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Mehr Jobs dank Quote

11. Oktober 2007

Behinderte Menschen haben es schwer auf dem Arbeitsmarkt. Doch finanzielle Anreize für Unternehmen können helfen, sie besser ins Berufsleben zu integrieren, erklärt Jean-Philippe Wüllrich von der Uni Zürich in seinem Vortrag.

Nach einer Studie sind 14 Prozent der OECD-Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter behindert, ein Drittel davon schwer. Im Vergleich zu Nicht-Behinderten haben sie es wesentlich schwerer, eine Stelle zu finden und zugleich ein doppelt so hohes Risiko entlassen zu werden.

Grund genug für jedes dritte  Land der Industrieländerorganisation OECD, darunter auch Deutschland, sogenannte Quoten einzuführen. Sie schreiben Unternehmen vor, wie hoch der Anteil an behinderten Beschäftigten sein muss. Im Staate Österreich, auf den Wüllrich und seine Kollegen ihre Untersuchung konzentrieren, liegt die Quote bei vier Prozent. Wer sich dort nicht an die Vorgabe hält, muss zahlen, rund 200 € pro Monat und jeden nicht eingestellten Behinderten.

Unternehmen könnten versucht sein, die Gesamtzahl ihrer Mitarbeiter unter den Grenzwerten von 25, 50 oder 75 zu halten, um das Gesetz zu umgehen und nicht einen weiteren Behinderten einstellen zu müssen. Doch das Ergebnis überrascht: Sie beschäftigen bereitwillig mehr Behinderte. Oder anders ausgedrückt, sie lassen sich bei der Wahl ihrer Unternehmensgröße nicht von der Quote abschrecken.

Der Grund: Firmen, die sich an die Regeln halten, werden mit Geld aus einem Fond belohnt. Die Mittel stammen von Unternehmen, die weniger beschäftigen als vorgeschrieben. Anscheinend bringt die Finanzspritze mehr ein als durch die vermeintlich geringere Produktivität von Behinderten verloren geht. 12 Prozent der Behinderten mit Job verdanken eben diesen der Quote, so Wüllrich und seine Kollegen.

Von Harry Pannenbecker

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