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… Börsencrashs

30. Januar 2008

Durch Panikverkäufe wurden allein im deutschen Leitindex Dax am 21. Januar binnen Stunden 63 Mrd. Euro Kapital vernichtet. Doch ein Rückblick in die Geschichte zeigt: Finanzmärkte haben schon schlimmere Börsencrashs erlebt.

 

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Der Schock sitzt tief: Über sieben Prozent verlor der Dax an einem einzigen Tag. Zum Handelsende stand der Leitindex bei nur noch 6790 Zählern. So steil war er seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 nicht mehr abgestürzt, als er 8,5 Prozent verlor.

Meist lösen negative Meldungen Kursverluste aus. Besonders wenn die Stimmung an den Finanzmärkten ohnehin angespannt ist, kann es zu einem Börsencrash kommen: Die Aktienwerte brechen dann innerhalb weniger Tage extrem ein.

Diesmal bereitet eine drohende Wirtschaftskrise in den USA große Sorgen. US-Präsident George W. Bush will die Wirtschaft zwar mit fast 150 Milliarden Dollar stützen. Doch viele Experten äußerten sich zunächst skeptisch, ob ein solches Anti-Rezessionsprogramm reicht.

Noch ist ungewiss, ob die USA und damit womöglich weitere Volkswirtschaften in eine Rezession abgleiten. Bei Hypothekenkrisen fehlt es einfach an vergleichbaren historischen Erfahrungen. Aber: Nur einmal hatten Börsencrashs in den letzten 20 Jahren ernsthafte Konjunktureinbrüche zur Folge. Das war nach dem Platzen der Internetblase im März 2000, als der Neue Markt wie ein Kartenhaus in sich zusammenfiel.

Der wohl berüchtigtste Börsenkrach liegt schon fast 80 Jahre zurück. Am 24. Oktober 1929 und in den Tagen danach erleidet der amerikanische Dow Jones-Index heftige Verluste. Millionen Kleinanleger hatten in den Monaten zuvor Kredite aufgenommen, um sich Aktien zu kaufen. Auch Unternehmen und Großanleger hatten im Glauben an ewig andauernden Wohlstand viel riskiert. Die Spekulationsblase platzte. Der „Schwarze Donnerstag“ wird zum Auftakt für die verheerende Weltwirtschaftskrise.

Ohne ernsthafte Folgen, aber nicht minder spektakulär stürzten die Kurse am 19. Oktober 1987 in den Keller. Der Dow Jones verlor am „Schwarzen Montag“ satte 22,6 Prozent, soviel wie noch nie an einem Tag, amerikanische Anleger über 500 Mrd. Dollar. Weltweit gingen die Börsen auf Talfahrt. Der Dax büßte 9,6 Prozent ein. Als Ursache für die Hysterie gelten Spekulationen über steigende Zinsen sowie schwache US-Wirtschaftszahlen. Wie heute ging auch damals die Rezessionsangst um. Zu Unrecht. Nach 15 Monaten hatte der Dow Jones seinen alten Stand wieder erreicht.

In den nächsten Jahren brachen die Aktienkurse immer wieder ein, ohne die Realwirtschaft mitzureißen. Im Oktober 1989 trieben Finanzierungs-Probleme bei United American Airlines die Kurse in den Sinkflug. Der Dax verlor 13 Prozent. Knapp zwei Jahre später, am 19. August 1991, unternahmen Reformgegner in der Sowjetunion einen Putschversuch gegen den damaligen Präsidenten Michail Gorbatschow. Der Deutsche Leitindex fiel um gut neun Prozent.

Doch auch regionale Wirtschaftsturbulenzen brachten die Weltbörsen ins Straucheln. In Asien entpuppte sich Ende der neunziger Jahre der Kredit- und Investitionsboom als übertrieben. Nach kräftigen Kurszuwächsen in den Vormonaten drehte die Stimmung. Das Dax-Barometer in Deutschland notierte am 28. Oktober 1997 gut acht Prozent niedriger. Monate später eskalierte die wirtschaftliche Lage in Russland. Der von Boris Jelzin geführte Staat war hoch verschuldet, steckte in einer Zahlungskrise. Anleger zogen sich zurück, der Rubel verlor schließlich über 60 Prozent an Wert. Der Dax rutschte am 21. August 1998 um 5,4 Prozent ins Minus.

Zuletzt vermochte neben den Terroranschlägen in den USA nur der Irak-Krieg ähnliche Kursverluste auslösen. Am 24. März 2003, die Kämpfe hatten vor wenigen Tagen begonnen, fürchteten Anleger, der Krieg könne länger dauern als von den USA erwartet. Der Dax fiel um 6,1 Prozent. Deutschland steckte da ohnehin schon in einer Konjunkturflaute.

„Sagen Sie bei der nächste Debatte über Börsencrashs doch einfach, dass auch ein massiver Kursrutsch noch lange keine Wirtschaftskrise nach sich ziehen muss.“

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