Startseite > Chefökonom > … Fairness

… Fairness

3. Januar 2008

Schon die allgemeine Lebenserfahrung zeigt, dass man mit strengem Eigennutz nicht sehr weit kommt. Mit einem Egoisten will nur ungern jemand befreundet sein oder zusammenarbeiten. Auch unter Ökonomen setzt sich die Einsicht durch: Faires Handeln zahlt sich aus.

 
*

Doch was ist eigentlich „fair“? Im gängigen Sprachgebrauch ist damit meist gerechtes, anständiges und ehrliches Verhalten gemeint. Sportler verstehen darunter, sich an die Regeln zu halten, den Gegner als Partner zu respektieren. Solche Ideen spiegeln sich auch in der Wirtschaft wider.

Nur noch 15 Prozent der Bevölkerung finden die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland gerecht, fand jüngst die Bertelsmann-Stiftung heraus. Fairness hat für viele Menschen auch damit zu tun, wie Wohlstand verteilt wird.

Wirtschaftsforscher haben herausgefunden: Eine Welt, in der man selbst beispielsweise ein Gehalt von 200.000 Euro erhält, alle anderen jedoch doppelt so viel, wird danach als unfair empfunden Viele Menschen würden eine Situation vorziehen, wo jeder nur 100.000 Euro ausgeben kann.

Auf der anderen Seite zeigen Tests, dass Befragte sogar einen Teil ihres Einkommens abgeben würden, wenn sie mehr als alle anderen verdienten. Mit dem nutzenmaximierenden Modelltyp „homo oeconomicus“, der bislang die Wirtschaftslehrbücher bevölkert, sind solche Ergebnisse schwer vereinbar.

Offensichtlich zählen in Wirklichkeit noch andere Werte als materieller Erfolg. Das zeigt auch das sogenannte Diktator-Spiel aus der Spieltheorie, einer wirtschaftswissenschaftlichen Disziplin. Darin erhält Spieler A einen bestimmten Betrag, zum Beispiel 100 Euro, den er sich mit Spieler B teilen soll. Ein klassischer Ökonom müsste annehmen, dass A nur den kleinstmöglichen Anteil abdrückt.

Experimente zufolge geben die meisten Teilnehmer aber deutlich mehr als einen Euro, einige sogar 50 Euro. Eine mögliche Erklärung lautet, dass Menschen durch Großzügigkeit in ihr Ansehen investieren. Wer will schon als Raffzahn dastehen? Als einer, der nicht kooperiert? Ein guter Ruf kann sich auszahlen.Schließlich trifft man sich immer zweimal im Leben.

Sagen Sie in der nächsten Diskussion zum Thema Fairness doch einfach, anständiges Verhalten sei nicht nur menschlich sympathisch, sondern oft auch ökonomisch klug. 


Advertisements
%d Bloggern gefällt das: