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AusSicht des Kapitals – Die Weichwährungsländer punkten

20. November 2007

Eine kräftige Aufwertung des Renminbi, auf die inzwischen einige Kapitalmarktteilnehmer spekulieren, könnte den Euro entlasten, wäre aber mit erheblichen Unwägbarkeiten verbunden.

Der Dollar ist das beherrschende Thema. Aber im Prinzip hat es die europäische Wirtschaft mit drei Weichwährungen zu tun: der US-Währung, dem Renminbi, der immer noch eng an den Dollar gebunden ist, sowie dem Yen, der im neuen Jahrtausend auf realer handelsgewichteter Basis bisher rund ein Drittel eingebüßt hat. Und die heftigen Währungsverschiebungen zeigen inzwischen Wirkung.

Das monatliche US-Außenhandelsdefizit mit Waren und Diensten ist seit dem Sommer 2006 mittlerweile um rund 11 Mrd. $ gesunken; das reale Güterdefizit ist seither um 13 Prozent zurückgegangen. Der ohnehin hohe Leistungsbilanzüberschuss Japans hat über die vergangenen sechs Monate nominal im Durchschnitt um 36 Prozent zugenommen. Und China hat für den Oktober mit 27 Mrd. $ den höchsten je gemessenen Warenexportüberschuss vermeldet. Derweil rühren die „Fortschritte“ der USA und Japans aber nicht nur aus Exporterfolgen, sondern vor allem auch aus einer schwachen Inlandsnachfrage. Die Frühindikatoren Japans muten noch düsterer an als jene der USA. Und zusammen sind die USA und Japan selbst nach den IWF-Kaufkraftparitäten noch um drei Fünftel größer als China, in Dollar gerechnet um 460 Prozent.

Hinzu kommt, dass die Handelsbilanzen sich nicht in allen Ländern der Erde gleichzeitig verbessern können. Und wiewohl von den nominalen Zahlen nicht unmittelbar auf die reale Entwicklung geschlossen werden kann: Die deutschen Industrieaufträge aus Ländern außerhalb der EWU stagnieren real seit rund einem halben Jahr, den Ausreißer vom August 2006 mitgerechnet seit gut einem Jahr.

Lösungshindernisse

Der Haken ist nun, dass die Inlandsnachfrage in Europa ebenfalls wackelig scheint, derweil zumindest gegen die Dollar-Abwertung kaum etwas auszurichten ist. Die Fed hat ja seelenruhig zugesehen, wie die Rendite von zweijährigen US-Staatsanleihen auf 3,4 Prozent gerutscht ist, wobei die Inflationsrate demnächst in Richtung vier Prozent gehen dürfte; die US-Geldmenge Money of Zero Maturity (MZM) ist über die vergangenen zwölf Wochen mit einer Jahresrate von 25 Prozent gewachsen. Bei einer derartig laxen Geldpolitik versprechen selbst Devisenmarktinterventionen höchstens kurzfristigen Erfolg, besonders wenn sie unkoordiniert erfolgen. Auch die Forderung einer noch laxeren Geldpolitik der EZB, um den Euro-Anstieg zu bremsen, dürfte sich angesichts der eigenen Inflationssorgen in Europa wohl von selbst verbieten. Kapitalverkehrskontrollen wie in Kolumbien oder Indien sind schlicht undenkbar.

Bleibt die Hoffnung auf eine Aufwertung des Yen und des Renminbi. Was den Yen betrifft, so ist dieser zwar massiv unterbewertet. Eine Aufwertung würde allerdings die Bekämpfung der japanischen Deflation noch erschweren. Gleichzeitig bestünde die Gefahr einer panikartigen Auflösung Yen-finanzierter Wertpapierkredite, was die Finanzmärkte rund um die Welt erschüttern könnte, die ohnedies unter der Kreditkrise leiden. Eine kräftige Renminbi-Aufwertung hingegen könnte zwar den Inflationsdruck in China mildern und auch den Euro entlasten. Nur könnte das die Inflationsrisiken in den USA noch erhöhen – und dort steigende Realzinsen zeitigen. Das aber ist das Letzte, was die US-Verbraucher im Allgemeinen und die bedrängten US-Häuslebauer im Besonderen gebrauchen können. Und mit einer US-Konsumrezession wäre auch den Chinesen nicht geholfen. Im Prinzip mag eine starke Renminbi-Aufwertung dennoch der richtige Weg bleiben. Aber es könnte ein holpriger mit vielen Unwägbarkeiten werden.

 

Von Jörg Berens

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