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… einen Stimulus

23. Januar 2008

Das Wort taucht eigentlich nur in Krisenzeiten auf. Bricht die Wirtschaft ein, dann gilt die Diagnose: es mangelt an aggregierter Nachfrage. Dagegen hilft ein so genannter Stimulus.

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Der anglo-lateinische Begriff stimulus bedeutet so etwas wie Reiz, Anregung oder Antrieb. In der Wirtschaftswelt ist damit jedoch nicht gemeint, die Faulenzer zum Arbeiten zu bringen.

Vielmehr geht es darum, was eine Regierung tun kann gegen einen Einbruch der Wirtschaftsleistung. Um die nicht genutzten Ressourcen der Volkswirtschaft zu nutzen, braucht es in einer solchen Situation zusätzliche Nachfrage, sie ist in einer solchen Situation also der begrenzende Faktor.

Wie kann eine Regierung diese schaffen?  Die Notenbank kann die Zinsen senken. Außerdem erhöhen sich automatisch einige staatliche Ausgaben, etwa die Arbeitslosenhilfe.

Die Regierung kann aber auch zu einer extra dafür beschlossenen („diskretionären“) Aktion greifen, um die Nachfrage zu stützen: durch einen (fiskalpolitischen) Stimulus:

  • Entweder direkt durch Staatsausgaben, also Käufe von Gütern
  • Indirekt durch die Steigerung des Nettoeinkommens der Haushalte, zum Beispiel durch höhere Transferszahlungen oder Steuersenkungen
  • Auch die Investitionen  können angeschoben werden, indem ihre Rentabilität gesteigert wird.

Im Idealfall ist die zusätzlich geschaffene Nachfrage weit höher als die Summe, die zunächst bereit gestellt wurde. Man spricht von einem so genannten Multiplikatoreffekt, der umso höher ist, je weniger die Menschen von zusätzlichem Einkommen sparen.

Entscheidend ist, dass diese Politik kurzfristig wirken soll. In den 70er Jahren kam sie oft zu spät, 2001 in den USA aber ziemlich genau zum richtigen Zeitpunkt. Mit langfristiger Wachstumspolitik, die die Produktivität der Ressourcen über technischen Fortschritt oder einen Zuwachs des Kapitalstocks steigern soll, hat das nichts zu tun –  beide Politik-Programme können sich sogar teilweise wiedersprechen. Dann kommt es darauf an, was der Regierung kurzfristig wichtiger ist.

 
Wenn Sie wieder mal Ökonomen hören, die sich beklagen, ein fiskalpolitischer Stimulus wirke ja nur kurzfristig, dann sagen Sie: ja, genau!

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