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… das Weihnachtsgeschäft

27. Dezember 2007

Shoppen für’s Bruttosozialprodukt: In den Tagen vor Weihnachten waren die Geschäfte voll. Unterm Weihnachtsbaum landeten auch dieses Jahr  wieder Milliarden. Summen, die volkswirtschaftlich relevant sind.

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In den Wochen vor Weihnachten kaufen die Menschen in Europa und den USA besonders viel ein, um Familie, Freunde, Geschäftspartner und Postboten nicht zu enttäuschen. Vor allem Spielzeuge und teurer Schmuck gehen vor Weihnachten gut weg. Die Berge unterm Weihnachtsbaum beflügeln den Konsum und damit das Wirtschaftswachstum. Immerhin macht der private Konsum – je nach Land – die Hälfte bis zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts aus. Wie viel davon sind echte Weihnachtseinkäufe?

Statistisch lassen sich Geschenke nicht von „normalen“ Einkäufen trennen. Die US-Statistikbehörde erfasst in einer Kategorie "GAFO" große Warenhäuser, in denen typische Geschenke verkauft werden. Dazu zählen zum Beispiel Möbel, Elektronik, Bekleidung, Sportartikel, Bücher, Musik, sowie explizite Geschenkartikel. Auf diese Kategorie entfallen etwa ein Viertel aller Einzelhandelsumsätze. Für die Einzelhändler dieser Kategorie ist das Weihnachtsgeschäft traditionell von großer Bedeutung. Sie verbuchen knapp ein Viertel des gesamten Jahresumsatzes im November und Dezember. Besonders im Dezember wird in den USA regelmäßig etwa doppelt so viel verkauft wie im Schnitt. Zwischen Oktober und Dezember heuern die US-Händler vorübergehend mehr  als 600.000 zusätzliche Mitarbeiter an und machen in diesem Quartal etwa ein Drittel ihrer Gewinne.

Die Bedeutung für die US-Wirtschaft insgesamt ist bemerkenswert: Die Umsätze im November und Dezember lagen zuletzt bei knapp 22 Prozent des Jahres. Zum Vergleich: 16,7 Prozent sind der Zwei-Monats-Schnitt, sozusagen die normalen Verkäufe. Die vom US-Einzelhandelsverband grob geschätzten 475 Mrd. $ Weihnachtseinkäufe machen 4,5 Prozent der jährlichen Konsumausgaben, oder 3,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Würden sie wegfallen, wäre das eine heftige Rezession. 

In Deutschland ist die Bedeutung geringer. Der Anteil des Konsums an der Wirtschaftsleistung ist niedriger und die Umsätze im November und Dezember liegen hierzulande lediglich bei knapp 20 Prozent, also nur gut zwei Prozentpunkte über dem Zweimonatsschnitt. In den üblichen saisonbereinigten Zahlen sind die Weihnachtsverkäufe ohnehin nicht zu sehen. Sie sind quasi statistisch über das Jahr verteilt.

Wenn Ihnen beim nächsten Weihnachtsempfang ein Volkswirt von seinem Weihnachtseinkaufs-Beitrag fürs Wirtschaftswachstum erzählt, antworten Sie ihm, Sie interessierten sich ohnehin nur für saisonbereinigte Zahlen. Da gebe es gar kein Weihnachtsgeschäft.

 

 

 

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