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… die Binnenwirtschaft

14. November 2007

Die Binnenwirtschaft müsse das Ruder übernehmen, hört man jetzt öfter. Bislang habe das Exportwachstum die deutsche Wirtschaft am Laufen gehalten. Mit dem starken Euro und der US-Schwäche dürfte sich das bald ändern.

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Wenn man einen Volkswagen kauft, tue man was für die Binnenwirtschaft, heißt es. Bei einem Nissan sei das anders. Das Geld bleibt quasi erst mal im Land, auch wenn ein Großteil der Einzelteile importiert werden. Immerhin findet ein größerer Teil der Wertschöpfung im Inland statt. Das stärkt tendenziell dann auch die Binnen-Nachfrage. Wie stark, versucht man mit dem so genannten „Multiplikatoreffekt“ auszudrücken. Wenn Gewerkschaften höhere Löhne fordern, begründen sie das auch immer mit der Binnenwirtschaft, die gestärkt werden müsse.
Im Lexikon steht zum Begriff Binnenwirtschaft nichts, statt dessen gibt es den europäischen Binnenmarkt und den Binnenhandel. Damit ist der Handel innerhalb der nationalen Grenzen gemeint, im Gegensatz zum Außenhandel.

Binnenwirtschaft meint im Grunde den Teil der Wirtschaftsleistung, der nicht von der  Außenwirtschaft bestimmt wird. Wenn es also ums Wirtschaftswachstum geht, unterscheidet man zwischen dem Export bzw. dem Außenbeitrag und dem Teil der Inlands-Produktion, der auch im Inland verkauft wird: also der Inlandskonsum, aber auch die im Inland benötigten Vorleistungen und Investitionsgüter. In der Praxis sind damit meist der Konsum (ohnehin weit über der Hälfte des Bruttoinlandsprodukt), und die Investitionen gemeint. Neben den Ausrüstungsinvestitionen wird oft noch die Bauwirtschaft, insbesondere der Wohnungsbau genannt.

Sagen Sie beim nächsten Empfang im Beisein von Volkswirten besser nicht, die Binnenwirtschaft  müsse gestärkt werden. Die halten Sie sonst noch für einen Gewerkschaftler.

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