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… Bailout

12. September 2007

Wie hältst Du's mit dem B-Wort? In den USA scheint das derzeit die alles entscheidende Frage zu sein: Bailout or No Bailout?

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Wörtlich ist das bailing out das Herausholen aus der Untersuchungshaft gegen Kaution. Es geht also immer um einen Schuldigen. Dass er rauskommt, hat er eigentlich nicht verdient, so ist die Moral dabei.

In der Politik ist mit Bailout generell die Hilfe für Investoren, Schuldner oder Gläubiger gemeint, die in Not geraten sind – sei es durch Kredite, Geldgeschenke oder auch durch entsprechende Aktionen der Notenbank.

Dabei wird Bailout fast immer in einem negativen Sinne  verwendet. Von Fed-Chef Ben Bernanke bis zum US-Präsidenten George Bush besteht Einigkeit: kein Bailout von Spekulanten und verantwortungslosen Kreditnehmern (und -gebern). Es melden sich bereits viele zu Wort, die jetzt eine Verschwendung der Steuergelder der verantwortungsbewussten Bürger fürchten.

Dahinter steckt das politisch-moralische Kalkül, wer verantwortungslos ist, soll nicht noch dafür belohnt werden. Ökonomisch wichtiger aber ist: Man will keinen Anreiz bieten, dass Spekulanten und "verantwortungslose" Kreditnehmer und -geber in Zukunft noch größere Risiken eingehen. Ökonomen sprechen von einem Anreiz zu „Moral Hazard“, den man vermeiden will, weil er die künftige Stabilität gefährdet. Das Argument ist, dass man damit zwar jetzt für Ruhe sorgen würde, aber auf Kosten der künftigen Stabilität. (Alan Greenspan wird deshalb oft kritisiert, dass er mit seinem „Greenspan put“ den Spekulanten quasi einen Freibrief erteilt hat, weiterzumachen, weil sie im Ernstfall mit Zinssenkungen rechnen konnten.)

Andererseits bezweifelt niemand, dass die Politik derzeit etwas tun muss, um die Liquiditätsversorgung der Banken zu sichern und den Kolapps des Immobilienmarktes zu bremsen. Der König der Anleihen, Bill Gross von der Fondgesellschaft Pimco, forderte bereits, die Häuslebauer im großen Stil zu unterstützen, um eine Ausweitung der Krise zu verhindern: ein klare Anstiftung zum Bailout.

Die meisten Kommentatoren gehen jedoch nicht so weit, sich offen zum Bailout zu bekennen. Die Zentralbanken sollten die Liquiditätsversorgung sicherstellen, allerdings zu hohen Zinsen, eine Idee des berühmten Wirtschaftsjournalisten des 19. Jahrhunderts Walter Bagehot: Die Zentralbank solle nicht einzelne Institutionen, sondern das System als ganzes retten. Diese Funktion wird „Lender of Last Resort“ genannt.

Manche benutzen den Begriff aber auch in einem allzu weiten Sinne und nennen eine Zinssenkung bereits gleich Bailout.

Der Optimismus der meisten Ökonomen beruht auf der Vorstellung, dass Zentralbanken die  Funktion des Lender of Last Resort erfüllen können, ohne damit ein Bailout zu machen. Das eine ohne das andere zu bewerkstelligen – vor diesem Dilemma stehen die großen Zentralbanken der Welt derzeit.

Sagen Sie  beim nächsten Mal, wenn Sie unter Ökonomen geraten, die über Geldpolitik in Krisenzeiten reden: Liquidität ja, aber kein Bailout!

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