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… Subprime-Kredite

3. Mai 2007

Seit ein paar Wochen geistert die Angst vor den Subprime-Krediten durch die Finanzwelt. Hier drohe die schwelende Krise am US-Immobilienmarkt zum ernsten Problem zu werden.

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Subprime-Kredit ist die freundlich klingende Umschreibung dafür, dass der entsprechende Kreditnehmer von vergleichsweise geringerer Bonität ist. Zwar machen diese Kredite am Gesamtmarkt einen geringen Anteil aus. Doch das höhere Ausfallrisiko birgt in Zeiten steigender Zinsen wie jetzt die Gefahr, zum ernsten Problem zu werden.

Üblicherweise machen Kredite mit anpassbaren Zinsen im Subprime-Market einen größeren Anteil aus, weshalb dieses Segment besondere Beachtung findet. Genau wie im Segment der Kunden besserer Bonität, dem Prime-Market, lassen sich auch die Kredite am Subprime-Markt nach der Art des zu zahlenden Zinses unterscheiden. Es gibt Kredite mit festem Zinssatz (fixed rate mortgage, FRM) und mit veränderlichem Zinssatz (adjustable rate mortgage, ARM).

Wenn generell die Zinsen in einem Land steigen, nehmen bei Krediten mit variablem Zinssatz die Zahlungsverzögerungen und -ausfälle schneller zu als bei Festzinskrediten. Die Kredite mit veränderlichem Zinssatz sind gerade für Kreditnehmer mit geringer Zahlungsfähigkeit interessant. Diese Kredite werden zunächst mit einem geringeren Zins als der Marktzins angeboten. Erst nach zwei oder drei Jahren muss der Kreditnehmer den üblichen Zins zahlen. Oft fallen die höheren Zinsen aber nicht erst ab dem Zeitpunkt der Anpassung an, sondern der Kunde muss auch die Differenz aus den Vorjahren mitzahlen, natürlich neben der normalen Tilgung.

So können gerade diese Kreditkonstrukte zur Schuldenfalle werden. Kommen zu den steigenden Zinsen noch fallende oder langsamer steigende Immobilienpreise dazu, verschlimmert sich die Position vieler Schuldner weiter. Denn nicht wenige setzen in Zeiten des Immobilienbooms darauf, später einmal den variablen Zinsvertrag gegen einen Festzinsvertrag umzutauschen. Vorausgesetzt die Immobilienpreise und der Wert des erworbenen Eigenheims klettern weiter. In den Vereinigten Staaten waren zuletzt auch sogenannte „Piggyback-Kredite“ in Mode: Dabei nehmen die Hauskäufer, die nicht in der Lage sind, die übliche Anzahlung von zehn bis 20 Prozent zu leisten, eine zweite Hypothek auf, eben das „Rucksackdarlehen“.

In Ländern wie den USA haben sich vor allem kleinere Hypothekeninstitute oder regionale Banken auf die Vergabe der Subprime-Kredite und der verschiedensten Konstrukte spezialisiert. Die Geldinstitute refinanzieren sich wiederum bei den Großen der Branche, indem sie die Kredite weiterreichen. Investmentgesellschaften wie Merrill Lynch, JP Morgan oder auch die Deutschen Bank, basteln daraus komplizierte Finanzkonstrukte, sie fassen die Darlehen zusammen und schmeißen sie wiederum als Anleihen oder Zertifikate auf den Markt.

Die Gefahren für das Finanzsystem steigen dann rapide, wenn die neuen Hausbesitzer in großen Scharen ihre Kredite nicht zurückzahlen können. Wenn die kleineren Geldhäuser ihrerseits ihren Verpflichtungen bei den Großen nicht mehr nachkommen, kann es dann eng werden. Zudem verschärfen die Finanzinstitute in Zeiten höherer Kreditausfälle ihre Kreditkonditionen. Dazu kommt: Schränken die Verbraucher ihre Kreditaufnahme  ein, hat das in Ländern wie den USA unmittelbare Auswirkung auf den Konsum und damit die Konjunktur. 

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