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… Effektivlöhne

18. April 2007

Die Tariflöhne dürften in diesem Jahr wieder stärker steigen als zuvor, wie Sie hier bereits lesen konnten. Aber haben die Beschäftigten deshalb entsprechend mehr Geld auf dem Konto? Effektiv?

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Schließlich ist das, was die Tarifparteien aushandeln nicht das, was schlussendlich bei jedem zu Hause ankommt. Was letztlich zählt, ist der Effektivlohn, also die vereinbarte Grundvergütung laut Tarifvertrag plus Zuschläge, Einmalzahlungen und sonstigen Vergütungen – oder abzüglich der Kürzung entsprechender Zuschläge usw. Der Effektivlohn liegt zwar in aller Regel über dem Tariflohn. Aber in kritischen Zeiten können Effektivlöhne eine Zeit langsamer wachsen als Tariflöhne.

Das war in den vergangenen zehn Jahren der Fall. Die Effektivlöhne sind in dieser Zeit im Schnitt um etwa ein Prozent gestiegen, deutlich schwächer als die Tariflöhne. Die so genannte "Lohndrift", die den Zuwachs der Effektivlöhne mit dem Zuwachs der Tariflöhne vergleicht, war also negativ. Positiv war die Lohndrift zuletzt im Wiedervereinigungsboom Anfang der 90er Jahre, als die Zulagen besonders hoch ausfielen und die Unternehmen trotz ohnehin hoher Tarifabschlüsse freiwillig noch draufsattelten, um Mitarbeiter zu halten. 

Der anschließende Abwärtstrend hielt noch vergangenes Jahr an, die Effektivlöhne sanken nach Abzug der Inflation um real ein Prozent.

Wie es dieses Jahr ausfallen wird, bleibt eine spannende Frage. Aller Erfahrung nach steigen die effektiv gezahlten Löhne im Aufschwung relativ rasch stärker als die tariflich vereinbarten. Im aktuellen Frühjahrsgutachten 2007 rechnen die deutschen Forschungsinstitute für 2008 denn auch in der Tat erstmals wieder mit positiver Lohndrift: Die Tariflöhne, die pro Stunde gezahlt werden, werden danach um 2,8 und die stündlichen Effektivlöhne laut Prognose sogar um 3,0 Prozent steigen – was der höchste Anstieg seit 1995 wäre.

Vergleichbare Zahlen zu den Tarif- und Effektivlöhnen gibt es in Deutschland bei Bundesbank und Statistikamt Destatis.

Verwechseln Sie beim nächsten Empfang im Beisein von Volkswirten bitte nicht den Effektivlohn mit dem Effizienzlohn. Das ist noch mal ganz was anderes.

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