kritiker halten dem entgegen, dass eine zu starke Lohnzurückhaltung wachstumshemmend wirke, da den Haushalten dann geringere Einkommen zur Verfügung stünden.
 

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