Startseite > Chefökonom > Geld ist nicht alles, aber …

Geld ist nicht alles, aber …

10. Oktober 2007

Wenn Ökonomen sich bisher zum Thema Bildung äußerten, dann lief das oft auf Aussagen hinaus, wie:  „Ausbildung ist sehr nützlich – für den einzelnen und auch die Gesellschaft.“

Oft beruhte das dann auf Studien, die belegten, dass in reichen Ländern wie Deutschland die Menschen im Schnitt mehr Schuljahre haben als die Menschen in armen, wie Ghana zum Beispiel. Das lässt sich in der Tat kaum bezweifeln. Aber braucht man dafür Bildungsökonomen?

Doch es tut sich etwas in der Bildungsökonomie, wie sich auf dieser Tagung des Vereins für Socialpolitik zeigt. Dabei gibt es zwei Themen, die in vielen Vorträgen immer wieder auftauchen. 

Erstens: Mehr Geld (vom Staat) hilft Bildungs- und Forschungssystemen wenig, wenn die Strukturen so bleiben, wie sie sind. Das betont Ludger Wößmann (LMU) in seinen Schul-Studien, das bestätigt auch Dietmar Harhoff (LMU)  in seiner Forschung zu Innovationen. Und auch Stefan Wolter (Bern) betont, dass mehr Geld – in seinem Themengebiet könnten das Lohnzuschüsse für Lehrlinge sein – zu gigantischen Mitnahmeeffekten führen. Ohnehin zeigt sich, dass staatliches Eingreifen hier eigentlich gar nicht nötig ist, weil oft gar kein Marktversagen vorliegt: Betriebliche Ausbildung rechnet sich in vielen Fällen für den Betrieb ohnehin von selbst, entgegen der populären Meinung.

Das zweite große Thema folgt daraus unmittelbar: Quality matters.

Eric Hanushek (Stanford) zeigte in seinem gut verständlichen Vortrag, dass die Wachstumsrate einer Volkswirtschaft wie Deutschland dauerhaft in der Größenordnung von einem Prozentpunkt  höher liegen könnte, wenn die Qualität der Ausbildung auf das beste derzeit mögliche Maß gehoben werden würde. Die Quantität der Ausbildung (durchschnittliche Anzahl der Schuljahre) ist dann ziemlich egal. Vier Dinge sind für eine höhere Qualität entscheidend: 

Erstens Wahlfreiheit bei der Wahl der Schule, zweitens „Accountability“, drittens zentrale Prüfungssysteme und nicht zuletzt Anreize für Lehrer. Auf die Frage, ob denn steigende Gehälter für Lehrer etwas ändern würden, verwies Hanushek auf die alte Erfahrung: „Bad teachers like more money as well as good teachers do.“ Damit allein wäre also wenig geholfen.

Die Bildungsökonomie boomt derzeit und scheint tatsächlich auch produktiv zu sein. 

Advertisements
Schlagwörter: ,
%d Bloggern gefällt das: