Startseite > Chefökonom > Gossen-Preis an Baseler Ökonom Georg Nöldeke

Gossen-Preis an Baseler Ökonom Georg Nöldeke

10. Oktober 2007

Der renommierte Gossen-Preis des Vereins für Socialpolitik ist heute an den  Wirtschaftstheoretiker Georg Nöldeke verliehen worden. Der 42-jährige Ökonom der Universität Basel konzentriert seine wissenschaftliche Arbeit auf die Spiel- und Vertragstheorie. Doch jenseits nackter Zahlen interessiert ihn auch die Partnerwahl im Tierreich.

Weibliche Lebewesen suchen vor allem lebensfähige Männchen. Doch sie meiden potenzielle Partner, die allzu starke Signale über ihre vermeintlichen genetischen Qualitäten senden. Das ist eines der zahlreichen international veröffentlichten Forschungsergebnisse des Ökonomen Nöldeke.

Der mit 10.000 € dotierte Gossen-Preis geht einmal jährlich an einen Wirtschaftswissenschaftler unter 45 Jahren aus dem deutschen Sprachraum, der mit seinen Arbeiten internationales Ansehen gewonnen hat. Ziel des Preises ist es, die internationale Ausrichtung der deutschen Wirtschaftswissenschaft zu fördern. Die Auszeichnung ist nach dem preußischen Nationalökonomen Hermann Heinrich Gossen benannt.

Mit Nöldeke wird ein Wissenschaftler geehrt, der unter der Ökonomenzunft schon lange einen exzellenten Ruf genießt. Gemeinsam mit dem Spieltheoretiker Klaus Schmidt, der vor sechs Jahren den Gossen-Preis gewann, forschte er etwa über Investitionsanreize bei Joint Venture-Unternehmen und Lösungsansätze für unvollständige Verträge. Außerdem beschäftigt sich Nöldeke mit der Informationsverarbeitung auf Finanzmärkten.

Sein wissenschaftliches Rüstzeug erwarb der Deutsch-Amerikaner an den Universitäten in Bonn und Berkeley sowie der London School of Economics. Nach seiner Promotion wechselte er 1992 als Assistenzprofessor an die Universität Princeton. Zwischen 1994 und 1997 und von 1999 bis 2006 war er Professor in Bonn. Vor einem Jahr verließ er Deutschland – wie viele andere Topforscher – und kehrte nach Basel zurück, wo er bereits zwischen 1997 und 1999 gelehrt hatte.

Dort bringt der Top-Ökonom seinen Studenten auch Konzepte der evolutionären Spieltheorie näher. Im Unterschied zur klassischen Spieltheorie entscheidet dabei nicht rationales Kalkül, sondern die Durchsetzungskraft natürlicher Verhaltensmuster über Sieg oder Niederlage. Wer eine wenig erfolgreiche Strategie hat, scheidet im Laufe der Zeit aus – wie Macho-Männchen, die keine paarungswillige Partnerin finden.

Die bisherigen Gossen-Preisträger sind:

1997 Jürgen von Hagen Universität Bonn

1998 Michael Burda Humboldt-Universität zu Berlin

1999 Ernst Fehr Universität Zürich

2000 Kai A. Konrad Freie Universität Berlin

2001 Klaus M. Schmidt Universität München

2002 Lars-Hendrik Röller Wissenschaftszentrum Berlin

2003 Harald Uhlig Humboldt-Universität zu Berlin

2004 Benny Moldovanu Universität Bonn

2005 Simon Gächter Universität Nottingham

2006 Axel Ockenfels Universität zu Köln

Von Harry Pannenbecker

Advertisements
Schlagwörter: ,
%d Bloggern gefällt das: