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…die Gemeinschaftsdiagnose

4. Juli 2007

In dieser Woche wurde viel darüber gesprochen, dass das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung aus Berlin nicht mehr an der "Gemeinschaftsdiagnose" teilnehmen werde. Doch was ist diese "GD", wie sie unter Forschern genannt wird, eigentlich?

Die GD ist eine Konjunkturprognose, die seit 1950 zweimal jährlich im Auftrag der Bundesregierung von einer Gruppe führender Wirtschaftsforschungsinstitute erstellt wird. Sie ist auch unter der Bezeichnung "Frühjahrs- und Herbstprognose" bekannt. Inhaltlich besteht die GD aus zwei Teilen. Im ersten Teil wird die wirtschaftliche Entwicklung weltweit und in Deutschland untersucht und daraus eine Prognose bis zum Ende des folgenden Jahres erstellt. In einem zweiten Teil geben die Forscher Politikempfehlungen. Anders als das Gutachten des Sachverständigenrates beschäftigen sich die Institute dabei selten mit Detailfragen des Steuersystems und der Sozialversicherungen. Die Regierung benutzt die GD, um eine zusätzliche, externe Meinung zur internen Konjunkturprognose zu bekommen.

Üblicherweise dauert die Erstellung der GD zwei Wochen und die dazugehörigen Treffen finden reihum bei den teilnehmenden Instituten statt. Bislang trafen sich in der ersten Woche dazu rund 60 Wissenschaftler aus den teilnehmenden Einrichtungen in einem der Institute. In der ersten Woche wird üblicherweise die rechnerische Prognose erstellt. In der zweiten Woche arbeiten die Konjunkturchefs (genannt die "Federführenden") und jeweils ein Mitarbeiter aus jedem Institut (genannt die "Adlati") an den Detailformulierungen und den Politikempfehlungen.

In den vergangenen Jahren war die GD stets vom Berliner DIW, dem Essener RWI, dem Kieler IfW, dem Münchener Ifo, dem Hallenser IWH und dem Hamburger HWWA zusammen erstellt worden.

In diesem Jahr hat die Bundesregierung die GD erstmals öffentlich ausgeschrieben. Auslöser war zum einen, dass es aus der Regierung wiederholt Kritik an der GD selber und an den Politikempfehlungen gegeben hatte. Zum anderen war dem Hamburger Weltwirtschaftsarchiv (HWWA) die öffentliche Förderung gestrichen und das Institut in Folge aufgelöst worden, sodass ohnehin nur noch fünf der ursprünglich sechs Institute übrig waren.

Wie diese Woche bekannt wurde, haben nun vier Konsortien den Auftrag bekommen, die GD für die kommenden drei Jahre zu erstellen. Neben Ifo, RWI, IWH und IfW nehmen nun auch das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung sowie das Institut für Höhere Studien und das Wifo-Institut aus Wien teil.

Für die Institute ist die GD wichtig, weil sie einen beträchtlichen Teil der Finanzierung der jeweiligen Konjunkturabteilung sicherstellt. Nach Angaben von DIW-Präsident Klaus Zimmermann fallen bei seinem Institut nun Einnahmen in Höhe von 200000 Euro pro Jahr weg, was rund vier Stellen oder einem Viertel der Konjunkturabteilung entspricht.

Sagen Sie einfach beim nächsten Empfang von Volkswirten, dass das DIW ja nicht das erste Institut ist, das die GD verlassen musste, und dass das Hamburger HWWA wesentlich weniger Aufhebens um die Entscheidung gemacht habe.

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