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Elefantenrunde gegen Arbeitslosigkeit

13. Oktober 2007

Über ein Großereignis der Jahrestagung muss an dieser Stelle unbedingt noch berichtet werden: das Treffen der hochkarätigen Arbeitsmarktexperten Sinn, Snower und Zimmermann, so eine Art Elefantenrunde zum Abbau der Erwerbslosigkeit. Um eins vorwegzunehmen: Richtig abgebaut war die Arbeitslosigkeit danach nicht.

An der Prominenz kann das nicht gelegen haben. Da saßen am Donnerstag immerhin die Präsidenten drei führender Forschungsinstitute: die Herren Sinn (Ifo), Zimmermann (DIW) und Snower (IfW), dazu der weniger bekannte Magdeburger Professor Thomsen. Eher vielleicht daran, dass die Gurus sich irgendwie auch nicht so richtig einig schienen, um es vorsichtig auszudrücken. Da klärt uns der eine (Sinn) eindrucksvoll nachdrücklich darüber auf, dass wir endlich die aktivierende Sozialhilfe einführen und Hartz IV um ein Drittel senken sollen. Das fand der andere (Zimmermann) ziemlichen Unsinn, zumal: „Kombilöhne bringen doch nichts“.

Es reiche völlig, jedem Arbeitslosen, der Unterstützung haben will, aufzuerlegen, dass er dafür gefälligst arbeiten geht, und zwar ganztags, damit er keine Zeit hat, noch schwarz zu arbeiten. Was Ökonomen offenbar Workfare nennen und der Dritte (Snower) wiederum für ziemlich wirkungslos hält: „Ich komme aus zwei Ländern, in denen sich gezeigt hat, wie zweifelhaft Workfare ist.“ In Großbritannien habe der Druck nur dazu geführt, dass die Leute sich „reihenweise vom Arzt haben krank erklären lassen und in die Erwerbsunfähigkeit verschiedeten“. So viel zum Vorschlag vom geschätzten Kollegen Zimmermann. Vom Vorschlag Snowers, dass alle eine Art private Versicherung gegen Arbeitslosigkeit bekommen sollen, hält wiederum der Kollege nicht wirklich viel (wenn die Herren übrigens sehr nett wirken wollen, neigen sie auch schon mal zum Angelsächsischen, und aus dem Kollegen wird dann der Hans-Werner, der Klaus oder der Dennis).

Was Kollegen Sinn irgendwann leicht ungehalten werden ließ: Er verstehe nicht, dass das, was er gerade gesagt habe, hier nicht verstanden werde: „So was muss ich in Talkshows erklären, aber doch hier nicht.“ Was damit auch festgehalten wäre.

Das Kurioseste an all dem war allerdings, dass sich die Elefanten beim Schlusswort in einem plötzlich unverhofft einig waren: dass die Politiker ja doch nicht auf „uns“ hörten, so als habe man sich nicht gerade eineinhalb Stunden gegenseitig die Richtigkeit der eigenen Ideen abgesprochen. Könnte nämlich sein, dass die Politiker sehr wohl zuhören oder es versuchen (warum sollten sie es nicht toll finden, die Arbeitslosigkeit abzubauen?), gerade deshalb aber so große Schwierigkeiten haben, das Richtige zu tun.

Kleiner Nachklapp: in eineinhalb Stunden kam kein einziges Mal vor, dass die Arbeitslosigkeit in Deutschland in den vergangenen gut zwei Jahren bereits um fast eineinhalb Millionen gesunken ist. Ökonomische Theorien sind halt zeitlos schön und müssen sich nicht immer an der schnöden Realität messen. Mal sehen, ob die Herren sich immer noch so schön über ihre Modelle reden, wenn in zwei Jahren die Arbeitslosigkeit bei fünf Prozent und damit immer näher an der Vollbeschäftigung liegt, wie es einigermaßen optimistische, aber nicht unrealistische Konjunkturprognosen nahe legen.

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