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Neue Studien zur Familien und Einkommensbesteuerung

11. Oktober 2007

Mit Hinblick auf die immer wieder aufkeimende Diskussion um eine notwendige Steuerreform war die Veranstaltung „Familien- und Einkommensbesteuerung“ heute Nachmittag sehr interessant. In der Veranstaltung ging es um zwei verschiedene Steuerreformen: 1) Die Einführung einer flat tax und 2) einer Reform des Ehegattensplittings.

Clemens Fuest, Andreas  Peichl und Thilo Schäfer erklären, warum sich, trotz steigender Popularität in z.B. den osteuropäischen Ländern, eine flat tax in Westeuropa vermutlich nicht durchsetzen wird. Die Autoren benutzen eine Mikrosimulation um die Wirkung von mehreren Reformvorschlägen auf Effizienz und Einkommensungleichheit zu messen und die Verteilungs- und Beschäftigungseffekte der einzelnen Vorschläge darzustellen.
Die Untersuchung zeigt, dass zwar die Polarisierung der Einkommen abnehmen würde, d.h. dass sich die Mittelklasse vergrößern wird, und es weniger Haushalte im oberen Teil der Einkommensverteilung geben wird. Diese Haushalte werden jedoch über mehr Einkommen verfügen. Laut der Studie wird somit die Einführung der flat tax die Einkommensungleichheit verstärken. Die Reform wäre also in Deutschland nicht durchsetzbar, da die Mehrheit der Steuerzahler schlechter gestellt wird. Es sei denn, man nimmt einen Verlust im Steueraufkommen hin. Dieser würde auch zu positiven Beschäftigungseffekten führen.
Mit Hilfe desselben Datensatzes wie im 1. Vortrag untersuchen Christian Bergs, Clemens Fuest, Andreas Peichl und Thilo Schaefer welche Art der Besteuerung eines Haushaltes das bisherige Ehegattensplitting verbessern könnte. Sie unterscheiden zwischen mehreren Varianten, die die Kinder in der Haushaltsbesteuerung unterschiedlich gewichten. Diese Steuervarianten lassen sich in Tarifsplittingmodelle und Realsplittingmodelle aufteilen. (Bei Realsplittingmodellen wird eine Unterhaltszahlung definiert, die auf den Partner bei der Besteuerung übertragen werden kann. Dies entspricht im Endeffekt einer Erweiterung der Individualbesteuerung).
Die Autoren kommen zu der Schlussfolgerung dass der Übergang zum Familientarifsplitting hauptsächlich den Familien der oberen Einkommensklassen zu Gute kommen würde, jedoch deutliche Steuerverluste zur Folge hätte. Des Weiteren darf dies nicht als Mittel gesehen werden, die Beschäftigung zu steigern.
Realsplittingmodelle dagegen zeigen einen stärkeren (positiven) Einfluss auf das Arbeitsangebot, insbesondere von Frauen. Bei dieser Art der Besteuerung kann die Einkommensungleichheit leicht reduziert werden. Des Weiteren wird das Familienrealsplitting je nach Ausgestaltung eine Erhöhung des Steueraufkommens mit sich  bringen.
Viktor Steiner und Katharina Wrohlich kommen in ihrer Analyse zu einem ähnlichen Ergebnis. Sie unterscheiden drei Fälle, die sich in der Gewichtung der Kinder unterscheiden. 
Obwohl sich die Verteilungs- und Arbeitsangebotseffekte je nach Reform signifikant unterscheiden, haben sie eines gemeinsam: Alle drei Fälle zeigen dass hauptsächlich die oberen Einkommensklassen profitieren, und sich so die Einkommensverteilung der Haushalte nachteilig entwickeln würde. Des Weiteren werden auch in diesem Arbeitspapier nur geringe Arbeitsangebotseffekte gemessen, dafür große fiskalische Auswirkungen.

 

Von Laura Krische

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