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… die Weltbank

30. Mai 2007

Die Suche nach dem neuen Präsidenten ist beendet. Was aber ist das für eine Organisation, die Robert Zoellick ab dem 1. Juli leiten wird? 

 
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Die Weltbank ist nicht das, was ihr Name verspricht. Sie ist keine Zentralbank der Welt, sie ist eigentlich nicht einmal eine Bank im engeren Sinne. Was man als Weltbank bezeichnet, sind zwei Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit: die 1945 gegründete International Bank for Reconstruction and Development IBRD, und die International Development Association IDA.

Eigentümer der Weltbank sind 185 Mitgliedsstaaten, deren Stimmrechte abhängig sind vom Anteil am Stammkapital. Größter Eigner ist mit derzeit 16,4 Prozent der Stimmrechte die USA, die der Tradition folgend, deshalb den Präsidenten bestimmt.

Die Weltbank vergibt Geld und Beratungsleistungen an die ärmeren Länder der Welt, von den allerärmsten Afrikas bis hin zu aufstrebenden Transformationsländern Osteuropas. Das Geld vergibt sie in Form von zinsgünstigen Krediten, die von den Regierungen der Empfängerländer garantiert werden, sowie als Zuschüsse. Sie hat keine Gewinnabsicht. Hauptziel ist die Bekämpfung der Armut, wie es in den Millenniums-Zielen der Uno formuliert wurde. Das soll erreicht werden durch  Wirtschaftswachstum und durch verschiedene Strategien, die Armen daran teilhaben zu lassen.  

Geld und Beratungsleistungen fließen vor allem in Infrastrukturprojekte, Schulen und andere Bildungsinstitutionen, den Gesundheitssektor und den Privatsektor, z.B. in Form von Kreditprogrammen. Pro Jahr vergibt die Weltbank so zweistellige Milliardenbeträge. Das Geld nimmt sie auf den Kapitalmärkten in Form von Anleihen auf, die sie aufgrund ihres AAA-Ratings günstig bekommt. Die Zuschüsse für die ärmsten Länder sind durch Mittel aus den Regierungshaushalten von 40 Mitgliedsländern finanziert.

Dabei unterscheidet die Weltbank Investitionskredite in bestimmte Projekte und Anpassungskredite, bei denen eine Regierung bei Wirtschaftsreformen mit Geld und Beratung unterstützt wird. Hier stehen die Reformen der wirtschaftspolitischen Institutionen im Vordergrund. Dazu zählte zuletzt auch der Kampf gegen die Korruption.

Bei allen Erfolgen erntet die Weltbank auch Kritik. Die richtet sich zum Teil dagegen, dass sie ihren eigenen Ansprüchen nicht genüge. Kritik gab es zuletzt auch am Prozess der Nominierung des Präsidenten. Andere kritisieren die sozialen Folgen von Wirtschaftsreformen, die darauf abzielen, das Wachstum zu steigern. wieder andere warnen, dass die Aufgaben der Weltbank, 1944 auf der berühmten Konferenz von Bretton Woods erdacht, inzwischen überholt seien, angesichts von privaten Kapitalströmen, zunehmend selbstbewussten und kompetenteren Regierungen der Entwicklungsländer und regionalen Entwicklungsbanken.

Sagen sie beim nächsten Empfang im Beisein von Volkswirten einfach, dass die Weltbank so stark kritisiert werde, zeige nur, wie wichtig und erfolgreich sie ist.  

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