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Europäische Immobilienrisiken

24. Juli 2007

An dieser Stelle lesen Sie im Wirtschaftswunder jeden Dienstag das Stück der Woche aus der FTD-Finanzmarktkolumne „Das Kapital“.

Ein Gutes haben die Sorgen um den US-Ramschhypothekenmarkt und um die generell sinkende Bereitschaft der Banken, die auf Kreditexpansion und Vermögenspreisinflation basierende US-Wirtschaft weiter zu finanzieren. Sowohl die plumpsenden US-Anleiherenditen als auch der nachgebende Dollar üben auch in Europa Druck auf die Zinsen aus. Und damit sinkt zumindest die Gefahr, dass der Immobilienmarkt der hiesigen Wirtschaft letztlich ebenso zu schaffen macht, wie das in den USA bereits der Fall ist.

Und die Gefahr ist real. Das Verhältnis von Hauspreisen zu Einkommen liegt in weiten Teilen Europas nicht nur deutlich höher als in den USA, sondern auch weit stärker über seinen historischen Durchschnittswerten. Laut Deutscher Bank sind die Hauspreise in Großbritannien, Spanien, Frankreich, Dänemark und Norwegen stärker überbewertet als in den USA – wobei die regionalen Differenzen auf dem alten Kontinent noch stärker ausgeprägt sind als in den Staaten. Der Anteil der Wohnungsbauinvestitionen am BIP ist in der Euro-Zone auf dem höchsten je gemessenen Stand und inzwischen um einen Prozentpunkt höher als in Amerika. Und insbesondere in den Mittelmeerländern sind die Hypotheken meist variabel verzinst. Wenn, wie etwa in Spanien, Häuser das rund Siebenfache des Vorsteuerjahreseinkommens kosten, kann einem eine Zinserhöhung von nur einem Prozentpunkt da finanziell Kopf und Kragen kosten.

Bei den geringsten Zweifeln an der europäischen Binnennachfrage aber wäre es angesichts des ohnehin schwachen US-Exportgeschäfts schnell um den Carry-Trade bestellt – zumal in Japan die Inflation wegen der Yen-Schwäche, des Asienexportgeschäfts und der Rohstoffpreise langsam anziehen könnte. Für den Aktienmarkt wäre das der Albtraum.

Von Jörg Berens

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