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… den Reallohn

5. April 2007

Nach den ersten Tarifabschlüssen zu urteilen, dürften die Löhne in diesem Jahr erstmals wieder spürbar steigen, im Gegensatz zu den vergangenen Jahren. Selbst real. Wie bitte?

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Nur Ökonomen können auf die Idee kommen, einen Betrag, den jeder monatlich in Euro und Cent genau auf seinem Konto-Auszug findet, als nicht real zu bezeichnen. Sie nennen diesen Betrag, den man als Entgelt für seine Arbeit bekommt, statt dessen den „Nominallohn“, im Gegensatz zum Reallohn.  Denn entscheidend sei, wie viel man sich für sein Geld kaufen könne, wie viel der Lohn also in „realen“ Waren wert sei. Dafür muss man auch die Preisentwicklung berücksichtigen. Der Reallohn wird ermittelt, indem man den Nominallohn durch das Preisniveau dividiert. Er ist also ein Maß, das die Kaufkraft berücksichtigt.

Interessant sind eigentlich nur die Veränderungen von Jahr zu Jahr, weil man sich unter dem absoluten Preisniveau wenig vorstellen kann. Daher wird dann einfach die Anstiegsrate der Preise von der Anstiegsrate des Nominallohns abgezogen. Wenn die Nominallöhne um drei Prozent steigen und die Inflation bei zwei Prozent liegt, steigen die Reallöhne entsprechend um ein Prozent. 

In Deutschland war es in den vergangenen Jahren meist so, dass die Erhöhungen des Nominallohns von der Inflation, also der Veränderung des Preisniveaus, aufgefressen wurden. Selbst über den gesamten Zeitraum der vergangenen zehn Jahre fielen die Reallöhne, weil die Preise in diesem Zeitraum schneller gestiegen sind als die Nominallöhne. In den meisten anderen OECD-Ländern sind die Reallöhne im gleichen Zeitraum dagegen deutlich gestiegen. Erst in diesem Jahr dürften die Tarifabschlüsse wieder über der Inflationsrate liegen.

Ob das nicht nur für die Tarifabschlüsse, sondern auch für die tatsächlich in der gesamten Wirtschaft gezahlten Löhne gilt, ist damit allerdings noch nicht gesagt. Dazu in Kürze mehr – Stichwort: Effektivlohn.

Sagen Sie beim nächsten Empfang im Beisein von Volkswirten einfach, dass ja noch gar nicht ausgemacht sei, ob die Leute trotz höherer Tariflöhne dieses Jahr mehr kaufen können. Da komme es ja auf die Reallöhne an. Das wird Eindruck hinterlassen.

 

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