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… Wechselkurse

26. März 2008

Seit Monaten zwingt die Finanzkrise den US-Dollar in die Knie, während der Euro mit atemberaubenden Höhenflügen glänzt. Warum Wechselkurse schwanken und wie sie die Weltwirtschaft beeinflussen.

 
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Die Gemeinschaftswährung scheint derzeit nicht zu bremsen. Erst am 17.März erreichte sie ein neues, bisheriges Rekordhoch: Ein Euro kostete da 1,5908 US-Dollar. Der Wechselkurs ist zunächst der Preis einer Währung ausgedrückt in einer anderen Währung. Doch Kursänderungen sagen viel darüber, wie Marktakteure ganze Volkswirtschaften einschätzen. Die derzeitige Stärke des Euro nämlich ist besonders eine Schwäche des Dollar und damit der US-Konjunktur, die durch die Krise auf dem Immobilienmarkt in Gefahr geraten ist.

Generell schwanken Wechselkurse, wenn sich Angebot und Nachfrage nach den entsprechenden Währungen ändern. Als Marktakteure treten Zentralbanken und internationale Großbanken, Unternehmen und Hedgefonds, aber auch Kleinanleger auf. Sie verkaufen eine Währung, wenn sie Kurs- und damit Wertverluste erwarten, etwa aufgrund einer kränkelnden Konjunktur. Und weniger Nachfrage verbilligt die Währung auf dem Devisenmarkt.

 
Insgesamt ist auch viel Spekulation im Spiel, die sich von realen Warenströmen entkoppeln kann. Sinken außerdem die Leitzinsen, wie zuletzt in den USA, werden Anlagen in der Währung dieses Landes generell unattraktiver. Auch in diesem Fall fällt die Nachfrage, die Währung wertet ab. 

Wechselkursänderungen sind jedoch mehr als ein Spiegel der ökonomischen Lage eines Landes. Sie beeinflussen dessen gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Die aktuelle Dollar-Schwäche könnte der stotternden Konjunktur in den Vereinigten Staaten wieder in einen festen Sattel helfen. Denn eine Abwertung verbilligt amerikanische Güter im Ausland und verbessert dadurch die internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Schon deshalb lohnt sich für Einkaufswütige aus Euro-Ländern zurzeit oftmals ein Shoppingtrip in die USA. Vielen US-Unternehmen kann der schwache Greenback so helfen, mehr Produkte im Ausland zu verkaufen. Ein bedeutsames Gegengewicht für die abflauende Nachfrage im Heimatland. Möglicherweise schafft es die US-Wirtschaft ja auch auf diesem Weg bald aus ihrer Schwächephase heraus.

Doch nicht jeder hat Grund zur Freude. Deutsche Firmen fürchten um ihre Exporte, weil der Euro im Verhältnis zum Dollar so teuer geworden ist. Ein Auto, in Deutschland für 40.000 Euro hergestellt, müsste in den USA für mehr als 60.000 Dollar verkauft werden, um einen ähnlich hohen Gewinn einzufahren. Manchem Unternehmen dürfte der Rekordflug der Gemeinschaftswährung die Bilanz verderben. Da wirkt es wohltuend, dass immerhin die hohen Rohstoffpreise traditionell in Dollar abgerechnet werden.

Sagen Sie bei der nächsten Diskussion über Wechselkurse, dass auch in der Wirtschaft manchmal die Weisheit gilt: Des einen Freud ist des anderen Leid.

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