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Oktober-Konjunkturumfrage I – Schattenräte warnen EZB vor Zinserhöhungen

28. Oktober 2007

Trotz der jüngsten Inflationssorgen warnen die Topleute unter Deutschlands Konjunkturchefs und Chefvolkswirten davor, die Zinsen in der Euro-Zone wieder anzuheben. Fast 80 Prozent der Experten aus dem Konjunkturschattenrat des WirtschaftsWunders gaben in der Oktober-Umfrage an, dass die EZB in jedem Fall auf weitere Zinserhöhungen verzichten solle.

Das Votum hat es in sich. In Deutschland herrscht Preispanik. Selbst der Bundesbank-Präsident macht mit und munkelt schon, die Inflation könnte bald bei drei Prozent liegen – um trotz aller Konjunkturturbulenzen offenbar auf weitere Zinserhöhungen vorzubereiten. Ein Rückschluss, den eine enorm gestiegene Mehrwert der Topexperten im WirtschaftsWunder-Schattenrat nicht nachvollziehen kann.

Im September hatten lediglich 29 Prozent der Befragten angegeben, dass die EZB auf Zinserhöhungen in jedem Fall verzichten sollte; jetzt sind es 79 Prozent. Damals stimmten dieser Aussage allerdings 57 Prozent schon für den Fall zu, dass „sich die Märkte in den nächsten Wochen nicht beruhigen“. Nun haben sich die Märkte zwar einigermaßen beruhigt, dafür sind aber die Konjunktursorgen insgesamt größer geworden – auch wegen der gestiegenen Inflation. Nach Einschätzung von Holger Schmieding, Europa-Chefvolkswirt der Bank of America, sollte die EZB solange warten, „bis sich die Lage an den Finanzmärkten endgültig beruhigt hat und die Wirtschaft die kurzzeitige Wachstumspause überwunden hat“. Das werde sich „bis weit ins Jahr 2008“ hineinziehen.

Lediglich Joachim Scheide, Konjunkturchef am Institut für Weltwirtschaft, reagiert darauf mit der Neueinschätzung, dass die EZB doch nicht auf Zinserhöhungen verzichten sollte.

Keiner der Experten zieht aus der derzeitigen Gemengelage schon den Schluss, dass die EZB ihre Zinsen als nächstes auf jeden Fall wieder senken sollte. Allerdings weist WestLB-Chefvolkswirt Holger Fahrinkrug darauf hin, dass sich dies bald ändern könnte: „Sollte der Euro weiter aufwerten und sich der Dollar 2008 nicht, wie wir erwarten, wieder leicht erholen“, könne es sein, dass die EZB ihre Zinsen senken muss.

Die FTD hat die 19 Experten des WirtschaftsWunder-Schattenrats im Zeitraum vom 23. bis 26. Oktober befragt. Geantwortet haben diesmal 14 Experten. In dem Rat sind die führenden Konjunkturchefs und Chefvolkswirte deutscher Banken und Forschungsinstitute vertreten.

Weitere Ergebnisse aus der Umfrage lesen Sie später hier und in der FTD-Printausgabe von Montag.

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