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… Gold

17. Januar 2008

Der Goldpreis jagt von einem Allzeithoch zum nächsten. Traditionell versprechen sich Anleger vom Edelmetall einen sicheren Hafen in turbulenten Zeiten. Warum Gold so einen guten Ruf hat und es Notenbanken tonnenweise in ihren Tresoren lagern.

US-Hypothekenkrise, schwacher Dollar, Rezessionsängste und stark steigende Rohstoffpreise – die Finanzmärkte sind nervös ins neue Jahr gestartet. Glanzvoll hingegen lesen sich die Charts für den Goldpreis. Der Rekordpreis von 850 Dollar je Feinunze aus dem Jahr 1980 wurde am 8. Januar übertroffen. Am Dienstag notierte die Feinunze, also 31,1 Gramm, bei dem bisherigen Höchststand von 913 Dollar. Selbst die 1000-Dollar-Marke rückt damit in greifbare Nähe. Auch in Euro hat Gold ein Rekordhoch von über 600 Euro erreicht.

Eine ins Wanken geratene Wirtschaft kann Gold nichts anhaben. Im Gegenteil. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Edelmetallen wird der Bodenschatz industriell kaum eingesetzt, sondern größtenteils zu Schmuck verarbeitet, wobei besonders die Nachfrage in den Boom-Regionen Asiens wie Indien und China rasant wächst. Gold ist wertbeständig und gilt daher als stabiles Investment, gerade in unsicheren Zeiten. Verglichen mit vergangenen Tagen hat Gold jedoch an Glanz verloren. Für die Weltwirtschaft spielt es nur noch eine Nebenrolle.

Im späten 19. Jahrhundert war das ganz anders: Damals einigten sich die Handelsnationen auf den sogenannten Goldstandard. Jede Währung wurde im direkten Verhältnis zum Goldpreis ausgedrückt. So erhielt man für einen US-Dollar etwa 1,5 Gramm Gold. So bildeten sich die Wechselkurse am Markt automatisch. Zusätzlich sorgten die Zentralbanken für Vertrauen in eine solide Währungspolitik, indem der Banknotenumlauf stets durch Goldvorräte gedeckt war. Das sollte eine Geldentwertung verhindern.

Im internationalen Währungssystem von Bretton-Woods hingegen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch der US-Dollar als Ankerwährung ans Gold gekoppelt. Eine Feinunze kostete 35 Dollar. Die übrigen Länder bestimmten ihren Paritätskurs in Dollar. Die Wechselkurse waren damit fest, aber fallweise anpassbar.

Wachsende Leistungsbilanzdefizite und die expansive Geldpolitik der USA führten jedoch dazu, dass Zentralbanken zusehends Dollar in Gold tauschten. Mit den Goldreserven schwand das Vertrauen in die Grundfesten des Systems von Bretton-Woods. 1973 brach es zusammen. Seither sind nationale Währungen reine Papierwährungen. Ihre Stabilität beruht nicht auf äußeren Bindungen, sondern auf geld- und wirtschaftspolitischen Entscheidungen.

Als Relikte vergangener Tage lagern in den Tresoren der Notenbanken noch immer 30.000 Tonnen Gold. Mit über 8.100 Tonnen beherbergen die USA den größten Schatz. Die Bundesbank in Frankfurt hortet rund 3.400 Tonnen. Wenn überhaupt, werden die Goldreserven nur spärlich verkauft, um den Goldpreis nicht unnötig unter Druck zu setzen und damit die eigenen Bestände zu entwerten.

Sagen Sie beim nächsten Treffen mit Ökonomen doch einfach, Gold sei an den Finanzmärkten zwar derzeit ein Star, spiele aber für die Weltwirtschaft nur noch eine Nebenrolle.

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