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… Lagerinvestitionen

16. Mai 2007

Wachstumstreiber Nummer eins in Deutschland war im ersten Quartal der Lageraufbau. Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?

 
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Der Name klingt ein bisschen nach einem Widerspruch in sich. Mit Lagerinvestitionen (oder Vorratsveränderung) ist die Zunahme von Rohstoffen, Zwischenprodukten oder auch nicht verkauften Fertigerzeugnissen im Besitz der Unternehmen gemeint. Die Lagerinvestition kann positiv ausfallen, dann haben die Unternehmen Vorräte aufgebaut, oder negativ, wenn sie per saldo ihre Bestände abgebaut haben. Im vierten Quartal 2006 war die Lagerhaltung noch negativ, zuletzt war sie nach Berechnung der DekaBank dagegen  Wachstumstreiber. Ist es nun gut oder schlecht, wenn sich die Lager füllen? Wie so oft: Es kommt darauf an.

Entweder die Unternehmen bauen Lager auf, weil sie es so wollen und so geplant haben. Dann ist das ein Zeichen dafür, dass sie Vertrauen in die Zukunft haben und eine als vorübergehend eingeschätzte Schwäche in der Nachfrage ausgleichen wollen. Genau das scheint derzeit der Fall zu sein. Da die Kapazitätsauslastung auf historisch hohem Niveau ist, beugen sie damit möglichen Engpässen vor, wenn die Nachfrage wieder anziehen sollte.

Es kann aber auch sein, dass die Unternehmen von einem Nachfrageeinbruch überrascht werden und unfreiwillig Lager aufbauen. Dann ist es ein schlechtes Zeichen. Sie dürften die Produktion sobald wie möglich drosseln. Ob die Unternehmen bewusst oder unfreiwillig Lager aufbauen, lässt sich aus Umfragen erkennen. So ermittelt das Ifo-Institut bei seiner Geschäftsklima-Umfrage regelmäßig, ob die Unternehmen mit ihrer Lagerhaltung zufrieden sind. Derzeit befinden sie sich dabei in komfortablem Bereich.

Anders als in den USA gibt es hierzulande keine eigene Lager-Statistik. Die Lagerinvestitionen werden vom Statistischen Bundesamt statt dessen als Restgröße ermittelt: als Differenz aus Produktion und Verkäufen. Da kommt es mitunter zu heftigen Revisionen, damit die Zahlen am Ende wieder stimmen.

Welche Rolle die Lagerhaltung für den Konjunkturzyklus hat, ist umstritten. Kaum bestritten ist, dass die Heftigkeit von Konjunkturausschlägen im Laufe der Jahrzehnte abgenommen hat. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass heute  mehr Wirtschaftsleistung von Branchen stammt, die wenig Lager brauchen. Außerdem hat sich das Lagermanagement durch die Revolution in der Informationstechnologie stark verbessert.

Greifen Sie beim nächsten Empfang im Beisein von Volkswirten einfach zu mit der Bemerkung, sie wollten etwas gegen ungewollte Vorratshaltung  tun, denn die sei schlecht für die Konjunktur.   

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