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Von Brain Drain und Frauenmalus

10. Oktober 2007

Der anschauliche und gute Eröffnungsvortrag von Dietmar Harhoff von der LMU in München hat viele Themen angerissen, um die in den nächsten drei Tagen wohl noch viel  gerungen werden wird. 

 

 

Was hat Innovation mit dem Steuersystem zu tun? Viel: Denn wenn Eigenkapital anders besteuert wird als Eigenkapital, sind innovative Gründer benachteiligt. Gründer bekommen zu Beginn ja nur Eigenkapital.

Was hat Innovation mit dem Alter der Menschen zu tun? Auch viel. Alte sind risikoscheuer, aber dafür bevorzugen Venture Capital-Financiers Unternehmer mit Erfahrung.

Wieso sind Frauen in der Wissenschaft und bei den Ingenieuren unterrepräsentiert? „Wir haben einen Frauenmalus. Es liegt am System, nicht an den Frauen“, sagt Harhoff.

Die Rolle des Staates: Es gibt ein Marktversagen bei der frühen Risiko-Finanzierung – auch in den USA. Privates Kapital ist angesichts der hohen Risiken zu wenig verfügbar. Hier ist der Staat gefordert. 

Die entscheidende Frage aber ist die des Wissenstransfers: Wie wird Wissen zu verwertbarer Anwendung? Ist es sinnvoll, dass Grundlagenforscher ihre Zeit in die Patentenentwicklung stecken? Welche Techniken sollten überhaupt patentierbar sein? Der preußischen Industrie im 19. Jahrhundert hat es jedenfalls geholfen, dass es für chemische Produkte damals keine Patentmöglichkeiten gab. So wie für Software in Europa heute.

Und überhaupt Preußen: Wie konnte England seine Technologieführerschaft gegenüber dem damals kaum ernst genommenen Aufsteiger innerhalb von wenigen Jahren verlieren?

Michael Burda, Amerikaner an der HU Berlin, fragt nach: Wie kann man emigrierte Wissenschaftler zurückholen? Ludger Wößmann, Bildungsexperte von der LMU München, verweist darauf, dass Preußens Ausbildungssystem damals Weltspitze war. Und Kai Konrad vom WZB Berlin stellt die kritische Frage, was denn eine Technologieführerschaft bringt, die man schnell verlieren kann?

Viele Fragen. Hoffentlich mehr Antworten im Verlauf der Tagung.

 

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