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Ostdeutschland in der Falle

12. Oktober 2007

Fast jeder Ökonom weiß, dass die Löhne in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung zu schnell gestiegen sind und hohe Arbeitslosigkeit verursacht haben. Doch mehr als 17 Jahre später will die Kluft zum Westen einfach nicht schrumpfen, obwohl Arbeitnehmer gemessen an der höheren Produktivität weniger verdienen. Wie die Politik helfen könnte, erklärte Dennis Snower in seinem Vortrag.

Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft geht davon aus, dass im Jahr 2004 mehr als 17 Prozent der Vollzeitbeschäftigten in Ostdeutschland weniger als 7,36 € pro Stunde verdienten. Dem nicht genug, werden Arbeitnehmer in dieser Gruppe auch noch häufiger gefeuert und seltener wieder eingestellt.

Für Snower und seinen Kollegen Christian Merkl verharrt der Osten in einer Falle. Denn wer lange ohne Job bleibt, verliert seine Arbeitskraft, wird dadurch zunehmend unattraktiv für Unternehmer. „Non learning by not doing“ nennt Snower das. Noch niedrigere Löhne in diesem Risikosektor würden das Problem alleine nicht lösen, sondern die soziale Ungleichheit verschärfen.

Stattdessen könnten Politiker Unternehmen durch Lohnzuschüsse dazu motivieren, unproduktivere Arbeitnehmer einzustellen. Jedoch nur für die gefährdete Gruppe, denn ausgeweitet auf den gesamten Arbeitsmarkt wären die Kosten für die Regierung neunmal höher und damit zu teuer.

Bleiben die Qualifikationsmaßnahmen, die Wissen und Fähigkeiten der Arbeitnehmer trainieren, sie wieder fit machen für den ersten Arbeitsmarkt. Geduld ist gefragt, denn Snower zufolge kann es viele Jahre dauern, bis die Maßnahmen ihre volle Wirkung für alle Betroffenen entfalten.

 

Von Harry Pannenbecker

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