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Amerikas Häuserkrise – Wenn der Staat einspringt

25. April 2007

In den USA kauft jetzt der Staat problematische Hypotheken auf und senkt damit die Ansteckungsgefahr in der Immobilienbranche. Es bleibt ein bitterer Beigeschmack.

Ohio ist sicherlich nicht gerade einer der US-Bundesstaaten, an welche man hierzulande ununterbrochen denkt. Allerdings werden hier nicht selten wichtige Trends für die gesamten USA gesetzt. So wurde etwa hier die letzte Präsidentschaftswahl entschieden. Mit Bezug auf die Subprime-Hypothekenkrise scheint sich die Vorreiterrolle Ohios nun zu wiederholen.

Ende März gab die Ohio Housing Finance Agency – etwa vergleichbar mit einer unserer deutschen Landesbanken – ein Programm zur kostengünstigen Umschuldung von in Schwierigkeiten geratenen und variabel verzinslichen Marktdarlehen im Subprime-Bereich auf festverzinsliche und langfristig angelegte Hypotheken bekannt. Eine Anschubfinanzierung erhält das Programm durch Emission einer steuerfreien Anleihe.

Derzeit prüfen an die 30 weiteren Bundesstaaten ähnliche Programme und auch Fannie Mae, die große Verbriefungsagentur der USA, ist auf den Zug aufgesprungen. So gab Daniel H. Mudd, Vorstandschef von Fannie Mae, am 17. April vor einem Kongressausschuss bekannt, dass man eine aktive Umschuldung von akut bedrohten Hypothekenschuldnern anstrebe. Die Zahl des berechtigten Kundenkreises wird von Mudd auf rund 1,5 Millionen Haushalte taxiert.

An Pragmatismus zur Lösung des Hypothekenproblems fehlt es den Amerikanern somit nun wirklich nicht: Notleidende Kredite werden erst einmal in (Quasi-) Staatsbanken geparkt und verschwinden so – mit dem Steuerzahler als letztlich haftendem – aus den Bilanzen der Privatbanken. Als Ökonom ist man freilich hin- und hergerissen, ob man das nun gut oder schlecht finden soll.

Vor einem Monat hatten wir im FTD-WirtschaftsWunder geschrieben, dass steigenden Ausfallraten bei US-Hypotheken eher ein Zeichen der Normalisierung von außergewöhnlich niedrigen Niveaus sei, und sich die Entwicklung auch nicht krisenartig zuspitzen werde, weil der Zusammenhang von Zins und Konjunktur derartiges verhindere. Es besteht kein Anlass, diese Einschätzung zu modifizieren. Wenn nun der öffentliche Sektor – im Zweifelsfall über das Vehikel von öffentlichen Krediten – einspringt, so hat das natürlich den unbestreitbaren Vorteil, dass negative Rückwirkungen auf andere Kreditarten von vornherein vermieden werden. Gerade die Erfahrungen, die in den zurückliegenden Jahren mit einem verstopften Kreditkanal in Japan und zum Teil in Deutschland gemacht wurden, belegen ja sehr deutlich, wie wichtig die Kreditverfügbarkeit im Wachstums- und Konjunkturprozess ist. Von daher darf man sich durchaus positive Wirkungen davon versprechen, wenn man das absehbare Problem noch weiter steigender Ausfallraten frühzeitig so einhegt, dass es nicht zu negativen Auswirkungen auf andere Kreditarten kommt.

Andererseits geht aber natürlich von derartigen Maßnahmen auch eine sehr fragwürdige Signalwirkung auf Kreditgeber und –nehmer aus: „Wenn im Privatsektor Dummheiten gemacht werden, werden der Staat und seine Institutionen sich schon darum kümmern, dass keiner wirklich dabei zu Schaden kommt.“ Das Verhalten der privatwirtschaftlichen Akteure wird dann entsprechend sorgloser und letztlich auch riskanter. Moral Hazard nennt sich das in der Fachsprache. Und je mehr man sich kurzfristig um die Beseitigung kleinerer Unfälle kümmert, desto höher wird das Potenzial für eine richtig große und dann auch systemgefährdende Krise.

Unsere im vergangenen Monat präsentierte Einschätzung einer zwar unangenehmen, aber letztlich durchaus verkraftbaren Entwicklung bei den Ausfallraten für Hypotheken legt den Schluss nahe, dass die US-Politik und die (quasi-)öffentlichen Banken mit ihren Umschuldungsmaßnahmen auf die mediale Berichterstattung überreagieren. Als positiver Nebeneffekt bleibt dann eine noch viel schnellere Überwindung der Hypothekenkrise als bislang angenommen. Das offerierte Bonbon hat hier aus Ökonomensicht jedoch einen recht bitteren Beigeschmack.

David Milleker ist Chefvolkswirt der Union Investment. 

Von David Milleker

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