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…den realen Wechselkurs

18. Juli 2007

In der vergangenen Woche hat der Euro die Marke von 1,38 $ gekratzt – ein neues Allzeithoch zum Dollar. Die deutsche Wirtschaft scheint den Anstieg noch gut wegzustecken – vor allem wegen der geringen Inflation der vergangenen Jahre. Messen lässt sich der Nettoeffekt aus Aufwertung und niedriger Inflation mit dem realen Wechselkurs.

Herangezogen wird dazu nicht nur der nominale Wechselkurs gegenüber den wichtigsten Handelspartnern (also etwa die 1,38 $ zum Dollar), sondern auch die Inflation im Inland im Vergleich zu jener im Ausland. Wenn etwa die Preise in den USA um 5 Prozent steigen, in Deutschland aber stagnieren, gleichzeitig aber der Dollar um 5 Prozent abwertet, ist der Effekt per Saldo gleich null.

Deutschland profitiert bei dieser Rechnung von zwei Faktoren: Zum einen ist der nominale Wechselkurs gegenüber den wichtigsten Handelspartner in Europa dank der europäischen Währungsunion fest. Trotz der Euro-Aufwertung der vergangenen Wochen hat sich so die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber diesen Ländern nicht verschlechtert.

Zum zweiten ist die Inflation in Deutschland seit Jahren niedriger als in den meisten anderen Euro-Ländern. Anders als in diesen Ländern hat deshalb die niedrige Inflation in Deutschland zumindest zum Teil die Euro-Aufwertung abgefedert.

Vergleicht man den von der EU-Kommission berechneten realen Wechselkurs aus dem Frühjahr 2007 mit jenem aus dem Jahr 1999, als der Euro eingeführt wurde, so stellt man fest, dass Deutschland gegenüber den 44 wichtigsten Handelsländern real sogar um etwa 4 Prozent abgwertet hat, obwohl der Euro kräftig an Wert gewonnen hat. Anders sieht es allerdings für Länder wie Spanien, Portugal oder Irland aus: Spanien hat danach fast 10 Prozent aufgewertet (also an Wettbewerbsfähigkeit verloren), Portugal rund 8 Prozent.

Diese Unterschiede in der Inflationsentwicklung mögen auch erklären, warum Deutschland bislang mit der Euro-Aufwertung so viel besser klar gekommen ist als etwa Italien oder Spanien – und warum gerade Frankreichs neuer Präsident Nicolas Sarkozy derzeit den starken Euro als Thema entdeckt hat.

Wenn Sie am Mittelmeer in Frankreich dieses Jahr einen Volkswirt treffen und dieser über sein teures Urlaubsdomizil jammert, sagen Sie einfach, dass läge an der realen Aufwertung der Franzosen gegenüber den Deutschen.

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