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Forsche Produktivitätserwartungen

17. Juli 2007

An dieser Stelle lesen Sie im Wirtschaftswunder jeden Dienstag das Stück der Woche aus der FTD-Finanzmarktkolumne „Das Kapital“.

Eins muss man den Amerikanern lassen: Sie sind und bleiben visionär. Nehmen wir John Chambers, den Chef des US-Netzwerkausrüsters Cisco Systems, der sich 2000 anschickte, als erste Firma der Welt eine Marktkapitalisierung von 1000 Mrd. $ zu erreichen – und jetzt rund 180 Mrd. $ auf die Waage bringt. In einem Interview hat Chambers angedeutet, dass das Internet auch hinsichtlich seiner Wirkungen auf die Arbeitsproduktivität der Beschäftigten noch ganz am Anfang steht.
Gut möglich. Aber wie im Jahre 2000 stellt sich auch heute die Frage, was sich aus Anlegersicht daraus machen ließe. Den Statistiken der OECD zufolge, die anders als ihre US-Pendants die Gesamtwirtschaft erfasst, ist die US-Arbeitsproduktivität über die vergangenen zehn Jahre im Durchschnitt um zwei Prozent jährlich gestiegen – gegenüber einem mittleren Zuwachs von 1,4 Prozent seit 1970. Wenngleich eine Beschleunigung zu bescheinigen ist, sind die tatsächlichen Werte also um einiges unspektakulärerer als die 2,5 bis 3 Prozent, mit denen immer noch etliche Banken hausieren gehen; für 2007 erwartet die OECD zunächst gerade mal ein Prozent. In Deutschland und in Japan betrug der mittlere Anstieg der Arbeitsproduktivität zwischen 1996 und 2006 übrigens 1,1 respektive 1,2 Prozent.
Welche Erwartungen stecken demgegenüber in den Aktienkursen drin? Wir wissen es natürlich nicht, weil wir die erwartete Aktienrisikoprämie nicht kennen. Doch schon bei einer Risikoprämie von nur drei Prozent ergäbe sich bei einer Rendite auf inflationsgekoppelte zehnjährige US-Staatsanleihen von 2,7 Prozent eine erwartete reale Gesamtaktienrendite von 5,7 Prozent. Bei einer Dividendenrendite von 1,8 Prozent müssten die realen Gewinne und Dividenden je Aktie künftig ceteris paribus also um fast vier Prozent zulegen, damit die Rechnung der Anleger aufgehen kann. Selbst wenn die Bevölkerung immer noch ein bisschen wächst und die Firmen fleißig Aktien zurückkaufen: Da müsste die nächste Phase der Kreativität, von der Chambers spricht, beinahe schon einer Revolution gleichkommen.

Von Jörg Berens

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