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IKB als Symptom des Überschwangs

31. Juli 2007

An dieser Stelle lesen Sie im Wirtschaftswunder jeden Dienstag das Stück der Woche aus der FTD-Finanzmarktkolumne „Das Kapital“. 

In Zeiten wie diesen haben Szenario-Analysen Hochkonjunktur. Wie hoch sind die höchstmöglichen Kreditausfälle auf dem US-Hypothekenmarkt, wie stark könnten die Einnahmen der Broker an der Wall Street schlimmstenfalls fallen, wie tief können die Schätzungen bei HSBC angesichts des doch florierenden Geschäfts in den Schwellenländern noch sinken (als ob dieses selbst bei einer US-Rezession unbeschadet davon käme)?
Was damit anzufangen ist, zeigt die Schieflage der Mittelstandsbank IKB, die noch vor zehn Tagen die Jahresprognose bestätigte, woraufhin etliche Analysten die Kaufempfehlung für den unter Druck stehenden Titel bekräftigten, um sie jetzt einzukassieren. Dabei hat die „Krise“ des US-Hypothekenmarktes bei der IKB bisher noch keine großen Kreditausfälle gezeitigt, sondern nur Bewertungs- und Bonitätsabschläge. Wer als gewissenhafter Anleger den Geschäftsbericht vom 27. Juni samt Aufsichtsrats- und Risikobericht gelesen hat, muss sich angesichts des seitherigen Kursrutsches wie im falschen Film vorkommen.
Die Anleger sollten alle Szenario-Analysen besser gleich zu den Akten legen, da fast ausnahmslos unterstellt wird, dass es normal ist, wenn etwa die Finanzbranche in Europa trotz ihres Ausgabengebarens und niedriger KGVs fast ein Drittel der Marktkapitalisierung ausmacht – was in keinem Verhältnis zu ihrer Wertschöpfung steht. Langfristig orientierte Anleger sollten den Sektor so oder so meiden.
Spieler indessen müssen sich fragen, wie lange der Finanzsektor noch schneller wachsen kann als die Realwirtschaft, ohne dass dies In-, Stag- oder Deflation auslöst (was die Finanzgewinne implodieren ließe). Im jetzigen Umfeld geht es zunächst um die Frage, ob der Rückgang der Bondrenditen schon reicht, um das Blasensystem zu stabilisieren, oder ob die Fed einspringen muss. Auf Sicht der nächsten ein, zwei Jahre ist entscheidend, für wie viele Zinszyklen die Munition der Fed noch reicht. Angesichts der ohnehin niedrigen Realzinsen lautet die beste Prognose: noch einen.

Von Jörg Berens

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