Startseite > Chefökonom > … flexicurity

… flexicurity

21. Mai 2008

Arbeitsmarktexperten bekommen feuchte Augen, wenn von flexicurity die Rede ist. Flexibilität und Sicherheit zu kombinieren – das klingt verlockend. Inzwischen ist das Konzept mehr oder weniger offizielles Programm der Europäischen Union. Und es gibt Länder, die das Konzept bereits verwirklicht haben.

*

Dabei klingt es ein bisschen nach der eierlegenden Wollmilchsau. Sollte es möglich sein, auf dem Arbeitsmarkt Flexibilität (flexibility) und Sicherheit (security) zu kombinieren? Handelt es sich doch dabei um offensichtlich unvereinbare Gegensätze. Das scheint nicht ganz zu stimmen.

Die Idee von Flexicurity ist es, Flexibilität mit Sicherheit zu verbinden, weil sie sich gegenseitig begünstigen. Flexibilität heißt in diesem Fall, dass es für Arbeitgeber einfach ist, Beschäftigte zu entlassen, und für Beschäftigte einfach, den Job (innerhalb des Unternehmens und in ein anderes) zu wechseln, sowie die Arbeitszeit auszuweiten oder zu reduzieren. Sicherheit heißt in diesem Fall, dass Beschäftigte nicht befürchten müssen, dass sie plötzlich Einkommen und Status verlieren können, wie das etwa in den USA in der Regel der Fall ist.

Arbeitsmarktexperten verweisen auf das Beispiel Dänemark. Hier herrscht ein hohes Maß an Flexibilität derart, dass es keinen wirklichen Kündigungschutz gibt. Statt dessen bekommen Entlassene eine hohe Arbeitslosenunterstützung und zudem viele Möglichkeiten der Fortbildung. Diese drei Elemente machen den Kern der Idee der flexicurity aus: kein Kündigungsschutz, hohe passive Arbeitsmarktausgaben und eine aktive Arbeitsmarktpolitik samt lebenslangem Lernen. 

Die Folge ist, dass die Dänen laut Umfragen ein komfortables Gefühl der Beschäftigungssicherheit empfinden – ohne Kündigungsschutz. Statt Arbeitsplatzsicherheit gibt es Beschäftigungssicherheit, weil die Chancen, nach einer Entlassung einen neuen Job zu finden, sehr hoch sind und die Zeit der Überbrückung nicht besonders weh tut. Die Arbeitslosenquote lag in Dänemark im Februar 2008 bei 3,1 Prozent.

„Erfunden“ wurde die Kombination von Flexibilität und Sicherheit Mitte der 90er Jahre in den Niederlanden, die damit ähnliche Erfolge erzielt haben wie die Dänen: ein hohes Beschäftigungswachstum und hohe wirtschaftlicher Dynamik. Hier war es vor allem die Teilzeitarbeit, die den Arbeitsmarkt flexibler machen sollte, indem ein schrittweiser Ein- und Austritt in den Arbeitsmarkt möglich werden sollte.

Wenn Sie in Zukunft das Wort flexicurity hören, können Sie immer gut einwerfen: In Dänemark mag das ja ganz gut funktionieren, aber ist das auch übertragbar?

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: