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Lieber zur Hausaufgabenhilfe…

11. Oktober 2007

Nun ist auch wissenschaftlich belegt, was in Talkshows seit Wochen heftig diskutiert wird: Will der Staat in die Bildung von Kindern investieren und ihnen damit zu größeren Zukunftschancen verhelfen, sollte er Geldtransfers auf das Konto der Eltern vermeiden.

„Einkommenserhöhungen sind definitiv keine sinnvolle Maßnahme, um die Bildung von Kindern zu verbessern“, erklärte Arbeitmarktforscher Marcus Tamm vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung in seinem Vortrag.

Vielversprechender sei es, bei der Motivation der Sprösslinge anzusetzen. Indem man etwa Schüler bei der Nachhilfe oder Eltern bei der Erziehung unterstützt. Stichwort: Sach- statt Geldleistungen.

Tamm gelangte zu dieser Erkenntnis, indem er analysierte, wie stark das Haushaltseinkommen die Wahl der Eltern beeinflusst, ob ihr Nachwuchs lieber die Haupt- oder Realschule oder doch ein Gymnasium besuchen soll. Hierfür stützte sich der Wissenschaftler auf Mikro-Daten des sozio-oekonomischen Panels vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Die Intuition war klar: Vergleiche zeigen, dass es Kinder aus ärmeren Schichten seltener aufs Gymnasium schaffen. Wenn es also einen kausalen Zusammenhang gäbe, so müsste doch eine Erhöhung des Einkommens dazu führen, dass Kinder eher in Gymnasien die Schulbank drücken. Mehr Geld, mehr Bildung.

So einfach ist es aber nicht, erkannte Tamm. Im Jahr 1996 wurde nach einem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts das Kindergeld erhöht, was die Einkommen der Familien verbesserte. Für das erste Kind etwa erhielten Eltern nun 200 statt 70 Mark. Doch gerade bei armen Haushalten half das überhaupt nichts: Selbst über einen längeren Zeitraum betrachtet gelangten nicht mehr Kinder auf Gymnasien als vorher.

Von Harry Pannenbecker

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