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Bildung für Geringqualifizierte

12. Oktober 2007

Die Autoren der ersten Präsentation am Freitag Morgen befassten sich mit einem Arbeitsmarktproblem, das unter anderem in Deutschland sehr prominent ist: der Arbeitslosigkeit von Geringqualifizierten.

Laut der neuesten OECD Studie „Bildung auf einen Blick“ hat sich zwischen 1991 und 2005 die Arbeitslosenquote für Geringqualifizierte von 7,4% auf 20,2% erhöht. Da besonders für diese Gruppe der wenig qualifizierten Arbeitslosen eine relativ geringe Nachfrage besteht, wird versucht, die Arbeitslosigkeit von Geringqualifizierten durch gezielte Maßnahmen zu erhöhen. Die Studie von Frank Oskamp und Dennis J. Snower untersucht die Effektivität von zwei beschäftigungspolitischen Maßnahmen: Beschäftigungsgutscheine und Trainingssubventionen.
Beschäftigungsgutscheine werden an Unternehmen gezahlt, die Personen nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung einstellen. Trainingssubventionen dagegen zielen eher auf eine langfristige Verbesserung der Arbeitsmarktchancen ab.
Eine interessante Frage, die sich in diesem Zusammenhang ergibt ist, ob es Komplementaritäten zwischen Trainingssubventionen und Beschäftigungsgutscheinen gibt. Durch Einstellungsgutscheine erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, nach der Ausbildung einen Arbeitsplatz zu erhalten. Dadurch wird die Effektivität der Weiterbildungsmaßnahmen verstärkt. Die Interaktion zwischen den Reformen, die sich durch die Komplementaritäten ergibt, hat weitreichende politische Auswirkungen. Sie impliziert, dass eine Implementierung der Reformen zusammen erfolgen sollte, um die maximale Wirkung zu erzielen. Entscheidend ist allerdings die Art und Weise der Finanzierung.
Auch im nächsten Vortrag ging es im weitesten Sinne um Weiterbildung und ihre Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit. Christian Merkl und Dennis J. Snower beschäftigten sich mit der Frage, warum die signifikanten Unterschiede in der ost- und westdeutschen Arbeitslosigkeit bestehen bleiben, obwohl die Arbeitskosten relativ zur Produktivität gefallen sind.
Die beiden Autoren erklären dieses Phänomen mit der sogenannten  Produktivitätsfalle. Je länger die Periode der Arbeitslosigkeit andauert, desto mehr Produktivität, bzw. Fähigkeiten gehen den Arbeitnehmern verloren. (Gleichzeitig führte die Weiternutzung von unproduktiven Produktionsstätten in den ersten Jahren nach der Wende, dazu dass auch Arbeitnehmer nicht auf dem neuesten Technologie-Wissensstand waren.) Der Verlust von Produktivität vermindert die Chancen der Langzeitarbeitslosen neue, produktive Arbeit aufzunehmen.
Die Autoren vergleichen drei Beschäftigungsmaßnahmen die dazu beitragen sollen, die langjährigen Unterschiede in der Arbeitslosigkeit zu mindern. Es zeigt sich, dass die Wirkung der einzelnen Maßnahmen, von der obenbeschriebenen Produktivitätsfalle abhängt.
Sie kommen zu dem Ergebnis, dass durch die Produktivitätsfalle selbst eine große Senkung des Lohnes im benachteiligten Sektor /oder in benachteiligten Region nicht ausreichend ist um die Arbeitslosigkeit wesentlich zu reduzieren. Dagegen erhöhen sowohl temporäre Einstellungssubventionen für Langzeitarbeitslose als auch Weiterbildungsmaßnahmen die Beschäftigungsrate, da durch beide Maßnahmen die Produktivität der Arbeitnehmer erhöht wird. Die Weiterbildungsmaßnahmen haben jedoch den „politischen“ Nachteil, dass es länger dauert bis sich der erwünschte positive Effekt auf die Beschäftigungsrate einstellt.

Die aktuelle Version des ersten papers erhalten Sie auf Anfrage hier. 
Bei näherem Interesse für eine ausführliche Version des zweiten papers.

Von Laura Krische

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