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Abkoppelung

1. Mai 2008

Optimisten setzen derzeit vor allem auf den Begriff Abkoppelung. Wenn die USA in die Rezession rauschen, hieße das noch nicht, dass andere Länder nachfolgen. Ist da etwas dran?

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Immer wieder gerne gebraucht: Wenn Ökonomen von Ansteckungsgefahren reden, dann hat ein Land einen Schnupfen und ein anders bekommt dann eine Lungenenzündung. Seit Jahrzehnten ist  die Weltwirtschaft von den USA abhängig wie von keinem anderen Land: von ihren Zinsen, von ihrer Produktivität, von ihrer Nachfrage.

All zu oft wiederholte sich das gleiche Spiel: Fiel die Nachfrage in den USA aus, kam der Konjunkturzyklus dort zu einem Ende, bekamen das die Exporteure in Europa und Asien zu spüren.

Dieses Mal soll es anders sein, erklären die Optimisten. Vor allem hätten sich die Volkswirtschaften Asiens so weit emanzipiert, dass ihnen nicht mehr viel passieren könne. Ihre Inlandsnachfrage sei inzwischen robust genug, um Rückgänge beim Export auszugleichen. Davon könnten dann auch wiederum deutsche Exporteure profitieren, die nicht mehr so sehr an den USA hängen, sondern sich nach Osten orientiert haben. Daran könnte etwas dran sein, allerdings erinnert die These doch all zu sehr an das „Diesmal ist alles anders“, das schon so oft in die Irre geführt hat.

Der britische Ökonom Paul Ormerod hat gezeigt, dass sich die Konjunkturzyklen in den großen Volkswirtschaften erst 1973 bis 2006 einigermaßen synchron verhalten. Da sich der Anteil des Welthandels an der weltweiten Wirtschaftsleistung immer noch weiter erhöht, kann man vermuten, dass die Zyklen in Zukunft eher noch stärker synchron gehen werden.

Abkopplung kann aber auch noch ganz andere Dinge meinen. So können sich Börsenkurse von der Realwirtschaft abkoppeln, oder auch der Energieverbrauch vom Wirtschaftswachstum. Auch diese Thesen sind jedoch umstritten. Wie bei vielen anderen Trends auch, kommt es eben auf den betrachteten Zeitraum an.

Wenn Sie einmal Volkswirte über Abkoppelungreden hören, dann fragen Sie lieber nach: was soll sich denn wovon abkoppeln?

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