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… Liquidität

8. März 2007

Die Weltwirtschaft schwimme im Geld, heißt es. Die Börsen und die Weltkonjunktur verdanken ihre fetten Jahre dem Überschuss an Liquidität. Aber der Begriff ist, wie das, was er benennt: fließend.

Zunächst ist Liquidität aus der Sicht des Einzelnen seine Fähigkeit, seine Rechnungen zu bezahlen. Mangelt es an ihr, folgt der Bankrott. Außerdem wird mit Liquidität auch die Eigenschaft eines Vermögenstitels bezeichnet, ihn schnell gegen Geld eintauschen zu können. Eine Aktie ist liquider als ein Haus.

Doch darum geht es nicht, wenn Volkswirte über Finanzmärkte und Konjunktur fachsimpeln. Wenn es um carry trades, niedrige Risikoprämien und Immobilienblasen weltweit geht, ist eine andere Liquidität gemeint. Die großen Notenbanken der Welt haben in den vergangenen Jahren ihre Schleusen geöffnet. Mit niedrigen Leizinsen haben sie nach dem graduellen Börsencrash 2000 bis 2002 dafür gesorgt, dass Banken billlig Geld bekommen können. Wer Geld wollte, bekam es.

Woher stammt dieses Geld? Früher hieß es, Notenbanken und Geschäftsbanken schöpften das Geld. Inzwischen geschieht ein großer Teil der Kreditschöpfung allerdings außerhalb von traditionellen Geschäftsbanken. Eine Vielzahl von Finanzinnovationen hat diese Entwicklung ermöglicht. Damit wird es immer schwieriger, die Liquidität zu fassen.

Besonders, wenn es um die Messung geht. Wenn Ökonomen Daten für die Liquidität suchen, behelfen sie sich meist mit Geldmengen-Aggregaten einer eher weiten Definition wie M2. Oder sie nehmen, für die Liquidität in Dollar, die US-Geldmenge plus US-Staatsanleihen im Besitz von Ausländern. Doch so richtig befriedigend ist das nicht. Einige Ökonomen schauen deshalb nicht auf die Menge, sondern auf Preis, also den Zins.

Es ist eine allgemeine Erfahrung, dass die Geldmenge stärker wächst als das nominale Bruttoinlandsprodukt. In den vergangenen Jahren ist sie weltweit nach den wichtigsten Definitionen zweistellig gewachsen, mit dem Höhepunkt des Wachstums Ende 2005 bei einem Plus von über 20 Prozent zum Vorjahr. Seit einigen Monaten geht dieses Wachstum deutlich zurück. Bereits zuvor hatten die großen Notenbanken der Welt wieder angefangen, geldpolitisch zu straffen. Noch immer liegt das Wachstum deutlich über Null. Die Zeiten extremen Geldmengenwachstums sind aber vorbei.

Woher kommt die Liquidität? Auch darüber gibt es Meinungsunterschiede. Natürlich sind es einmal die Zentralbanken der Welt, allen voran die japanische Notenbank, die seit Jahren mit einem Zinssatz nahe Null versucht, das Land aus der "Liquiditätsfalle" zu bugsieren.

Der bisherige Chefvolkswirt des IWF Raghuram G. Rajan sieht andere Gründe für die niedrigen Langfristzinsen, die ja deutlich wichtiger als die (kurzfristigen) Leitzinsen sind. Es gehe vielmehr um ein globales Missverhältnis von hoher globaler Ersparnis und zu wenig Realkapital, um diese Mittel auch zu absorbieren.

Die interessante Rede des bisherigen IWF-Chefdenkers finden Sie hier.

Sagen Sie beim nächsten Empfang im Beisein von Volkswirten einfach, die Notenbanken könnten die weltweite Liquidität kaum noch steuern. Die werden staunen! 

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